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CARAVANING Trends 2018

Caravan-Highlights für die kommende Saison

Dethleffs Coco Innen Foto: Fotos: Ingo Wagner, Hersteller 16 Bilder

Neben superleichten Wohnwagen wird die Saison 2018 geprägt von prall ausgestatteten Import-Fahrzeugen aus England und Frankreich. Eine persönliche Trend-Analyse von Chefredakteur Ingo Wagner.

19.09.2017 Ingo Wagner

Was ist die Sensation des Caravan-Jahrgangs 2018? Bis vor kurzem wäre die Antwort kurz ausgefallen: der neue Knaus Deseo. Punkt. Kurz nach dem Caravan Salon 2017 in Düsseldorf, möchte ich die Antwort um ein paar Marken und Modelle erweitern.

Trend 1: Leichtbau dank neuer Materialien und Grundrisskonzepte

Freilich bleiben der neue Wohn-Transporter Knaus Deseo und sein bereits 2016 präsentierter Bruder Travelino mit ihrer selbsttragenden, leichten Rahmenbauweise DIE Highlights. Kein anderer Hersteller nimmt, falls sich die neue Aufbau- und Produktionstechnik durchsetzt, so großen Einfluss auf die Zukunft des Caravans.

Premiere Knaus Deseo 400 TR (2018)Revolutionärer Wohn- und Transport-Caravan

Aber warum sollte sie das auch nicht? Verspräche man mir Caravans mit mehr Stabilität und weniger Gewicht zu akzeptablen Preisen – Deseo und Travelino sind ja nur die Vorhut für ein breit aufgestelltes Programm –, könnten mich nur grauenhaftes Design und verquere Grundrisse abschrecken. Beides ist nicht zu befürchten.

Auf dem Caravan Salon 2018 präsentierte sich ein Wohnwagen, der mich fasziniert, obwohl sein Name im ersten Moment mindestens irritiert: Dethleffs Coco. Er wirkt alles andere als verspielt. Der Name leitet sich vom englischen Begriff Cocooning, neudeutsch für „es sich auf kleinem Raum gemütlich machen“ ab. Dahinter steckt ein Konzept, das sich durch Variabilität und niedriges Gewicht profilieren soll – und so spannend ist, dass ich davon erzählen muss.

635 Kilo wiegt der zwar ohne Rahmen, jedoch aus einem leichten Alu-Dämmstoff-Alu-Sandwich aufgebaute Prototyp laut Dethleffs, das zulässige Gesamtgewicht wird 1100 Kilo betragen. So oder so stellt Dethleffs damit einen Caravan auf die Räder, der die Diskussion um einen Gespannführerschein (B96 oder BE) im Keim erstickt und exakt auf den Knaus Travelino zielt, der nun offiziell für 18 500 Euro in der Preisliste steht. Das Erstaunliche daran: Der Travelino wiegt 650 Kilogramm. Den Rest lesen wir nun aus spärlichen Zahlen, Zeilen, Innenaufnahmen und Zeichnungen heraus, bevor wir uns auf dem Dethleffs-Stand in Halle 11 am Objekt treffen.

Dethleffs Caravan-Neuheit 2018Klein, kuschelig, Coco

Gut zu erkennen ist, was Dethleffs unter einem modularen Innenraumkonzept versteht: Die L-Sitzgruppe im Heck wird von einer schmalen Bank ergänzt. Ein rollbarer Staukasten darunter schluckt das Bettzeug und dient als Unterlage für den Bettenbau. Die zwei Meter lange, wagenbreite Liegefläche erwächst aus Polsterteilen. Gewicht spart der Verzicht auf Sitztruhen. Deren Aufgabe übernehmen von Profilleisten gegen Herausrutschen gesicherte Textil-Faltboxen.

Dethleffs Coco 2017 Foto: Sophia Pfisterer
Dethleffs Coco

Links stößt die Längsbank an eine deckenhohe Möbelzeile mit doppeltürigem Kleider-/Wäscheschrank, gefolgt vom Kühlschrank, dessen Front auf das neue Kompressorgerät von Thetford hinweist. Stimmt das, muss der Coco mit einer Batterie ausgestattet sein. Zwischen Kühlschrank und Küche schiebt sich die Nasszelle. Der Küchenkorpus beherbergt rechts die Gasflasche(n) und stellt links drei Schubladen und einen Schrank für Ladung bereit. Oberschränke gibt es im Bug nicht, dafür ein Regal links neben der Eingangstür. Der Tisch ist verschiebbar, kann in Küchennähe also auch als Arbeitsfläche genutzt werden. Die beiden Hocker lassen sich an die Wand klappen. Das Truma-CP-Plus-Heizungsbedienteil in der Seitenwange des Kleiderschranks, der Therme-Schalter darunter sowie die Abstinenz eines Heizkörpers sind Indizien für den Einsatz der Truma Varioheat als Warmluftquelle – ebenfalls eine Parallele zum Travelino. Ob sie innen oder unter dem Wagenboden installiert wird, bleibt im Dunklen.

Für Helligkeit sorgt das Lichtband an der Wagendecke, das aus vier von einer durchgängigen Blende eingefassten Dachfenstern besteht. Verblendet und überdies von hochwertigen Plisseerollos verdunkelt werden auch die Seitenfester. Ganz klar: Der Coco wird kein Billigheimer, soll sich preislich zwischen C’Go und Camper einsortieren. Ich tippe auf 15.000 Euro Grundpreis inklusive der Möglichkeit, denselben mittels zahlreicher Goodies noch deutlich zu steigern. Einige davon hat Dethleffs im Prototyp, der übrigens nicht als Studie, sondern als Ausblick auf ein Serienmodell firmiert, eingebaut: flache Wandlautsprecher und eine ausrollbare Leinwand für den Beamer in einem der sieben Oberschränke. Zur sonstigen Bordtechnik schweigt Dethleffs noch. Nicht aber über das neue Stoffsegel, das sich um das Heck mit den abgerundeten Seiten herum ziehen lässt und so echtes Terrassenfeeling vermittelt. Ob das Wetterschutzdach in dem am Bug verschnürten Päckchen mitfährt? Ich bin gespannt!

Trend 2: Import-Caravans mit viel Ausstattung und ungewöhnlichen Grundrissen

Regen gehört zu England wie die Chips zum Fish, was direkt zu Lunar und damit zum Trend Nummer zwei führt: ungewöhnlich geschnittene, topausgestattete Importcaravans. Lunar verpflichtet sich englischen Traditionen. Das äußert sich nicht nur im Umstand, dass die fünf Baureihen auf sehr herkömmliche, jedoch leichte Weise mit Alu und Styropor gebaut werden, sondern auch in typischen Raumaufteilungen für gemütliche Stunden bei Regen – inklusive Tür auf der linken Seite. Mit diesen Merkmalen will die Marke, nach Sprite die zweite aus England, Treffer auf dem Kontinent landen. Mehr noch: Was die Briten in ihre Caravans packen, ist verblüffend.

Wohnwagen aus GroßbritannienDie beliebtesten Caravans "Made in GB"

Am meisten beeindruckt hat mich bei der Präsentation in Preston bei Manchester die neue Top-Baureihe Alaria. Die vier 2,50 Meter breiten Tandemachser sind vollgestopft mit Ausstattung. Für 41.700 Euro (alle Modelle) sind sogar elektrohydraulische Stützen an Bord. Standard sind auch Warmwasserheizung, TV-Gerät, Radio mit Lautsprechern, Vierflammkocher mit Ofen und Mikrowelle, Detektoren für Rauch und Gase, ein GPS-Tracker, ATC und einiges mehr. Für vollendeten Luxus fehlen nur Mover und Klimaanlage. Was das Raumgefühl angeht, sind englische Caravans dank ihres lichtdurchfluteten Bugs und der weitläufigen Sitzlandschaften ohnehin beeindruckend. Dass sich der Leichtbau in der Haptik des von Tecnoform zugelieferten Mobiliars bemerkbar macht, ist die Kehrseite der Medaille. Auch beim Finish würde ich mir persönlich ein wenig mehr Raffinesse wünschen. So werden beispielsweise Schrauben nur abgeklebt statt konstruktiv aus dem Blickfeld verbannt.

Größere Chancen im florierenden Caravanmarkt wittern auch die französischen Schwestermarken Sterckeman und Caravelair. Hier sind es aber nicht nur die baugleichen neuen Top-Modelle Sterckeman Alizé Evasion und Caravelair Allegra Home, die mit Reisemobil-Grundrissen und aufwendiger Bordtechnik (Truma Combi & mit iNet-Steuerung und vieles mehr) meine Aufmerksamkeit erregen, sondern auch die sich etwas zwischen die Einsteigerbaureihen Starlett und Antares versteckten, 16.790 Euro teuren Sondermodelle Evolution und Artica. Auch wenn die beiden mit zwei Grundriss-Klassikern starten (Querdoppelbett vorn, französisches Bett hinten), so ist das Ziel klar: Mit XPS-Schaum-gedämmten GfK-Aufbauten (inklusive Boden!) ein Feld einnehmen, das die etablierten Hersteller nicht (mehr) besetzen. Das Ganze garnieren die Franzosen mit 150-Liter-Kompressor-Kühlschubladen, Rahmenfenstern und moderner Einrichtung. Nicht ausgeschlossen, dass Evolution und Artica bald Starlett und Antares ersetzen, die mit Style Paket nur rund 1000 Euro günstiger sind.

Und dann sind auch wieder die etablierten Marken gefordert (Knaus ausgenommen), aus der Deckung zu kommen und wieder mehr Revolution als Evolution zu wagen.

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