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Benehmen auf Campingplätzen

Was gehört sich und was nicht?

Stellplatz Knigge Foto: Andreas Becker, Archiv 10 Bilder

Ruhestörung, Unordnung oder tobende Hunde: Auf Campingplätzen gibt es so manches, was dem ein oder anderen die Zornesröte ins Gesicht treibt. CARAVANING hat nachgehakt.

13.07.2018 Anne Mandel

Ein Reiseverbot für Rentner am Wochenende, verpflichtende Benimmkurse für Camper, eine Begrenzung der Hundezahl pro Caravan und Campingplatz – runzeln Sie auch gerade die Stirn? Was sich wie der Wunschzettel einer ziemlich spaßbefreiten Person liest, sind Vorschläge zur „Verbesserung“ der Situation auf Campingplätzen, die die Redaktion tatsächlich in Form von Leserbriefen erreichen.

Schön bei der Vielzahl an Online-Kommentaren und Zuschriften zu diesem Thema: Es sind nicht nur „Schauergeschichten“, die die Redaktion erreichen, sondern auch einige durchweg positive Erfahrungen mit den Campingplatznachbarn. Dass sich Lob und Tadel nicht die Waage halten, mag wohl auch daran liegen, dass viele Menschen grundsätzlich erst dann zum Stift respektive der Tastatur greifen, wenn sie sich über etwas ärgern. Positive Erlebnisse nimmt man hingegen oft einfach hin.

Das eigene Verhalten wird stets als korrekt empfunden

Das Verhalten und das Miteinander auf Campingplätzen ist ein Thema, das offenbar viele CARAVANING-Leser umtreibt. Das zeigt neben den Leserbriefzuschriften nicht zuletzt auch die äußerst rege Beteiligung an einer von der Redaktion gestarteten Campingplatz-Knigge-Umfrage auf Facebook und caravaning.de: Innerhalb weniger Tage hat die Teilnehmerzahl den vierstelligen Bereich erreicht. Was wir wissen wollten: Wie bewerten die Caravaner das Miteinander auf Campingplätzen und die Entwicklung desselben in den letzten Jahren. Und wie schätzen sich die Camper selbst ein? Knapp zwei Drittel aller Umfrageteilnehmer denken von sich selbst, dass sie sich stets korrekt verhalten, und ein gutes Drittel räumt ein, auch mal ein Auge zuzudrücken. Kaum verwunderlich: So gut wie niemand wollte sich zu der Aussage hinreißen lassen, sich im Urlaub total danebenzubenehmen.

Camping Knigge Foto: Andreas Becker, Archiv
Ob auf der grünen Wiese oder auf parzellierten Stellplätzen: Einen gewissen Abstand zum Campingplatznachbarn wünschen sich die meisten Camper.

Obwohl sich der Großteil also selbst gutes Betragen attestiert, weicht die Wahrnehmung des Verhaltens der anderen davon ab: Knapp die Hälfte der Teilnehmer (47 Prozent) sind der Meinung, dass der Umgang auf Campingplätzen in den letzten Jahren schlechter geworden ist. Torsten Schaefer kommentiert das bei Facebook folgendermaßen: „Hilfsbereitschaft und Rücksichtnahme haben in 30 Jahren Campingleben deutlich nachgelassen. Ich kann mich noch prima an die ersten Jahre mit dem Wohnwagen erinnern: Da gab es noch keinen Mover, und wenn man irgendwo angekommen ist, dann sind sofort viele fleißige Hände zum Schieben da gewesen. Wer heute ohne Mover kommt, muss zusehen, wie er seinen Wohnwagen geschoben bekommt.“

Rund 43 Prozent finden, dass der Umgang gleich geblieben ist, nur zehn Prozent sind der Meinung, dass er sich gebessert habe. Dennoch: Nach der Beurteilung des Status quo gefragt, sind satte 84 Prozent der Befragten der Ansicht, dass das Miteinander auf Campingplätzen immerhin gut oder befriedigend ist.

Häufigster Aufreger: Lärm

Woran sich Camper stören, haben wir auch abgefragt. Auf Platz eins landet dabei mit deutlichem Abstand Lärm. Der Fernseher gehört für viele Caravaner zwar einfach mit dazu. Worüber sich aber doch einige Umfrageteilnehmer ärgern, ist die platzweite Beschallung mit einem laut eingestellten TV-Programm oder einer aufgedrehten Stereoanlage. Auch lautes Türenschlagen, vor allem in den Abend- und Nachtstunden, stößt auf wenig Gegenliebe. Einen schlechten Ruf haben diesbezüglich Besitzer von Kastenwagen – das saftige „Ratschbumm“ der Schiebetür bringt so manchen Camper auf die Palme. In ihrer Nachtruhe gestört fühlen sich einige Umfrageteilnehmer aber nicht nur von zugeschlagenen Aufbautüren, sondern auch von abends Ankommenden, die dann laut und langwierig einparken.

Beim An- und Abfahren entsteht für den Geschmack vieler Campingplatzgäste zu viel Krach. Ein Umfrageteilnehmer schreibt dazu: „Ich bin gerade auf einem Campingplatz in Holland an der See. Jeden Abend kommen die Wohnmobile an und stören die Ruhe. Morgens ab 7 Uhr wird dann laut Musik gespielt und das Wohnmobil wieder mit viel Krach fertig gemacht.“

„Behandle andere so...“

Als zweithäufigstes Ärgernis auf Campingplätzen wurde bei der Umfrage die „Rücksichtslosigkeit anderer Gäste“ genannt. Darunter fallen zum Beispiel Camper, die bis in die Puppen feiern, auch übermäßiger Alkoholkonsum wurde diesbezüglich bemängelt. Ein Umfrageteilnehmer sieht dieses Problem vor allem in Form von Jugendgruppen, die sich nicht zu benehmen wüssten. Einen anderen bringt in Rage, wenn er Freisteher sieht, die einfach die Infrastruktur des Campingplatzes mitbenutzen.

Auf Facebook resümiert „Brigitte-Ralf Bergs“: „Es ist sehr schade, dass das Verhalten mancher Camper zu wünschen übrig lässt. Es wird nicht mehr gegrüßt. Teilweise wird kreuz und quer ohne Rücksicht über den Stellplatz gelaufen.“ Dieser Ansicht sind auch andere Umfrageteilnehmer, die sich über Camper ärgern, die ohne Not über die Campingplatzparzelle von anderen Gästen spazieren.

„Ich glaub, mein Schwein pfeift“

Dreckige Sanitäranlagen landen auf Platz drei der meistgenannten Ärgernisse. Ein Umfrageteilnehmer schreibt empört: „Ich ärgere mich, dass viele Menschen die Sanitäranlagen hinterlassen, als wären sie im Schweinestall groß geworden!“ Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen, denn die Grundlagen der Hygiene sollten wirklich jedem vertraut sein – und danach zu handeln eine Selbstverständlichkeit sein. Das gilt natürlich auch für die Platzbetreiber, die für eine regelmäßige Reinigung sorgen müssen. Dass dem offenbar nicht so ist, ist zwar kein rein campingspezifisches Problem, tritt hier aber gehäuft zutage.

Camping Knigge Foto: Andreas Becker, Archiv
Unser Model zeigt, wie man es nicht macht: Toilette einfach in die Büsche kippen.

Ein weiteres Ärgerthema ist das unsachgemäße Entsorgen von Grauwasser und des Inhalts der Kassettentoilette. Für beides gibt es ausgewiesene Entsorgungspunkte, und man kann sich nur wundern, dass diese Information bis heute offenbar nicht bei allen Campern angekommen ist. Immer wieder schreiben uns Leser, die mit ansehen mussten, wie jemand aus Bequemlichkeit, Zeitnot oder schlichtweg Unwissenheit sein Abwasser auf der Parzelle ablaufen lässt oder die Toilettenkassette in den Gulli kippt und sie anschließend zu allem Überfluss auch noch mit dem Frischwasserschlauch auswäscht.

Öfter mal eine Runde Gassi gehen

Hunde und der Umgang der Besitzer mit ihnen belegen Platz vier der Ärgernisse auf Campingplätzen, obgleich sich bei diesem Thema die Geister erfahrungsgemäß scheiden. Während die Fraktion der Hundeliebhaber großzügig über frei laufende Hunde auf dem Campingplatz hinwegsehen kann, fühlen sich die weniger Hunde-affinen Camper gestört. Bellen die Vierbeiner dann noch oder hinterlassen gar Tretminen, die die Besitzer nicht wegräumen, wird der Graben zwischen den Parteien noch tiefer. Gegenseitige Rücksichtnahme ist hier gefordert.

Für Hundebesitzer sollte es selbstverständlich sein, ihre Hunde nicht über den Platz streunen zu lassen. Auch die Entsorgung der Hinterlassenschaften der Tiere gehört dazu. Im Gegenzug können aber auch die hundefrei Reisenden etwas Großmut beweisen und über gelegentliches Bellen hinwegsehen. CARAVANING-Leserin Monika Pace-Baumgartner kommentiert das Thema Hund auf Facebook so: „Uns fällt immer wieder auf, dass sich die meisten Hundehalter nicht dazu bequemen, ihre Hunde vom Gelände zu führen, um ihr Geschäft zu verrichten. Ich kann Platzbesitzer absolut verstehen, die keine Hunde erlauben.“

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Ein besseres Miteinander gewünscht

Für Verstimmung sorgt auch Platz fünf der Ärgernisse: überhebliche Reisemobilfahrer. Ein Umfrageteilnehmer schreibt dazu: „Mich stört am meisten das Verhalten einiger Wohnmobilfahrer, die sich mit ihrem Fahrzeug hinstellen, wo es ihnen gerade passt – ohne Rücksicht auf andere Camper! Gerade habe ich das im Urlaub erlebt: Ein schöner Wohnmobil-Stellplatz ist vorhanden, aber nein, die Superreisenden müssen sich zwischen die Wohnwagen stellen und uns die Aussicht auf das Meer blockieren, die man als Wohnwagen-Camper eh recht selten hat.“

Sandro Larocca schreibt dazu auf Facebook: „Ich finde, die feinen Wohnmobilbesitzer könnten freundlicher sein.“ Und ein weiterer Umfrageteilnehmer ärgert sich über „unfreundliche Wohnmobilisten, die nicht grüßen und die Regeln auf Stellplätzen nicht beachten“. Ob es tatsächlich immer nur die Reisemobilfahrer sind, die unfreundliches Verhalten an den Tag legen, kann man bezweifeln. Tatsache ist aber, dass sich offenbar viele Camper ein besseres Miteinander wünschen – unabhängig ob Zeltcamper, Caravaner oder Reisemobilfahrer. Klar, das Miteinander auf Campingplätzen hält einigen Zündstoff bereit. Von wirklich unnötigen Dingen wie verschmutzten Sanitäranlagen oder absichtlich falscher Entsorgung einmal abgesehen, lässt sich vieles aber mit ein bisschen gutem Willen und Toleranz dem Stellplatznachbarn gegenüber aus der Welt schaffen.

Camping Knigge Foto: CARAVANING
Bei Facebook wurde das Thema Campingplatz-Knigge heiß diskutiert.

Neben kleineren Reibereien hält der Campingplatz aber auch viel Potenzial für positive Erlebnisse bereit. Dieser Meinung ist auch Claudia Hiermann auf Facebook: „Bisher haben wir nur positive Erfahrungen gemacht. Ich denke, wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.“ Und „AnneR“ schreibt: „Ich habe ja noch nicht viel Erfahrung mit Stell- und Campingplätzen – wir sind erst seit rund vier Wochen unterwegs –, habe aber noch nicht eine schlechte Erfahrung mit den Nachbarn gehabt. Das genaue Gegenteil war der Fall: Alle waren freundlich und hilfsbereit, wir hatten gute Gespräche. Wat will man mehr?“

Do’s

  • Entsorgen Sie Müll in den dafür vorgesehenen Behältern
  • Leinen Sie Hunde an, und entsorgen Sie die Hinterlassenschaften
  • Verschließen Sie nach der Entsorgung den Ablasshahn, damit Sie keine Wasserspur hinter sich herziehen
  • Ein freundlicher Gruß in Richtung Stellplatznachbar gehört zum guten Ton

Dont’s

  • Stellen Sie keine selbst gemachten Absperrungen auf
  • Beschallen Sie nicht den ganzen Platz
  • Nicht quer parken: Beachten Sie vorhandene Parkmarkierungen
  • Spülen Sie die WC-Kassette nicht am Frischwasserhahn aus
  • Entsorgen Sie den Toiletteninhalt nicht in einen Regenwassergulli
  • Parken Sie nicht übertrieben nah am nächsten Caravan: Eine Fahrzeugbreite Abstand sollte sein
  • Vermeiden Sie lautes Türenschlagen oder -zuziehen, vor allem nachts

Fazit

Leben und leben lassen: Wo Menschen aufeinandertreffen, gibt es naturgemäß Konfliktpotenzial. Gegenseitige Rücksichtnahme sollte da selbstverständlich sein. Wenn nicht, hilft nur eins: Die Kirche im Dorf lassen, sich nicht an den Verfehlungen der Stellplatznachbarn abarbeiten und ruhig mal einen Gang runterschalten. Ist ja schließlich Urlaub. Und wenn etwas wirklich ganz furchtbar stört, hilft meist ein freundliches Gespräch – nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern von Camper zu Camper. Denn schließlich sind wir doch alle Fans dieser großartigen Urlaubsform. Wäre doch gelacht, wenn man da nicht zusammen auf einen grünen Zweig kommen könnte.

Neuester Kommentar

Als langjähriger Camper haben wir so unsere eigenen Erfahrungen machen können. Die angesprochenen Punkte welche als störend empfunden werden können wir nur zum Teil nachvollziehen und zustimmen. Immerhin gibt es ja auf jeden Platz eine Platzordnung welche befolgt werden sollte. Wird dagegen verstoßen hilft oftmals schon ein ruhiger Hinweis. Die nächste Instanz wäre dann ja eine Beschwerde ei Platzinhaber welcher doch interessiert sein sollte die Platzordnung einzuhalten. Oftmals sind es aberkleinigkeiten über die man als Camper hinwegsehen kann da es sich hier um einen Urlaub handelt dem man keine absolute Privatsphäre erwarten sollte. Wer absolute Ruhe am Abend sucht sollte doch lieber zurück ins Hotelzimmer gehen wo ja erfahrungsgemäß die meisten Nörgler und "Dreckschweine" herkommen. Wir schreiben daß da mit der Modeerscheinung Camping immer mehr Hotelurlauber sich die schickst und teuerste Campingausrüstung inklusive Wohnmobil oder Caravan zulegen und meinen das sie nun Camper seien. Nicht nur dass sie sich schon auf der Autobahn daneben benehmen nein auf dem Campingplatz sind es Dan auch die größten Trampeltiere und meinen dass hier auf dem Platz auf grund ihres angeblichen Materiellen Vorteils der Platzhirsch sind. Das funktioniert im Hotel vielleicht mit einem teuren Abendkleid, auf dem Platz hingegen sind diejenigen welche man belächelt und versucht zu ignorieren.es sind genau die Urlauber, wir weigern uns diese als Camper zu bezeichnen, die diese ganzen Kritikpunkte hervorrufen und sogar auch noch selbst beschweren.
Die langjährigen, echten Camper leben einfach mit den völlig normalen Gegebenheiten welche nun mal schon von jeher auf den Plätzen vorkommen. Sicher gibt es Beschwerden wenn mal die sanitären Anlagen nicht so sind wie man es gern hätte aber im großen und ganze sollte man doch den Ursprung des campens beibehalten und seine Anforderungen einfach mal etwas flacher halten. Wer einen Campingurlaub plant sollte sich doch schon mal im Vorfeld über Plätze informieren. So muss sich zum Beispiel eine Schickimicki-Familie im Gästebuch nicht über fehlenden Luxus oder Unterhaltung beschweren nur weil sie dummerweise auf einen Naturcampingplatz gelandet sind.
Wir sind Camper weil wir beim campen die Chance bekommen dem alltäglichen zu entfliehen. Egal ob wir mit einem kleinen Dreimannzelt auf Kajaktour sind, uns mit einem kleinen Familienzelt auf dem Platz erholen oder wir es uns mit dem Kleinbus und großen Buszelt richtig gut gehen lassen. Leider ist der Erholfaktor Danke des Campingboom immer geringer. Wir lieben dennoch diese Unspießigkeit aller echten Camper.

Napoleonu 14. Juli 2018, 12:32 Uhr
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Heft 7 / 2018 12. Juni 2018 90 Seiten Heftinhalt anzeigen
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