Reisen mit Kindern, Spielen Nicole Liedl/Jacek Bilski
Reisen mit Kindern, Anschnallpflicht
Reisen mit Kindern, Hochbett
Reisen mit Kindern, Sitzgruppe
Reisen mit Kindern, Küche 8 Bilder

Tipps für den Familienurlaub im Caravan

Reisen mit Kindern

Urlaub, die schönsten Wochen des Jahres. Endlich ausspannen und Zeit für die Familie haben. Um mit Kindern zu Verreisen, gibt’s nichts Besseres als einen Caravan. Erst recht  mit den CARAVANING-Tipps.

Der Urlaub rückt näher, die Spannung steigt. Vor allem bei Kindern ist das deutlich zu spüren und besonders, wenn es mit dem Wohnwagen in die Ferien geht. Es gibt wohl kaum einen Dreikäsehoch, der sich nicht fürs Campen begeistern kann. Kinder empfinden den Urlaub als Abenteuer, weiß Annika Stitz von www.reisen-mit-kindern.info , einer Webseite mit Tipps von Eltern für Eltern.  "Was gibt es Schöneres und Besseres für Kinder, als viel Zeit im Freien und in der Natur zu verbringen", sagt die Expertin. Genau diese Möglichkeit bietet der Campingurlaub.

Alles dabei im Caravan

Bad, Küche, Schlafzimmer. Fast wie zu Hause, nur kleiner, doch irgendwie vertraut. Kinder genießen es zudem sehr, nicht durch ein eigenes Zimmer von den Eltern oder Geschwistern getrennt zu sein. Caravanurlaub mit dem Nachwuchs erfreut sich wachsender Beliebtheit. Laut einer Studie des Instituts für Tourismus und Bäderforschung in Nordeuropa (N.I.T.) waren bei 36 Prozent der 2009 gezählten 1,7 Millionen Caravanurlaube Kinder an Bord gewesen. 2008 waren es 26 Prozent.

Ein Selbstläufer ist der Campingurlaub mit der Familie freilich nicht. Schließlich treffen verschiedene Wünsche und Ansprüche aufeinander. Nicht zu unterschätzen ist die Wahl des Caravangrundrisses. Bei der richtigen Anordnung der Betten hat jeder Mitreisende seinen eigenen Platz und damit auch eine Rückzugsmöglichkeit. Wer dann noch vor der Fahrt nichts vergisst, während der Fahrt die Ruhe behält und sich nach der Fahrt an einige Spielregeln hält, für den werden die Urlaubswochen mit der Familie wirklich die schönsten des Jahres.

Familiencaravan 2
Frank Eppler

Vor der Fahrt - Planung ist das A und O für den Urlaub

Ein Selbstläufer ist der Campingurlaub mit der Familie freilich nicht. Schließlich treffen verschiedene Wünsche und Ansprüche aufeinander. Wer vor der Fahrt nichts vergisst, während der Fahrt die Ruhe behält und sich nach der Fahrt an einige Spielregeln hält, für den werden die Urlaubswochen mit der Familie wirklich die schönsten des Jahres.

Campingplätze für Familien

Campingplätze sind die natürlichen Reviere für Wohnwagen - und das ist gut so, wenn man mit dem Nachwuchs unterwegs ist. Grundsätzlich wollen Kinder irgendwann mal ankommen und nicht ständig den Ort wechseln. Ein Ziel haben, einen Fleck, den sie erkunden können. Campingplätze sind dafür prädestiniert. Die Areale bilden für sich ein abgeschlossenes Gebiet. Kinder können nicht weglaufen, sie finden sich hier meist gut zurecht und schnell Anschluss an Gleichaltrige. Zudem herrscht so gut wie kein Verkehr, dazu eine gewisse Rücksicht und Ungezwungenheit. Und nicht selten gibt es Spielplätze, oder es wird sogar ein spezielles Animationsprogramm geboten.

Die Urlaubsplanung

Entscheidend ist die frühzeitige Planung. Vor allem in der Hochsaison sollte man unbedingt rechtzeitig vorher reservieren. Campingplatzführer helfen, das richtige Ziel zu finden. Sie geben auch Auskunft darüber, was vor Ort geboten wird. Klar ist: Ein Campingplatz mit Animation ist teurer. Mit Strand und Meer macht man selten etwas verkehrt. Ältere Kinder sollte man ruhig in die Planungen mit einbeziehen. Vor allem will aber auch der jüngere Nachwuchs durch Erzählungen auf die Ferien vorbereitet werden. "Die ganze Familie sollte sich auf den Urlaub freuen können", erklärt Expertin Annika Stitz.

Das Gepäck

Ein heikles Thema ist das Gepäck - nicht nur wegen der begrenzten Zuladung. Beim Einpacken der Spielsachen ist schon manche Träne gekullert. "Warum darf ich das nicht alles mitnehmen, Papa?" Mama oder Papa sind gut beraten, ihrem Nachwuchs die Entscheidung zu überlassen. Am besten weist man Sohn oder Töchterchen ein Staufach im Caravan zu, das er oder sie selbstständig bepacken darf. Was rein passt, darf mit. Der Rest bleibt zu Hause. Wer mit Babys ins Ausland reist, sollte sich überlegen, einen gewissen Vorrat an Säuglingsnahrung mitzunehmen. Es ist nicht gesagt, dass dem kleinen Feinschmecker der Babybrei im Gastland mundet.

Gültige Ausweispapiere

In jedem Fall mit müssen gültige Ausweispapiere. Trotz freier Grenzen muss man sich auch im Schengen-Ausland jederzeit ausweisen können. Ab 16 Jahren übernimmt das der Personalausweis, im weiter entfernten Ausland der Reisepass. Unter zwölf Jahren benötigen Kinder bei der Einreise in diverse Länder einen Kinderreisepass. Er ersetzt den früheren Kinderausweis. Reisen Kinder ohne ihre Eltern, etwa Enkel in Begleitung ihrer Großeltern, ins Ausland, empfiehlt das Außenministerium neben dem Ausweis eine formlose Einverständniserklärung der Erziehungsberechtigten. Infos und Vordrucke gibt es in einigen Bürgerbüros.

Während der Fahrt

Nicht zu lange Etappen fahren und genügend Pausen einlegen. "Wann sind wir endlich da?" ist die beliebteste Frage von Kindern während der Fahrt.  Jetzt bloß nicht mit einem unmotivierenden "nach der nächsten Kurve" rausreden. Kinder wollen ernst genommen werden. Die passendere Antwort lautet etwa: "Wenn der große Zeiger der Uhr auf der Fünf und der kleine auf der Zwölf steht." Noch besser ist, die Frage kommt gar nicht erst auf. An diesem Punkt bietet ein Gespann einen großen Vorteil. Klar, während der Fahrt ist der Wohnwagen tabu. Doch bei einem Stopp kann man jederzeit auf die Gerätschaften im Wohnwagen zurückgreifen. Wer nicht über einen speziellen Gasregler - Stichwort Secumotion - verfügt, dreht schnell das Gas auf, um die Kochstelle benutzen und dem Nachwuchs ein Fläschchen warm machen zu können. Achtung: Vor der Weiterfahrt das Abdrehen des Gases nicht vergessen. Außerdem hat man gekühlte Getränke an Bord. Der Kühlschrank  läuft über die Bordbatterie auch während der Fahrt.

Pausen einlegen

Pausen sind ohnehin das beste Rezept gegen Quengelei und Langeweile. Grundsätzlich empfiehlt es sich, wenigstens alle zwei Stunden einen Stopp einzulegen und frische Luft zu schnappen. Bei der Gelegenheit sollte man auch dem Bewegungsdrang der Sprösslinge nachgeben. Warum nicht Frisbee, Fangen oder Ball spielen, wenn es die Gegebenheiten sicher zulassen? Im Idealfall ist der Nachwuchs danach so müde, dass er schläft und man eine längere Etappe am Stück zurücklegen kann. Aus diesem Grund schwören einige Wohnwagen-Urlauber auf Nachtfahrten. Ratsam ist das aber nur für Fahrer, denen der geänderte Rhythmus und die Dunkelheit nichts ausmachen. Es ist auch nicht immer gesagt, dass die Kinder angeschnallt sitzend schlafen können. Kleinkinder in Babyschalen haben es da deutlich bequemer.

Kinder angeschnallt im Fahrzeug
Fotograf Nicole Liedl

Zeit im Stau überbrücken

Ein Horror jeder Urlaubsfahrt: Stau. Vier Stunden im Auto und nur 30 Kilometer gefahren? Wohl dem, der Spielsachen und Bücher für die Kids griffbereit hat. "Auch einfache Spiele wie ‚Ich sehe was, was du nicht siehst‘ oder Singen hilft, Zeit zu überbrücken", sagt Annika Stitz. Hörbücher versprechen ebenfalls Abwechslung. Einige taugen für Kinder- und Erwachsenenohren gleichermaßen. Sind Geschmack und Alter zu unterschiedlich, bieten sich für die Kids im Fond tragbare Abspielgeräte mit Kopfhörern an. Oder aber man vereinbart Zeitabschnitte, in denen jeder seine Lieblingsmusik, sein Lieblingshörbuch hören darf. Die meisten Autoradios erkennen die Staudurchsagen und schalten automatisch aufs Radioprogramm um, wenn es Wichtiges von den Straßen zu melden gibt. Spannend ist es für Kinder, mit Mama oder Papa die Rücksitzbank gegen den Beifahrersitz zu  tauschen, sofern sich ein etwaiger Kindersitz dort problemlos und sicher befestigen lässt. Der Platztausch kann auch Spannungen zwischen den Kids vorbeugen.

Reiseübelkeit

Reiseübelkeit kann ein Grund sein, wenn es im Fond verdächtig ruhig wird, die häufig Kinder zwischen zwei und sechs Jahren befällt. Kinderarzt Michael Mühlschlegel aus Lauffen  am Neckar vergleicht sie mit Seekrankheit und erklärt sie mit unterschiedlichen Signalen, die das Gehirn vom Gleichgewichtsapparat im Ohr und den Augen empfängt. Sein Tipp: "Nicht lesen, sondern zur Windschutzscheibe hinausschauen." Auch auf Unterhaltungsgeräte wie tragbare Spielekonsolen rät er aus diesem Grund allenfalls wohldosiert zurückzugreifen.

Auf dem Campingplatz

Sind die Kinder zufrieden, kommen Eltern auf ihre Kosten. Endlich angekommen. Bevor man sich allerdings auf einem Campingplatz niederlässt, bietet sich eine Platzbegehung an. Einfach mal schauen, wo der Wohnwagen am besten steht.

An jeder fünften deutschen Badeseen-Messstelle im Flachwasser hat der ADAC Gesundheitsrisiken für Kinder festgestellt.
Auto-Medienportal.Net/ADAC
Kinder am Lechsee, Badesee

Wo stehen vielleicht andere Familien mit Kindern im gleichen Alter? Wie weit ist möglicherweise der Spielplatz entfernt? Es ist Urlaub. Vieles darf locker gesehen werden. Nicht jedoch, dass sich vor allem Kleinkinder allein im Wohnwagen aufhalten. Kochfeld oder Gasregler sind frei zugänglich und verlockende, aber nicht ungefährliche Spielzeuge. Locker heißt auch nicht, dass man auf die Familienroutine verzichten sollte. Im Gegenteil: "Rituale helfen Kindern, sich an neuen Orten einzugewöhnen", so Annika Stitz. Das können gemeinsame Mahlzeiten  sein. Aber auch ein Zu-Bett-Geh-Ritual gibt einem Tag Struktur. Und wenn Sohnemann mittags schläft, darf der Zapfenstreich ruhig mal etwas später stattfinden. Obwohl das Schlafengehen  je nach Kindesalter ein häufiger Streitpunkt ist - ebenso das Helfen beim Abwasch oder das Thema der Familienaktivitäten.

Kompromisse finden und Auszeiten nehmen

Häufig adoptieren Kinder die Interessen der Eltern. Was dem Senior Spaß macht, entzückt auch den Junior. Sollte die Motivation dennoch mal ausbleiben, helfen Kompromisse weiter: "Heute gehen wir spazieren, dafür morgen an den Strand." Am Urlaubsort zahlt sich aus, wenn man sich vorher intensiv mit dem Reiseziel auseinandergesetzt hat. Vor allem für Großeltern kann es wichtig sein, noch ein Ass im Ärmel zu haben. Zu wissen, wo eine nette Eisdiele, ein interessantes Museum, womöglich ein Freizeitpark ist, so dass die Kinder beschäftigt sind und sie einfach mal durchschnaufen können.

Natur pur für Kinder im Knaus Campingpark Lackenhäuser
Natur pur für Kinder im Knaus Campingpark Lackenhäuser

Urlaub mit dem Nachwuchs ist kein Vollzeit-Bespaßungsbetrieb. Kinder beschäftigen sich auch allein oder nehmen sich  eine Auszeit. Die Betten bieten sich prima als Rückzugsort an. Die meisten Kinder genießen die gemeinsame Zeit mit der Familie, die im Alltag häufig viel zu kurz kommt. Dies und ein paar einfache Tipps - dann steht einem erholsamen Urlaub nichts im Wege.

Familienpackung: Das richtige Gespann

Ein Wohnwagen ist das Familien-Urlaubsdomizil schlechthin. Selbst Großfamilien können in einem Caravan Platz finden. Mit vier Personen nimmt es fast jeder Caravan auf. Bei Erwachsenen mit Kindern beliebt ist vor allem die Variante mit quer eingebauten Stockbetten für die Kids im Heck, einem festen Bett für die Eltern im Bug und einer Sitzgruppe. Fast alle Hersteller haben diesen familientypischen Grundriss im Angebot, der sich im Detail noch anders konfigurieren lässt. Ein großer Vorteil: Das allabendliche Bettenbauen entfällt, ohne dass man auf eine Sitzgruppe verzichten muss. Wenn Mama oder Papa morgens noch länger liegen bleiben wollen, kann der Nachwuchs am Tisch spielen. Zudem hat jedes Kind sein eigenes Reich.

Familiencaravan 3
Frank Eppler

Wichtig, bevor man Kauf- oder Mietvertrag unterschreibt: Probe liegen und auf Komfort und Sicherheit achten. Bei den Etagenbetten gelten 75 Zentimeter in der Breite als Untergrenze. Für Kleinkinder darf zudem ein ausreichend dimensionierter und stabiler Herausfallschutz an Bord nicht fehlen. Ein familientauglicher Wohnwagen ist das eine, der passende Zugwagen das andere. Vor Kauf oder Anmieten eines Wohnwagens darauf achten, dass er vor allem hinsichtlich Anhänge- und Stützlast zum Pkw passt. Im Zugfahrzeug muss für alle Mitreisenden ein Sitzplatz mit Dreipunktgurt und Kopfstütze zur Verfügung stehen. Kinder unter 150 Zentimeter oder jünger als zwölf Jahre müssen während der Fahrt in einem Kindersitz Platz nehmen. Am besten, man testet rechtzeitig, ob Kindersitz oder Babyschale im Zugwagen richtig befestigt werden können. Der Aufenthalt im Wohnwagen ist während der Fahrt verboten.

21 Tipps fürs Reisen mit Kinder

Folgende Dinge sollten Sie beim Campingurlaub mit der Familie beachten. Unsere Caravaning-Tipps für stressfreie Ferien.

  1. Familientauglichen Grundriss auswählen.
  2. Für jeden Mitreisenden sollte es ein eigenes Bett geben.
  3. Sitze mit Dreipunktgurten und Kopfstützen für alle Mitreisenden.
  4. An Kindersitze und Babyschalen denken. Achtung bei Befestigung auf dem Beifahrersitz
  5. Airbag muss deaktivierbar sein.
  6. Urlaubsziel(e) rechtzeitig und genau planen, dabei auf die Familientauglichkeit achten.
  7. Kinder in Planung einbeziehen und auf Urlaub vorbereiten.
  8. Campingplatz ansteuern, gegebenenfalls reservieren.
  9. Gegebenenfalls mit befreundeter Familie verreisen.
  10. An gültige Ausweispapiere für alle Familienmitglieder denken (auch im Schengen-Raum wichtig).
  11. Großeltern mit Enkeln: zusätzlich Einverständniserklärung der Erziehungsberechtigen (vor allem bei Auslandsreisen).
  12. Während der Fahrt angeschnallt sitzen bleiben.
  13. Der Aufenthalt im Caravan ist verboten.
  14. Spielsachen, Bücher, Hörspiele mitnehmen und griffbereit im Zugwagen verstauen.
  15. Nicht zu lange Etappen fahren.
  16. Regelmäßige Stopps einlegen, frische Luft schnappen und -ausreichend bewegen.
  17. Kindern Zeit geben, sich am Urlaubsort einzugewöhnen.
  18. In der Anfangszeit mehr mit ihnen beschäftigen.
  19. Regeln und Routinen von zu Hause im Urlaub beibehalten.
  20. Nicht zu häufig den Standort wechseln.
  21. Sonnenschutz: Hose, Hemd, Hut, hoher Lichtschutzfaktor.
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