Foto: Volker Hammermeister
Ecocamping Bodensee Campingplätze CARAVANING
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Ecocamping Bodensee Campingplätze CARAVANING 24 Bilder

Ecocamping am Bodensee: Sechs Plätze im Überblick: Vom Bodensee in die Welt

Ecocamping am Bodensee Über Erfinder Marco Walter

Der Diplom­psychologe Marco Walter ist der Mann hinter dem ­Um­weltnetzwerk Eco­camping, dem inzwischen 166 Unternehmen europaweit angehören.

Im Interview: Marco Walter, treibende Kraft bei Ecocamping

Caravaning: Wie funktioniert Ecocamping?

Walter: Unsere Arbeit beginnt mit Eintages-Workshops, bei denen zehn bis 20 Unternehmer zusammenkommen. Die Themen sind: Umweltmanagement, Abfall, Energie, Wasser/Reinigung, Platzgestaltung und Sicherheit. Daran schließt sich eine individuelle Beratung vor Ort an, die acht bis zehn Stunden dauert. Sie mündet in einer Stärken-/Chancenanalyse, die bis zu 150 Punkte umfassen kann.

Caravaning: Und die lassen Sie erst einmal wirken?

Walter: Genau. Es kommt nach einiger Zeit schließlich zu einer erneuten Begehung, bei der sich herausstellt, ob der Unternehmer das Projekt tatkräftig in die Hand genommen hat und die Ideen auch umsetzt.

Caravaning: Gibt es da ein Maß?

Walter: Eco heißt nicht automatisch Solaranlage auf dem Dach und Vollkornbrot im Regal. Mit dem Umweltmanagement muss jeder Campingplatzunternehmer flexibel seinen eigenen Weg finden. Es gibt keine Einheitslösungen. Der eine investiert 2000 Euro, der andere zwei Millionen. Trotzdem sind beide dabei. Denn wenn der Prozess in Gang kommt, wird das Label Ecocamping verliehen.

Caravaning: Per Post und Einschreiben?

Walter: Nein, wir bemühen uns ganz bewusst um politische Prominenz bei diesen Verleihungen, denn das ist ein wichtiger und zentraler Teil unserer Öffentlichkeitsarbeit.

Caravaning: Eine Auszeichnung fürs Leben?

Walter: Nein, das Label kann nicht vererbt werden und gilt erst einmal drei Jahre – bis zur erneuten Überprüfung durch den Verein.

Caravaning: Und was hat der ­Urlauber davon?

Walter: Er orientiert sich zunehmend an dieser Auszeichnung, die inzwischen die bekannteste ihrer Art ist und ihm wenigstens das signalisiert: Diese Betriebe sind sehr wach, was ihre Betriebsführung anbelangt.

Caravaning: Wie finanzieren Sie sich?

Walter: Zu 80 Prozent aus öffentlichen Fördermitteln. Da sind wir sehr geschickt. Den Rest der Kosten tragen die Campingplatzunternehmer, wobei ein kleiner Betrieb etwa 250 Euro im Jahr beisteuert.

Caravaning: Wie lauten Ihre ­ nächsten Pläne?

Walter: Wir wollen unser Netz erst in Deutschland, dann in Europa flächendeckend ausbauen.

Caravaning: Welcher Strategie folgen Sie dabei?

Walter: Mein Ansatz ist humanistisch: Ich glaube, dass sich alles schließlich zum Guten entwickelt, wenn man es nicht daran hindert.

Die parken im Landschaftsschutzgebiet seit fast dreißig Jahren vor der Schranke. Es sei denn, die Gäste reisen an oder ab. Dazwischen löst ein anderer Fuhrpark das Transportproblem: kostenlose Handkarren. Damit geht es an den blauen Sanitärgebäuden im Industriebaustil vorbei in Richtung der 250 Stellplätze. Wie über einem Portal hängt im Übergang eine riesige Digitaluhr, die zeigt, wie viel Energie die Kollektoren auf dem Dach heute bereits der Sonne abgerungen haben. Denn die 70-Quadratmeter-Anlage wurde zwar 1998 errichtet, ist aber immer noch eine sehr respektable Größenordnung.

Keine Frage, am Klausenhorn wagte sich die Bodensee-Stiftung an das Thema "ökologisch orientierter Campingplatz", ein einzigartiges Experiment in Deutschland, ohne Vorbild. Dazu gehören auch Probleme, wenn sich etwa her­ausstellt, dass die Wasserleitung vom Bodensee zur Toi­lettenspülung unterdimensioniert ist und gerne verstopft.

Andrea und Volker Knaust teilen sich seit 2005 die Platzverwaltung. Es war der erste Fall für Ecocamping, dass die Auszeichnung nach einem personellen Wechsel ein zweites Mal verliehen werden musste, natürlich nicht automatisch, sondern erst nach der Qualifizierung der Bewerber.

Die Köpfe sind voller Pläne: "Wir hätten gerne eine größere Rezeption, auch eine Radlerunterkunft oder ein Bistro statt dem Kiosk mit Brötchenservice am Strandbad." Aber dagegen stehen die Budgets der städtischen Verwaltung und lange Planungsverfahren. Denn nach dem gro­ßen Innovationsschub 1998 ist von Seiten der Stadt der von Stiftungsgeldern kurzfristig beflügelte Elan wieder in den Regelbetrieb übergegangen.

Am nahen Strandbad macht ein fernes Brummen, das näherkommt, neugierig. Braungebrannte Hälse recken sich, und Augenpaare suchen den Horizont ab. Da ist er wieder: Der Zeppelin, der für die Region inzwischen genauso steht wie in der Campingbranche "Ecocamping" für fortschrittliche Betriebe.

Übersicht: Ecocamping am Bodensee