Mit einer Folierung sind der INDIVIDUALISIERUNG IM INNENRAUM des Caravans kaum Grenzen gesetzt Ingolf Pompe
Mit einer Folierung sind der INDIVIDUALISIERUNG IM INNENRAUM des Caravans kaum Grenzen gesetzt
 Die gesamte Folien-Vielfalt findet sich in der dicken Musterbox.
Die hohe Kunst des Folierens ist das Moving.
Die hohe Kunst des Folierens ist das Moving. 6 Bilder

Wohnwagen-Möbel individuell mit Folie gestalten

So funktioniert die Möbel-Folierung im Wohnwagen Schneiden, legen, kleben

Mit einer Folierung sind der Individualisierung im Innenraum des Wohnwagens kaum Grenzen gesetzt. Wie gut das Verkleben von Folie funktioniert, hat CARAVANING ausprobiert.

Es hätte so schön sein können: Ausstattung, Zustand, Grundriss – alles passt, sogar der Preis des lang gesuchten Wunsch-Caravans aus zweiter Hand stimmt. Die Sache hat nur einen Haken: Die Farbe der Möbel entspricht überhaupt nicht dem persönlichen Geschmack. Was tun? Umlackieren ist sehr aufwendig und vor allem teuer. Wer nicht weitersuchen will, hat jetzt noch eine Alternative: Folieren statt Lackieren.

Auch für Besitzer, die Lust auf einen Tapetenwechsel haben, ist die Möbel-Folierung eine interessante Möglichkeit, um dem Innenraum eine persönliche Note zu verleihen. Das klappt natürlich auch bei Neufahrzeugen, falls das Möbeldekor ab Werk tatsächlich nicht passen sollte.

Folie bietet fast unbegrenzte Möglichkeiten: von Uni-Farben über Holzmaserung oder Steinstruktur, Metall- und Glitter-Look bis hin zu Stoff-, Leder- sowie Lack-Optik. Da ist für jeden noch so ausgefallenen Geschmack etwas dabei.

Darüber hinaus schützt die Folie die Möbeloberflächen vor Beschädigungen und soll sich auch nach Jahren rückstandslos entfernen lassen, was sich positiv auf den Wiederverkaufswert auswirken kann. 

Folie nicht gleich Folie

Die vielen Dekore basieren auf unterschiedlichen Folientypen: Papier-Folie eignet sich vorwiegend für plane Flächen. Sie wird auch im konventionellen Möbelbau verwendet und bietet eine ähnliche optische und haptische Anmutung. Wie wir beim Verkleben in unserem Testfahrzeug festgestellt haben, ist die Verarbeitung allerdings schwieriger als bei PVC-Folien, da sie weniger elastisch ist und an den Kanten leichter einreißt.

Folien auf PVC-Basis sind – mit dem Heißluftföhn erhitzt – verformbar, wodurch sie sich auch an Rundungen und Kanten anpassen lassen. Selbst PVC-Folien mit strukturierter Oberfläche, wie das von uns verklebte Exemplar mit abstraktem Wellenmuster, sind mit 300 Mikrometer Stärke flexibel einsetzbar.

Vorsicht bei günstigen PVC-Folien aus dem Internet. Dabei handelt es sich oft um sogenannte kalandrierte Folie. Sie ist nur bedingt für einen langfristigen Einsatz geeignet, da sie dazu neigt, sich mit der Zeit zusammenzuziehen. Billige Folien lassen sich oft auch schlechter verarbeiten, weil sie nicht über einen Luftkanalkleber verfügen, der die Bildung von Blasen unter der Oberfläche verhindert. Günstiger Kleber kann zudem beim Entfernen Rückstände hinterlassen, die sich schwer wieder entfernen lassen.

Bei PVC-Folien renommierter Hersteller handelt es sich in der Regel um gegossene Folien. Diese sind zwar deutlich teurer, dafür aber auch formstabil und langlebig. Viele Anbieter bieten beispielsweise für Innenraumfolien einige Jahre Garantie auf Ablösung und Ausbleichen des Materials. Voraussetzung dafür ist aber die fachgerechte Montage der Folie, entweder durch die Profis vor Ort oder in Eigenregie. Ersteres geht natürlich schneller, ist aber auch deutlich teurer als Selbermachen.

Wer sparen will und handwerklich geschickt ist, dem empfehlen wir die Do-it-yourself-Variante. Online finden sich hierzu viele Video-Anleitungen.

So wird’s gemacht

Um die Folierung zu erleichtern, sollten möglichst alle Klappen und Schubkästen ausgebaut werden.
Um die Folierung zu erleichtern, sollten möglichst alle Klappen und Schubkästen ausgebaut werden. Beim Ausmessen sollten an jeder Kante mindestens zwei Zentimeter zugegeben werden. Anschließend die Maße auf die Folienrückseite übertragen. Für den Zuschnitt eignet sich eine handelsübliche Haushaltsschere. 11 Bilder

Um ein gutes Ergebnis zu erzielen, braucht man neben hochwertiger Folie vor allem auch das richtige Werkzeug. Der Arbeitsplatz sollte möglichst staubfrei und warm sein, denn der Kleber entwickelt seine optimale Haftkraft erst bei einer Umgebungstemperatur zwischen 15 und 25 Grad Celsius. Damit der Klebstoff sich später nicht wieder ablöst, muss die Möbelloberfläche vorher gründlich mit einem speziellen Reinigungsmittel entfettet werden.

Bei Folien mit starker Oberflächenstruktur und an stark beanspruchten und gewölbten Klappenrändern, wo die Folie nicht auf Anhieb haftete oder sich durch kleine Radien ablösen könnte, mussten wir zusätzlich mit einem Haftvermittler, einem sogenannten Primer, nachhelfen. Er soll auch verhindern, dass sich die stark gespannte Folie an den Rändern abhebt.

Den sauberen Zuschnitt der Folie erleichtern scharfe Cutter-Messer. Abhängig von der Folienbeschaffenheit können die Abbruchklingen schon nach einem Möbelteil stumpf sein und sind damit nicht mehr zu gebrauchen. Ein Tipp vom Profi: Schneiden Sie möglichst langsam und in einem Zug, das sorgt für ein gleichmäßiges Ergebnis.

"Sparen Sie auch nicht an der Folie, denn das rächt sich sonst beim Verkleben."

Mindestens zwei Zentimeter Überstand an jeder Seite sollten es sein, um den Fingerspitzen genug Abstand zu Heißluftföhn und Klebefläche zu geben und damit die Klebefläche nicht durch Fingertapper verschmutzt. Ferner wird auch die Gefahr der Überdehnung des Materials gemindert, in deren Folge sich die Folie später wieder zusammenzieht oder sich sogar Risse bilden. Also bloß nicht geizen und ärgern: Zwischen 10 und 30 Prozent Verschnitt sind selbst bei Profis völlig normal.

Um den Druck beim Aufkleben gleichmäßig zu verteilen, bietet sich die Arbeit mit speziellen Rakeln an. Abhängig von Untergrund sowie Folienbeschaffenheit gibt es die Rakel in verschiedenen Stärken und Härtegraden.

Was kostet der Tapetenwechsel?

Für die Verwandlung unseres Testfahrzeugs haben wir eine hochwertige Folie aus der Premium-Elegance-Serie verarbeitet. Für die Fronten der zwei Oberschrankklappen und drei breiten Schubladen benötigten wir 1,8 Quadratmeter Folie. Alles in allem haben wir Folie im Wert von rund 65 Euro verarbeitet.

Hinzu kommen noch Kosten für Werkzeuge wie Cutter-Messer, Rakel, Haftvermittler und Reinigungsmittel. Hätten wir die Folierung komplett von den Profis durchführen lassen, wären noch einmal rund 185 Euro für die fünf bearbeiteten Möbelteile fällig gewesen.

Fazit

Ruckzuck ein neuer Look: Das Ergebnis kann sich sehen lassen, die Küche unseres Testwagens ist kaum wiederzuerkennen. Das rote Dekor sorgt für eine freundlichere Atmosphäre, die ausgefallene Oberflächenstruktur für einen Schuss Extravaganz.

Die Folierung kleiner Teile wie Schrankklappen gelingt selbst dem Laien auf Anhieb. Verwinkelte Ecken und Kanten hingegen erfordern schon etwas Übung und Geduld. Für Selbermacher halten sich die Kosten dabei im Rahmen.