Reisetagebuch vom CARAVANING-Dauertester

Unterwegs mit dem neuen Alten

Ferdinand Fendt Foto: J. Lohse 29 Bilder

Seit einigen Monaten begleitet die CARAVANING-Redaktion ein gebrauchter Wohnwagen. Als Vollzeit-Urlaubsmobil geht der Fendt-Caravan immer wieder auf Reisen. Was den Testern auffällt und was auf Reisen passiert, lesen Sie hier.

Mitte 2019 haben wir die CARAVANING-Redaktion um einen gebrauchten Wohnwagen ergänzt. In erster Linie hält der Fendt Platin 510 TF von 2000 für Nachrüst- und DIY-Projekte der Redaktion her. Doch was wäre ein Langzeittestcaravan, wenn man ihn nicht auch zum Urlaub nutzt? Wohin es auf Reisen für unseren Ferdinand Fendt überall geht, lesen Sie hier.

Italientrip mit Ferdinand am Haken

Logbuch vom 3. September 2019
Tester: Jörg Lohse, stellvert. Chefredakteur Motorrad

Ferdinand Fendt Foto: J. Lohse
Das Schöne am Camping? Es schmeckt wie zuhause.

Stumpfes Kleid, ausgeblichene Kunststoffflächen, rein äußerlich macht der Youngtimer-Fendt Platin nicht auf Glanz und Gloria – zumal er beim Abholen auch noch wie ein hässliche Entlein im Schatten eines schneeweiß funkelnden Dethleffs abgestellt war. Aber egal, innen spielt die Musik und die bringt eine Familie gleich in die passende Urlaubsstimmung: Helle Vertäfelung, blitzsauber und kein fieser Geruch. Dass der Wohnwagen nun zwei Jahrzehnte auf dem Buckel hat, sieht (und riecht) man ihm wirklich nicht an.

Schnell sind die wesentlichen Dinge für einen Spontantrip zum Lago Maggiore in den Schränken verstaut, der Kühlschrank befüllt, das große Heckbett bezogen. Die Raumaufteilung gefällt. Der per Schiebetür abtrennbare großzügige Schlafbereich für die Eltern, der halbwüchsigen Tochter wird zum Leben und Chillen der komplette vordere Wagenteil mit großer Sitzecke zugesprochen. Dusche und WC bleiben tabu, dafür setzen wir schon immer auf die Sanitärausstattungen von Campingplätzen. Stattdessen nutzen wir die Nasszelle als Stauraum für Wasserkisten, Jacken und Schuhe. Zumal das Hand-Waschbecken ohnehin außerhalb des WC/Bads platziert ist – insgesamt ein Raumkonzept, das uns sehr zusagt.

Ferdinand Fendt Foto: J. Lohse
Mit Ferdinand Fendt war unser Motorrad-Kollge am Lago Maggiore unterwegs.

Auch der Küchenbereich mit gut nutzbarem Arbeitsflächen gefällt uns, samt versteckten, aber gut zugänglichem „Müllbereich“. Das obere, von zwei Seiten zugängliche „TV-Regal“ funktionieren wir zur gediegenen Vinothek um. Fernsehen können wir auch zuhause. Das fehlende Vorzelt machen wir durch einen schattigen Stellplatz und Sonnensegel wieder wett und für lauschige Abendstunden lassen wir bunte LED-Ballons, die wir in einem der vielen Staufächer finden, leuchten.

Zusammen mit einer Flasche Primitivo sitzen wir dann am Lago und siehe da, in solchen Momenten findet auch die anfangs matt erscheindende Außenhaut des Fendt Platin zu altem Glanz zurück.

Danke, liebe Kollegen, für die schöne Aufbereitung dieses guten, alten Hauses auf zwei Rädern.

Urlaub um die Ecke

Logbuch vom 15. August 2019
Tester: Philipp Heise, CARAVANING-Redakteur

Bis zu 200 Meter ragen die weißen Kalkfelsen an der Oberen Donau empor. Camping-Tipp Schwäbische Alb/Obere Donau Mit dem Caravan entlang der Donau

Ist es nicht herrlich, wenn einen das eigene Heft inspiriert? So ging es mir 2017 als ich den Bericht über das Donautal (siehe rechts) in den Händen hielt. Dieses wunderbare geschwungene Flusstal mit seinen schroffen Kalksandsteinfelsen hat es mir einfach angetan. Das Beste daran: Baden-Württembergs Grand Canyon liegt nur etwa 130 Kilometer von Esslingen entfernt. Inspiriert vom Reisebericht, habe ich das Donautal wenige Wochen nach der Lektüre mit meinem Motorrad erkundet und war begeistert! Die gut ausgebaute Landstraße folgt kurvenreich dem Lauf der Donau – Bikerherz, was willst du mehr?

Ferdinand Fendt Foto: P. Heise
Die Landstraße verläuft vielerorts parallel zum Fluss. Unzähligen Kurven lassen dabei das Motorradfahrerherz von Redakteur Philipp Heise und seiner Freundin höher schlagen.

Als wir (Freundin, Hund und ich) nun knapp zwei Jahre später ein langes Wochenende vor der Brust und Ferdinand-Fendt vor der Tür haben, ist der Plan schnell gefasst: Es geht vier Tage ins Donautal. Diesmal mit zwei E-Bikes und einem Hundeanhänger im Gepäck. Ohne Fahrradträger auf der Deichsel müssen die Brocken von Fahrrädern leider aufs Dach unseres SUVs. Ein Glück, dass man als Caravaner immer eine Fußbank an Bord hat. Den Hundeanhänger fixieren wir kurzerhand an der Stelle des Esstisches, welcher wiederum kopfüber zwischen den Polstern der Rundsitzgruppe verkeilt wird. Mit Kaffeemaschine, Tisch, Stühlen und Vorzelt im Bettstauraum (sortiert nach Priorität) machen wir uns auf den Weg. Wie schon bei vorangegangenen Reisen, lässt sich Ferdinand auch auf den kurvigen Abschnitten allzeit ruhig und sicher ziehen.

Basislager für unsere Fahrradtouren ist der Campingplatz Wagenburg. Er liegt idyllisch direkt am Ufer der Donau und bietet eine perfekte Anbindung an den Donau-Radweg. Wer wie wir, donnerstags und außerhalb der Ferien anreist, hat gute Chancen auf einen Platz in der ersten Reihe am Fluss. Aufgrund der prächtigen Wetterprognose mit viel Sonne wird die Aufbauroutine kurzerhand um das leichte Sonnen-Vorzelt ergänzt. Nach dem flinken Aufbau steht das Lager und mit dem Plätschern der Donau im Hintergrund stellt sich schnell Gemütlichkeit ein.

Camping Wagenburg 88631 Beuren (D) 19,50 EUR/Nacht

An den folgenden Tagen sitzen wir durchschnittlich 40 Kilometer auf dem Sattel und folgen dem Lauf der Donau. Erst lassen wir uns flussabwärts in Richtung Sigmaringen treiben, wo wir in der Gelateria Capriccio ein wunderbares Eis genießen. Der größte Teil des geschotterten Donau-Radweges wird von den charakteristischen Sandsteinfelsen flankiert, durch die sich der zweitlängste Fluss Europas gegraben hat. Am Samstag geht es dann Flussaufwärts vorbei am Kloster Beuron, erklärtes Tagesziel ist Fridingen. Dort finden wir auf einer überdachten Holzbrücke mit unseren Fahrrädern Zuflucht vor einem Wolkenbruch, der anscheinend auch eine Hochzeitsgesellschaft kalt erwischt hat. Schön für uns, da wir unverhofft in den Genuss einer Blaskappelle kommen, die auf der Brücke spontan ein Ständchen spielt.

Ferdinand Fendt Foto: P. Heise
Auch ein verlängertes Wochenende vergeht manchmal wie im Flug. Das schlechtere Wetter passt zur unumgänglichen Abreise.

Zurück am Campingplatz, haben sich die dunklen Wolken verzogen. Überrascht werden wir von regem Treiben auf dem plötzlich ausgebuchten Gelände. Unser Ferdi schwächelt zwar ein bisschen mit seinen inkontinenten Wasserhähnen, was wir ihm aber angesichts der guten Urlaubsstimmung verzeihen. Ehe wir uns versehen ist es Sonntagmittag und wir starten erholt in Richtung Heimat. Mit an Bord die Erkenntnis, dass die schönsten Urlaubsregionen manchmal näher sind als man denkt.

Die erste Tour mit dem neuen Alten

Logbuch vom 12. Juni 2019
Tester: Philipp Heise, CARAVANING-Redakteur

„Ich fahre am langen Pfingstwochenende zu meiner Schwester, kannst Du Dich bitte um unseren Hund kümmern?“ Mit diesen Worten meiner Freundin stehe ich vor der Frage: Was mit dem verlängerten und nun sturmfreien Wochenende anfangen? Der Gedanke, mich meinen motorradbegeisterten Freunden für einen Trip in die Alpen anzuschließen, ist wohl vom Tisch. Wobei noch einmal kurz Bilder von unserem Hund im ausgeschnittenen Topcase meiner 1150 GS vor meinem inneren Auge vorbeiziehen, bevor ich diesen Gedanken endgültig verwerfe. Einen traumatisierten Hund mit entzündeten Augen, könnte ich meiner Freundin wohl ohnehin schlecht erklären. Also kurz überlegt, was mich mit unserem Hund verbindet: Natürlich die Freude am Campen!

Dauertester Ferdinand Fendt Foto: P. Heise
Ab und zu sieht genau so der CARAVANING-Redaktionsalltag im Home Office aus.

Also wird kurzerhand das Schöne mit dem Nützlichen kombiniert, indem ich das Wochenende für eine erste Bestandsaufnahme unseres Ferdinand Fendt nutze. Ein geeigneter Platz ist schnell gefunden: Der ruhige und gepflegte Stellplatz Bertsch & Lott ist Teil eines Bauernhofes und liegt in unmittelbarer Nähe zum Hymer Museum in Bad Waldsee. Hier sind die Alpen in der Ferne schon zu erahnen, während die leicht hügelige Umgebung zu ausgedehnten Spaziergängen einlädt – optimal also für Camping-Wellness mit dem Vierbeiner.

Stellplatz am Bauernhof Bertsch / Lott 88339 Bad Waldsee (D) 32 Bewertungen 14 EUR/Nacht

Auf der knapp zweistündigen Anfahrt läuft Ferdi mustergültig hinterher. Einzig bei stärkeren Bremsungen drängt er leicht aus der Spur. Wahrscheinlich greift eine der Radbremsen nicht mehr voll. Irgendwie seltsam so kurz nach der bestandenen HU.

Das erste Einrichten

Dauertester Ferdinand Fendt Foto: P. Heise
Prost Mahlzeit! Was da aus dem Hahn kommt, wirkt definitiv nicht gesund.

Am Platz angekommen, freue ich mich über die Kunststofffliesen im Gaskasten, die uns der Vorbesitzer als Stützenteller überlassen hat. Auf der weichen Wiese des Platzes sind sie wirklich Gold wert, da sie ein tieferes Einsinken verhindern. Nachdem Caravan, Tisch und Stühle stehen, macht sich die erste Entspannung breit, bis mir einfällt, dass ich noch gar kein Frischwasser zum abendlichen Zähneputzen an Bord habe. Ohne Schlauch sammelt der entnehmbare Frischwassertank Sympathiepunkte. Den Plan, mir mit dem Wasser aus Ferdis Leitungen die Zähne zu putzen, verwerfe ich allerdings schnell wieder, als dicke schwarze Flocken aus sämtlichen Hähnen perlen. Hier stand wohl schon etwas länger Wasser in den Leitungen. Ein weiteres Indiz dafür, sind die leckenden Armaturen in Küche und Waschbereich, die auf einen klassischen Frostschaden hindeuten.

Ebenfalls nicht mehr taufrisch sind die beiden Aufsteller des Midi-Hekis, die an Ihrer Aufgabe, das große Dachfenster offen zu halten, scheitern. Im Gegenzug erfreut die hohe Qualität der etwas aus der Mode gekommenen Möbel und das hohe Ausstattungsniveau. In der Küche gibt es, anders als bei uns zuhause, sogar eine Mikrowelle – das schreit ja förmlich nach Kompensation! Und so klingt der erste Abend gemütlich mit einer Flasche Lieblingsbier und einer dampfenden Schale köstlichen Mikrowellenmilchreis aus.

Dauertester Ferdinand Fendt Foto: P. Heise
Vom Stil her etwas aus der Mode gekommen, überzeugen das variable Klappkonzept und die geniale Verarbeitung auch Heute. Mein Highlight: die voll funktionsfähige Mikrowelle.

Erkenntnis nach der ersten Nacht: Die Matratze, ebenfalls nicht mehr die jüngste, funktioniert immer noch prima. Und auch unseren Hund hat die Nacht in seinem Körbchen sichtlich erfrischt: Voller Lebensfreude geht es durch die grünen Wiesen, natürlich mit ausgiebigem Toben und Wälzen. Beim anschließenden Frühstück freue ich mich über die Frischmilch und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Vom Stellplatzbetreiber und Landwirt auf Nachfrage frisch aus dem Tank gezapft, schmeckt sie deutlich gehaltvoller als die abgepackte Variante aus dem Supermarkt.

Dauertester Ferdinand Fendt Foto: P. Heise
Entspanntes Vorbild: Hunde können zwischen 17 und 20 Stunden pro Tag ruhen oder schlafen - besonders gut in Redaktionsdauertester.

Den Rest des Wochenendes folge ich größtenteils dem Beispiel meines vierpfotigen Begleiters, denn Hunde können bis zu 20 Stunden am Tag schlafen oder ruhen.

Das einzige Problem beim entspannten Campen ist die Zeit. Sobald sich eine angenehme Routine einstellt, fängt sie an zu rasen und vergeht wie im Flug. Und so sind wir, ehe wir uns versehen, schon wieder auf dem Rückweg nach einem tollen langen Camping-Wochenende mit unserem Ferdinand Fendt. Im Gepäck: eine lange To-Do-Liste für anstehende Arbeiten und Umbauten.

Ferdinand Fendt Platin 510 TF Foto: promobil
Grundriss des Fendt Platin 510 TF (2000).

Fendt Platin 510 TF (2000) im Überblick

Erstzulassung: 04/2000
Grundpreis: 28.930 DM/14.792 Euro
Aufbaulänge/-breite: 5,65/2,30 Meter
Masse fahrbereit: ca. 1256 kg
Zul. Gesamtmasse: 1500 kg
Maximale Auflastung: 1500 kg
Schlafplätze: 2+2

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