Nordseecamping zum Seehund/Wolfgang Pfrommer Nordseecamping zum Seehund/Ecocamping
Interview Ecocamping
Interview Ecocamping
Interview Ecocamping
Wolfgang Pfrommer 5 Bilder

Interview mit Klimaexperte Wolfgang Pfrommer

So klappt der umweltfreundliche Campingurlaub

Alle reden über Klimaschutz – aber wie funktioniert das im Urlaub? Wir sprachen mit Wolfgang Pfrommer, Klimaexperte bei der Initiative Ecocamping. Plus: 5 Tipps und Tricks für einen umweltfreundlichen Campingurlaub.

Als Verein hat sich Ecocamping zum Ziel gesetzt, den Umweltschutz in der Campingwirtschaft zu fördern. Anfang 2018 startete man das Projekt "CopingCamps". Es wird durch das Bundesumweltministerium gefördert und soll Platzbetreiber darauf vorbereiten, den Folgen des Klimawandels zu begegnen. Bereits vergangenes Jahr haben wir die beliebtesten Eco-Campingplätze zusammengefasst. Jetzt haben wir außerdem den Projektleiter Wolfgang Pfrommer über Camping und Klima befragt.

Was haben die Folgen des Klimawandels mit dem Campingurlaub zu tun?

Camping ist Urlaub in der Natur und das Wetter wird damit unmittelbarer erlebt. Die sonnigen Jahre 2018 und 2019 haben die Camper in Deutschland sicher gefreut. Der Campingtourismus ist jedoch auch durch die Zunahme von Extremwetterereignissen wie Hitze, Trockenheit oder starken Stürmen betroffen. Die Stürme im Herbst und Winter der vergangenen Jahre, Hitzetage mit Temperaturen über 40 Grad oder sinkende Wasserspiegel in den Badeseen deuten auf die Veränderungen hin und stellen die Campingunternehmer und ihre Gäste vor neue Herausforderungen.

Interview Ecocamping
Ecocamping, Campingplatz
Schon seit Jahren arbeitet der Ferienpark Seehof am Schweriner See 100 Prozent klimaneutral und erhielt dafür mehrere Gütesiegel.
Ihr Projekt richtet sich an Campingplätze. Sind den Betreibern die möglichen Probleme bewusst?

Auf jeden Fall! Doch nicht nur die Campingplatzbetreiber – auch die Camper selbst bemerken die Veränderungen. Die langen Phasen mit optimalem Campingwetter haben auch ihre Schattenseiten: Durch die Hitze wird die Gesundheit beeinträchtigt, der Rasen auf dem Standplatz wird bereits im Frühsommer trocken und die Schattenbäume verlieren im August die ersten Blätter. Nach der Campingsaison wird die Standhaftigkeit der Bäume durch die Stürme herausgefordert. Für Campingplatzbetreiber ist es wichtig zu wissen, ob die Anlage gegenüber Extremwetterereignissen und Auswirkungen der klimatischen Veränderungen ausreichend vorbereitet ist.

Wie können Campingplätze auf die Folgen des Klimawandels reagieren und wie können sie in Zukunft klimafreundlicher werden?

Entscheidend sind die gemeinsamen Anstrengungen zur Vermeidung von schädlichen Klimagasen. Da sind Campingplätze schon ganz gut. Die Erfahrungen der Campingplätze mit Ecocamping-Auszeichnung zeigen, dass noch deutlich mehr getan werden kann. Im Durchschnitt verursacht eine Übernachtung auf solchen Camps nur die Hälfte an Treibhausgasen wie auf anderen Plätzen. Beispielsweise setzen die Campingplätze verstärkt auf die Nutzung erneuerbarer Energie und energiesparender Technologien, sie verringern ihren Wasserverbrauch und ihre Abfallmengen. Die Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels ist aber genauso wichtig geworden. Die Experten von Ecocamping analysieren dabei gemeinsam mit dem Team des Campingplatzes die bereits sichtbaren Veränderungen und schätzen die zukünftigen Risiken möglichst konkret ein. Dann wird ein für den Campingplatz spezifischer Maßnahmen- und Entwicklungsplan erstellt, mit dessen Umsetzung der Campingplatz zukunftssicherer wird.

Wie klimafreundlich oder -schädlich ist Campingurlaub im Vergleich zu anderen Urlaubsformen?

Interview Ecocamping
Ecocamping, Campingplatz
Nordseecamping zum Seehund bei Husum trägt die Ecocamping-Auszeichnung „Klimafreundlicher Betrieb”.

Ein Vergleich der Klimarelevanz verschiedener Reise- und Urlaubsformen zeigt: Campingurlaub gehört zu den klimafreundlichsten Erholungsformen. Nur Fahrrad- oder reine Wandertouren sind noch klimaschonender. Im Vergleich zu einem klassischen Hotelaufenthalt verursachen Übernachtungen auf Campingplätzen fünf- bis zehnmal weniger CO2. Und einige Camps sind bereits klimaneutral oder erzeugen gar mehr erneuerbare Energie, als sie selbst verbrauchen. Ecocamping vergibt schon seit einiger Zeit die Auszeichnung "Klimafreundlicher Betrieb".

Unter welchen Bedingungen erhält ein Platz diese Auszeichnung?

Die wirklich anspruchsvolle Auszeichnung "Klimafreundlicher Betrieb" erfordert ein starkes Engagement. Insgesamt müssen 28 feste Kriterien nachweislich erfüllt werden. Selbstverständlich gibt’s auf diesen Plätzen nur Ökostrom. Die Energie für Heizung und Warmwasser kommt aus erneuerbaren Quellen oder effizienten Blockheizkraftanlagen. Die komplette Ausstattung des Campingplatzes ist energieoptimiert. Aber auch die Betreuung der Gäste orientiert sich an Klimaschutzaspekten wie Anregungen zum Fahrradfahren. In immer mehr Campingshops bekommt man Produkte von regionalen Erzeugern. Am Ende muss die CO2-Bilanz auf Null stehen, wobei der Rest an nicht vermeidbaren Emissionen kompensiert werden muss. Unsere Erfahrung seit der Einführung der Auszeichnung zeigt, dass die Anstrengungen für mehr Klimaschutz mit Ressourceneffizienz und damit auch Kosteneinsparungen einhergehen.

Was können Camper tun, um ihre persönliche CO2-Bilanz zu verbessern?

Schon die Entscheidung zu campen, anstatt in ferne Länder zu fliegen oder mit dem Kreuzfahrtschiff durch die Gegend zu schippern, ist ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz. Ein großer Anteil an Klimagasen beim Campen entsteht durch die An- und Abreise. Wer mit dem Fahrrad oder mit der Bahn anreist, ist fein raus. Wer das Auto oder Wohnmobil nutzt, kann mit spritsparender Fahrweise auch zum Klimaschutz beitragen. Grundsätzlich ist es natürlich besser, nicht so weit zu fahren und dafür länger an einem Ort zu bleiben.

Werden die Ergebnisse Ihres Projekts zu konkreten Veränderungen führen?

Interview Ecocamping
Ecocamping, Campingplatz
Ökostrom gehört zum Pflichtprogramm für umweltengagierte Plätze, hier Solarmodule auf Camping Klausenhorn am Bodensee.

Wir haben dutzende Campingplätze in dem Projekt beraten und mit ihnen Maßnahmen erarbeitet, die sie umsetzen werden. Für die gesamte Branche werden wir einen Leitfaden erstellen. Der Erfahrungsaustausch war auch ein Kriterium für das Bundesumweltministerium, das Projekt zu fördern. Eins ist klar: Die Campingplätze müssen und werden sich an den Klimawandel anpassen. So wird die Dämmung der Gebäude vor Hitze an Bedeutung gewinnen. Der Energiehunger der Klimaanlagen wird durch Solarstrom klimafreundlich gestillt. Die Standplätze werden mit trockenheitsresistenten Rasensorten eingesät. Bei Neupflanzungen wird auf klimaresistentere Arten gesetzt. Wo nötig werden die Entwässerungssysteme ausgebaut. Nach unserer Erfahrung sind die Campingmanager empfänglich für unsere Vorschläge sowohl für den Klimaschutz als auch für die Anpassung an den Klimawandel.

5 Klima-Tipps für den Campingurlaub

  1. Regionale Produkte kaufen, die nicht energie-aufwändig transportiert werden. Zudem werden die Bauern und Produzenten der Region unterstützt. Frisch schmeckt’s sowieso am besten.
  2. Verpackungsarm einkaufen und eigene Behälter nutzen. Den Rest an Abfall in der Wertstoffsammlung gut sortiert in die entsprechenden Container werfen.
  3. Ausflüge in die Umgebung mit dem Fahrrad unternehmen. Für weitere Distanzen bietet das Bus- und Bahn-Netz häufig attraktive Möglichkeiten.
  4. Die stationäre Klimaanlage im Wohnwagen, Wohnmobil oder der Mietunterkunft so wenig wie möglich nutzen und beim Verlassen ganz abstellen.
  5. Die Waschmaschine auch im Urlaub immer voll beladen und nur so warm wie nötig waschen. Die Wäsche wird trotzdem sauber und es wird viel Energie gespart.