Test: Dethleffs Beduin 545 DBM

Dethleffs Beduin 545 DBM im Test

Dethleffs Beduin 545 DBM im Test Spiel ohne Grenzen

Der Beduin 545 reißt mit seinem großzügigen Grundriss die Schranken zwischen den Wohnbereichen ein. CARAVANING hat den Beduin getestet und das Raumkonzept kritisch unter die Lupe genommen.

Schengen ist für viele Europäer das Stichwort, wenn es um stressfreien Reiseverkehr geht. Der kleine Moselort in Luxemburg hat dem Abkommen seinen Namen geliehen, das Zollformalitäten stark reduziert und auf diese Weise den Austausch zwischen den Nationen erleichtert. So gesehen ergeben sich klare Parallelen zum Dethleffs Beduin 545 DBM. Denn auch dieser Zwei-Personen-Grundriss löst die Grenzen auf, und zwar zwischen den Wohnbereichen.

Dethleffs Beduin 545 DBM

Aufbaulänge: 6 bis 7 Meter, Schlafplätze: 4, Preis: 15.000 bis 20.000 €

Baureihe: Insgesamt 14 Grundrisse mit Breiten zwischen 2,30 und 2,50 Meter sowie Aufbaulängen zwi­schen 5,91 und 7,86 Meter.
Preise: von 17.799 bis 23.999 Euro. Alle Betttypen außer Etagenbett, drei Raumbäder, eine Heckküche.

Das Raumkonzept

Der Grundriss des Dethleffs Beduin 545 DBM löst die Trennung der einzelnen Wohnbereiche weitgehend auf. In der Mitte dominiert eine riesige Rundsitzgruppe, die an sich schon ein völlig neues Lebensgefühl vermittelt. Vorbei die Zeit drangvoller Enge in der Dinette und Panik, wenn sich spontaner Besuch anmeldet. Stattdessen finden dank der gegenüberliegenden Sitzbank mindestens acht Personen auf angenehm straffen, teilweise aber auch etwas rutschigen Polstern locker Platz, partiell sogar richtig bequem mit komfortablen und gleichzeitig stabilen Lehnen im Rücken. Ein runder Tisch zeigt sich dabei allen Anforderungen gewachsen, allerdings nur die aufpreispflichtige Version mit Einsäulen-Hubfuß. Einerseits garantiert die solitäre Stütze, dass sich keine Beine im Unterholz verheddern. Andererseits kann die runde Tischplatte in zwei Richtungen verschoben werden, etwa zur gegenüber­liegenden Sitzbank, aber auch, um optimalen Zugang zur Dinette zu gewähren.

Keinerlei Raumteiler behindern den Blick, der zur Küche im Heck oder zum Queensbett im Bug schweift. Das ist gewollt und animiert schon fast zum Hallensport, etwa mit einem Modell-Segelflieger. Allerdings hat das neue Raumgefühl auch ein paar Nachteile. So ist das Schlafgemach vom Eingang her immer in voller Breite einzusehen, was eine gewisse, vielleicht urlaubsschädliche Disziplin beim Aufräumen abverlangt. Und wer den Plisseevorhang von beiden Seiten hervorzieht und mit Magnetschlössern schließt, behindert vielleicht neugierige Blicke, aber Licht und Schall dringen ungehindert durch. Also heißt die Devise: Entweder bei der fröhlichen Runde in der Sitzgruppe mitmachen, oder die Caravanbesatzung legt sich aufs Ohr, wobei das Queensbett keine schlechte Alternative ist.

Der Schlafbereich

Gleich von drei Seiten kann man auf das bequeme Kaltschaumpolster sinken, ohne den Partner durch gewagte Kletteraktionen über ihn drüber zu stören. Dann versprechen lichte Maße von 2,10 mal 1,50 Metern eine geruhsame Nacht, fast wie zu Hause. Doch auch dieser Wohnbereich hat seine Schattenseiten, etwa beim Beladen des Bett­kastens. Die Anordnung als Queensbett im Bug verhindert die Option auf eine Serviceklappe in der Bordwand. Entsprechend mühselig ist das Beladen, wobei jedes Gepäckstück immer durch den kompletten Innenraum wandert.

Erschwerend kommt hinzu, dass Warmluftrohre im Caravan allgemein nicht geschützt am Stauraumboden verlegt sind und dann auch noch Richtung Bug eine Schottwand quer im Weg steht. Sie muss zum Befüllen des vorderen Stauraums nicht nur überwunden werden, sondern hier ist auch noch der Lattenrost angeschlagen und schränkt die Kopffreiheit ein. Außerdem sind die Gasfedern zusätzlich im Weg. Wer dort vorne in der Ecke kniet, weiß, was wahre Demut bedeutet. Trotzdem kratzt diese Kritik nicht an den Vorzügen der Sitzgruppe und des großen Queensbetts. Man muss nur klar sehen, was man sich einhandelt, beziehungsweise Prioritäten setzen, denn die beschriebene Aufteilung hat auch Konsequenzen für den Grundriss.

Bad und Küche

Alle anderen Wohnbereiche teilen sich den Platz, den Bett und Dinette übrig lassen. Es steht zwar eine Innenbreite von 2,36 Metern zur Verfügung, aber das Bad kann nur kompakt ausfallen, wobei die Größe in der Praxis aber völlig ausreicht und das Stübchen sogar eine separate Dusche mit Klappwand aufweist. Nur Freiräume wie bei einem Raumbad mit ausgelagertem Waschtisch darf im 454 DBM niemand erwarten.

Auch keine großzügigen Arbeitsflächen in der Heckküche, die mit der Ausstattung etwas knausert und beispielsweise auf Drahtauszüge verzichtet. Dafür wurden einige Erkenntnisse des sogenannten Frauenmobils, eines Kundenprojekts von 2006, umgesetzt. Etwa die – auch im Badschrank – höhenverstellbaren Fachböden oder eine Glasplatte über dem Herd, die sich in Segmenten öffnen lässt. Damit ergeben sich mehr Nutzungsmöglichkeiten, beispielsweise zusätzliche Ablagen neben dem brodelnden Spaghetti-Topf. Liebe zum Detail beweist auch die optimal zugängliche Position der Gashähne unter der Arbeitsplatte, zwei Haken für Topflappen und ein Jalousie-Seitenschränkchen.

Ausbau, Gewichte, Fahrverhalten, Preise

Beim Möbelbau verzichtet Dethleffs auf Pushlocks in den Wohnoberschränken und vertraut auch gegen die Fahrtrichtung auf die Zuziehkraft der Möbelbänder. Weiterhin fällt auf, dass mit Ablagen und Fachböden gegeizt wird, dafür aber die Zahl der Schränke üppig ausfällt. Dabei ist das Air-Plus-System erwähnenswert, das einen Luftaustausch hinter und im Oberschrank sicherstellt und damit nicht nur Schwitzwasser verhindert, sondern im Winter auch eine schnelle Verbreitung der Warmluft garantiert. Der Beduin hat ausreichend Lichtquellen, verzichtet aber auf eine aufwendige Steuerung à la Hobby. Nur der Küchenblock hat als Extra abends seinen Auftritt, wenn die indirekten Lichtleisten erstrahlen. Ganz pragmatisch gibt sich der Caravan auch bei den 230-Volt-Steckdosen: Er verteilt insgesamt sieben Stück großzügig über den Innenraum und vergisst weder die Sitzgruppe noch das Kopfende am Doppelbett.

Rein äußerlich ist der Beduin schon aufgrund seiner Maße eine markante Erscheinung, die mit optionalem Glattblech und blauer Lackierung bereits in die Nähe des Beduin Emotion rückt. Ab Werk sind die Wände auch mit feuchteresistentem Styrofoam statt Styropor zu haben. Der gewichtige Caravan verlangt einen kräftigen Zugwagen, läuft einem solchen aber (prima: auf Markenreifen!) gut hinterher, solange die an sich schon schwere Heck­küche äußerst zurückhaltend beladen wird. Als Standard sind ab Werk 1700 Kilogramm zulässige Masse angegeben, was eine Zuladung von 255 Kilogramm erlaubt. Nicht schlecht, aber mit einer Auflastung auf 1800 Kilogramm (Aufpreis), die den Testcaravan auszeichnet, noch steigerungsfähig.

Überhaupt: Die Preispolitik von Dethleffs könnte gemischte Gefühle auslösen. Wer bestellt so einen Beduin schon ohne das Luxus-Paket und noch ein paar klassentypische Extras? Damit klettert der Anschaffungspreis flugs in ungeahnte Höhen, nur eben nicht auf den ersten Blick. Auf diese Weise sprengt der Beduin so nebenbei schon wieder eine Grenze – nämlich die des ursprünglich geplanten Anschaffungsbudgets.

Caravaning-Tipp
Unterschiedliche Radlasten lassen sich durch ausgleichende Beladung neutralisieren. Besonders einfach gelingt die Korrektur, wenn beispielsweise der Wassertank erst bei Ankunft gefüllt wird.

Nachgefragt: Dethleffs nimmt Stellung

Konstantin Tschovikov
Richard Angerer, Dethleffs Konstruktionsleiter Caravan

Richard Angerer, Dethleffs Konstruktionsleiter Caravan, nimmt Stellung zu ...

... der geschlossenen Schottwand statt Gestänge im Bettkasten, die das Beladen erschwert:
Gute Anregung, werden wir prüfen und mit Gestänge oder zumindest mit Ausfräsungen umsetzen.

... den fehlenden Pushlocks an den Wohnraum-oberschränken, auch gegen die Fahrtrichtung:
In Fahrtrichtung sind die Küchenoberschränke mit Verriegelung versehen. Entgegen der Fahrtrichtung ist das ja nicht nötig, ebenso wie seitlich – hier reichen die Zuhaltekräfte aus.

... der nicht vorhandenen Kederleiste auf der anderen Fahrzeugseite:
Kederleisten werden bei uns grundsätzlich nur auf der Vorzeltseite angebracht – seit jeher. Es liegen uns auch keine Forderungen vor, diese zusätzlich auf der linken Seite anzubringen.

... den wenig geschützten Warmluftrohren:
Grundsätzlich verlegen wir die Heizluftrohre direkt unterhalb der Winter­rückenlehne. Nur an wenigen Stellen müssen wir am Boden verlegen, um die Ausströmer am Boden zu bedienen.

... den fehlenden Fachböden in den Wohnraumoberschränken:
Bisher liegen noch keine Anforderungen der Kunden vor.

... den rutschigen vorderen Polstern der Sitzgruppe:
Das Eckpolster ist mit Druckknopf gesichert. Die daran anschließenden Polster sind per Klettband mit dem Eckpolster verbunden. Sollten wir feststellen, dass diese Verbindung zur Sicherung des Polsters nicht ausreicht, werden wir eine Antirutschmatte einsetzen.

... dem möglichen Kontakt von Halogenstrahler und Küchentür:
Wir werden Ihre Anregung prüfen und vielleicht kaltes LED-Licht einsetzen.

Konkurrent: Adria Adora 563 PU

Konstantin Tschovikov
Grundriss des Adria Adora 563 PU

Grundpreis: 16.599 Euro
Ausstattung: Alko-Chassis mit Schräglenkerachse, Schlingerdämpfer, Schwerlast-Kurbelstützen, Heizung Trumatic 3002, komplette 12-V-Beleuchtung, Umformer 400 Watt, Kühlschrank 86 Liter, Truma Therme, Dreh-Cassettentoilette, Frischwassertank 50 Liter.
Maße und Gewicht: Gesamt-/Aufbaulänge 7530/6180 mm, Breite 2450 mm, Masse fahrbereit: 1291 kg, Zul. Gesamtgewicht: 1700 kg
Info: Telefon 06103/400581, www.adria-deutschland.de

Konkurrent: Hobby Prestige 560 WLU

Konstantin Tschovikov
Grundriss des Hobby Prestige 560 WLU

Grundpreis: 18.680 Euro
Ausstattung: Hobby-Knott-Chassis mit Schräglenkerachse, Schlingerdämpfer, Schwerlast-Kurbelstützen, Heizung Trumatic 3002, komplette 12-V-Beleuchtung, Umformer 450 Watt, Kühlschrank 112 Liter, Truma Therme, Dreh-Cassettentoilette, Wassertank 50 Liter.
Maße und Gewicht: Gesamt-/Aufbaulänge 7600/6420 mm, Breite 2500 mm, Masse fahrbereit 1600 kg, Zul. Gesamtgewicht: 1434 kg
Info: Telefon 04331/6060, www.hobby-caravan.de

Konkurrent: Tabbert DaVinci 585 DM 250

Konstantin Tschovikov
Grundriss des Tabbert DaVinci 585 DM 250

Grundpreis: 18.950 Euro
Ausstattung: Alko-Chassis mit Schräglenkerachse, Schlingerdämpfer, Kurbelstützen, Heizung Trumatic 5002, komplette 12-V-Beleuchtung, Umformer 140 Watt, Kühlschrank 86 Liter, Truma Therme, Bank-Cassettentoilette, Frischwassertank 45 Liter.
Maße und Gewicht: Gesamt-/Aufbaulänge 7820/6550 mm, Breite 2500, Masse fahrbereit: 1485 kg, Zul. Gesamtgewicht: 1600 kg
Info: Telefon 06664/890, www.tabbert.de

Fazit

Der Dethleffs Beduin 545 DBM zeigt, wie viel Innovationskraft allein in einem neuen Grundriss steckt. Er ist der Richtige für kommunikationsfreudige Caravaner, denen außerdem der Schlafkomfort wichtig ist – und die lieber nur kleine Gerichte zubereiten.

Dethleffs Beduin
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