Tipps zum Gebrauchtcaravan
Alles rund um den gebrauchten Wohnwagen
Reifen und Felgen Dieter S. Heinz
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Reifenpanne mit dem Caravan und Zugwagen

Caravan aufbocken und Reifen wechseln

Wer die Caravanreifen nicht ordnungsgemäß pflegt, muss im Ernstfall mit einer Reifenpanne rechnen. Bei gründlicher Vorbereitung ist diese mit Zugwagen und Caravan am Haken aber gar nicht schlimm.

Ein Knall, ein Rattern und Schlagen, aus Richtung Hängerachse steigt Qualm auf. Ein Schreckmoment, der es in sich hat. Reifenpannen am Wohnwagen kommen wie aus dem Nichts und sorgen unweigerlich dafür, dass beim Fahrer ordentlich Adrenalin einschießt. Doch cool bleiben lohnt sich, denn ein kaputter Reifen am Caravan ist für Leib und Leben meist keine Gefahr.

Bei einem Plattfuß bleibt der gezogene Hänger nämlich treu in der Spur — es sei denn, ein Reifenplatzer schlägt ausgerechnet während der Kurvenfahrt zu. Man muss in aller Regel also nicht ein wild schlingerndes Gespann abfangen, sondern kann in Ruhe nach einer Haltemöglichkeit suchen. Größer ist die Gefahr fürs gezogene Wohnzimmer selbst: Löst sich durch Überhitzung die Lauffläche des Pneus, verrichten die peitschenden Stahlbestandteile ruck, zuck ihr vernichtendes Werk. Ganze Radkästen inklusive darüberliegender Schränke sollen da schon pulverisiert worden sein. Alles zur richtigen Reifenpflege lesen Sie übirgens hier.

"Riskanter als die Panne selbst ist ihre Behebung, vor allem wenn sie einen auf der Autobahn ereilt."

Standstreifen sind mit rund 2,5 Meter nicht gerade breit, und der Verkehr tost in geringem Abstand vorbei. Deshalb sollte man zuallererst an die eigene Absicherung und die der Passagiere denken, dann an das Absichern der Unfallstelle selbst. Erst danach ist Zeit, um sich über die weitere Vorgehensweise klarzuwerden. Auch wenn alles notwendige Equipment für einen Radwechsel an Bord ist: Ist der linke Hängerreifen platt, steht man beim Wechsel unweigerlich halb auf der Bahn. Im Zweifelsfall also kein Risiko eingehen und besser auf die Hilfe von Polizei und Pannendiensten vertrauen!

Statistisch hat ein Autofahrer alle 150.000 Kilometer eine Reifenpanne, sagt der ADAC. Somit ist ein Pneudefekt auch am Caravan ein eher singuläres Ereignis. Doch wir Menschen wappnen und versichern uns nun mal gern gegen alle möglichen Eventualitäten und lieben die Illusion, das Leben im Griff zu haben. Auch wenn das – man denke nur ans Beispiel Sterbegeldversicherung – nicht immer treffsicher funktioniert.

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Horst Nitschke
Bevor man sich um die Beseitigung der Panne kümmert, steht die Absicherung der Unfallstelle auf dem Programm.

Die ungeliebte Ladung erspart im Pannenfall viel Stress

Solange man’s nicht braucht, tut ein Reserverad für den Wohnwagen in zweifacher Hinsicht weh: Es nimmt nicht nur allerhand Raum ein, mit rund 15 Kilo ist es auch ziemlich schwer. Und da sind all die anderen Dinge, die man obendrein braucht – Wagenheber, Radmutternschlüssel, Keile etc. –, noch nicht mal eingerechnet.

Doch wer den Pannenfall schon mal am eigenen Leib erlebt hat, weiß, dass es die Urlaubslaune gehörig trüben kann, wenn ein Reifen die Grätsche macht und passender Ersatz fehlt. Der Zeitplan ist erst mal zunichte, ohne Schutzbrief können Pannenhilfe und Abschleppen richtig ins Geld gehen und ein passender Ersatzreifen ist auch nicht allerorten auf Anhieb parat.

Ersatzrräder direkt vom Wohnwagen-Hersteller sind keine Serienausstattung

Ab Werk sind Ersatzräder und Wagenheber heute in neuen Wohnwagen praktisch nicht mehr zu finden. Wer nicht ohne unterwegs sein will, muss also Eigeninitiative zeigen und wird dann meist im Zubehör der Hersteller fündig. Ein Blick in die Kataloge offenbart Preise von 140 Euro fürs Rad bis über 300 Euro, dann allerdings sind passende Wagenheber und/oder Halterungen teilweise inbegriffen. Wer das blanke Rad stattdessen beim Reifenhändler bestellt, kann im Schnitt gut 20 Prozent der Kosten sparen.

Doch wohin mit dem Ding, wenn man es während der Fahrt nicht in den Wohnraum packen will und auch im Zugfahrzeug kein Platz mehr ist? Als Aufbewahrungsort bietet sich der Deichselkasten an, für den es auch spezielle Halterungen zur Radbefestigung gibt. Doch nicht immer ist dort neben den Gasvorräten noch ausreichend Raum. Scherenscharniere zum platzsparenden Anheben der Deichselkastenklappe machen in manchen Modellen den Radtransport im Kasten bisweilen schwer bis unmöglich. Platzsparender und schwerpunktgünstiger ist die Unterbringung des Ersatzrades unterflur am Boden des Hängers.

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Hersteller
An Alko-, Knott- und vielen BMP-Chassis sind die nötigen Löcher für einen Reserveradhalter schon vorgebohrt.

Dafür gibt es spezielle Reserveradhalterungen, die nahe der Achse montiert werden und auch den Kurbelheber beherbergen können. Die bekannteste dürfte die der Firma Alko sein, Chassishersteller Knott bietet ein eigenes Fabrikat nach gleichem Muster. Das Rad ruht hier sicher verschraubt auf einer knapp acht Kilogramm schweren Ausziehvorrichtung aus verzinktem Stahlrohr. An den Alko- und Knott-Chassis sind die notwendigen Bohrungen dafür schon vorgesehen, bei den BPW-Chassis hängt die Verfügbarkeit von der Rahmenlänge ab: Bei den kurzen Rahmen sind die Längsholme für die Unterbringung der nötigen Bohrungen nicht breit genug.

Genügend Platz unterflur ist grundrissabhägig

Doch unabhängig davon, ob die nötigen Löcher vorhanden sind: Nicht jeder Wohnwagengrundriss bietet Platz für den Halter. Wassertanks oder Abflussrohre können im Weg sein. Auch mit montierten Movern gerät der Reserveradhalter bisweilen in Konflikt. Bei den BPW-Chassis von Alko ist das laut Hersteller kein Problem, bei den eigenen Fahrwerken jedoch funktioniert es nur, wenn der Antrieb vor der Achse verbaut ist.

Eine clevere Alternative für den Radtransport bietet die Firma EAL mit ihrem rund 150 Euro teuren LAS-Radhalter. Er wiegt sechs Kilo, kann ohne Bohren an 1,30 bis 1,85 Meter breiten Chassis mit L- oder U-Profilen montiert werden und bietet deshalb einigen Spielraum in Sachen Positionierung.

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Hersteller
Für Chassis, die nicht vorgebohrt sind, bietet die Firma EAL einen sechs Kilo schweren Radhalter, der ohne Bohren unterm Chassis verklemmt wird.

Wie kommt das Ersatzrad im Pannenfall auf die Caravan-Achse?

Wagenheber und Radmutternschlüssel vom Zugfahrzeug passen in den allermeisten Fällen nicht. Ein praktischer Rangierwagenheber, der an Zugfahrzeug wie Hänger gleichermaßen funktioniert, ist vergleichsweise schwer und groß. Doch es gibt auch Exemplare, die kaum mehr als zehn Kilo wiegen und deshalb als Ersatz für die zwei Heber aus Zugfahrzeug und Caravan interessant sein können. Immerhin wiegt auch ein simpler Scherenwagenheber schon an die vier Kilo.

Vom Handling her haben Rangierwagenheber gegenüber Scheren- oder Stempelhebern einige Vorteile. Dank der Rollen lassen sie sich leicht positionieren, bieten eine große Aufstandsfläche und sind mit geringem Krafteinsatz handhabbar. Ein weiterer Vorteil kann im Pannenfall entscheidend sein: Ist ein Reifen platt, reduziert sich der Spielraum zwischen Boden und Rahmen nämlich deutlich. Dank ihrer flachen Bauweise und geringer minimaler Hubhöhe passen Rangierwagenheber meist noch problemlos drunter, wo Stempelwagenheber schon an ihre Grenzen stoßen. Welchen Heber man auch immer verwenden möchte: Die Tragfähigkeit muss passen. Minimum ist hier das halbe Gewicht des voll ausgelasteten Hängers.

Ist beim Plattfuß der Spielraum unterm Wagen stark eingeschränkt, wird auch der Auszug des Ersatzradhalters mitunter unmöglich. Ruht der Kurbelheber dann in der dafür vorgesehenen Box im Radhalter, ist man ziemlich aufgeschmissen: kein Anheben ohne Wagenheber, kein Wagenheber ohne Anheben. So oder so, den Umgang mit Heber und Ersatzradträger sollte man auf jeden Fall zu Hause auf dem "Trockenen" schon mal ganz bewusst durchspielen. So vermeidet man unterwegs unangenehme Überraschungen, wo die Bedingungen meist nicht annähernd so gut sind.

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Stefanie Moeloth
Für schwere Caravans hat Alko einen Stempelwagenheber mit zwei Tonnen Tragkraft im Programm, der in ans Chassis geschraubte Halterungen greift.

Um ein Wegrollen oder -rutschen beim Radwechsel zu verhindern, muss der Wohnwagen sicher fixiert sein. Angesetzt wird der Heber entweder unter dem äußeren Ende der Achse oder an speziellen, mit dem Rahmen verschraubten Halterungen. Vermeiden sollte man es, ihn abseits des Achsträgers am Rahmenprofil selbst anzusetzen. Das Blech ist dort nicht sonderlich stark und kann sich verbiegen. Tut man es dennoch, sollte auf eine möglichst breite Auflagefläche geachtet werden.

An Alko-Rahmen sind die fürs Anbringen der Aufbockhalterungen notwendigen Bohrungen schon vorgesehen. In Abhängigkeit vom Wagengewicht bietet die Firma dafür zwei Sets an. Eines besteht aus zwei Haltelaschen plus Kurbelheber, das andere aus zwei Einstecktaschen plus hydraulischem Stempelheber. Auch Knott bietet ein entsprechendes System. Der Vorteil dabei: Die Wagenheber stecken sicher fixiert in den Führungen, ein Abrutschen oder Wegdrücken durch den Caravan beim Anheben ist praktisch ausgeschlossen.

Zum sicheren Ansetzen des Wagenhebers an der Achse sollte die Auflagefläche so groß wie möglich sein. Hierfür gibt es im Zubehör diverse hilfreiche Aufsätze aus Metall, die auf den Stempel oder Teller des Hebers gesetzt werden können und ein Abrutschen verhindern helfen. Gummiauflagen leisten hier ebenfalls praktische Dienste und schützen zudem die rostsichere Zinkschicht am Chassis.

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Philipp Heise
Den Wagenheber nur dann direkt am Rahmen ansetzen, wenn die Auflagefläche möglichst groß ist.

In 9 Schritten den Caravan aufbocken: So geht's

  1. Den Hänger am besten ans Zugfahrzeug angekuppelt lassen
  2. Handbremsen von Hänger und Zugwagen anziehen
  3. Unterlegkeile sichern das gegenüberliegende Rad vorm Wegrollen
  4. Bei abgekoppeltem Hänger das Stützrad quer stellen und ebenfalls mit Keilen gegen Wegrollen sichern
  5. Zusätzlich Kurbelstützen absenken, diese jedoch auf keinen Fall zum Aufbocken verwenden
  6. Vor dem Aufbocken Radmuttern lösen
  7. Beim Anheben auf stets sicheren und geraden Stand achten, nötigenfalls korrigieren
  8. Radschrauben des neuen Rads zunächst nur mäßig fest anziehen
  9. Wagen ablassen, Radschrauben über Kreuz festziehen und Anzugsmoment (90 bis 120 Newtonmeter sind üblich, siehe Bedienungsanleitung des Caravans) möglichst bald mit einem Drehmomentschlüssel überprüfen

Das benötigen Sie bei einer Reifenpanne mit Wohnwagen

  • Warndreieck und Warnwesten aus dem Zugwagen
  • Pannenset für die eventuelle Reifenreparatur vor Ort
  • Luftpumpe oder Kompressor
  • Unterlegkeile für die Räder, auch fürs Bugrad
  • Radmutternschlüssel, evtl. ein Radkreuz für die Schraubengröße von Zugwagen und Wohnwagen
  • Wagenheberaufsätze, die ein Abrutschen verhindern
  • Gummiauflagen zum Schutz des Chassis vor Beschädigungen
  • Stirnlampe für das Arbeiten bei Nacht
  • Arbeitshandschuhe

Pannendienst möglichst genau Angaben geben

Entscheidet man sich fürs Rufen eines Pannendienstes, sollte man darauf achten, keine entscheidenden Angaben zu vergessen. Braucht man Hilfe nur zum Wechseln des Rads oder zum Abschleppen? Hat der Reifen nur eine Punktion oder ist die Reifenflanke beschädigt oder das Rad gar komplett zerstört? Nur im ersten Fall kann der Pneu bei Verfügbarkeit eines Reifenreparatursets eventuell vor Ort provisorisch repariert werden. Reparatursets mit in den Punktionskanal eingezogenen und -vulkanisierten Reparaturwürsten aus Gummi sind zwar im Handel erhältlich, sind aber nichts für Ungeübte. Mit Hilfe von Sets inklusive Pannenspray und einem kleinen Kompressor aber kann man den Pneu auch selbst wieder flottbekommen –zumindest für den Weg in die nächste Werkstatt.

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