Preise früher und heute

Preise früher und heute Caravans sind teurer geworden

Alles wird immer teurer. Und früher war alles besser. Sprüche vom Stammtisch oder Wahrheiten? CARAVANING schickte Redakteur Tibor auf Spurensuche: Wie haben sich Preise und Gehälter in den letzten 50 Jahren entwickelt?

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Vor 50 Lenzen, im Jahr 1973, wurde das Durchschnittsentgelt auf 18.295 D-Mark beziffert. Dieses wird von der Deutschen Sozialversicherung errechnet und bezeichnet den Mittelwert der Einkommen aller Versicherten in einem Jahr. Es ist eine statistische Größe und als solche nicht zu einhundert Prozent wahrheitsgetreu, aber ein guter Anhaltspunkt.

Doch allein sind solche Werte meist trocken und schwer zu verstehen, deshalb möchte ich einen zweiten dazustellen: 1973 kostete ein Eriba Familia, der kleinste Wagen der Touring-Baureihe, in Grundausstattung 6.895 D-Mark. Vom durchschnittlichen Nettoeinkommen konnte sich der Otto-Normal-Camper also 2,65 Tourings kaufen.

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Windschnittigkeit war schon damals ein wichtiger Faktor.

Klar, diese Rechnung basiert auf einer Statistik und nicht auf der Realität der einzelnen Menschen oder Familien. Deshalb könnte ein hoher Bankangestellter sicher auch vom Weihnachtsgeld einen Wohnwagen gekauft haben, während er für andere vielleicht immer das unerreichbare Fahrzeug der Träume blieb.

Ein Vergleichswert hilft, den Preis des Eriba Familia einzuordnen: ein wesentlich größerer, aber herkömmlicher Wohnwagen, zum Beispiel der Tabbert Baronesse 550, machte einen um 12.950 D-Mark ärmer. Von ihm konnte man sich rein rechnerisch 1,4 Stück pro Jahr leisten.

D-Mark von 1973 entspricht heute 1,55 Euro

Die Realität war natürlich anders, denn kaum einer ist so glücklich, dass er sein gesamtes Einkommen in Caravans investieren darf. Deshalb ist es sinnvoll, das Thema auch anders anzugehen: durch die sogenannten Kaufkraftäquivalente.

Preiserhöhung CARAVANING 01/2023
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Die Tabelle verdeutlicht die Preisentwicklungen bei Eriba und Tabbert in Relation zum Durchschnittseinkommen in Deutschland. Quelle: Statistisches Bundesamt

Die dazugehörige Tabelle der Deutschen Bundesbank ist online für jede und jeden einsehbar. Sie setzt historische Währungen in Relation zum Euro. Durch sie weiß man zum Beispiel, dass man mit einem Gulden im Jahr 1810 so viel kaufen konnte wie heute mit 24,40 Euro. Leider gab es damals keine Caravans, nur Karawanen.

Im Jahr 1973 hatte aber die D-Mark eine Kaufkraft, die heute ungefähr 1,55 Euro entspricht. Demnach müsste der vor 50 Jahren 6.895 D-Mark teure Touring heute etwa 10.687 Euro kosten. Stattdessen kostet er 23.490 Euro. Nun ja, das Durchschnittsentgelt beträgt ja auch nicht 28.357,25 Euro, wie es rein rechnerisch sein könnte, sondern 43.142 Euro. Inflationsbereinigtes Wachstum, klar.

Einkommen mehr als 40.000 Euro

Vom Durchschnittsgehalt von 43.142 Euro wären aber nur noch 1,8 Exemplare des kleinsten Klassikers zu holen. So kann man Preissteigerungen am besten dingfest machen. Doch wie verhält es sich mit anderen Gütern? Zum Beispiel mit einem Zugfahrzeug? Um eine gewisse Kontinuität herstellen zu können, macht man es sich leicht, wenn man ein Produkt eines traditionsreichen Herstellers nimmt.

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Altes Eriba-Touring Model.

Nehmen wir also einen Mercedes W115 200D, sprich die Strich-Acht-Wanderdüne. 1973 schlug sie mit 14.985 D-Mark zu Buche. Ohne jegliche Extras, wohlgemerkt, denn schon damals verlangte Mercedes für alles Aufpreis, was das Autofahren angenehmer macht. Dennoch hat der Grundpreis des Wagens nur 81,91 % vom Durchschnittsentgelt entsprochen.

1983 sah das noch ähnlich aus, der damalige kleine Diesel mit Stern, der W123 200D, kostete 82,35 % des Durchschnittsentgelts. Schaut man hingegen auf eine heutige E-Klasse mit dem 200er-Dieselaggregat, stellt man schnell fest, dass das momentane Durchschnittsentgelt nicht einmal ausreicht, um sich eine zu kaufen. Dafür – und das muss auch gesagt werden – ist der heutige 200D um 166,67 % leistungsstärker als der alte.

Sonstige Einflüsse auf die Preise

Diese relativen Teuerungen haben natürlich auch mit den verbesserten Arbeitsbedingungen, gestiegenen Löhnen, aber auch mit den aktuellen Krisen und Lieferengpässen zu tun. So gesehen dient die Steigerung des Durchschnittsentgelts auch der allgemeinen Preissteigerung.

Wie sich die Preise bei beliebten Mittelklasse-Modellen verändert haben, hat sich CARAVANING im Herbst 2022 angeschaut.

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Sie ist übrigens noch deutlicher, wenn man andere Waren betrachtet. Schließlich will unser imaginärer Zugwagen auch noch getankt werden. 1973 betrug der durchschnittliche Dieselpreis 0,71 D-Mark. Vom Durchschnittsentgelt hätte man sich also etwa 25.767 Liter Dieselkraftstoff kaufen können.

Rechnet man mit den Jahreswerten von 2022, also einem Durchschnittspreis von 1,95 Euro pro Liter, wären es 22.124 Liter. Keine große Veränderung. Aber es will ja nicht nur der Zugwagen, sondern auch der Fahrer betankt werden.

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Der Preis für einen Liter Diesel stieg in 50 Jahren von 0,70 D-Mark auf 1,95 Euro. Quelle: Statistisches Bundesamt

Tat man das 1973 beim Oktoberfest, waren vom Durchschnittseinkommen 5.959 Liter Hopfensprit drin. Heute wären es – dank mittlerem Maßpreis von 13,20 Euro! – nur noch 3.268 Liter. Und wem das flüssige Brot nicht bekommt, interessiert sich vielleicht für die gebackene Variante. 1973 waren vom durchschnittlichen Einkommen etwa 10.825 Kilogramm Bäckerbrot zu holen.

Heute wären statistisch sogar beinahe 14.000 Kilogramm drin. Es ist also doch nicht alles teurer geworden. Die Heftausgabe CARAVANING übrigens auch nicht. 7.318 Exemplare hätte man sich 1973 vom Durchschnittsentgelt leisten können. Heute wären es mindestens 11.062. Wollten wir das Verhältnis von vor 50 Jahren wiederherstellen, müssten wir 5,89 Euro pro Heft veranschlagen. Keine Sorge, das tun wir aber nicht.

Fazit

Ist denn wirklich alles teurer geworden? Wie man sieht, ist diese Frage nicht einfach zu beantworten. Zumindest nicht allumfassend. Fest steht allerdings, dass Freizeitfahrzeuge einen verhältnismäßig viel höheren Preis tragen als früher. Obwohl die Preise natürlich jährlich angepasst werden, muss man sich doch bei den aktuellen Entwicklungen die Frage stellen: Sind die Preiserhöhungen wirklich gerechtfertigt?

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