Airstream Sovereign (1951) D. Eisele
Airstream Sovereign (1951)
Airstream Sovereign (1951)
Airstream Sovereign (1951)
Airstream Sovereign (1951) 12 Bilder

Nachts im Hymer Museum

Zeitreise ins Camping der 50er- und 60er

Ein Schlafsack, eine Taschenlampe und drei Caravans: Auf Zeitreise durch das Camping der 50er- und 60er-Jahre. Ein Caravan ist dabei besonders unheimlich.

Dieser magische Momemt, wenn im Museum das Licht ausgeht. Stille. Dunkelheit. Endlich allein. Allein? Meine Kollegen Dino und Malte sind auch noch da, und irgendwo im Hintergrund Susanne Hinzen. Dino fotografiert, Malte filmt und Susanne Hinzen passt auf uns auf. Sie ist als Direktorin für das Erwin Hymer Museum verantwortlich und hat uns erlaubt, nach Betriebsschluss hierzusein.

Blöde Idee, denke ich, als ich mit einer Taschenlampe und in einer karierten Schlafanzughose leicht fröstelnd im dunklen Museum stehe. Meine Idee. Also los, Job ist Job.

Airstream 31 Sovereign of the Road

Airstream Sovereign (1951)
D. Eisele
Kommt da wer? Nein, es ist die Notbeleuchtung, die durch die Gardine scheint.

Das Schöne an Museen: Ein paar Schritte drehen die Zeit zurück. Zum Beispiel in die USA der 60er-Jahre. Vernietete Aluminiumbleche reflektieren das wenige Licht, Kratzer in der Oberfläche lassen den Zehnmeter-Caravan stumpf schimmern wie einen alten Suppentopf: Der Airstream ist ein Zeit-Reisemobil: groß wie eine Mondfähre, luxuriös wie ein Vorstadt-Bungalow inklusive Badewanne und Backofen. Nur der Pool fehlt. Dieser hier aus der Land-Yacht-Series gehörte einst einer großen deutschen Brauerei. Bier ist jedoch nicht mehr im Kühlschrank. Dafür riechen die dicken Polster und Teppiche so, wie dicke Polster und Teppiche nach 50 Jahren auch bei sorgfältigster Pflege riechen: etwas muffig und sehr, sehr staubig. Solide wirkt der Airstream jedoch immer noch und er hat jede Menge Platz zum Umherlaufen.

Dethleffs Export

Dethleffs Camper Export (1965)
D. Eisele
Tisch für vier, Bett für zwei und ganz viele Karos im Dethleffs Camper.

Das kann man vom nächsten Kandidaten nicht behaupten. Mit dem Dethleffs Camper Export bleibe ich in den Fünfziger-Jahren und stehe wieder auf dem harten Holzboden der Tatsachen. Denn weg wollten eben nicht nur jene 15, die einen Mikafa Deluxe besaßen, sondern auch viele jener 19,9 Millionen Bundesbürger, die im Juni 1959 erwerbstätig waren. Der Faltcaravan hat kein Bad, was er mit etwa der Hälfte der damaligen Wohnungen gemeinsam hat. Davor parkte mit Glück ein VW Käfer, doch öfter war es ein Motorrad oder Kabinenroller. Auch damit ließe sich der 250 Kilogramm leichte Wohnanhänger an den Haken nehmen. Wer Bett und Tisch ausbaut, könnte werktags Material zur Baustelle fahren. Das Bett ist übrigens schnell gebaut, recht gemütlich und groß genug für Zwei. Hier bleibe ich.

Coventry Steel Knight

Coventry Steel Knight (1949)
D. Eisele
Irgendwie unheimlich: Im Coventry Knight spukts bestimmt.

Denn der imposante Coventry Steel Knight ist mir bei aller Opulenz schlicht zu unheimlich. Der ehemalige Schausteller-Wohnwagen ist inne liebevoll ausgestattet wie ein britisches Schloss. Und wie in einem britischen Schloss spukt's hier drin bestimmt. Dino drückt es etwas uncharmanter aus, vermutet, dass das drin bestimmt jemand gestorben ist. Ich denke, das sagt er nur so. Beruhigt mich auch nicht. Fürs Foto lege ich mich ins frisch gemachte Bett, posiere im Bad, das im Heck liegt und über eine eigene Tür zugänglich ist. Doch im Grunde bin ich froh, als ich wieder raus bin und weiter durch die Ausstellung streifen darf.

Das Erwin Hymer Museum

Das Erwin Hymer Museum hat täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Nur an Heiligabend und Silvester bleibt die Ausstellung geschlossen. Die Sammlung enthält zwei bis drei Mal so viele Fahrzeuge als in die Ausstellung passen: 80 Autos, Caravans und Reisemobile sind davon ständig zu sehen, Sonderausstellungen und Vorträge sorgen für Abwechslung. Am 25. April 2020 findet ein Flohmarkt statt und am 8./9. August dürfen Oldies auf der Wiese vor dem Museum campen. Das Motto ist jedes Jahr ein anderes, im kommenden Jahr: „Mit der Knutschkugel & Co. auf Reisen!“

Fazit

Wenn ich einen Caravan zum Übernachten auswählen müsste, es wäre der Dethleffs Camper: Das Bett ist schnell gebaut, groß genug, sehr gemütlich und mit einem hübschen Karo bezogen. Der Airstream hat viel Platz und noch mehr Stil, aber nach Jahrzehnten sind die dicken Polster und Teppiche nicht mehr so gemütlich wie sie damals in den 60er-Jahren sicher waren. Und der Coventry Knight? Der lässt selbst rationale Menschen an Gespenster glauben.

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