Kuckoo Camper Bruno Andreas Becker
Kuckoo Camper Bruno
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Umweltfreundlicher Kuckoo Camper Bruno (2021)

Kuckoo Camper Bruno (2021) Nachhaltiger Minicaravan als Pandemie-Idee

Wohnwagen und Solidaritätsprojekt: Der leichte Minicaravan Bruno hilft von Corona kaltgestellten Messebauern, die ihn auf Basis von CNC-Daten in Lizenz produzieren. Und die Umwelt lacht mit.

Mit wachem Geist kann trotz gebundener Hände ganz Erstaunliches entstehen. Ein Fair-Trade Minicaravan aus lokalem Anbau zum Beispiel. Aber das muss man vielleicht genauer erklären. Es gibt Branchen und Gewerke, die von der Corona-Pandemie besonders schwer getroffen werden. Messebauer gehören zu jenen Unternehmen, deren Tagesgeschäft, Einnahmen und Maschinen von heute auf morgen ausgeknipst wurden.

Peter Schneewolf und Markus Gärtner sind als Geschäftsführer einer Werbeagentur im schwäbischen Löchgau Teil dieses Ökosystems Messe- und Veranstaltungsbau, konnten sich aber durch den temporären Umstieg auf die Herstellung von Trennscheiben, Desinfektionsmittel-Spendern und anderen akut begehrten Produkten gut über Wasser halten. Mehr Zeit für Kreativität blieb trotzdem, und so keimten bereits im Sommer 2020 die Idee und der Wille, einen Minicaravan zu entwickeln. Zusätzlich Öl ins Feuer der Begeisterung kippte Grafiker und Bulli-Fan Dani Blum, der bereits privat einen Teardrop gebaut hatte.

Kuckoo Camper Bruno
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Die Outdoor-Produktion ist nicht Teil des Konzepts, aber symbolträchtig: Bruno kann bauen, wer Platz und Holzbearbeitungsmaschinen hat.

Im Laufe des Entstehungsprozesses reifte ein weiterer Entschluss: Design (Dani), Konstruktion (Peter) und Materialien (Markus) wurden so gewählt, dass die Bauteile des Minicaravan-Aufbaus auf handelsüblichen 5-Achs-Fräsen und mit Standardwerkzeugen produziert werden können – mit Equipment also, das bei den meisten Messebauern ohnehin vorhanden ist, aber aktuell eben nicht zum Einsatz kommt.

Sogar das gebremste Chassis lassen Schneewolf, Gärtner und Blum, die zwischenzeitlich gemeinsam die Kuckoo Camper GmbH leiten, bei einem Fahrzeugbauer in der Umgebung fertigen, der es aus bewährten Komponenten zusammenfügt. Damit ist das Fahrwerk Stand heute auch die einzige Sache, für die man noch Logistik braucht. Denn weil Kleincaravans quasi beim Kunden gebaut und verkauft werden können, muss kein Material durch die Gegend speditiert werden. "Wir können drei Chassis auf eines laden, das macht die Abholung auf Achse effizienter", relativiert Peter Schneewolf diesen Umstand.

Das Geschäftsmodell von Kuckoo Camper sieht vor, dass interessierte Firmen die Lizenz zur Nutzung von CNC-Daten erwerben. Auch Workshops und Unterstützung bei Einkauf und Marketing dürfen künftige Produzenten von den Werbern aus Löchgau erwarten. Zwei Partner haben bereits eingeloggt. Darüber, wo es Bruno gibt und wie er sich entwickelt, hält die Website kuckoo-camper.de auf dem Laufenden.

Nachhaltiges Caravan-Konzept

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Die Regale, Truhen und Dachspiegel sind Teil des Aufbaus und daher „unverhandelbar“.

Nachhaltigkeit steckt aber nicht nur im Vertriebskonzept, sondern auch in Bruno selbst: Der Korpus, der mit sechs Rändelschrauben auf dem Chassis befestigt wird und darum als Ladung gilt, besteht aus verleimtem Birkensperrholz.

Die Achse ist auf eine zulässige Gesamtmasse von 1300 Kilogramm ausgelagert, kann aber auf 750 Kilogramm abgelastet werden. So braucht man für Bruno keinen Anhängerführerschein. Und man kann das Chassis auch für anderweitige Transportaufgaben einsetzen. Sämtliche Frästeile des Aufbaus werden miteinander verzapft und schließlich verschraubt. Die Truhen in Heck und Bug sowie die Quertraversen am Dach sind Teil des Stabilitätspakets und damit unveränderbar.

Nachdem alle Schraubenlöcher verspachtelt wurden, werden die Kanten mit dichtendem und stabilisierendem Glasfasergewebe belegt und der gesamte Korpus mit wasserdichtem Epoxidharz aus dem Bootsbau versiegelt. Die endgültige Schutzschicht bildet eine PU-Beschichtung, die gespritzt und gerollt und somit ohne spezielle Lackierausrüstung aufgebracht werden kann.

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Der Serien-Tisch wird keinen Fuß mehr haben, die Matratze künftig so faltbar sein, dass daraus zwei Lounge-Sofas gestapelt werden können.

Kurz vor der Serienreife stehen Unterflurstaufächer und eine Deichselbox, die mit dem Chassis verbunden sind, also montiert bleiben, wenn sich Bruno und Räder trennen.

Kleinserie und Handarbeit schlagen sich freilich auch auf den Preis nieder: Mit 14.990 Euro ist der "Squaredrop" kein Schnäppchen. Doch wenn man bedenkt, dass der Platz quasi dem eines VW-Busses ohne Fahrerhaus entspricht, geht es schon wieder: Bruno ist 4,45 m lang, 1,85 m hoch und 1,94 m breit. In Grundausstattung wiegt er rund 530 Kilogramm.

Die Ausstellfenster haben Jalousien und Moskitonetze. Ein Landstromanschluss sowie Außen- und Innenleuchte sind Serie. Natürlich lässt sich Bruno technisch und optisch weiter aufrüsten.