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Basiswissen für Campingneulinge
Wie viel Zuladung braucht man wirklich? Ingolf Pompe, Archiv
Überladung ist kein Kavaliersdelikt, es drohen Geldbußen und Punkte.
Der Reiseproviant geht mit über 35 Kilogramm ganz schön ins Gewicht.
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Praxistest: Zuladung im Caravan

So viel Gepäck brauchen zwei Personen

Wie viel Zuladung braucht man wirklich? CARAVANING macht die Probe aufs Exempel und wiegen jedes einzelne Gepäckstück sowie Essen und Getränke für zwei Personen. Außerdem zeigen wir eine Liste mit den Caravans mit der höchsten Zuladung.

Das Packen für den Urlaub gleicht oft den Vorbereitungen für einen Umzug. Da werden Kisten geschleppt, Keller durchforstet – wo war noch mal der Sonnenschirm? – und Listen abgehakt. Während sich das Ladegut vor dem Caravan stapelt, man innen für alles ein Plätzchen sucht und fleißige Helfer immer noch mehr Gepäck aus dem Haus tragen, meldet sich eine leise Stimme zu Wort: "Denk an die Zuladung – muss das wirklich alles mit?" Ganz unberechtigt ist der leise Zweifel nicht, denn bei vielen Caravans sind die Zuladungsreserven alles andere als üppig.

Wie viel Kilo Gepäck kann an Bord des Caravans?

Die meisten Caravanbesitzer wissen zumindest ungefähr, wie viel Kilo Gepäck ihr Fahrzeug verträgt. Aber Hand aufs Herz: Wer wiegt schon regelmäßig vor der Reise das bepackte Gespann? Dabei wäre das wichtig, denn nur so kann man mit Sicherheit wissen, ob es überladen ist oder nicht.

Nicht nur bei der Ausstattung des Caravans mit komfortsteigernden Extras muss man abwägen zwischen Luxus und Zuladung, auch beim Packen muss man das. Oder? Um einen realistischen, repräsentativen Wert für den tatsächlichen Zuladungsbedarf zu schaffen, haben wir daher jedes einzelne Teil – von der Kabeltrommel übers Fahrrad bis zum Zurrgurt – gewogen.

Beispielrechnung mit Gepäck für Zwei
Kleidung & Schuhe: 24 kg
Essen & Trinken: 37,2 kg
Küchenutensilien: 14,1 kg
Spiele: 40,7 kg
Campingausstattung: 27,6 kg
Bad: 10,6 kg
Sonstiges: 30,2 kg
Gesamt: 184,4 kg

Der Reiseproviant geht mit über 35 Kilogramm ganz schön ins Gewicht.
Ingolf Pompe, Archiv
Brot, Butter, Pastavorrat: Der Reiseproviant geht mit über 35 Kilogramm ganz schön ins Gewicht.

Die Basis für die Wiegeaktion bildet die unten stehende Packliste. Sie ist exemplarisch auf ein Paar zugeschnitten, das im Sommer zwei Wochen Urlaub macht. Mit Blick auf üblicherweise knappe Zuladungsreserven haben wir die Mengen eher zurückhaltend geschätzt. Dennoch: Es kommt wirklich ein Haufen Gepäck zusammen, was unschwer zu erkennen ist.

Zuladungsreport
CARAVANING

Repräsentativ ist ein großes Wort im Zusammenhang mit Urlaubsgepäck. Natürlich gibt es auf persönlichen Packlisten Abweichungen. Zum Beispiel wird nicht jeder mit drei Paar Schuhen pro Person auskommen, und auch das Gewicht von Haustieren und des für sie anfallenden Gepäcks haben wir nicht berücksichtigt. Doch die Werte dafür lassen sich ohne großen Aufwand ermitteln und der Rechnung hinzufügen. Auch die Dauer einer Reise schlägt sich aufgrund der einfachen Formel "je länger, desto mehr" auf der Waage nieder.

Wie viel Zuladung braucht ein Caravan?

Gibt etwa die Europäische Norm EN 1645-2 eine Antwort? Die Norm soll zwei Dinge erfüllen: für Caravanhersteller eine Richtlinie sein, an die sie sich bei der Konstruktion ihrer Fahrzeuge zu halten haben, um Mindestanforderungen in puncto Zuladung zu erfüllen, und für Caravankäufer eine Faustformel, um die Zuladung eines Fahrzeugs bewerten zu können.

Nach der EN 1645-2 ergibt sich die Zuladung aus der Addition von Zusatzausstattung und persönlicher Ausrüstung. Letztere berechnet man nach folgender Formel: zehn Kilo je Standard- oder Zusatzbett, plus zehn Kilo je Meter Aufbaulänge (also der Länge ohne Deichsel) plus einmal 30 Kilogramm. Geht man von einem durchschnittlich großen Caravan mit einer Aufbaulänge von 5,50 Meter aus, der vier Betten hat, so ergibt sich daraus eine geforderte Zuladung von 4 x 10 kg + 5,5 x 10 kg + 30 kg = 125 kg. Diese 125 Kilogramm Zuladung beziehen sich in unserem Beispiel auf vier Personen. Realistisch? Nicht im Entferntesten.

Vorsicht: Schwere Sonderausstattung!

Immerhin: Auch wenn der Caravan ab Werk mit schwerer Zusatzausstattung wie Markise, Mover oder Klimaanlage ausgerüstet wurde, muss er die Normzuladung von 125 Kilogramm weiterhin erfüllen. Zubehör, das nachträglich gekauft und eingebaut wird, auch vom Händler, wird in dieser Rechnung freilich nicht berücksichtigt. Dieses Zusatzgewicht muss vom Budget für die persönliche Ausrüstung abgezogen werden.

Beispielrechnung: So viel wiegt Caravan-Zubehör
Vorzelt: 50 kg
Mover + Batterie: 70 kg
Ersatzrad + Wagenheber: 30 kg
Flachbildschirm: 3,5 kg
Sat-Anlage: 14 kg
elek. Stabilisierungssystem: 10 kg
Deichsel-Fahrradträger: 10 kg
Dach-Klimaanlage: 31 kg
Gesamt: 218,5 kg

Kurz: Je mehr Zubehör nachgerüstet wird, desto mehr wird das Zuladungskonto belastet. Das Urteil, dass die Normzuladung nicht mit der Realität korrespondiert, wird beim Blick auf den von uns durch das Wiegen jedes Gepäckstücks ermittelten realistischen Zuladungsbedarf untermauert. Für zwei Personen kommen wir bei zurückhaltend gestalteter Packliste auf 184 Kilogramm Gepäck. Dazu kommen 218 Kilo für fest eingebautes Zubehör, zusammen also 402 kg. Auf eine Person heruntergerechnet ergibt das 201 Kilogramm Zuladungsbedarf. Noch einmal in Zahlen: Die Norm empfiehlt für vier Personen eine Mindestzuladung von 125 Kilo, nach unserer Rechnung braucht aber bereits eine Person 201 Kilo Zuladung.

Markise
CARAVANING
Zusatzausstattung wie eine Markise geht ins Gewicht.

Nun hat freilich nicht jeder Caravan einen Mover an Bord, und auch ein Ersatzrad gehört nicht zur Standardausrüstung. Aber selbst wenn man diese schweren Extras aus der Rechnung streicht, kommt gerade einmal eine Person mit der Zuladungsempfehlung für vier Personen zurande – vorausgesetzt, der Stauraum im Zugwagen kann genutzt werden. Im besten Fall lagert man dort besonders schwere Gegenstände, schätzungsweise kommen so etwa 80 Kilogramm außerhalb des Caravans unter. Doch das ändert nichts daran, dass die Norm nicht im Mindesten den tatsächlichen Zuladungsbedarf pro Person erfasst.

Dass die meisten Caravans mehr Zuladung haben, als die Norm vorsieht, ist grundsätzlich positiv, ändert aber nichts daran, dass Zuladungsreserven bei serienmäßigen Chassis ohne Auflastung meist zu knapp bemessen sind. Oder anders formuliert: Zwei Personen kommen vielleicht gerade so mit den serienmäßig gebotenen Zuladungsreserven aus. Für eine vierköpfige Familie wird es knapp, an Zubehör aus der Liste braucht man dann eigentlich gar nicht mehr zu denken. Daher verwundert es nicht, dass Auflastungen schon eher die Regel als die Ausnahme sind: Der Serienzustand der meisten Caravans lässt eine realistische Beladung für vier Personen kaum zu.

Unser Wiegeversuch macht transparent, wo beim Gepäck die Kilos lauern. Wer vor einem Neukauf steht, kann anhand dieser Werte deutlich realitätsnaher entscheiden, ob ihm die Zuladung seines Wunschfahrzeugs reichen wird, als das die knapp bemessene Norm vermag. Wer aktuell Probleme mit der Zuladung hat, kann mithilfe der Aufstellung Sparpotenziale auf seiner eigenen Packliste identifizieren. Als Ausweg bleibt immer noch eine Auflastung, dann muss man allerdings auch mit den Konsequenzen leben: Um mit einem schweren Caravan noch Tempo 100 fahren zu dürfen, muss eben auch das Zugfahrzeug eine höhere Leermasse haben.

Bewertung: Zuladung unserer Testcaravans

ZULADUNG VON TESTCARAVANS
Ingolf Pompe, Archiv
  • Radzuladung: So viel Zuladung verkraftet der Reifen noch. Unter 50 kg wird der Wert rot unterlegt, über 100 kg grün, dazwischen gelb.
  • Sicherheitsrelevante Systeme: Hier steht, ob und welchen Schlingerdämpfer beziehungsweise elektronisches Stabilisierungssystem der Testcaravan hat.
  • Zuladungsampel: Abhängig von der üblichen Personenzahl wird wie folgt bewertet: weniger als 20 kg pro Person = rot, ab 50 kg = grün, dazwischen = gelb. Zusätzlich 80 kg für die Basisausstattung.
  • Stützlast: Unter 25 kg und über 80 kg gibt es Rot. Grün für Werte zwischen 25 und 60 kg, ergo Gelb für 60 bis 80 kg.
  • Masse in fahrbereitem Zustand: So viel wiegt der Testcaravan nach dem Addieren aller Betriebsstoffe (Gas und Wasser).
  • Zul. Gesamtgewicht: Hier steht das Maximalgewicht des Testcaravans. Der eventuell niedrigere Serienwert wird in der Ausstattungstabelle aufgeführt.
  • Werksangaben: Unterscheiden sich oft von den tatsächlich gemessenen Werten, da die Hersteller eine Toleranz von bis zu fünf Prozent nutzen dürfen.
  • Leergewicht: Gemessen wird das Gewicht des Caravans ohne Gas und Wasser. Hinter der Werksangabe steht der von uns gemessene Wert, der meist höher liegt. 
  • Reifendetails: Fabrikat, Typ sowie Lastindex. Das Reifenproduktionsdatum (DOT) ist wichtig für die Tempo-100-Zulassung, wird bei der Bewertung berücksichtigt.
  • Reifentragfähigkeit: Aus dem Lastindex (LI) des Reifens ergibt sich die maximale Belastbarkeit bei entsprechendem Fülldruck und damit auch die Tragfähigkeitsreserve.

So kann man Gewicht sparen

Abspecken kann man zum Beispiel beim Sanitärzusatz. Anstatt eine große und schwere Flasche einzupacken, reicht auch eine kleine Gebindegröße. Alternative: die kleinen und leichten Beutelchen, die von Thetford angeboten werden. Ersparnis: etwa 1,5 Kilogramm. Auch die Küche birgt viel Gewichtsparpotenzial. Geschirr aus Melamin ist nicht nur bruchsicher, sondern auch leicht und damit Porzellangeschirr vorzuziehen. Bei einem 16-teiligen Set kann man so etwa 3,5 Kilo sparen. Töpfe aus Aluminium laufen in Sachen Gewicht ihren Verwandten aus Stahl den Rang ab. Dasselbe gilt für Gasflaschen: Zwei 11-Kilo-Flaschen aus Alu wiegen rund 9 Kilo weniger als zwei Stahlflaschen.

Die Campingmöbel bieten auch Sparpotenzial. Das macht sich vor allem bei der Wahl der Stühle bemerkbar. Statt der schweren Liegestühle tun es im Zweifelsfall auch leichte Klappsessel. Bei einer Vier-Personen-Crew spart man so etwa 13 Kilogramm. Eine Kassettenmarkise wiegt etwa 40 Kilogramm – ganz schön viel im Vergleich zu einer Rollmarkise, die mit nur 10 Kilo zu Buche schlägt.

Fazit

Viele Caravanbesatzungen kommen mit der Zuladung ihres Fahrzeugs nicht aus, das ist kein Geheimnis. Schaut man sich die Europäische Norm 1645-2 an, wundert einen das nicht. Wie unser Wiegeversuch gezeigt hat, ist sie viel zu knapp bemessen. Vor allem Familien mit vier oder mehr Personen schauen in die Röhre. Eine Anpassung der Norm wäre ein erster Schritt in die richtige Richtung, aber natürlich noch nicht die Lösung des Problems. Denn die kann nur von den Herstellern kommen, die bei der Konstruktion ihrer Fahrzeuge die Zuladungsproblematik im Auge behalten müssen. Weiterentwicklungen in Sachen Leichtbau sind daher mehr als wünschenswert.

Um am Ende nicht überladen unterwegs zu sein, können Sie das Gesamtgewicht Ihres Caravans mit einer mobilen Waage überprüfen. Eine solche Waage können Sie online bei Fritz-Berger.de kaufen.

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