Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Interview mit Holger Schulz von Hobby

Rückblick auf das vergangene Jahr

Holger Schulz Foto: Hobby

CARAVANING traf sich zum Interview mit Holger Schulz, dem Geschäftsführer von Hobby und sprach unter anderem über Erfolgsmodelle. Außerdem erzählt er von seinem ersten Jahr als Geschäftsführer. 

19.08.2016 1 Kommentar
Sie haben vor einem Jahr zusammen mit Michael Striewski die Geschäftsführung von Hobby übernommen. Wie hat sich das Unternehmen in dieser Zeit entwickelt? 

Wir sind mit der Entwicklung sehr zufrieden und können auf ein erfolgreiches erstes Jahr in dem neuen Team zurückblicken. Wir haben uns seinerzeit vorgenommen, "Hobby" behutsam weiterzuentwickeln und gemeinsam mit unserem Inhaber Herrn Harald Striewski "Fit für die Zukunft" zu machen. Die Zusammenarbeit mit den beiden Herren Striewski macht unheimlich viel Spaß, und unsere Kollegen bei Hobby ziehen natürlich toll mit. Viele der Maßnahmen greifen schon oder sind umgesetzt, bei anderen sind wir deutlich weiter als gedacht. Zudem haben wir neue Projekte am Start, die wir in der kommenden Saison angehen wollen. Dazu gehören auch anstehende Investitionen in unserer Fertigung am Standort Fockbek. 

Welches Modell ist der Bestseller bei den Caravans? 

Unsere neue Baureihe De Luxe Edition hat es unseren Händlern und Kunden in ganz Europa besonders angetan. Allen voran der 495 UL De Luxe Edition – mit Einzelbetten im Bug, dicht gefolgt von dem 460 UFe De Luxe Edition mit französischem Bett und externem Bad. Wir haben daraufhin unsere De Luxe Edition–Baureihe auf weitere Modelle in 2017 ausgeweitet. Wir freuen uns aber auch sehr, dass unsere Kinderbett-Grundrisse wieder deutlich mehr nachgefragt werden. 

In jüngster Vergangenheit war bei Hobby immer wieder von einer Qualitätsoffensive die Rede. Wie wirkt sich das in der Praxis für die Kunden aus? 

Es geht nicht nur um eine Qualitätsoffensive. Die Anforderungen unserer Kunden in puncto Ausstattung, Design und Technik wachsen ständig, erfordern damit neue Herangehensweisen an die Produktentwicklung und -konstruktion. Die Qualitätssicherungsmaßnahmen, aber auch die Prüfverfahren vor, in und nach dem Produktionsprozess müssen permanent modernisiert und auf Stand gehalten werden. Hier gehören die eigenen Abläufe im Unternehmen und die gute Ausbildung unserer Mitarbeiter genauso dazu wie die Lieferanten- und Materialkontrollen oder die Qualifizierung unserer Handelspartner. 

Neuester Kommentar

Eine Nachricht persönlich an Herrn Schulz / Hobby in Fockbek, der nun noch neu im Amt ist und dessen erste Auswirkungen wir sogleich auf dem CSD 2017 massiv spüren konnten.

Eine Abrechnung anderer Art, die sich der Herr Schulz gefallen lassen muss:

Auf der Promobil Seite wurden die Auswertungen des Verbandes für September 2017 (Verkaufsstatistik) vorgestellt.

Keine Ahnung, ob seitens der Hersteller überall Berichte / Beiträge / Kommentare gescoutet werden, aber Hobby hat es in diesem Jahr getoppt - negativ!

Zum HIntergrund:

Wenn man die aktuellen Marktdaten genauer analysiert (Infos zum Download beim Verband), dann kann man den Zuwächsen bestimmte gesellschaftliche Mechanismen zugrunde legen.

Zusätzlich kann man nochmal genauer darauf eingehen, mit welchen Zuwachsraten anteilig derzeit die Kastenwagenbranche in die Bücher eingeht - auch wenn es hier auf der Caravaning.de Seite primär um Wohnwagen gehen soll. Herr Schulz verantwortet GESAMT Hobby in Fockbek.

Anzeichen als Ursache für Zuwachsraten (etwas enger am Bereich Reisemobile erklärt):

Als Reaktion konnte man 2017 sehr gut erkennen, dass Hersteller das Jahr genutzt haben, um flächendeckend den Schritt zu neuen hochmodernen Innenraumdesigns zu gehen. Um nur wenige zu nennen, so haben beispielsweise Knaus mit der L!ve Reihe, BoxDrive 'Reihe', oder auch Adria mit der neuen Sonic Reihe und der komplett überarbeiteten Twin Reihe (ebenso viele viele mehr) erstmals gezeigt, dass rötliches Kirschenholzfurnierimitat und Raffgardinen ab 2018 nicht mehr akzeptabel scheinen.

Es kommt Lounge Design zum Tragen: extrem harmonisch abgestufte Naturtöne mit matten Oberflächen zwischen Nussbaum, Esche und Birke. Verkleidete Wandkulissen, mit Ausschnitten für dahinter liegende Fensterrahmen inkl. indirekter Beleuchtung hinter den Verkleidungsausschnitten. Am Boden bei immer mehr Herstellern eine Schiffsplankenoptik - zu finden bei ebenfalls Knaus (Sky i / Sun i, BoxStar, BoxDrive etc), bei Adria Twin & Co. aber auch bei Style Primus HymerCar, der den Hymer Wohnmobilen in Sachen Design & Lifestyle einiges voraus hat.

Besonderes Anzeichen ist der erwachte Mut, auch fernab der alten Alkoven Modelle immer mehr auf drei Elemente zu setzen:

- Hubbetten in zunehmender Zahl und vermehrt kompakten Modellen aller Bereiche
- ungewöhnliche Lösungen für Küchen, Bad oder Stockbetten im Heckbereich
- Aufstelldächer für immer mehr Kastenwagenhersteller - übrigens auch bei Caravans

Ebenso ist eine deutliche Zunahme der Fokussierung auf kompakte Längen zu verzeichnen. Immer mehr Kastenwagenhersteller haben bis zum CSD 2017 ihre Modelle mit den modernsten Lösungen bevorzugt auf der 5,40m Plattform des Ducato gezeigt!
Gleichzeitig war ein kleiner aber feiner neuer Trend die Verstärkung der superkompakten Integrierten, da diese - anders als Teilintegrierte unter 6m - nicht zu sehr mit Kastenwagen konkurrieren: Hymer hat mit der enorm überarbeiteten Exsis i Reihe gezeigt, dass man gleich mehrere Modelle im superkompakten Integriertensegment launchen wollte.

Warum passiert dies wohl alles?

Welche Käuferschicht könnte wohl derart in den Startlöchern stehen, damit Hersteller sowas machen?

Denkpause für Herrn Schulz...

Auflösung: Geht man bei Marktforschung mit anthropologischen Erkenntnissen aus 2017 vor, so kann man sehen, dass die Generation zwischen 30ern und 40ern der neue Hauptanteil derer sind, die dieses hier beschriebene Wachstum generieren!

Es sind Familien. Ja, mit Kindern. Es sind Menschen, die in der Natur sein wollen - deren Leben offen ist.
Und sie wollen die neue Idee des mobilen Freizeitgedankens mit großer Unabhängigkeit, Freiheit und Spontaneität leben. Dazu gehört, dass Kinder mitkommen können. Und dazu gehört, dass die Fahrzeuge auch für die Nutzung im Alltag fit sind.

Hobby hat auf dem CSD 2017 etwas G A N Z anderes gezeigt! Dank Herrn Schulz als erste Tat.

Hobby ist der Ansicht, dass eine massive Modellkonsolidierung her musste. Es wurden die meisten kompakten Modelle gestrichen. Was? Genau, sie wurden aus dem Programm genommen. Gleich zunächst der berühmte Mini Alkoven für eine dennoch volle Familie - der A 55 GS - wurde von einem offensichtlich richtig begabten Experten gestrichen. Eigentlich würde seine Zeit mit entsprechendem Marketing erst jetzt richtig kommen.

Die Kastenwagen Modellreihe wurde auf nur noch 4 Modelle gekürzt, der 540er ist gestrichen. Das Raumbad ist gestrichen. Ebenso - und im Gegensatz zu all denen, die bis 2017 endlich zugunsten der Familien das Aufstelldach für die Ducatos eingeführt haben (VanTourer, Westfalia, Schirner, Pössl, Globecar, HymerCar etc.) - baut Hobby die Kastenwagen ausschliesslich mit einem Bett für offensichtlich ältere Paare. Keine Stockbetten. Auch und nicht mal eine Umbaulösung für die Dinette.

Also könnten selbst die verbleibenden kaufkräftigen Senioren bei Hobby nicht mal ihre Enkel mitnehmen.

Den Rückgang zuvor dürfte man in Fockbek bereits im vergangenen Jahr bemerkt haben, da Hobby wirklich an jeder Markterfordernis zuverlässig ohne Berührung vorbei schlitterte. Als Reaktion kam Schulz und der setzt genau mit dem falschen Hebel an. Wenn etwas schlecht läuft, kann man A) entweder den Weg korrigieren oder B) das schlecht laufende Element einfach auslöschen und ihm die Chance verwehren, die es zuvor gebraucht hätte und nie bekommen hat aufgrund eines bisher fragwürdigen Weges.

Schulz streicht nach klassischer Lehre einfach alles, was ihm persönlich überflüssig scheint. BWL nach Lehrbuch, Teil 1 für Anfänger aus dem Kapitel: Unternehmensberatung. Kosten senken.

Dass man in dieser Branche richtig gut sein können muss und mit Respekt an leistungsfähige Lösungsansätze heran gehen muss, scheint der Holger Schulz nicht verstanden zu haben.

Wenn sich bestimmte Fahrzeugkonzepte nicht gut genug verkaufen, könnte das ev. auch daran liegen, dass das Marketing nicht gut genug war. Dass das Fahrzeug noch nicht ausgereift genug war. Dies könnte man lösen und so in die Gewinnzone fahren.

Man kann aber auch einfach alles zusammenstreichen.

Nein, so kennt man Hobby nicht. Das ist nie die Genetik von Hobby gewesen. Und die Konsolidierung passt nicht zur emotionalen Kampagne 'Weisst Du noch wie schön die Erlebnisse mit Hobby früher waren'.

Die Kuppe von allem also ist, dass man als Konsequenz eben nicht nacharbeitet und erwacht, sondern dann dem Ganzen auch noch trotzig den Rest gibt und am Ende dann noch die kompakten Lösungen zerstört.

Nachvollziehen kann man das ganze dann leider noch anhand der 2017 vorgestellten Innenraumdesigns:
Ultrahochglanzflächen und Chrom Griffe wohin man blickt - farblich in superschweren Tönen und Kontrasten, die man leider zu sehr aus einer anderen beruflichen Sparte kennt, in der es hauptsächlich um Trauer geht!

Fazit: Wer 2017 noch meint, Design - gerade innenarchitektonisches Design - könne man durch eine hemdsärmelige Eigenauswahl an Stoffen und Lacken auf Ebene der Geschäftsführung selbst entscheiden, der hat verloren.

Die Presse wird lächelnd neben Ihnen stehen, wenn Sie Herr Schulz es begriffen haben und Familie Striewski Sie zum Gespräch bittet. Es steht heute alles hier und kann bereits heute verstanden werden.

Markenbereiche wie gerade HymerCar, Niesmann + Bischoff, Knaus etc. beschäftigen ganze Designabteilungen (intern / extern), um hier dem Marketing das Handwerkszeug und dem Kunden seine Wünsche zu geben.

Ebenso zählt das richtige Marketing selbst zur Pflicht. Wenn sich zum Beispiel ein Hobby A 55 GS nicht gut genug verkauft, dann ist und wäre es modern zu erkennen, dass dies nicht unbedingt an idesem Fahrzeug liegen muss! Ihr Alkoven sind ohnehin kalkulatorisch im oberen Segment der Masse angelegt und werden es gegenüber Lösungen wie Sun Living 2018 & Co schwer haben. Da wäre es schlau, eine von den extrem begehrten <6m Alkoven (unter 6m Länge) beizubehalten und diese in ihren Eigenschaften zu bewerben.

Ich persönlich spüre Bedauern um die großartige Marke, die nach und nach ihren Charakter für Innovation, Mut, Kinderfreundlichkeit und Unternehmungslust abgibt.

Ja, es gibt seit dem Wechsel tatsächlich diese starke Werbekampagne von Hobby wie oben erwähnt - nach dem Tenor: Weißt Du noch, wie schön es früher mit Hobby war?

Nochmal: Ungeschickt ohne Ende jedoch, dass man kontrovers dazu genau die passenden Fahrzeuge, die all das noch ermöglicht hätten, fristgerecht gestrichen hat.

Das ergibt keinen Sinn.

Und ich denke, es wird Zeit für den 75-jährigen Harald Striewski, endlich abzutreten, WENN dies das Ergebnis der Erkenntnisse sein soll. Und das meine ich ergänzend in einer Form, wonach sich Herr Striewski nicht hätte auf den taktischen Schritt mit Herrn Schulz einlassen sollen.

Diana van Heide 12. Oktober 2017, 11:22 Uhr
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
CARAVANING Cover Juli 2016
Heft 8 / 2016 12. Juli 2016 Heftinhalt anzeigen
Sponsored Section