Adria
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Caravans und Zugfahrzeuge des letzten Jahrhunderts

Ein Blick in die Camping-Vergangenheit

Camping wird immer mehr zum Luxusurlaub: Großzügige Grundrisse, umfangreiche Ausstattung und teure Modelle. Doch einst war der Campingurlaub geprägt von Zelt und Luftmatratze. Hersteller zeigen ihre Camping-Oldtimer.

Bereits in den 1950er Jahren wollten die Menschen wieder vermehrt in den Urlaub fahren – am besten günstig. Gesagt, getan: Zelt einpacken, ab ins Auto und los geht's. Die Auto-Hersteller bemerkten diese Entwicklung und legten bei der Werbung ihrer Fahrzeuge ein Augenmerk auf die Camping-Branche. Deshalb sind viele der Fahrzeuge auch auf den Pressefotos mit einem Caravan oder Zelten zu sehen. Spannende Bilder aus dem letzten Jahrhundert haben wir für Sie zusammengesucht.

1950er Jahre

Renault

Große Show für ein kleines Auto
Aus den Archiven von Renault stammt dieses symbolträchtige Pressefoto einer Dauphine. Mitte der 1950er Jahre wollen die Franzosen mit ihrem neuen Kleinwagen den US-Markt erobern. Mit einem Augenzwinkern soll die Dauphine ihre Leistungsfähigkeit zeigen, als sie vor den TV-Studios des Senders NBC in New York samt riesigem Trailer von Elcar posiert. Tatsächlich muss der Heckmotor-Renault aber mit 30 PS auskommen. Für Renault endet das amerikanische Abenteuer nach anfänglichen Verkaufserfolgen mit übergroßen Lagerbeständen. In Europa wird die Dauphine ein echter Hit. Bis 1968 entstehen mehr als zwei Millionen Exemplare – und gar nicht wenige von ihnen werden auch als Zugwagen für Caravans eingesetzt.

Mit Luftmatratze und Zelt in die große Freiheit
Der Zweite Weltkrieg ist gerade mal vier Jahre vorbei. Die Menschen haben wieder etwas Geld und noch viel mehr Lust zu reisen. Wie könnte man die Vorzüge einer neu gegründeten Automarke besser ins Werbebild setzen als mit einer idyllischen Campingszene? Vor 70 Jahren beginnt in Schweden die Serienproduktion der Marke Saab. Im Bild: das erste Modell, der 92, der die Aerodynamik der Saab-Flugzeuge aufnimmt, mit seinem 25 PS starken Zweitaktmotor jedoch ein typisches Nachkriegsfahrzeug ist.

Saab

Als Zugwagen für Caravans taugt dieser Saab noch nicht. Erst 1956 wird er durch den stärkeren 93 ersetzt. In den 1960er Jahren experimentiert Saab mit dem Wohnwagen- und Wohnmobilbau. Die schwedische Automarke erlebt zwar später Höhenflüge, kommt aber immer mehr ins Trudeln. 2014 laufen die letzten Saab 9-3 in Trollhättan vom Band.

1960er Jahre

Ein Schwergewicht fürs Freizeitvergnügen
Als Neil Armstrong 1969 den ersten Fuß auf den Mond setzte, machte auch der General-Motors-Konzern einen großen Schritt: Vor 50 Jahren präsentierte Chevrolet den ersten Blazer. Abgeleitet von den großen Pick-ups des Konzerns, verfügte der Full-Size-Geländewagen über Allradantrieb, Automatikgetriebe sowie kräftige Sechs- und Achtzylindermotoren. Kein Wunder, dass der Blazer gerne als Zugwagen eingesetzt wurde.

Chevrolet

Auf dem hier gezeigten Pressebild, das zur Markteinführung entstand, bewegte er einen Bonanza Traveler. Während diese Marke längst untergegangen ist, hielt sich der Name Blazer bis 2005 im Chevrolet-Programm, allerdings nur in Form einer Downsizing-Variante. Der Full-Size-Blazer wurde in dritter Generation 1994 durch den Tahoe abgelöst. 2019 kam ein komplett neuer Blazer auf den US-Markt, erstmals mit nur vier Zylindern.

1970er Jahre

Eine europäische Erfolgsgeschichte
Der slowenische Hersteller Adria feiert 2019 seinen 55. Geburtstag. Als Marke des jugoslawischen Autokonzerns IMV ins Leben gerufen, durchlief Adria eine andere Historie als viele der damals neu gegründeten Caravanhersteller. Mangels echtem Heimatmarkt konzentriert sich Adria voll auf den Export und die Anforderungen in unterschiedlichen europäischen Ländern. Daran ändert sich nach dem Zerfall von Jugoslawien und IMV nichts – im Gegenteil.

Adria

Adria startet nun richtig durch und wird zum wichtigsten Importeur in vielen europäischen Ländern. Seit 2017 gehört Adria zur französischen Trigano-Gruppe, produziert aber unverändert in Novo mesto. Mit diesem Bild eines 380 bewarb Adria die Caravans der Saison 1971. Damals entschied man sich für einen blauen Streifen in Höhe der Fenster, der für viele Jahre charakteristisch blieb.

Ein löwenstarker Zugwagen für Caravans?
In den 1970er Jahren haben Wohnwagen Hochkonjunktur. Viele Pkw-Hersteller präsentieren ihre Modelle auf Pressebildern als potente Zugwagen. So auch Peugeot mit diesem Foto eines 304 von 1977. Die tatsächlichen Kraftverhältnisse können dem Löwen am Kühlergrill nicht ganz gerecht werden. Der Benziner leistet 65 oder 75 PS, der Diesel bis zu 47 PS.

Peugeot

Vor rund 50 Jahren erscheint der Peugeot 304 – als Weiterentwicklung des 204 – erstmals auf der Bildfläche und etabliert sich in der unteren Mittelklasse. Bis zum Produktionsende 1980 werden mehr als eine Million Exemplare gebaut. Vor allem bedingt durch heftigen Rost ist der 304 heute selten geworden, insbesondere die hier gezeigte Limousine. Ein Exot ist aus heutiger Sicht auch der angehängte Caravan, ein Roller Super B 2001 aus italienischer Produktion – und damit ein Urahn der Wohnmobilmarke Roller Team.

Zugstarker Dauerbrenner aus dem hohen Norden
Vor mehr als 25 Jahren endete die Produktion der Volvo 240er Serie – was nicht weiter erstaunt, wenn man bedenkt, dass die Baureihe zuvor immerhin 19 Jahre lang mit nur geringen optischen Änderungen gebaut wurde. Die Zielgruppe der Caravaner hatte Volvo stets im Blick, wie das offizielle Werksbild eines 244 GLE von 1979 mit einem Polar 570 – ebenfalls aus schwedischer Produktion – zeigt.

Volvo/Archiv

Heute noch besitzen die Schweden im Verhältnis zur Einwohnerzahl die meisten Caravans in Europa. Volvo druckte früher spezielle Verkaufsprospekte für den Einsatz als Zugwagen. Je nach Motorisierung waren in der 240er Baureihe Anhängelasten um 1500 Kilogramm möglich, was seinerzeit eine starke Ansage war. Die Benziner leisteten zwischen 82 und 155 PS. Auf dem deutschen Markt war der 240 als Kombi ungleich beliebter als die hier abgebildete Limousine und mit dem Beinamen Classic bis Frühjahr 1993 lieferbar.

1980er Jahre

Ein Zelt ab Werk für den Urvater der US-Mini-Vans
1988 startete der Chrysler Voyager offiziell auf dem europäischen Markt. Viele campingbegeisterte Familien schlossen den Ami mit der praktischen Karosserie sofort in ihr Herz. In seinem Heimatland USA zeigte Chrysler bereits drei Jahre zuvor, dass der für US-Verhältnisse kleine Van seinen Namen Voyager zu Recht trug. 1985 präsentierte man das „Magic Camper Package” für 1352 Dollar. Darin enthalten waren die Option “Convert-a-Bed”, um die Sitze zur Liegefläche umzubauen, sowie eine Raumerweiterung: Ein passendes Canvas-Zelt mit vier Schlafplätzen konnte vor der Schiebetür an der Dachreling befestigt werden. Hinzu kamen verstärkte Federung und Reifen, außerdem mehr Kapazität für Benzintank und Batterie. Die zu Anfang erfolgreiche Historie des Voyager – zuletzt als Lancia angeboten – endet in Europa 2015.

Chrysler
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