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Große Alpentour mit dem Oldie-Gespann

Volvo mit Dethleffs Beduin aus 1963 am Haken

Volvo PV 544 mit Dethleffs Beduin Schweiz Foto: Wolfgang-Richard Brunecker 20 Bilder

Wolfgang Brunecker will zeigen, was ein über 50 Jahre alter Zugwagen mit einem ebenso betagten Wohnwagen heute noch kann. Das ungewöhnliche Oldtimer-Gespann soll 25 Alpenpässe überwinden.

05.04.2017 Wolfgang-Richard Brunecker

"Dethleffs Beduin, Baujahr 1963, Restaurierung abgebrochen, komplett, 650 Euro VB", las ich im Mai 2011 im Volvo-Oldtimerforum. 650 Euro? "Kauf den doch, dann hast du was zu tun", lautete der unvorsichtige Rat meiner Frau – mit dem Ergebnis, dass wir den Beduin schon nach einem halben Jahr fertig restauriert hatten.

An unserem Buckel-Volvo hängend, starteten wir die Premierenfahrt Ende November 2011. Seitdem haben wir viele Touren mit tausenden von Kilometern in der Kombination Buckel/Beduin unternommen. Zuvor hatte der Dethleffs Beduin ein ruhigeres Leben: Der Wohnwagen war nur von August 1964 bis September 1971 angemeldet.

Bis zum Jahr 2003 stand der Dethleffs wenig beachtet im Ländle herum, mit entsprechenden Stand- und Hagelschäden. Erst Jahre später begann der neue Besitzer die Restaurierung und verkaufte ihn später wieder. Mein Glück. Ich hatte aber nicht nur einen wunderschönen Wohnwagen gekauft, ich habe ein ganzes Camping-Museum erstanden.

Wohnwagen-Kauf inklusive Zubehör

Das Ehepaar Rominger hatte nach seiner letzten Reise alles in seinem Wohnwagen gelassen. Alle Dokumente, vom schreibmaschinengeschriebenen Kaufvertrag (6.450 DM) über den Steuerbescheid, Inspektionsbericht, Prospekt und Testbericht bis hin zu Gebrauchs­anweisungen. Mit an Bord war außerdem ein nie benutztes Vorzelt, ein Sonnensegel, Kochgeschirr, Besteck, Schüsseln, Kuchenabdeckschirm, Scheuerpulver, Wurzelbürste, Staubtuch, Topflappen, Schnorchelausrüstung, Gasleuchte, eine Korbweinflasche und vieles mehr. All das, was sich Liebhaber historischer Campingfahrzeuge zusammensammeln, habe ich gleich mit dem Kauf erhalten.

Der Dethleffs Beduin bietet eine kleine Küche mit zweiflammigem Seppelfricke-Gasherd, eine Truma-Gasheizung, einen kleinen abnehmbaren Wassertank, viel Stauraum, eine große Liegefläche von ca. 1,90 mal 1,60 Meter und sehr viel Licht durch vier große Fenster und eine Dachluke. Auch ein Barfach gehört dazu. Zu zweit müssen wir uns abstimmen, wer das Bett umbaut – zwischen Sitzgruppe und Küche ist dann kaum Platz.

Die große Alpentour mit dem Oldie-Gespann

"Enn goldisches Kügelsche", so begrüßt mich ein Camper mit Blick auf den Wohnwagen beim ersten Stopp im Odenwald. Wo der Buckel-Volvo mit Dethleffs Beduin am Haken auftaucht, kommt man ins Gespräch. Ich erzähle vom Originalzustand des Gespanns und von meiner geplanten Route. Sie führt vom Heimatort Wuppertal bis ans Mittelmeer. Zwischendurch soll das Gespann in den Alpen 25 Passstraßen erklimmen. Es ist Mitte August, und ich will in fünf Wochen wieder zu Hause sein.

Passend zum Gespann fahre ich ausschließlich auf Land- und Nebenstraßen. Ohne Autobahnen werden schon die ersten 700 Kilometer bis St. Johann in Tirol zum Erlebnis. Durchs offene Fenster dringt der Geruch von frischem Heu und das Läuten der Kirchturmglocken. Fast jede Minute gibt es etwas Neues zu entdecken.

"Noa, Meister, schoffst dös mit dem Gschponn bis obn?" fragt der Kassierer an der Mautstelle auf dem Weg zum Großglockner leicht besorgt. Ich beruhige ihn und erzähle, dass ich hier schon vor drei Jahren Oldtimererfahrung sammeln konnte. Bergauf geht es nur langsam vorwärts, und ich genieße die Bergkulisse, die immer schöner wird. Allerdings steigt die Temperatur des Kühlwassers ebenso schnell an wie die Großglocknerstraße. Erst als ich den Hochtortunnel durchfahre und 2.505 Meter Höhe erreiche, bin ich erleichtert.

Zwischenstation ist der Campingplatz Ansitz Wildberg, der mit einem tollen Blick auf die Berge belohnt. Für den nächsten Tag stehen Jaufenpass und Timmelsjoch im Roadbook. Hier setze ich den vormontierten Zusatzlüfter ein, denn die Kühlwassertemperatur bereitet mir Sorgen.

Ein perfektes Duo – der Volvo PV 544 mit Detchleffs Beduin

Auf ebenen Strecken spürt man den Dethleffs Beduin kaum, selbst voll beladen mit einem Gewicht von 650 Kilogramm rollt er unmerklich hinterher. Als Längsbett-Modell ist er mit 1,70 Meter nur unwesentlich breiter als der Volvo, zudem kann ich mit dem Innenspiegel hindurchsehen, sodass ich den Verkehr hinter mir im Blick habe. Auf den Pässen macht sich der Beduin allerdings deutlich bemerkbar. Die zwölfprozentige Steigung am Jaufenpass bewältige ich vor allem im zweiten, manchmal auch im ersten Gang. In den Linkskurven der Serpentinen halte ich oft an, um andere Autos vorbeizulassen.

Trotz Schneckentempo und Fotostopps erreiche ich schon mittags das Timmelsjoch mit seinem skulpturhaften Passmuseum, das einen weiteren Halt lohnt. Auf dem Weg zum Campingplatz in Ried im Oberinntal vertraue ich moderner Technik leider zu sehr. Mein Navigationsgerät führt mich noch über den Piller Sattel, der es mit einer sehr steilen Abfahrt in sich hat und nicht auf meinem Programm stand.

Regen setzt ein, als ich Reschen- und Ofenpass überquere, was aber auch seinen Reiz hat. Zumal man zu dieser Jahreszeit mit einem schnellen Wetterwechsel rechnen kann. Am Nachmittag in Graubünden präsentieren sich die Alpen wieder bei feinstem Sonnenschein, gesteigert noch durch den fantastisch gelegenen Campingplatz in Zernez, den ich abends erreiche.

Mit Oldtimern bergauf und bergab

Das Tal bei Susch scheint mich am nächsten Morgen förmlich für die Etappe über den Flüela-, Wolfgang- und Klausenpass willkommen zu heißen. Ich bin an diesem Tag nicht der Einzige, der die grandiose Region befährt, auch nicht der einzige mit Oldtimer, wohl aber mit Gespann. Es erwarten mich Bilderbuchlandschaften, bevor ich über Davos, den Wolfgangpass und Klosters den Klausenpass ansteuere. Zwar verschlechtert sich das Wetter, aber das tut der Faszination keinen Abbruch.

Von nun an geht’s bergab mit dem Tagesziel Andermatt, wo ein grandioser Sonnenuntergang den Tag verabschiedet. Der Ort liegt über 1.400 Meter hoch, und die entsprechend kühle Nacht erfordert erstmals den Einsatz der Heizung. Wie in fast allen modernen Wohnwagen stammt sie von Truma. Diese erste Generation der Truma S wurde 1964 serienmäßig in den Beduin eingebaut. An dieser Stelle muss gesagt werden, dass dieser Dethleffs nur bis 1971 in Betrieb war. Als ich die Restaurierung 2011 beendet hatte, ließ ich die unangetastete Gasanlage fachmännisch prüfen. Die Heizung sprang nach 40 Jahren sofort an.

Einen Tag später fahre ich solo. Der Beduin hat einen Ruhetag auf dem Camping Gotthardblick in Andermatt verdient. Die Pässe Susten, Grimsel und Furka stehen auf dem Programm, und ich breche früh auf. Die 120 Kilometer lange Runde ist ein Traum. Einen Abstecher zur Aare-Schlucht sollte man auf keinen Fall verpassen; die vom Fluss über Jahrtausende gestalteten Skulpturen sind von größter Ästhetik. Den spektakulärsten Blick bietet die Abfahrt vom Grimselpass, wo man schon den Anstieg zum Furkapass sehen kann.

Stopp im Gotthard-Museum

Wieder mit dem Beduin am Haken erreiche ich überraschend schnell den Gotthard nach der gestrigen Drei-Pässe-Fahrt. Es ist aber keine Zauberei, denn der Höhenunterschied zwischen Andermatt und dem Pass beträgt nur 650 Höhenmeter, und die Passstraße windet sich sanft bergauf. Ein Besuch im Gotthard-Museum führt mir vor Augen, dass Pässe mehr sind als touristische Genussangebote. Nach der Mul­tivisionsschau fahre ich nicht mehr nur Pässe, sondern von einem Tal zum anderen, zwischen denen Bergketten den Weg versperren. Erst fantastische Straßenbaukunst ermöglicht es, Gebirge zu überwinden.

Das Miteinander der Verkehrsteilnehmer auf den Passstraßen empfinde ich als sehr rücksichtsvoll. Sogar die Kühe verhalten sich vorbildlich, nicht nur mir gegenüber. Großes Kompliment an die Motorradfahrer, die zwar schnell, aber immer risikobewusst fahren. Die Linienbusfahrer sind die Kapitäne der Alpenstraßen, sie wissen aber, wie breit ihr Bus ist. Nur manche Besitzer hochmotorisierter Sportwagen erwecken den Eindruck, dass sie alle anderen Fahrzeuge als Hindernisse betrachten.

Die Oldies werden zu Fotomodels

Der Nufenenpass mit der Höhe von 2.478 Metern bietet einen beeindruckenden Blick auf die Viertausender der Berner Alpen. Es wundert mich nicht, dass mein Gespann immer wieder zum Fotomotiv wird, denn auf der Tour sehe ich kein einziges Wohnwagengespann auf den Pässen, schon gar kein historisches. Der Nufenenpass ist der letzte geplante Pass auf dem Weg zum Genfer See. Besonders malerisch wirkt die Abfahrt. Kurz nach Ulrichen sieht es so aus, als ob sich hier Eisenbahn-Modellbauer ihre Ideen holen. Das folgende Rhônetal wirkt dagegen reizarm, besonders die Industriegebiete. Das Ziel meiner ersten großen Alpenetappe ist nach über 2.000 Kilometern erreicht: Thonon-les-Bains am Genfer See. Der nur wenige hundert Meter vom See entfernte Campingplatz wird mir mehrere Tage lang richtigen Urlaub bieten; das erste Mal baue ich das Sonnensegel auf. Und die Zeit des Alleinreisens ist auch endlich vorbei. Meine Frau kommt mit, um meine Freude zu teilen.

Nach einigen Tagen verabschieden wir uns von Fabian, unserem Platznachbarn. Zurzeit arbeitet er als Busfahrer in der Schweiz, ansonsten lebt er sechs Monate in Mali oder auf seinem Boot in Südfrankreich. Dienstags macht er technische Dinge an seinem Wohnmobil, der Mittwoch gehört den Philosophen, die er studiert – ein Lebenskünstler. Schon nach wenigen Kilometern hinter Morzine taucht das Schild "Routes des Grandes Alpes" am Straßenrand auf. Der erste etwas höhere Pass ist der Col de la Colombière, den Col des Gets "überfahren" wir quasi.

Da wir noch früh dran sind, entschließen wir uns, gleich die nächste Etappe über den Col des Aravis und den ziemlich farblosen Col des Saisies anzuhängen. Wir erreichen trotzdem recht früh den sympathischen Camping Muncipale in Beaufort. Da der Auspuff ungewohnte Geräusche von sich gibt und ich eine fehlende Mutter am Krümmer als Ursache ausmache, besuche ich eine nahe Werkstatt, die eine passende Mutter gratis montiert – merci beaucoup!

Erstes Problem: Motorstreik

Am nächsten Tag soll es zum Cormet des Roselend gehen. Soll – denn diesmal gibt es ein richtiges Problem: Nach zehn Kilometern Bergauffahrt sackt die Motorleistung ab, der Volvo nimmt kein Gas an, nur mit schleifender Kupplung kann ich wenden und eine Ausweiche bergabwärts nehmen. Meine Vermutung: Der Motor läuft nur auf drei Zylindern. Das Kerzenbild des vierten Zylinders scheint das zu bestätigen. Austausch der Kerzen – keine Verbesserung. Zurück zum Campingplatz, wo selbst ebene Strecken problematisch werden. Also erneut zur Werkstatt. Aber diesmal weist mich der Inhaber ab. Er traut sich wohl nicht an die antike Technik. Ich muss den Pannendienst meiner Versicherung anrufen. Prompte Antwort: "Der Abschleppwagen ist in 45 Minuten da und bringt Ihren Oldtimer zur Volvo-Werkstatt in 60 Kilometer Entfernung."

Während ich schon fast zwei Stunden auf den Pannendienst warte, kommt ein älterer französischer Campingnachbar auf mich zu und fragt, was mit dem Volvo los sei. Ich schildere das Problem. Kurze Zeit später erscheint er mit seinem Werkzeugkoffer, schaut sich den Verteiler an, den Unterbrecher, stellt sie ein, prüft den Vergaser. Monsieur Le Grand ist pensionierter Automechaniker und fährt zu Hause selbst einen Oldtimer, einen Opel GT aus den 1960er Jahren. Wir starten zur Probefahrt – keine Verbesserung. Monsieur öffnet den Luftfilter, nimmt ihn heraus und – was soll ich sagen? Der Buckel läuft wie immer, der optisch neuwertige Luftfilter war dicht. So ein Zufall, so viel Kompetenz, so ein netter Mensch! Zwei gute Flaschen Wein sind der Dank, den Monsieur le Grand nicht annehmen möchte. Den Pannendienst bestelle ich erleichtert ab.

Anfahrt – Klappe die zweite

Wir sind gespannt, wie die erneute Anfahrt zum Lac des Roselend ohne Luftfilter werden wird. Alles bestens. Wir passieren die Stelle, an der wir tags zuvor umdrehen mussten, völlig ohne Probleme und können so die sanfte Auffahrt genießen. Wie in vielen Reiseführern beschrieben, taucht völlig unvermittelt der 1.533 Meter hoch liegende Stausee nach einer Linkskurve auf. Traumhaft das dunkeltürkisfarbige Wasser inmitten der harmonischen Gebirgslandschaft. Nach kurzer Fahrt mit einigen Schleifen erreichen wir den Cormet des Roselend. Aber wir stehen nicht lange allein auf der Passhöhe, denn plötzlich kommen sehr flott zwei Lancia-Rennwagen aus den 1920er Jahren. Zwei Pärchen, um die 80 Jahre jung, sind bis hier auf eigener Achse aus England gefahren, um an einer Jubiläumsfahrt über den Col d’Iséran teilzunehmen. Die Selbstverständlichkeit und Lebensfreude der Betagten mit ihren fast 100 Jahre alten Boliden begeistert uns. Sehr, sehr zügig verlassen sie den Pass und sind bald nicht mehr zu sehen. Ein weites Tal empfängt uns auf dem Weg zum Campingplatz in Bourg-Saint-Maurice.

Die Königsetappe

Trotz der reichlich gesammelten Alpenerfahrungen sind wir am nächsten Morgen doch etwas aufgeregt, denn die Königs­etappe steht an: der Col d’Iséran mit seinen 2.770 Metern Höhe, der zweithöchste Pass in den Alpen. Der höchste Alpenpass, der Col de la Bonette, liegt nur 32 Meter höher, ist aber für Gespanne gesperrt. Umgeben von üppiger Vegetation, reisen wir am Lac du Chevril entlang nach Val d’Isère.

Die Nord­rampe gilt zu Recht als eine Meisterleistung der alpinen Straßenbaukunst. Ohne Spitzkehren führt der Weg durch eine fantastische Gebirgslandschaft zum Pass. Ein Phänomen bei der Auffahrt zur Passhöhe: Optisch ist der Steigungsgrad nicht zu erfassen, die Straße sieht so aus, als ob sie fast eben sei, dabei ist es so steil, dass ich nicht vom ersten in den zweiten Gang schalten kann. Die Fahrt hoch zum Col d’Iséran wird zur bis dahin schönsten Auffahrt. Entsprechend groß ist oben die Erleichterung, fast 3.000 Meter Höhe mit Buckel und Beduin gemeistert zu haben. Auf dem Campingplatz im hübschen Ort Lanslebourg stoßen wir auf die heutige Fahrt mit Champagner an, bevor wir das Städtchen anschauen. Als wir zurückkehren, stehen zwei alte Guzzi-Gespanne aus den Niederlanden neben uns. Das Pärchen ist auf dem Weg nach Mandello del Lario, wo das 95-jährige Guzzi-Jubiläum mit Motorrädern aus aller Welt gefeiert wird.

Die Drei-Pässe-Tour

Voller Zuversicht starten wir am Tag da­rauf nach einem wunderschönen Sonnenaufgang zur Drei-Pässe-Tour: Col de Télégraphe, Col du Galibier und Col de Lauteret. Die Auffahrt zum Col de Télégraphe war schon nicht ohne. Auf dem Weg zum Galibier bewundern wir wie bereits auf der gesamten Tour die Radfahrer, die Pass um Pass befahren. Der Mistral bläst, so ist es selbst in großer Höhe sehr warm, fast heiß. Damit hat der Buckel besonders zu kämpfen, und auf den Serpentinen der letzten acht Kilometer bis zur Passhöhe müssen wir mehrfach stehen bleiben, damit der Kühler nicht überhitzt. Oben angekommen, atmen wir erst einmal kräftig durch, der Col du Galibier macht uns allen erheblich mehr zu schaffen, als der Col d’Iséran. Die anschließende Abfahrt ist ebenfalls recht anspruchsvoll.

Eigentlich steht als nächste Etappe der Col d’Izoard und Col de Vars auf dem Programm, doch wir entschließen uns, diese Strecke zu umfahren. Zum einen, weil der gestrige Tag sehr anstrengend war, zum anderen, weil wir bislang so fantastische Bergfahrten erlebt haben, dass wir nicht glauben, etwas zu vermissen. So fahren wir eine "Flachetappe" nach Barcelonnette, die uns durch schöne Täler führt. Eine spontane Pause in der Mittagshitze beschert uns nicht nur einen ausgezeichneten Kaffee, sondern ebenso Konditorspezialitäten der Region. Barcelonnette, ein nettes Städtchen mit einem etwas außerhalb gelegenen Campingplatz, ist der Ausgangspunkt für die morgige Drei-Pässe-Fahrt. Der Col de la Cayolle wird als einer der reizvollsten Pässe auf der Route des Grandes Alpes beschrieben, ist allerdings für Wohnwagen verboten, deshalb fahren wir solo und brechen schon um acht Uhr auf, um der Hitze auszuweichen.

Es sind kaum andere Fahrzeuge unterwegs, und das ist auch bei der teilweise einspurigen Auffahrt durch schroffe Felsformationen gut, denn Ausweichstellen gibt es nicht überall. Schon früh erreichen wir die Passhöhe mit 2.327 Meter, und die Abfahrt ist landschaftlich genauso ein Genuss wie die Auffahrt. In Saint Martin d’Entraunes biegt die kleine Straße zum Col des Champs ab. Die Passstraße unterscheidet sich durch die sehr karge Landschaft völlig von der soeben befahrenen. Außer dem einen oder anderen Fahrradfahrer begegnen wir keinem Fahrzeug bis zur Passhöhe des Col des Champs, der sich fast wüstenähnlich präsentiert. Die folgende Abfahrt weist ein Gefälle von teilweise 15 Prozent auf, und wir sind froh, heute einmal nicht den Beduin dabeizuhaben. Wir erreichen Colmars – eine Entdeckung. Der Ort verbirgt sich hinter einer hohen Stadtmauer, wo nur eine Kirchturmspitze zu sehen ist. Im Inneren finden wir einen reizvollen, mittelalterlichen Ortskern.

Last but not least

Nun folgt der letzte geplante Pass, der Col d’Allos mit 2.240 Meter. Der Col des Champs und Col d’Allos liegen abseits der Routes des Grandes Alpes und sind somit relativ wenig befahren. Das macht diese Pässe noch reizvoller, zumal sie sich auf einer Strecke von nur 125 Kilometern vollständig voneinander unterscheiden und man durch unterschiedlichste geologische Gegenden und Vegetationen fährt, kurz gesagt: Es ist sehr abwechslungsreich. Wieder zurück in Barcelonnette, erwartet uns unser Beduin – gute Nacht!

Wir machen uns jetzt auf den Weg nach Blieux, einem winzigen Ort mit 58 Einwohnern, darunter "Madame", über 90 Jahre alt, die einen wunderschönen Campingplatz abseits aller Wege betreibt. Auch bis dorthin stellt sich der ein oder andere Gebirgszug in den Weg, namenlose Pässe. Gegen Mittag erreichen wir Blieux, den Campingplatz. Es ist ein kleines Paradies, wo wir einige Tage bleiben.

Aufbruch nach Aix-en-Provence: Wir lassen die Alpen nach über 3.000 Kilometern hinter uns und freuen uns über die fantastischen Erlebnisse, die wir dort haben durften. Aix bietet mehrere Campingplätze, auf unserem, Camping Chantecler, treffen wir auf einen anderen Oldtimer-Wohnwagen, allerdings von einem modernen Fahrzeug gezogen. Der Platz ist sehr gut geführt und auch durch seinen Swimmingpool sehr entspannend. Wir besuchen Marseille, bevor die Rückreise in vier Etappen zurück nach Wuppertal geht, weiterhin nur über Land- und Nebenstraßen. Und wenn es auch nicht die Alpen sind, durchfahre ich wunderschöne Landschaften, bevor ich nach 4.932 Kilometern wieder in Wuppertal lande, erfüllt mit unendlich vielen, gran­dio­sen Eindrücken und Erlebnissen der letzten fünf Wochen.

Daten und Fakten

  • Das Gespann: Dethleffs Beduin
    Baujahr 1964 in Isny/Allgäu, Auflaufbremse, Leergewicht 480 kg, zulässiges Gesamtgewicht 600 kg, Länge x Breite x Höhe: 3,93 x 1,75 x 2,25 m
    Volvo PV 544/Modell E (genannt Buckel-Volvo)

    Baujahr August 1963 in Göteborg, Hubraum 1.800 cm³, 68 PS, Kilometerstand bei Verkauf durch die Erstbesitzerin 1993: 123.242, aktueller Kilometerstand: 258.560
  • Der Verbrauch: 11,1 L/100 km Benzin, 6 L Öl
  • Die technischen Ereignisse: Kühlwassersystem, Zusatzlüfter, Radlagerspiel, Luftfilter, Tankverschluss/-stutzen, Tankanzeige, Mutter am Krümmer, Scheibe Beifahrerseite
  • Die Reise: 36 Tage, 4.932 km auf Land- und Nebenstraßen durch Deutschland, Österreich, Italien, Schweiz, Frankreich, 28 Pässe, davon der höchste: Col l’Iséran mit 2.770 m
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