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Dethleffs Beduin VIP 760 DR im Wintertest

Wie viel Kälte verträgt der Beduin?

Test, Kaelte-Erprobung Foto: Dieter S. Heinz, Illustrationen: Dethleffs 11 Bilder

Dethleffs testete in Schweden bei extremer Kälte den Seriencaravan Beduin VIP 760 DR mit Winterkomfort-Paket und Alde-Heizung – CARAVANING war exklusiv mit dabei und berichtet vom Wintertest.

13.01.2015 Dieter S. Heinz

Wenn im Zusammenhang mit Caravans die Begriffe wintertauglich und winterfest fallen, erinnert das etwas an das Gütesiegel vollgasfest, das zu Käfers Zeiten noch in so manchem Autotest auftauchte. Doch was bedeutet wintertauglich? Und ist winterfest die nächste Stufe auf der nach unten offenen Kälte-Verträglichkeitsskala?

Eine konkrete Antwort ist schwer zu geben, denn die zuständige Norm DIN EN 1645-1 "zur Klassifizierung der Wärmedämmung von Caravans" liefert keine exakte Definition. Sie nennt nur Mindestanforderungen an Isolationsvermögen und Heizleistung. Dennoch sind Caravan-Hersteller bemüht, ihre Produkte so zu konstruieren, dass sie bei Kälte zum Campen taugen.

Wieviel Winterkomfort bietet der Beduin VIP?

Wie komfortabel ein normaler Serienwohnwagen selbst bei extrem tiefen Außentemperaturen sein kann, wollte Dethleffs wissen und schickte einen Beduin VIP mit 3800 Euro teurem Winterkomfort-Paket Alde Snow nach Färlöv. Nun ist in diesem schwedischen Örtchen selbst Ende November nicht garantiert, dass die Thermometer tief fallen: Färlöv empfängt die Testcrew mit Sonne und acht Grad plus. Um einen Caravan zu frosten, ist man in Färlöv trotzdem goldrichtig, denn hier hat Alde, Produzent der in Freizeitfahrzeugen weit verbreiteten "Compact"-Warmwasserheizungen, seinen Firmensitz und eine Kältekammer, die auf Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt heruntergekühlt werden kann. Allenthalben findet darin nicht nur Produktentwicklung statt, sondern absolvieren auch Seriencaravans Kältetests nach der erwähnten Norm 1645-1.

Richard Angerer, Leiter der Produktgruppe Caravan bei Dethleffs, erläutert, während der Beduin eine Tür weiter Raureif ansetzt: "Wintertauglich sind alle unsere Seriencaravans, was für uns bedeutet, dass sie die Norm-Anforderungen der Stufe 2 erfüllen." Die wird von den meisten Herstellern als Maßstab genutzt und sieht vor, dass bei Temperaturen von null Grad der Innenraum dauerhaft auf 20 Grad Celsius erwärmt werden kann. Etwas anspruchsvoller ist die Norm-Prüfstufe 3. Danach gilt es, ein komplett ausgekühltes Fahrzeug bei –15 Grad innerhalb von nur vier Stunden auf +20 Grad aufzuheizen. "Da ist dann nach unserer Ansicht das Prädikat 'winterfest' angemessen", betont Angerer.

Wintertauglich oder winterfest - das ist hier die Frage

Dethleffs-Fahrzeuge mit dem optionalen Winterkomfort-Paket nehmen auch diese Hürde, so viel ist sicher. Hier in Schweden will der passionierte Wintercamper zusammen mit seinem Kollegen Roland Gaile nun wissen: Wie fühlt man sich im Beduin bei einer Außentemperatur von –30 Grad Celsius? Industriemeister Gaile, bei Dethleffs zuständig für Materialprüfung und Fahrzeugabdichtung, behält derweil die Temperaturkurven im Auge und analysiert regelmäßig mit seiner Wärmebildkamera den aktuellen Zustand der Wärmeströmung und -verteilung im Fahrzeug.

Fürs Wintercamping prädestinierte Wohnwagen – das soll künftig die Kernkompetenz der Marke Dethleffs sein, "schließlich kommen wir aus dem Allgäu, wo Winter noch Winter sind", bekräftigt Angerer. Dabei ist es dem Konstrukteur wichtig, dass bei Dethleffs keine kompromisslosen Wintercaravans vom Band laufen, sondern Modelle, die den Publikumsgeschmack treffen und bezahlbar bleiben. Dazu passt, dass die zwischen 2.200 und 3.800 Euro teuren Winterpakete in allen Modellen ab dem Camper erhältlich sind. Und zwar bis hinunter zum kurzen 470er Grundriss – hier allerdings noch nicht mit Warmwasser-Raum- und Fußbodenheizung. Die gibt es ab den Modellen 540 DMH.

Welche technischen Voraussetzungen braucht ein Wintercaravan?

Um vergleichsweise preisgünstige Wintercaravans realisieren zu können, sollten einige technische Voraussetzungen schon gegeben sein. Ein Beispiel ist das Möbelkonzept
mit Air-Plus-System. In Verbindung mit doppelten Böden, etwa in den Kästen der Sitztruhen, erlaubt dies die Luftzirkulation hinter den Möbeln und Dach­stauschränken, vom Boden aus hoch bis unters Dach. Und erst damit wird der Einsatz einer Warmwasserheizung sinnvoll. Wenn dann noch die Lage der Konvektoren jedem Grundriss angepasst wird und eine Wasser-Fußbodenheizung hinzukommt, geht es auch bei dickem Frost noch gemütlich zu.

Lässig in der Rundsitzgruppe sitzend schildert Angerer, wie in Isny Caravans mit und ohne Winterpaket und mit unterschiedlichen Heizungsvarianten bunt gemischt vom Band laufen. Von Vorteil sei hier die hausinterne Fertigung der Bodenplatte, wodurch die vom Grundriss abhängige Führung der Heizrohre möglich wird. "Sie verlaufen bei uns auch neben oder zwischen den Betten, unter der Duschtasse und direkt bis hinter die Eingangstür."

Die Stimmung ist ausgesprochen locker, trotz der –30 Grad, die vor der Tür ins Gesicht stechen. Drinnen im Dethleffs Beduin ist die Lage sogar ohne Pulli entspannt. Sicher auch, weil Richard Angerer, dem inzwischen die Auswertung des Tests vorliegt, weiß, dass sein Beduin die Stufe 3 der Norm nicht in den vorgegebenen vier, sondern schon in rund zweieinhalb Stunden geschafft hat.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
CARAVANING 01/2015
Heft 01 / 15 16. Dezember 2014 Heftinhalt anzeigen
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