Campingplatz-Tipp Elsass

Camping Ferme des Tuileries

Foto: Foto: Volker Hammermeister 11 Bilder

Elsass pur: Camping „La Ferme des Tuileries“ steht für deftige Kost direkt vom Erzeuger.

Wer bei Familie Roettele in Rhinau südlich von Strasbourg auf den sehr ruhigen Platz in der Rheinebene rollt, hat keine Versorgungsprobleme.Zwar ist der nächste Supermarkt einen halben Kilometer entfernt, aber das „Ferme“ (Bauernhof) im Namen lässt schon hoffen, dass es hier auch etwas Besseres zu beißen gibt.

Tatsächlich quieken in den Ställen 50 Schweine, Esel dösen in der Sonne, und Hühner picken am trockenen Brot, das Kinder mit Begeisterung und ohne Pause über den Zaun werfen. An der Rezeption werden Köstlichkeiten eigener Provenienz gut sichtbar aufgefahren: Schinken, Salami, Dosenwurst, Sülze, Grillfleisch, frische Brezeln oder Marmelade und Nudeln mit hohem Eigehalt aus Eigenproduktion.

Wem die Kocherei zu viel wird und wer den Küchendunst in den eigenen vier Wänden vermeiden möchte, besucht den so genannten Kiosk. Dabei handelt es sich eigentlich eher um eine Art Cafeteria in einer großen Halle mit Bierbänken, wo einfache Gerichte à la Schnitzel mit Pommes zu zivilen Preisen angeboten werden. Damit nicht genug, am Wochenende glüht der Holzofen ein paar hundert Meter entfernt in der Route de Friesenheim.

Im ehemaligen Bauernhof der Großeltern, der an den vielen parkenden Autos leicht zu erkennen ist, steht der Senior Alfred in der Küche und produziert Flammkuchen in Serie. Der Guss ist ein Geheimrezept. Aber aufgepasst: Das authentische Vergnügen beginnt schon um 18 und der Ofen erlischt bereits gegen 22 Uhr – je nach Publikumsansturm, aber auf jeden Fall früher, als es der Tourist erwartet.

Die Familie Roettele umfasst fünf Mitglieder: Senior Alfred und Annmarie, die Söhne Erwin und Jean-Paul und die Schwiegertochter Angelique. Zusammen mit ihren Angestellten sind sie nicht nur in der Lebensmittelproduktion autark, sie erzeugen auf den eigenen Feldern auch das Futter für ihre Tiere. Alles wird verwertet, auch die getrockneten Reste des Mais. Die wandern mit der Tiefladerschaufel in eine Schütte – allerdings nur im Winter – und rutschen von dort in den zentralen Heizungsofen, der sonst Holzhackschnitzel verwertet. „Das ergäbe im Sommer zu viel Asche“, meint Alfred Roettele, „und das mag kein Gast.“

In der betriebseigenen Schmiede stellt der Familienclan unter anderem Straßenlaternen her, die den Platz beleuchten. Nebenan in der Schreinerei entstehen Möbel – aus eigenem Holz natürlich, wie auch die fünf Chalets im Blockhausstil, die seit letzter Saison Urlauber beherbergen, die ohne eigene Campingausrüstung reisen wollen. In riesigen Hallen warten Laster, Bagger und anderes schweres Gerät auf ihren Einsatz.

Dabei merkt der normale Campinggast nichts von dieser Betriebsamkeit. Er genießt das blumengeschmückte, liebevoll angelegte, völlig ebene Gelände. Bäume spenden Schatten. Die Kinder toben im platzeigenen künstlichen Badesee mit Wasserrutsche. Fragt sich wirklich noch jemand, wer den ausgehoben hat?

Wer meckern will, kann sich vielleicht über die teilweise etwas einfachen Sanitärblocks aufregen, die aber sehr sauber sind und ihre Funktion erfüllen. Schließlich zählt auch der Übernachtungspreis. Und damit liegt Rhinau eindeutig am unteren Ende.

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