Seitenansicht von Knaus Travelino CARAVANING

Ballast-Revolution im Superleicht-Caravan

Erstvorstellung Knaus Travelino (2015)

Vier Betten, Gas, Wasser, Heizung, 650 Kilo: Der Knaus Travelino hat das Zeug, die Caravan-Welt auf den Kopf zu stellen. Es wird auch Zeit! CARAVANING hat sich die 2015er-Version des Superleicht-Caravans  genauer angeschaut.

Die sicherste Methode, um abzunehmen? Das Weglassen. Das Schwerste am Abnehmen? Das Weglassen. Und das Schlimmste beim Abnehmen? Das teilweise Weglassen. Nur ein bisschen nippen, beißen, probieren? Eine Qual, weil einem die Konfrontation mit dem, was man eigentlich gern in Hülle und Fülle hätte, bewusst macht, dass doch etwas fehlt.

Was für den Menschen gilt, ist auch auf Caravans übertragbar. Wer hat es nicht schon alles probiert, besonders leichte Wagen unters Volk zu bringen: Dethleffs mit dem Tourist Light, den man besser nicht zu fest anpackte, weil sich die hauchdünnen Möbelwangen dann bogen. Oder Hobby mit den Easy-Modellen, die letztendlich nicht leicht genug waren, um fehlende Ausstattung und geringere Materialstärken zu rechtfertigen.

Leichtbau-Konstruktionen wie die dicken GfK-Böden eines Bürstner Premio oder Eriba Nova SL, der aufgrund seiner Ausstattungsfülle und Opulenz natürlich trotzdem schwer ist, dürfen schon als Ausnahme angesehen werden. Um es abzukürzen: Mit dem Hinweis auf Kosten und Konstruktionsmethoden werden Caravans seit Jahrzehnten auf fast die gleiche Art und Weise hergestellt. Und jetzt das.

Knaus Travelino revolutioniert das Caravan-Gewicht

650 Kilogramm, reisefertig, also mit Gas, Wasser und einer Kabeltrommel an Bord! Und ausgestattet mit zwei Betten, die – zumindest wenn man es kuschelig mag – groß genug für je zwei Personen sind, einer Gasheizung des Typs Truma 2400 E und einer Therme.
Die neue Leichtgestalt am Caravanhimmel hat bereits einen Namen und einen Preis: Knaus Travelino, 16.900 Euro teuer. Ab 16.900 Euro, Pardon. Hier macht also auch das designierte Wunderkind keine Ausnahme.

Bei allen anderen Dingen schon. Eines vorweg: Den in Handarbeit entstehenden Prototyp mochte uns Knaus noch nicht zeigen. Er wird wohl erst knapp vor dem Caravan-Salon Düsseldorf fertig. Doch als erstes und einziges Magazin durfte CARAVANING Möbelteile begutachten und realistische Zeichnungen sehen, die wir Ihnen an dieser Stelle nicht ohne Stolz präsentieren.

Wie kam es zu der Entwicklung?

Vor dem Blick in die Zukunft steht eine kurze Rückschau auf die Caravan-Salons der Jahre 2013 und 2014. Bereits 2013 führte Martin Ross, Designer und Entwickler beim Möbel-Zulieferer Vöhringer, interessierte Besucher durch einen noch rudimentär, aber sehr flexibel möblierten Leichtcaravan – Kleberreste und Blessuren an den Fingern zeugten von der fieberhaften Handarbeit in den Nächten vor der Messe. Im Folgejahr hat Knaus die zwischenzeitlich komplett möblierte Studie adoptiert und bereits unter dem Namen Travelino ausgestellt.

Der Vergleich der Studie mit den Zeichnungen des Serienwagens zeigt: Die von Martin Ross erfundene Möbeltechnik, die Materialien und das Grundrisskonzept werden tatsächlich übernommen.

Was macht den Knaus Travelino zum Leichtgewicht?

Wie also schafft Knaus es, einen vollwertigen Caravan so leicht zu machen? Zuerst einmal durch den Mut, mit einem weißen Blatt Papier anzufangen. Und damit ohne Rücksicht auf Materialien, Gleichteile, Produktionsmethoden und – zumindest am Anfang – den Preis. Dass der gar nicht mal explodiert ist, mag für Außenstehende wohl eine der größten Überraschungen beim Projekt Travelino sein.

"Kein einziges Element", beschwört Knaus-Geschäftsführer Gerd Adamietzki, "wurde einfach so übernommen. Wir haben wirklich alles neu entwickelt." Das beginnt beim Mobiliar, das aus einem rund zwölf Millimeter dicken Sandwich besteht: Zwei dünne Sperrholzplatten nehmen eine Wabenstruktur aus Papier in die Zange und werden so zu einem leichten, aber steifen Werkstoff.

Intelligente Verbindungstechnik und Materialien wie Carbon

Viel außergewöhnlicher als das Material ist die patentierte Verbindungstechnik: Haken an einer Möbelplatte greifen in Ausfräsungen in der anderen. Durch das relativ dicke Sandwich entsteht so eine erstaunlich biegesteife Verbindung. Außerdem verzichtet Knaus wo möglich auf Metallbeschläge. Schiebetüren und offene Ablagen ersetzen die ein oder andere Klappe und Tür.

Der 2,10 Meter breite Aufbau besteht aus einem holzfreien Sandwich. Geschlossenporiger XPS-Schaum und Compactfoam sorgen für die Dämmung, GfK-Platten innen und außen für Robustheit. Über den Boden möchte Knaus noch wenig preisgeben. Denn: Erst zum zweiten Mal nach dem Projekt Cristall 2000 (1999) verzichtet ein Caravan auf ein durchgängiges Chassis. Alko hat ein Fahrwerk mit maximal 1000 Kilogramm Tragfähigkeit entwickelt – bis zu diesem Wert ist der Travelino auflastbar – , das hinter der Achse endet. Das heißt, dass der sehr dicke GfK-Boden nicht nur torsionsfest sein, sondern auch Verstärkungen zur Aufnahme der Kurbelstützen haben muss. Die Frage, ob der Boden auch Installationen wie Wasser-, Strom- oder Heizungsleitungen aufnimmt, hat Knaus verneint. Die sichtbaren Kanten der Seitenwände verraten eine weitere Besonderheit des Travelino: Der gesamte Aufbau wird verklebt statt verschraubt. Für den ganzen Wagen wird deswegen "nur eine Handvoll" Schrauben benötigt, wie Gerd Adamietzki es sehr bildlich ausdrückt.

Mehr als eine Handvoll Euro braucht, wer einen geräumigen Bugstauraum statt eines minimalistischen Flaschenkastens möchte. Denn: Zum ersten Mal im Caravanbau soll hierfür echtes Carbon zum Einsatz kommen. Damit man das sündhaft teure Material auch sieht, soll es nur klarlackiert werden. Des Weiteren sollen beim Kauf des Carbon-Paketes auch die Sichtkanten der Seitenwände, der Heckleuchtenträger und die Felgen zumindest teilweise aus Kohlefaser bestehen.

Bordtechnik und Betten

Knaus verspricht, dass der Travelino so flexibel bleibt wie die Studie. Was bedeuten würde, dass sich die Kühlbox unter dem Bett nach draußen schieben lässt. Doch die mobilen Kocher der Studie scheinen nun doch einem fest eingebauten Herd zu weichen. Ebenfalls ad acta gelegt hat Knaus Elektroheizung und -herd sowie die absenkbare Luftfederung. Dafür künden Beschreibung und Bilder von neuen Dachhauben. Einige konkrete Daten verrät Knaus aber dann doch: Das Bugbett misst 2,00 mal 1,35/1,25, das Heckbett 2,00 mal 1,35/1,05 Meter. Matratzen und Polster sind natürlich besonders leicht – alles andere wäre auch eine echte Überraschung gewesen.

KOMMENTAR von Chefredakteur Ingo Wagner

Das wird wohl noch was Größeres! Eine Schwalbe macht genauso wenig einen Sommer wie zwei Möbelplatten einen Caravan. Ich hätte wirklich gerne mehr gesehen vom entstehenden Travelino. Doch obwohl nur Zeichnungen präsentiert wurden, glaube ich, dass es Knaus schaffen kann, den Caravan auf ein höheres Technik-Level zu heben. Denn selbst wenn der Travelino aufgrund seiner kompakten Maße oder seines Designs nicht zu Hunderten verkauft wird, schiebt er eine Entwicklung an, die überfällig ist. Ich bin jedenfalls extrem gespannt, wie sich der Travelino anfühlt. Wenn Knaus es schafft, Leichtbau mit Wohlfühlen zu kombinieren, freue ich mich auf den ersten waschechten Familien-Caravan, der leer nur eine knappe Tonne wiegt. Damit man nicht extra ein SUV kaufen muss, um ihn überhaupt ziehen zu können.

Übersicht: Leichtbau-Caravan Knaus Travelino
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