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Einparkhilfe Trailer Assist von VW im Test

Rangieren ohne Denken?

CARAVANING hat den Trailer Assist im Skoda Octavia getestet. Mit der Hilfe eines Joysticks parkt der Wohnwagen quasi von allein. Vor allem für Anfänger im Gespannfahren eignet sich das System. 

Per Knopfdruck und einfacher Steuerung soll sich der Wohnwagen ganz leicht manövrieren lassen. In der Theorie klingt das nach einer großen Hilfe, doch wie schlägt sich der Trailer Assist im Praxistest? Wir haben den Test mit einem Skoda Octavia und einem Sterckeman Alize Trend 480 gemacht.

Wir haben uns einen Skoda Octavia geschnappt und zwei Kollegen gecastet. Mit zum Test musste, wer noch nie im Leben mit Anhänger gefahren ist und wer rudimentäre Fahrpraxis mit Anhänger hat. Startplatz eins sicher war damit Online-Redakteurin Lisa Geiger. Proband Nummer zwei wurde Redakteur Thomas Gerhardt. Als Routinier und damit Dritter im Bunde war der Autor mit von der Partie. 

Trailer Assist im Einpark-Test

Der erste Testparcours und damit die Aufgabe ist schnell gestellt: Umdrehen auf einer T-Kreuzung. Und zwar ohne Trailer Assist. Lisa, sichtlich nervös, macht den Anfang, positioniert das Gespann in der Pylonengasse und schiebt den Wählhebel von D auf R. Sie lenkt, erschrickt und hält an. Flehend schaut sie rüber zum Beifahrersitz. Ein paar kleine Tipps später kurbelt Lisa weiter nach dem Versuch-und-Irrtum-Prinzip. Stoppt, fragt nach, macht weiter. Trotzdem knarzen die Pylonen – und zwar nicht nur hinten, sondern auch vorn am Zugwagen. Ganz klar: Mit das Schwierigste für Anfänger ist, vor lauter Konzentration auf den Caravan und den Knickwinkel den Fahrweg des Zugwagens nicht aus den Augen zu verlieren. Annähernd fünf Minuten braucht Lisa schließlich, um den Caravan rückwärts in Position zu bringen. 

Thomas registriert auf Basis zurückliegender Erfahrungen schneller, wie der Caravan auf Lenkbewegungen reagiert. Rund zwei Minuten vergehen, bis das Gespann rechtwinklig zur virtuellen Hauptstraße in der Abzweigung steht. Doch auch Thomas hat Mühe, Zugwagen und Caravan im Blick zu behalten. Dass Routine sicher macht, wird beim dritten Durchgang offenbar. Nach knapp einer Minute steht der Zug. 

Anfänger kommen mit Skoda Trailer Assist gut zurecht

Dann ist Lisa wieder an der Reihe. Diesmal darf sie den Knopf mit dem Lenkradsymbol drücken. Zwar braucht sie auch im zweiten Turn mit Trailer Assist ein wenig Gewöhnung, doch findet sie auf Anhieb besser durch die Pylonengasse. Besonders deutlich wird das in der als zweite Übung aufgebauten S-Kurve. Genauso wie Thomas hat sie keine Probleme damit, statt den Zugwagen den Caravan per Spiegelversteller zu lenken. Genau das stellt den Routinier vor eine Herausforderung. Wer den Wechsel aus Lenkeinschlägen gegen und in die Fahrtrichtung verinnerlicht hat, muss bei Trailer Assist umdenken. Und so verkürzt Lisa ihre Zeit von fünf auf zwei Minuten, Thomas von zwei auf 1:40 Minuten, der Autor aber braucht 20 Sekunden länger. Die größte Umstellung für Gespannprofis ist die Verzögerung, mit der der Caravan die Richtung ändert. Liegt die Konzentration auf dem Anhänger, ist man mit Richtungsbefehlen per Joystick tendenziell zu spät dran – weil der Zugwagen seine Lenkmanöver selbst bestimmt, was wertvollen Fahr- und Reaktionsweg kosten kann. Ohne Assistent leitet man die Bewegung intuitiv früher per Lenkrad ein. Dem System ankreiden kann man das aber nicht – das beweisen die deutlich sichereren Rangierfahrten der weniger geübten Fahrer.

Wirklich Spitze ist die Funktion „Richtung fixieren“: Sobald der Caravan in gewünschter Position ist, hält ihn der Skoda per Knopfdruck am Spiegelknopf exakt in der Spur. Auch das Einklappen des Gespanns verhindert Trailer Assist. 

Was noch fehlt, ist die Überwachung des Zugwagens und die Einbindung einer Heckkamera am Caravan. Die vorderen Parksensoren erkennen nur, was vor dem Skoda ist. Denn was hinter Vorderrädern und Caravan passiert, bleibt im Dunklen. Für Profis übrigens genauso wie für Laien. 

Skoda Oktavia Trailer Assist
1:19 Min.

So funktioniert Trailer Assist

Der Rangierassistent nutzt (außer beim Audi Q7) die Rückfahrkamera statt der Parksensoren, weshalb sie immer zusätzlich bestellt werden muss. Über die Kamera registriert und misst die Steuerungselektronik den Knickwinkel des Anhängers hinter dem Zugfahrzeug – im Audi tut dies ein Sensorring im Kugelkopf der Anhängekupplung. Die jeweiligen Informationen werden mit dem über den Spiegelversteller oder den Dreh-/Drücksteller (Audi) angegebenen Fahrtrichtungswunsch abgeglichen und an die elektromechanische Lenkung weitergegeben. Die hinteren Parksensoren sind beim Anhängerbetrieb ausgeschaltet, die vorderen bleiben aktiv.

In der Praxis überzeugt das System vor allem durch die Möglichkeit, die Anhängerfahrtrichtung zu fixieren. Man kann sich also sicher sein, dass der Anhänger in der Spur bleibt. Außerdem verhindert Trailer Assist, dass das Gespann einknickt, sich also Stoßfänger und Deichsel berühren. Beim Rangieren mit häufigen Richtungswechseln überzeugt es nicht ganz: Der Fahrer muss immer noch die Erfahrung haben, wenn er Steuerungsimpulse über den Joystick setzen muss. Die vorderen Parksensoren sind zwar aktiv, aber nicht mit der Bremse gekoppelt. So piept das Auto zwar, wenn der Bug einem Hindernis zu nahe kommt, doch anhalten tut es deswegen nicht. Für den Blick hinter den Caravan braucht man noch immer einen Einweiser.

Bei diesen Fahrzeugen gibt es Trailer Assist

Für folgende Modelle ist Trailer Assist ab Werk erhältlich:

  • Audi: Q7, Q8,
  • VW: Golf, ­Touran, ­Tiguan, ­Touareg, Passat und Crafter
  • Skoda: Octavia, Karoq und Kodiaq.

Fazit

Die Anhänger-Anfängerin (Lisa Geiger):
„Theoretisch war mir klar, dass ich beim Rangieren in die entgegengesetzte Richtung lenken muss. Doch als es ernst wurde, war alles weg – ich wollte am liebsten aussteigen. Mit Trailer Assist war dann alles ganz logisch: Rechts ist rechts und links ist links. Natürlich muss man sich trotzdem ans Fahren mit Anhänger gewöhnen.Ich würde das Assistenzsystem kaufen.“

Der Halb-Profi (Thomas Gerhard):
„Da ich schon einmal mit Anhänger gefahren bin, habe ich schnell ein Gefühl für die Reaktionen des Gespanns entwickelt. Wenn man es langsam angeht, ist man so auch auf der sicheren Seite. Darum hat mich die leicht verzögerte Reaktion von Trailer Assist anfangs irritiert. Man muss eben auch den Umgang mit dem System lernen, um all seine Vorteile auch wirklich nutzen zu können. Der Aufpreis wäre mir trotzdem zu hoch.“

Der Gespann-Routinier (Ingo Wagner):
„Ich brauche Trailer Assist nicht. Ich würde anders darüber denken, wenn das System die Umgebung des Zugwagens, vor allem den Bereich hinter den Vorderrädern, besser im Blick hätte und mich vor Hindernissen warnen würde. Auch die Kombination mit einer Anhänger-Kamera würde ich mir wünschen. Top sind die Richtungsfixierung für die Rückwärts-Geradeausfahrt und der Schutz vor dem Einknicken des Gespanns.“

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