Tipps Reisefotografie Ingolf Pompe
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Tipps & Tricks für schöne Urlaubsfotos

Tipps & Tricks für schöne Urlaubsfotos So klappen gute Fotos mit dem Smartphone

Urlaubserinnerungen in Wort und Bild finden heute immer seltener den Weg in die Welt außerhalb der digitalen Medien. Dabei kann’s so einfach sein.

Erinnern Sie sich noch an die Diavorträge beim Onkel? Dann ahnen Sie, worauf ich hinaus will: unendliche Folgen desselben Motivs: "Und da, ganz hinten, da erkennt man … Ihr hättet es sehen sollen!" Beunruhigenderweise hat sich durch die digitale Fotografie die Anzahl der Fotos seitdem sogar noch exponentiell vervielfacht.

Die meisten davon mit dem Handy fotografiert. 1,5 Billionen weltweit sollen es jährlich sein! Gott sei Dank darben die meisten davon auf einem vergessenen Dateienpfad und erscheinen nie auf einem Bildschirm. Keine Zeit zum Aussortieren und zum Ordnen der Bilderschwemme.

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Wunderbarerweise kann man mit dem Smartphone mit einfachen Mitteln allein durch die bewusste Komposition des Bildes die fotografische Qualität der Aufnahmen enorm steigern.

Und schwups: Schon steht die nächste Reise an und die Festplatte quillt über. Dagegen hilft nur ein altes Hausrezept: Weniger ist mehr! Das heißt, statt einfach und überall schnell auf den Auslöser des Handys zu drücken, lieber bewusst fotografieren und dafür weniger, aber bessere Fotos machen. Moderne Smartphones haben inzwischen eine ausreichende Pixelauflösung. Einige von ihnen sind sogar schon mit mehreren Objektiven ausgestattet, die auch Tele- und nicht nur Weitwinkelaufnahmen ermöglichen und dadurch das fotografische Spektrum erweitern.

Trotzdem sind sie gegenüber System- oder gar Spiegelreflexkameras deutlich limitiert. Der einzigartige Vorteil des Handys gegenüber den klassischen Kameras ist auch nicht technisch begründet, sondern der Tatsache geschuldet, dass man das Smartphone meist eh dabei hat. Kein extra Gewicht, keine weitere Batterie, die geladen werden muss, keine lästige Fototasche. Sein Handy kann man schließlich jederzeit aus der Hosentasche ziehen, um eine tolle Szene festzuhalten.

Die wichtigsten Kompositionsregeln und 14 nützliche Tipps

Wer beim Fotografieren ein paar "goldene" Regeln beachtet, wird mit Sicherheit schnell bessere Ergebnisse erzielen. Denn wunderbarerweise kann man mit dem Smartphone mit einfachen Mitteln allein durch die bewusste Komposition des Bildes die fotografische Qualität der Aufnahmen enorm steigern.

1. Objekte (Gebäude, Fahrzeug, Person, Gruppe) nicht in Bildmitte platzieren

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Objekte (Gebäude, Fahrzeug, Person, Gruppe) nicht in Bildmitte platzieren.

Außerhalb der Mitte wirkt es spannender, und man kann interessante Bezüge zum restlichen Teil des Bildes erzeugen. Das betrifft auch Horizontlinien, Gebäudekanten usw. Am besten orientieren Sie sich an der aus der Malerei bekannten Goldenen-Schnitt-Regel. Diese unterteilt eine Bildfläche in ein horizontales und ein vertikal ausgerichtetes Raster, an dessen Linien und besonders an den jeweiligen Schnittpunkten sich harmonische Kompositionen anlehnen können.

Mathematisch nicht korrekt, aber für das Handyfotografieren vollkommen ausreichend ist es, die Horizontale und die Vertikale zu dritteln. Sie erhalten waagerecht und senkrecht jeweils zwei Linien, an denen Sie die Komposition ausrichten können.

2. Bewegen Sie sich etwas und suchen Sie ungewöhnliche Perspektiven

Meist werden Fotos stehend aus Augenhöhe fotografiert. Sehr langweilig. Versuchen Sie stattdessen in die Knie zu gehen oder auf eine Mauer zu klettern, um einen niedrigeren oder höheren Kamerastandpunkt zu erreichen.

3. Alles weglassen, was nichts mit dem Motiv und der Bildaussage zu tun hat

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Alles weglassen, was nichts mit dem Motiv und der Bildaussage zu tun hat.

Keine störenden Hecken, die vom Rand reinwachsen, keine zufällig erscheinenden Verkehrsschilder, Gebäude, Personen etc., die keinen Bezug zu dem Motiv haben. Keine Bäume und Pfosten, die aus den Köpfen wachsen. Konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche.

Jedes überflüssige Detail im Bild lenkt den Betrachter ab und schmälert die Wirkung. Auch um störenden Hintergrund oder störende Details aus dem Bild zu rücken, müssen Sie öfter mal die Position wechseln. Da viele Smartphones noch kein Tele haben, ist es in manchen Fällen nötig, einfach näher an das Motiv zu gehen, um störende Elemente zu eliminieren: Benutzen Sie also einfach das sogenannte "Latschen-Tele".

4. Kontraste machen ein Bild spannend

Da ist zunächst der Hell-Dunkel-Kontrast. Die kontrastreichste Stelle im Bild wird als die wichtigste wahrgenommen und zieht den Blick auf sich. Es gibt aber noch andere nützliche Kontraste. Der Groß-Klein-Kontrast lässt kleine Objekte groß rauskommen, z. B. kleiner Mensch in weiter Dünenlandschaft. Klare Farbkontraste bis zum Komplementärkontrast (Rot-Grün) wirken toll.

5. Vordergrund macht Bild gesund

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Ein zum Motiv passender Vordergrund (Blumen, Steine etc.) schafft Tiefe im Bild.

Ein zum Motiv passender Vordergrund (Blumen, Steine etc.) schafft Tiefe im Bild. Gehen Sie ruhig nahe heran. Bitte darauf achten, dass die Schärfe auf dem Hauptmotiv liegt.

6. Diagonalen ordnen ein Bild stark

Diagonalen wie Geländer, Straßen oder Alpenhörner, die in das Bild und auf das Motiv führen, sind ideal. Besonders, wenn die Linien aus den Bildecken kommen.

7. "Fotografiere nur, wenn dein Schatten länger ist als du selbst."

So lautet ein auf der ganzen Welt und zu jeder Jahreszeit anwendbarer Leitspruch. Er weist darauf hin, dass man zur Mittagszeit und mit hoch stehender Sonne keine guten Ergebnisse erzielt. Das Licht ist dann sehr hart und erzeugt unschöne Schatten, z. B. in Augenhöhlen. Für Porträts gänzlich ungeeignet. Eine tief stehende Sonne dagegen eignet sich auch gut für schöne Streif- und Gegenlichtaufnahmen.

Oft bietet sich ein bedeckter Himmel oder ein schattiger Ort – wie unter Bäumen – für Porträts an. Damit vermeidet man unglückliche Schatten und zusammengekniffene Augen. Moderne Smartphones mit mehreren Objektiven bieten eine Porträtfunktion, die den Hintergrund unscharf macht. Das betont die Person.

8. Details nicht vergessen

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Details nicht vergessen.

Gerade wenn Sie an eine kleine Präsentation denken, sind Details eine willkommene Abwechslung. Sie erzählen viel und wirken durch die zwangsläufig entstehenden Unschärfen reizvoll.

9. Nutzen Sie Hoch- und Querformat

Motive, die besonders hoch oder tief sind (Hochhäuser, Schluchten), werden durch ein Hochformat verstärkt. Horizonte und eher breit laufende Motive (Eisenbahn, Schiffe) werden durch ein Querformat besser dargestellt.

10. Smartphone auf Flächen legen

Für Nacht-, Innenraum- und Langzeitaufnahmen ist es ratsam, das Smartphone auf einen Stuhl, eine Mauer o. Ä. aufzulegen. Damit vermeidet man bei längeren Belichtungszeiten eine Verwacklung.

11. Halten Sie das Handy waagerecht

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Halten Sie das Handy waagerecht.

Wenn das Meer am Horizont nach links oder rechts abläuft, wirkt das Bild schlampig gemacht.

12. Verwenden Sie nicht die Funktion digitales Zoom

Es ist kein Zoom. Das Bild wird lediglich beschnitten und verliert entsprechend Pixel.

13. Besser ohne Blitz

Den Handy-eigenen Blitz nutze ich selten, da er nicht steuerbar ist und die Bilder im Verhältnis zum Umlicht oft falsch belichtet.

14. Putzen Sie die Linse des Handys regelmäßig

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Putzen Sie die Linse des Handys regelmäßig.

Es sammelt sich sehr schnell Schmutz und Staub auf dem Objektiv. Das kann zu Flecken und Unschärfen führen.

Auflösung von Bildern & der Einsatz von Selfie-Sticks

Einige technische Kenntnisse sind auch beim Handy hilfreich. Die wichtigsten Aspekte möchte ich Ihnen hier kurz erläutern: Zunächst sollten Sie die Fotos immer in der höchsten Auflösung als JPG abspeichern. Ich persönlich finde es praktisch, die Bilder automatisch bei der nächsten WLAN-Verbindung in die Cloud zu laden. Auf dem Handy verbleibt dann nur eine sogenannte Preview, die wenig Speicherplatz frisst.

Die Bilder können somit auch nicht gemeinsam mit dem Smartphone verloren gehen, da sie in der Cloud in HighRes-Auflösung gespeichert sind. Beim iPhone von Apple ist es die iCloud, bei Android ist es Google Drive. Später können Sie die Aufnahmen auf Ihren Heimcomputer herunterladen.

Noch ein Tipp: Die von chinesischen Reisegruppen eingeführte sogenannte "Vollpfostenantenne" – also der viel geschmähte Selfiestick – hilft effektiv bei der Suche nach ungewöhnlichen Perspektiven. Sie können damit nämlich tief vom Boden aus fotografieren (Selbstauslöser), ohne sich zu bücken, und natürlich auch über sich selbst hinauswachsen. Hat der Selfiestick noch ein Stativ integriert, können Sie damit sogar lange Verschlusszeiten verwacklungsfrei verwenden und Nachtaufnahmen – etwa ein Feuerwerk – belichten.

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Auch ein kleines Stativ kann sinnvoll sein.

Es gibt auch reine Stative, sehr leicht und kompakt, manche sogar mit einem Fernauslöser, mit dem Sie über WLAN die Kamera-App bedienen können. Alle Hersteller haben bereits eine Kamerasoftware im Mobiltelefon integriert. Diese Apps taugen für die meisten Situationen, die ich oben beschrieben habe. Sie können mit ihnen die Belichtung steuern und die Schärfe festlegen.

Das funktioniert über kürzeren oder längeren Druck auf das Display. Grundsätzlich gilt beim Smartphone das fotografische Dreigestirn Zeit/Blende/ASA nur eingeschränkt. Die Blende ist fest, und zwar zwischen 1.6 und 2.2. Deshalb sind nur Belichtungszeit und ASA, die Lichtempfindlichkeit, einstellbar und zueinander ins Verhältnis zu setzen. Das geht mit den integrierten Apps nur automatisch.

Bei den speziellen Kamera-Apps, die man – meist kostenpflichtig – im Apple App Store oder für Android im Google Play Store herunterladen kann, sind manuelle/teilmanuelle Bedienung oder spezielle Einstellungen für Nachtaufnahmen nutzbar. Getrennte Schärfe- und Belichtungseinstellung, Antiverwacklung, Reihenaufnahmen, RAW, Histogramm und Raster für den goldenen Schnitt sind auch wählbar.

Sehr nützlich kann das alles sein, erfordert aber etwas Übung, wenn man kein Motiv verpassen will. Die passenden Apps bei Apple heißen Camera+ oder Pro Camera. Bei Android ist es zum Beispiel Manual Camera. Generell überschreitet man mit solchen Funktionen/Apps die Grenze zu einer vollwertigen Kamera. Diese bieten ebensolche Features und noch viel mehr und sind auf diesem Niveau natürlich deutlich benutzerfreundlicher.

Fazit

Jetzt erst mal viel Erfolg mit Ihren Handy-Aufnahmen. Sicher können Sie nicht alle Punkte sofort anwenden. Aber mit etwas Übung werden Sie ein Gefühl für die genannten Verbesserungen bekommen und sich und Ihre Freunde mit interessanteren Aufnahmen überraschen.