Praxistest im Wohnwagen-Hostel Base Camp in Bonn

Die etwas andere Zeitreise

Base Camp Bonn Foto: André Tillmann 20 Bilder

Das Wohnwagen-Hostel Base Camp Bonn bietet Übernachtungsangebote in themenbezogenen Oldtimer-Caravans, Hütten oder auch Zügen. CARAVANING war vor Ort und hat einen der Wohnwagen getestet.

„Hi Marcel, hast Du Zeit und Lust auf eine Glamping-Tour nächste Woche?“, ruft mir meine nette Kollegin Sophia durch den Flur zu. Das Nächste, an das ich mich erinnere, sind mit Plüsch überzogene Handschellen, die mich an einen Einbauschrank fesseln. Ur-Komiker Otto Waalkes würde an dieser Stelle wahrscheinlich sagen: „Da waren sie wieder, meine drei Probleme.“ Aber Spaß beiseite.

Base Camp Bonn Foto: Marcel Sommer
Das Base Camp Bonn bietet zahlreiche Themenwelten zum Schlafen. Jeder Wohnwagen hat dabei einen kleinen Terassenbereich vor der Unterkunft.

Das Base Camp Bonn in (die Überraschung hält sich in Grenzen) Bonn, bietet themenbezogene Übernachtungsmöglichkeiten in 18 Wohnwagen, zwei Campingbussen (VW Bus T2 und T3), einem Dachzelt auf einem Trabi, einer Bergbahn-Gondel, Tiny Houses und 2 Zugwaggons (ein Liegewagen und ein Schlafwagen) an. Ja, richtig gelesen, es stehen tatsächlich Zugwaggons zur Wahl, die auch noch genauso riechen, wie noch fahrende Züge. Aber das ist eine andere Geschichte.

30 Jahre Caravan-Geschichte zum Ausprobieren

Die 18 Wohnwagen haben Baujahre zwischen 1965 und 1985 und behandeln jeweils ein anderes Thema. Von Nautilus über Pitstop bis hin zu Drag Queen ist nahezu alles vertreten. Und genau in diesem Drag Queen darf ich heute Nacht schlafen.

Base Camp Bonn Foto: André Tillmann
Die Handschellen gehören zum Inventar - und verfehlen nicht ihre Wirkung.

Warum ausgerechnet dort? Der offensichtlichste Grund trifft es in diesem Falle nicht. Der Grund ist äußerst pragmatisch: Das Bett gehört mit 1,50 mal 1,90 Meter zu den größten in dieser 1.300 Quadratmeter großen ehemaligen Fabrikhalle, in der die Übernachtungs-Oldies parken. Das augenreizende Design des Drag Queen von 1983 stört mich nicht. Wobei mich dieser nur in Unterhose bekleidete Barbie-Ken, die Handschellen und ein kleines Plakat an der Schrankwand schon ein wenig länger beschäftigen, als ich dachte.

Das Testobjekt

Zum vier Meter kurzen Zweipersonen-Caravan selbst ist nicht viel zu sagen. Beim ersten Schritt hinein ist dieser für ältere Wohnwagen typische, leicht modrige und zugleich süßliche Geruch zu vernehmen, aber alles ist sauber. Die Innenausstattung hält neben den bereits erwähnten Themen-Utensilien keine Überraschungen parat. Im Bug befindet sich eine kleine Sitzgruppe mit Längsbänken, im Heck ist das Doppelbett. Schlafsack muss nicht mitgebracht werden, wie in einem richtigen Hotel wird das Bett bezogen, ein Handtuch wird auch gestellt. Außerdem ist ein kleiner Kleiderschrank an Bord. Fertig.

Base Camp Bonn Foto: Marcel Sommer
Die Duschräume wecken Erinnerungen an Schulausflüge.

Toilette, Dusche? Fehlanzeige. Für derlei Unternehmungen stehen nach Männern und Frauen getrennte Gemeinschaftsräume parat. Diese sind pragmatisch ausgestattet und sauber. Beim Duschen muss man allerdings aufpassen, dass man nicht seine ausgezogene Kleidung komplett nass macht, da die Kabinen eher eng bemessen sind.

Der Preis mit Frühstück beträgt für diesen Wohnwagen für Einzelpersonen 65 Euro, für Paare 85 Euro. Je nach Unterkunftsart variiert der Einzelpersonenpreis zwischen 25 und 75 Euro.

Bei solch Preisniveau wundert es kaum, dass nach eigener Aussage der Base Camp Bonn-Betreiber unter der Woche verstärkt Geschäftsleute und an den Wochenenden Gruppen das Angebot annehmen. „Vor allem bei Messen sind wir ausgebucht“, heißt es. Und nein, die kleinen Oldtimer-Camper werden trotz ausgefallenen Aussehens nicht stundenweise vermietet. „Für solch Aktivitäten steht gleich ums Eck und interessanterweise neben einem Kindergarten das passende Etablissement zur Verfügung“, verrät ein Mitarbeiter.

Wie war die Nacht?

Base Camp Bonn Foto: Marcel Sommer
Das Bett des Testcaravans 1,50 mal 1,90 Meter groß.

Kurz gesagt, die Nacht war mäßig. Und das, obwohl es am Abend Frischgegrilltes und den einen oder anderen Schlaftrunk gab. Das Bett war für einen 1,95 Meter Riesen trotz genutzter Diagonale dann doch etwas zu kurz und die Temperatur ein paar Grad zu hoch. Offensichtlich hat mir das Thema des Wohnwagens doch mehr zugesetzt, als geplant, so dass ich jetzt erst einmal einen Schokoriegel essen muss.

Apropos Essen: Frühstück gibt es unter der Woche von 7:30 bis 10 Uhr, an beiden Wochenendtagen von 8 bis 11 Uhr. Das wird im Buffet-Stil mit Brötchen, Marmelade, Kaffee und Milch serviert und erinnert mich ein bisschen an eine Jugendherberge. Nachtruhe herrscht von 23 bis 7 Uhr.

Fazit

Als Eventlocation sicherlich eine gute Adresse. Und für eine Nacht lässt sich über den nicht allzu guten Schlafkomfort hinwegsehen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist gut für eine außergewöhnliche Übernachtungserfahrung in einem Oltimer-Caravan. Für mich wäre das Base Camp Bonn für einen längeren Urlaub allerdings nichts.

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