Kia Sorento-Dachzelt-Test  Andreas Becker
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Kia Sorento mit Dachzelt im Praxistest: 3 Tester, 3 Meinungen

Kia Sorento mit Dachzelt im Praxistest Wie campingtauglich ist der Offroad-SUV mit Dachzelt?

Drei Testredakteure waren jeweils im Kia Sorento mit Campingausbau und Maggiolina-Dachzelt unterwegs. Ihre Einschätzungen aus Sicht eines Caravan-Fachmanns, eines Autoprofis und einer Campingbus-Expertin zeigen Stärken und Schwächen.

"Einmal quer durch Deutschland bitte." Das hätte die Testanweisung für den Praxistest Kia Sorento mit Dachzelt sein können. Denn für die drei Tester ging es jeweils in komplett andere Himmelsrichtungen: Zum Auftakt fuhr Philipp Heise über Lüneburg bis an die Ostsee, danach ging es für Florian Greiner zum Camping nach Thüringen und Gesa Marx verschlug es zum Abschluss an die deutsch-schweizer Grenze in Süddeutschland. So kamen über 3500 intensive Testkilometer zusammen.

So unterschiedlich die Testziele waren, so verschieden sind auch die Schwerpunkte der jeweiligen Experten: Während Philipp Heise als Testredakteur von CARAVANING den Kia mit Dachzelt aus Caravaner-Perspektive ausprobiert, kommt mit Florian Greiner, als Datenbank-Manager von auto motor und sport der Pkw-Experte dazu. Als Testredakteurin von promobil erprobt Gesa Marx die Campingtauglichkeit aus Sicht einer Campingbus-Expertin. Los geht’s.

>>> Tester 1: Offroader mit Reisequalitäten

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Andreas Becker
Tester 1: Philipp Heise, hier zu sehen mit dem Edelstahl-Campingtisch, der im Dachträger unterkommt.

Philipp Heise, Wohnwagen-Experte: Eigentlich bestimmen aktuelle Wohnwagen und Zugfahrzeuge meinen Arbeitsalltag als CARAVANING-Redakteur. Und eigentlich habe ich dem Zelten nach einem Motorradtrip im letzten Jahr abgeschworen, da mich der Mangel an Platz und Schlafkomfort abschreckt. Als Kia uns den Sorento-Umbau mit Dachzelt anbietet, ist die Bedenkzeit dennoch kurz. Ein Dachzelt ist für mich neu, verspricht mehr Komfort als ein normales Zelt und könnte somit ein spannendes Abenteuer werden. Bei der Wahl der passenden Tour steht schnell fest: Ein Roadtrip quer durch Deutschland, mit dem Fernziel Ostsee, ist genau das Richtige, um den Sorento ausgiebig zu testen.

Als nach 45-Minuten-Einweisung in die Bedienung des Dachzeltes und der LED-Lichtanlage der Schlüssel des martialisch wirkenden Koreaners in meine Tasche wandert, erfüllt mich eine Mischung aus Vorfreude und Bedenken. Meine größten Sorgen: Das mir die Offroad-Reifen durch lautes Brummen auf der Autobahn den letzten Nerv rauben oder ich nachts im Dachzelt erfriere. Gegen Letzteres wandert ein mobiler Akkupack samt Steckdose auf die Packliste. Er dient als Energiequelle für einen kompakten 500-Watt-Heizlüfter, der ebenfalls in einer der beiden ausziehbaren Schubladen landet.

Praxistest in Norddeutschland

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Raumnutzung im Kia

Beim Packen fällt auf, dass der Kofferraumausbau, so robust er konstruiert ist, wahrscheinlich einen Überschlag im Gelände überlebt, dafür aber den riesigen Zwischenboden blockiert. Noch schwerer wiegt allerdings das Fehlen von Koch- und Kühl-Möglichkeiten. Also kommt kurzerhand eine Kühlbox auf den verbliebenen Rücksitz und ein Camping-Gaskocher in eines der besagten Staufächer. Der über dem Reserverad festgeschnallte Grillrost ist nett gemeint, allerdings möchte ich beim Wildcampen weder verbrannte Erde hinterlassen noch anschließend den schwarz verkrusteten Rost im Auto rumkutschieren.

Als es endlich losgeht, ist es 21 Uhr und die Straßen sind entsprechend frei. Anders als erwartet, rollen die Geländereifen geschmeidig ab und die Dämmung des Kia funktioniert prächtig. Nervig ist dagegen das Geklapper aus Richtung der freistehenden Reserverad-Grill-Werkzeughalter-Konstruktion und dem Heckmodul. Abhilfe schafft das Harman-Kardon-Soundsystem, das das Klappern mühelos und mit Wumms übertönt. Spurhalter und Abstandsregeltempomat übernehmen das Kommando während der Sorento stoisch mit 120 km/h Kilometer frisst – schneller ist wegen des Dachzeltes nicht erlaubt.

Erste Testnacht auf Durchreise

Trotz exzellentem Reisekomfort verliert die Motivation gegen 1:30 Uhr den Kampf gegen die Müdigkeit, weshalb ich bei acht Grad Außentemperatur einen Autohof ansteuere. Als ich mich zwischen einem bewohnten DHL-Transporter und einem Kühllaster einsortiert habe, wird mir klar: Das ist definitiv nicht die richtige Location für meine erste Nacht in einem Dachzelt. Also nichts wie weg und rein in den nahen Wald. Als nach 1,5 Kilometern ein leerer Wanderparkplatz im Licht des LED-Fernlichtes auftaucht, ist das passende Nachtlager gefunden. Bei der Suche nach einer möglichst graden Stelle sind die App-gesteuerten Zusatzscheinwerfer eine echte Hilfe.

Bevor ich dem Kia zum Schlafen aufs Dach steige, wird die offene Heckklappe kurzerhand zum Badezimmer. Mit Wasser aus dem Kanister, dem Kofferraumaufsteller als Kulturtaschenhalter und gleißender Zusatzbeleuchtung aus der Heckklappe, macht der Sorento seine Sache gut. Die gefürchtete Kälte kriecht erst früh am nächsten Morgen in den Schlafsack – und prompt zahlt sich der Heizlüfter aus. Derart aufgewärmt geht es im nahegelegenen Autohof frühstücken und anschließend weiter Richtung Lüneburg.

Dort angekommen verlangt der Sorento nach Kraftstoff. Bei einem Verbrauch von etwas unter 9,5 Litern Diesel, stehen 700 Kilometer auf dem Tageskilometerzähler. Von Lüneburg geht es mit einem Kumpel in Richtung Meer. Ein passender Parkplatz möglichst nah am Wasser ist das erwünschte Ziel, denn sind wir mal ehrlich: Auf einer voll erschlossenen Camping-Parzelle wirkt ein solcher Offroader irgendwie fehl Platz.

Die Suche nach einem Stellplatz

Nach einigen Parkplätzen mit Camping-Verbotsschildern fragen wir schließlich eine Bulli-Fahrerin, die uns den entscheidenden Hinweis gibt. Als wir wenig später am Stellplatz ankommen, entpuppt sich dieser wirklich als Geheimtipp: Nur knapp 100 Meter vom Strand entfernt, gibt es sogar eine Strandtoilette in der Nähe. Ein Rest Komfortzone bleibt also und einem entspannten Aufenthalt nichts mehr im Wege. Also wird erst mal die Hängematte zwischen dem Kia und einem nahen Baum aufgespannt und die Siesta zelebriert.

Ich mache es mir derweil im Dachzelt gemütlich. Seine dünne Matratze lässt sich zwar nicht mit den komfortablen Exemplaren aktueller Caravans vergleichen, dafür bietet es mit seinen sechs Moskitofenstern und den zwei seitlichen Türen einen super Rundumblick und eine gute Durchlüftung. Gekocht wird abends unter der seitlich angebrachten Sackmarkise, die sich leider nur zu zweit aufbauen lässt. Das sonstige Equipment in Form von zwei Stühlen und einem schweren Edelstahltisch überzeugt, auch wenn dem Tisch justierbare Beine fehlen.

Wie lange hält die Bordbatterie?

Trotz abgeschalteter Innenraumbeleuchtung drängt sich am zweiten Standtag die Frage nach den Energiereserven auf. Mit permanent laufender Kühlbox wächst der Wunsch nach einer Spannungsanzeige, obwohl ich vorausschauend einen Jumpstarter – also eine Powerbank mit PKW-Startfunktion – eingepackt habe. Diese kommt am nächsten Tag zum Einsatz als ein umgebauter Sprinter auf dem Platz den Start verweigert. Als die Powerbank vor dem schweren Diesel kapituliert, hilft der anstandslos anspringende Sorento samt Starthilfekabeln.

Auch als es am dritten Tag wieder in Richtung Heimat geht, springt er problemlos an. Früh gestartet gelingt die Rückfahrt in einem Rutsch. Als ich abends in Esslingen ankomme, stehen knapp 840 Kilometer mehr auf dem Zähler.

>> Tester 2: Härtetest bei Regen und Sturm

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Tester 2: Florian Greiner, der trotz seiner 1,95 Meter Körpergröße den Dachzelttest gut überstanden hat.

Florian Greiner, Datenbank-Manager bei auto, motor und sport: "Kia Sorento mit Dachzelt" – dabei dachte ich zuerst an einen Familien-SUV mit Schlafmöglichkeit auf dem Dach. Auf dem Redaktions-Parkplatz stand dann allerdings ein ausgewachsener Survival-Camper. Der umgebaute Sorento kommt mit einer beeindruckenden Optik daher. Sowohl außen als auch innen. Über den Sinn kann man sich streiten. Mir persönlich gefällt die Optik mit Kuhfänger und Trittbrettern gut, allerdings verschenken letztere die durch das Höherlegungsfahrwerk gewonnenen sechs Zentimeter Bodenfreiheit wieder. Das Reserverad würde mir an einer Heckklappenhalterung oder unter dem Auto besser gefallen – dann hätte man auch noch alle fünf Sitzplätze zur Verfügung.

Nachdem Beladen der Staufächer geht es los in Richtung Thüringen. Im Stadtverkehr fällt der Kia nicht sonderlich auf, federt angenehm und unterstützt durch Totwinkel-Warner und Rundumsichtkamera beim Spur wechseln und parken. Reserverad und Ausbaumodul machen jedoch schon auf den ersten Metern durch Quietschgeräusche auf sich aufmerksam.

So fährt sich der Kia Sorento

Auf der Auffahrt zur Autobahn gebe ich zum ersten Mal Vollgas. 9,4 Sekunden von 0 bis 100 km/h, das liest sich im Prospekt nicht sonderlich sportlich, fühlt sich aber nach mehr an und ist ausreichend zum Beschleunigen auf Autobahntempo und zügigen Überholen. Ab 110 km/h macht sich das Dachzelt durch Windgeräusche bemerkbar, ab den maximal erlaubten 120 km/h nutze ich den adaptiven Tempomat. Bei aktiviertem Spurhalte-Assistenten hält das Auto selbständig die Spur, bremst ab, wenn Hindernisse auftauchen und beschleunigt wieder, wenn freie Fahrt ist. Dabei orientiert sich der Sorento tendenziell eher in Richtung Fahrbahnmitte. Bis zu 30 Sekunden "autonomes" Fahren sind machbar, dann schaltet sich der Assistent ab – mit dem Hinweis, das Lenkrad nicht loszulassen.

Außerdem an Bord: Head-up-Display, Harman Kardon-Soundsystem, Sitzheizung- und -belüftung, Lenkradheizung, elektrische Sitze und Navi. Reist man in eher urbane Ziele, wird der Komfort dadurch deutlich erhöht. Hat man vor dauerhaft in entlegenere Regionen zu reisen, würde ich überdenken, ob sich marokkanischer Wüstensand gut mit elektrischen Sitzen & Co. vertragen.

Unterwegs in Thüringen

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Camping bei miesem Wetter

Am frühen Abend kommen wir auf dem Campingplatz in Breitungen/Werra an. Das Dachzelt ist im Handumdrehen hochgekurbelt, Markise schnell aufgebaut. Übrigens: Auch wenn Dachzelte mit Gasdruckfedern schneller aufgebaut sind, sorgen bei dem Testmodell die Scheren an Kopf- und Fußende für besonders viel Stabilität.

Da es nach Regen aussieht, stellen wir die Markise so auf, dass das Wasser nach unten vom Fahrzeug weglaufen kann. Dass das nur bedingt funktioniert, zeigt sich später. Als das Thermometer nur knapp 12 Grad anzeigt, ziehen wir lieber noch eine extra Schicht Kleidung an und klettern ins Dachzelt. Thema Schuhe ist vor allem bei Regenwetter schwierig. Wir steigen mit Badeschlappen hoch und verstauen sie zwischen Dachzeltschale und Autodach. Für das Maggiolina-Dachzelt gibt es optionale "Wings", eine Art Vordach über dem Einstieg, die wir in diesem Test gut gebraucht hätten.

Die erste Testübernachtung zeigt: Nachts ist es im Zelt deutlich wärmer als gedacht. Da der Zeltstoff beim Einstieg über die Zeltkante reicht und es keinen horizontalen Reißverschluss gibt, weht der Wind den Zeltstoff hoch, wodurch man nicht 100-prozentig von der kalten Außenwelt abgeschirmt ist. Auch die Lösung mit dem Einklemmen des Einstiegstoffs unter der Matratze ist bei starkem Regen nicht ideal. Dennoch: Die Matratze bietet deutlich mehr Schlafkomfort als eine Isomatte und ist selbst bei meiner Größe von 1,95 Meter ausreichend lang. Bei Regen fällt besonders positiv auf, dass das Hartschalendach die Regengeräusche abdämpft – nicht wie in einem normalen Zelt, wo sich schon Niesel wie Platzregen anhört.

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F. Greiner
Camping bei Regenwetter mit Dachzelt bedeutet Feuchtigkeit drinnen. Am nächsten Morgen ist der Zeltstoff an den Seiten nass.

Feuchte Überraschung am Morgen

Am nächsten Morgen ist der Zeltstoff an den Seiten deutlich spürbar nass. Dadurch können Gegenstände in den seitlichen Aufbewahrungsnetzen oder das Kopfkissen feucht werden – wie in einem klassischen Zelt. Auf der Markise hat sich eine Wasserpfütze gebildet. Bei Sturm und Regen sollte man sie besser abbauen.

Für einen Tagesausflug kurbeln wir das Dachzelt ein, rollen die Markise zusammen und verzurren wieder alle Stauboxen – alles in 15 Minuten erledigt. Den verregneten Tag verbringen wir in einem Museum und beim Essen in einem Restaurant. Der Weg zum Gasthaus auf einem Hügel gleicht einem Feldweg. Die Schlaglöcher und Bodenwellen federt der Kia angenehm weg, kommt leicht ins Wanken, wird aber nie unkomfortabel. Beim häufigen Ein- und Aussteigen fallen drei Dinge auf: Der Schweller ist in die Türen integriert, das verhindert schmutzige Hosenbeine. Der Einstieg ist SUV-gemäß etwas höher, die Sitzposition dagegen eher sportlich tief.

Zurück auf dem Campingplatz kommt die Frage auf: Was macht man jetzt bei weiterhin 12 Grad und Regen? Ins Auto setzen, Sitzheizung anmachen und einen Film auf dem Tablet ansehen – da kommt Autokino-Feeling auf. Die zweite Nacht ist wie die erste. Draußen kalt, im Zelt mit Schlafsack, Pulli und unterfederter Matratze angenehm zum Schlafen.

Campingplatz Strandbad Breitungen 98597 Breitungen/Werra (D) 6 Bewertungen 20,50 EUR/Nacht

Nach einem kurzen Frühstück auf dem massiven Klapptisch packen wir wieder zusammen und machen uns auf den Nachhauseweg mit Abstecher zur Wartburg in Eisenach. Auf der kurvigen Straße zur Burg zeigt sich, dass man den Sorento für SUV-Verhältnisse, inklusive höherem Schwerpunkt durch das Dachzelt, recht sportlich bewegen kann. Kommt man dem Grenzbereich nahe, schiebt er leicht über die Vorderachse, was nicht verwundert, da der Sorento nur bei Bedarf die Hinterachse dazuschaltet. Insgesamt fühlen sich sowohl Auto als auch Fahrer bei gemäßigtem Tempo jedoch wohler.

Offroad-Tauglichkeit

Zum Abschluss fehlt nur noch ein kurzer Offroad-Check. Der Kia Sorento kommt ab Werk mit Allradantrieb und sperrbarem Mitteldifferenzial. Mit groben Schotterwegen, matschigen Waldwegen und der ein oder anderen Steigung hat er keine Probleme. Die grobstolligen Reifen haben sowohl auf der Straße als auch auf unbefestigten Wegen immer ordentlich Grip.

Bei der kurzen Testfahrt in einem privaten Waldstück, mäht sich der Kia problemlos durch das Gestrüpp meistert ein ansteigendes Waldwegstück und watet durch Matsch. Bei einer aus dem Boden ragenden Baumwurzel ist jedoch Schluss, hier fehlt es dem Sorento an Bodenfreiheit.

>>> Testerin 3: Idee lockt, Umsetzung hakelt

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Andreas Becker
Testerin 3, Gesa Marx. Sie war mit dem Camping-Kia in Süddeutschland unterwegs.

Gesa Marx, Campingbus-Expertin von promobil: Hundegebell und ein schreiendes Baby reißen mich aus dem Schlaf. Ich brauche einen Moment, um die Geräusche und die dunkelgrauen Zeltwände zuzuordnen. Es ist Mitte Juni und wir sind das erste Mal seit dem Corona-Lockdown wieder campen. Statt im Campingbus sind wir mit Dachzelt unterwegs. Hund und Kind sind unsere Parzellennachbarn auf dem Dreiländercamp in Lörrach. Auch Chris rechts von mir dreht sich verschlafen in seinem Schlafsack um und tut seinem Unmut über den Weckruf mit einer Grimasse kund. Der dunkle Zeltbalg schirmt nur Sonne gut ab, Außengeräusche hört man hingegen ungefiltert wie in einem klassischen Zelt hier oben.

Hier ist ein Maggiolina Grand Tour 360 Medium, ein Hartschalenzelt mit einer Liegefläche von 1,45 mal 2,10 Meter. Auch wenn die Matratze nicht sonderlich dick ist, so sorgen die Tellerfedern darunter für ein gutes Liegegefühl. Praktisch sind außerdem die Leselampe am Kopfende und die Seitentasche für meine Brille. Die "360" bezieht sich auf die acht Fenster, die das Dachzelt bietet. Selbst wenn’s richtig heiß ist, kann man alle Reißverschluss-Fenster dank Fliegengitter die Nacht über offenlassen.

Testcamping in Lörrach

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Der morgendliche Abstieg

Ich greife zu Brille links und meiner Jeans samt Shirt vom Vortag, die im Netz über dem Fußbereich liegen, ziehe mich an und krieche im Rückwärtsgang in Richtung Leiter. Blind ertaste ich die oberste Sprosse mit meinen Zehen. Danach wird der Abstieg einfacher. Vom Dach des Kia runter sind es mindestens 1,80 Meter. Unten angekommen, löse ich die Halterung des 20-Liter-Wasserkanister vom Heckmodul, stelle ihn auf Kofferraumkante und fülle Wasser in den Kochtopf. Praktischer wäre eine Halterung, von der Wasser direkt abgefüllt werden kann. Während das Wasser warm wird, greife ich meine Mundschutzmaske und Kulturbeutel und mache ich auf den Weg in Richtung Sanitärgebäude.

Wir sind mit dem Kia Sorento von Stuttgart nach Lörrach nahe der Schweizer Grenze gefahren. Ein bisschen rauskommen, Ablenkung von Shutdown und Homeoffice; wieder ein Real-Life-Test. Der Kia Sorento fährt sich gut, das Automatikgetriebe schaltet angenehm, Assistenzsysteme zum Spur- und Tempohalten funktionieren einwandfrei. Da der Pkw mit Dachzelt ausgestattet ist, sind maximal 120 km/h erlaubt – eine angenehme Reisegeschwindigkeit, wie wir sie vom Reisen in Campingbussen gewohnt sind. Überrascht haben die doch deutlich hörbaren Windgeräusche des Dachzelts und das knarzende Heckmodul von Front Runner.

Zurück am Auto wartet Chris mit frischem Kaffee und Müsli mit Banane. Ich plumpse in einer der zwei Regiestühle, werde wach von der frischen Luft und dem heißen Koffein. Wir sitzen unter der Markise unseres auf Offroad getrimmten Kia. Auch wenn Kuhfänger, Ersatzrad oder Axt Abenteuer schreien, so fehlt es dem Testwagen an Campingbasics. Den oben erwähnten Gaskocher und unsere mobile Kühlbox etwa mussten wir selbst mitbringen. Eine extra Batterie zum Laden von Smartphone oder Kameraakkus sucht man ebenso vergeblich.

Wie gut ist die Ausstattung in der Praxis?

Praktisch hingegen sind die zwei Stühle samt Campingtisch und die tiefen Schubladen im Kofferraum. Das Heckmodul sitzt mittig im Kofferraum und wird beidseitig von Spannschrauben gehalten, wodurch wertvoller, seitlicher Stauraum nur bedingt nutzbar ist. Auf den Schubladen sind mit Zurrgurten Wasserkanister und zwei weitere Stauboxen befestigt. Unser Gepäck und Geschirr für ein Wochenende passen gut rein in die vorhandenen Fächer, für eine längere Reise muss man zu zweit bedachter packen. Fürs nächtliche Suchen nach einem Paar Socken bietet der Kia am Heck zwei LEDs, fürs abendliche Bier ist an einer der Schubladen außerdem ein Flaschenöffner befestigt.

Nachdem Frühstück räumen wir Wertsachen ins Auto und schließen ab. Campingstühle samt Tisch und Markise lassen wir stehen. Mich stört das ständige Rumgeräume: Ob Handtuch, Kulturbeutel oder Kochtopf – irgendwas muss immer von A nach B gewuchtet werden, um an C zu kommen. Um z.B. an die hintere Packbox auf dem Heckmodul zu kommen, muss die vordere rausgeräumt werden oder man greift von der hinteren Seitentür auf sie zu. Dazu muss wiederrum erst die Leiter vom Dachzelt weichen. Einschränkend auf einem Campingplatz ist außerdem, dass ich zum Um- und Anziehen entweder ins Auto oder hoch ins Zelt muss.

Das Lörracher Umland entdecken

Da die Grenze zur Schweiz zum Testzeitpunkt noch geschlossen ist, haben wir uns für eine Wanderung rund um die Burgruine Rötteln entschieden. Direkt vom Campingplatz aus geht’s hoch. Der Aufstieg lohnt sich, da es neben einem guten Ausblick einen empfehlenswerten Burgbiergarten gibt. Nach einer Wanderung durch den Wald bei der Burg wollen wir abends grillen. Da wir – wie es sich gehört – nicht etwa im freien Gelände campen, sondern auf einer Parzelle stehen, können wir das Lagerfeuer-Grillgestell für offenes Feuer des Testwagens nicht ausprobieren. Wir nutzen unseren mitgebrachten Tischgrill, sitzen am schweren Edelstahl-Campingtisch und philosophieren, für welche Szenarien unser Testwagen Vorteile gegenüber einem fest ausgebauten Camper hat.

Unser Ergebnis: Entlegene Savannen oder Wüsten. Länder, in denen freies Camping bedenkenlos möglich ist oder auch Orte, wo man sich ungestört im Freien umziehen kann. Doch auch hier bräuchte es noch ein paar Campingupgrades wie ein Solarpanel und eine Kühlbox. Auf dem Lörracher Campingplatz ist der Kia ein netter Showstopper mit hier unausspielbarem Abenteuerfaktor, der für mich im Gegensatz zum Campingbus mehr Nach- als Vorteile mitbringt.

Dreiländercamp Lörrach 79539 Lörrach (D) 1 Bewertung 32,80 EUR/Nacht

Vor- und Nachteile des Kia Sorento mit Dachzelt

Basifahrzeug

 Wandler schaltet angenehm, gute Traktion
 sehr guter Abrollkomfort der Offroadreifen
 beeindruckende Optik, bequeme Sitze
 gutes Soundsystem von Harman Kardon
 Offroadtauglich durch Unterfahrschutz und Allrad
 / ACC sehr zuverlässig aber könnte "intelligenter" sein (nach Überholen)
 Nur 3+1 Sitzplätze, da 4. Platz für Ersatzrad genutzt wird
 Ersatzradkonstruktion und Heckmodul deutlich hörbar während der Fahrt
 Windgeräusche vom Dachzelt ab 110 km/h

Camping

 kompakte, bequeme Regiestühle
 praktische Markise mit ausgeklügeltem Verstausystem
 LED-Lichtsystem mit App
 / hochwertiger, aber sehr schwerer Tisch mit praktischer Verstaumöglichkeit
 / praktisches Stauraumsystem, teilweise schwer zugänglich und Kofferraumkapazität nicht ideal ausgenutzt (z.B. Zwischenbodenfach)
 unvollständige Campingausstattung (z.B. Kühlbox, Gaskocher, Batteriewächter fehlen)
 Position des Wasserkanisters nicht zum direkten Gebrauch geeignet

Dachzelt

 hochwertig verkleideter Dachhimmel im Zelt
 bequemes Bett ohne Abstriche mit Platz genug für zwei Erwachsene, bis 195cm Körpergröße geeignet
 gut positionierte Aufbewahrungsnetze und Leseleuchte
 Durchlüftungsmöglichkeiten
 fixer Aufbau, Kurbel funktioniert problemlos
 / dunkler Zeltbalg schirmt Licht gut ab, heizt Dachzelt aber auch schnell auf
 Umgebungsgeräusche komplett hörbar
 Reißverschlusslösung beim Einstieg bei schlechtem Wetter nicht ideal

Kia Sorento 2.2D AWD AT PLATINUM STD im Überblick

Ausführung: Platinum Edition, 147 kW (200 PS)
Grundpreis: 52.950 Euro
Antrieb: Elektronisch geregelter Allradantrieb, 8-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
Anhängelast Baureihe: 2.000 kg

Offroad-Umbau: 9.789 Euro

  • 4x General Grabber AT3 Reifen 235/55 R19 105H: 790 Euro
  • Rival Unterfahrschutz 4mm Alu Motor / Getriebe: 239 Euro
  • Kofferraum- / Heckklappenbeleuchtung: 400 Euro
  • Zusatzscheinwerfer (per App bedienbar): 1.100 Euro
  • Frontbügel und Heckbügel schwarz mit Nebenbügel: 1.450 Euro
  • Seitenrohre schwarz mit Trittfläche: 550 Euro
  • Geänderte Stoßdämpfer VA + HA: 1.900 Euro
  • Höherlegung ca. 60 mm (nur in Verb. mit geänderten Stoßdämpfern): 1.600 Euro
  • Reserveradhalter Innenraum (Einzelanfertigung): ab 400 Euro
  • Vollwertiges 5. Reserverad (Serienalufelge mit General Grabber AT3): 1.360 Euro

Camping-Umbau mit Dachzelt: 8.105 Euro

  • Maggiolina Grand Tour 360 Medium-Dachzelt: 3.419 Euro, Tellerfederung: 427 Euro
  • Front Runner Slime Line II Dachträgersystem 1.145 Euro
  • Front Runner-Markise: 325 Euro
  • Front Runner Doppelschubladensystem: 1.545 Euro
  • Front Runner 20-Liter-Wasserkanister mit Hahn: 57 Euro
  • 2x Front Runner Packkiste: 96 Euro
  • 2x Front Runner Campingstuhl + Edelstahltisch: 152 Euro + 525 Euro
  • Front Runner Axt + Halterung; Schaufel + Halterung: 99 Euro; 99 Euro
  • Säge und Grill: 65 Euro; 145 Euro

Umbaukosten circa: 6.165 Euro

Testwagenpreis insgesamt (Basisfahrzeug + Umbau): 77.009 Euro

Fazit

Philipp Heise: "Die Attraktivität eines Fahrzeuges bemisst sich für mich in den Möglichkeiten, die es bietet. Mit dem umgebauten Sorento kann man beispielsweise jederzeit zu kleineren oder größeren Abenteuern aufbrechen, komfortabel reisen, leichtes Gelände bezwingen, die Nacht dank LED-Leiste zum Tag machen und relativ gut in seinem Dachzelt schlafen. Damit sammelt er jede Menge Sympathiepunkte. Für meinen Geschmack dürfte er allerdings etwas weniger Showcar (Reserveradhalter mit Axt und Co.) sein. Wichtiger wären mir eine ähnlich effiziente Raumnutzung wie im Caravan und mehr Camping-Ausstattung. Anstatt des in meinen Augen verzichtbaren, weil raumintensiven, Kofferraumausbaus, wären mir persönlich entnehmbare Campingmodule mit Koch- und Kühlmöglichkeit lieber. Eine kleine, aber sinnvolle Ergänzung wäre zudem ein Batteriewächter, der beispielsweise via App die Energiereserven aufzeigt."

Florian Greiner: "Wer es drauf anlegt, kommt mit dem Sorento sicher auch in abgelegene Gegenden. Wohler fühlt er sich aber auf normalen Landstraßen und Schotterwegen. Ich persönlich würde beim Ausbau auf das Reserverad im Auto verzichten, um den Camper flexibel zum normalen PKW umbauen zu können. Das Dachzelt ist bequem, unkompliziert im Auf- und Abbau und schlechtwettertauglich."

Gesa Marx: "Der Kia Sorento fährt sich im Gegensatz zu vielen ausgebauten Campingbussen angenehmer und hat praktische Assistenzsysteme mit an Bord. Derart knarzenden Schubladen im Heck und deutlichen Windgeräuschen am Dachzelt habe ich aber nicht erwartet. Im Campingalltag sind viele Handgriffe erforderlich, da je nach Situation Campingequipment nicht immer direkt zugänglich ist. Zudem fehlen Basics wie Kühlbox, Gaskocher oder Aufbaubatterie. Für mich ist die Fahrzeuglänge von 4,80 Meter im Gegensatz zu einem T6-Bulli mit 4,89 Meter oder einem kurzen Kastenwagen mit 5,40 Meter ein zu geringer Vorteil. Nächstes Mal wähle ich wieder den kompakten Campingbus."