Reise-Tipp Engadin mit dem Caravan

Mit lautem Schellengeläut

Reise-Tipp: Engadin Foto: Thomas Cernak 7 Bilder

Brauchtum und Tradition sind in der Schweiz tief verwurzelt. Beispiel: das schöne Hochtal des Engadin – wo die Kinder lärmend durch die Gassen ziehen, um die bösen Wintergeister zu verjagen.

Bis weit ins Frühjahr herrschen im Engadin eisige Temperaturen, besonders in den überwiegend sternenklaren Nächten – zur großen Freude der wintersportbegeisterten Campinggäste. Das lichterfüllte Tal im Süden des Kantons Graubünden steht wie kaum ein anderes für Schneesicherheit und Sonne satt. Logiert wird auf den Campingplätzen bei Sankt Moritz und Pontresina – sie liegen auf rund 1800 Meter Meereshöhe und gehören damit zu den höchstgelegenen in Europa. Hier im Oberengadin dauert die Skisaison bis Ende Mai; zu dieser Zeit hat in den tieferen Lagen im Unterengadin, das sich nach Nordosten hin fortsetzt, der Frühling längst Einzug gehalten.

Doch bis es dort so weit ist, müssen zuerst mit gehörigem Lärm die Eisdämonen vertrieben werden. Seit alters her ist dies die Aufgabe der blau gewandeten und rote Zipfelmützen tragenden Buben, die mit Kuhglocken und Rätschen ausgerüstet durchs Dorf marschieren. Doch in jedem Ort wird der Chalandamarz genannte Brauch anders zelebriert: In Guarda etwa schreiten neuerdings am letzten Februartag Jungen und Mädchen gemeinsam um die zahlreichen Brunnen. Die Mädchen sind ein Zugeständnis an die gesunkene Geburtenrate. Der Begriff Chalandamarz ist rätoromanisch und stammt vom lateinischen „Calendae Martii“ ab: dem Märzanfang und Beginn des römischen Jahres.

Der geräuschvolle Umzug startet dann am Folgetag, dem 1. März, Punkt acht Uhr morgens in Ardez, der Nachbargemeinde. Seine Besonderheit: Die Kinder singen auf Straßen und Plätzen althergebrachte Lieder, die sie unter der Leitung des rührigen Dorfschullehrers Curdin Brunold wochenlang einstudiert haben.

Ardez und Guarda sind sowieso zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert. Letzteres erstreckt sich auf einer Hangterrasse über dem Inn. Nach der Zerstörung durch die Österreicher 1622 wurde das Dorf im einheitlichen Stil vorbildlich wieder aufgebaut. Schön anzusehen sind vor allem die Brunnenplätze und die Sgraffiti-dekorierten Fassaden. Viele Häuser besitzen Erker, die wiederum auf die Brunnen weisen. Enge Gassen und hohe, mit Bibelszenen bemalte Gebäude prägen das Erscheinungsbild von Ardez. Weitere Perlen alpenländischer Architektur sind unter anderem in Susch und Scuol zu bestaunen.

Übersicht: Reise-Tipp Engadin mit dem Caravan
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