Der Fendt Saphir 495 SFB im Test

Neues Möbeldesign für den Einsteiger-Wohnwagen

Test Fendt Saphir 495 SFB Foto: Christian Hass 17 Bilder

Der Grundriss? Ein alter Bekannter. Spannender ist: Wie gut ist die renovierte Basis-Baureihe Saphir geworden? Und: Wird sie den hohen Ansprüchen der Marke gerecht? Im umfangreichen Test das Modell 495 SFB.

Woran denken Sie beim Namen Moretti? An das italienische Bier in 0,66-Liter-Flaschen? Oder an den Charakterdarsteller am Leinenende von Kommissar Rex? Ihnen kommt der neue Fendt Saphir in den Sinn? Dann arbeiten Sie vermutlich bei Fendt. Denn Kastanie-Moretti – um exakt zu sein – wurde das Dekor getauft, das im Modelljahr 2019 die Möbel der Einsteiger-Baureihe ziert. Das prägnante Holz garniert Fendt mit einer weißen Küche und Anbauteilen in Anthrazit: Schlösser, Griffe, Zierleisten, Schalter, Steckdosen, Ausströmer – alles ist jetzt dunkel. Dazu gibt es neue Polsterstoffe und eine geänderte Form der Oberschränke, die, anders als bei Tendenza, Opal, Diamant und Brillant, weiterhin durch offene Ablagen ergänzt werden. Gut so.

Test Fendt Saphir 495 SFB Foto: Christian Hass
Große Klappe, viel dahinter: auch die Batterie, die die Stützlast nach oben treibt. Die Technik ist gut geschützt im Bettstauraum installiert.

An den Grundrissen selbst ändert sich nichts. Der 495 SFB ist und bleibt das, was man salopp als Brot-und-Butter-Wagen bezeichnet. Oder, etwas unverfänglicher, als bewährten, weil guten Kompromiss aus Geräumigkeit und reisetauglichen Abmessungen, der allerdings einen kräftigen Partner sucht: Die zulässige Gesamtmasse beträgt 1,6, mit Auflastung sogar 1,7 Tonnen. Beinahe wichtiger als die Anhängelast ist aber die maximale Stützlast des Zugwagens: Schon leer lasten beim üppig ausgestatteten Testwagen 65 Kilo auf dem Kugelkopf, beladen steigt der Wert flugs über die zulässigen 100 Kilo –schließlich müssen noch Gasflasche(n) an Bord. Die Fracht im Bettstauraum, wo auch die Batterie untergebracht ist, schlägt ebenfalls auf die Stützlast durch. Mit 25 Litern Inhalt zu klein zum Gegensteuern ist der Frischwassertank in der linken Sitztruhe hinten – fahrdynamisch sinnvoll ist das aber nicht. Eventuell wäre der Bordakku in Achsnähe besser aufgehoben. Allerdings würden längere Kabel durch ihren Innenwiderstand die Leistung des Ladeboosters reduzieren.

Einen Nachteil des klassischen Zuschnitts kann auch Fendt nicht wegzaubern. Positiv formuliert: Wer sich mit einem sich von 1,33 auf 1,19 Meter verjüngenden und 1,96 Meter langen Bett (im Testwagen mit formidabler 7-Zonen-Kaltschaummatratze) arrangiert, darf den 495er ohne Weiteres in Betracht ziehen. Als Gegenleistung offeriert er einen großzügigen und penibel verarbeiteten Toilettenraum, einen ausladenden, offenen Waschbereich, eine 1,50 Meter lange Küchenzeile mit Platz für die Kaffeemaschine sowie eine Rundsitzgruppe, die größer ist als für zwei Personen nötig. Obwohl ihre Polster nur dezent konturiert sind, was Vorteile beim Umbau in ein ebenes Zusatzbett bringt, sorgen der straffe Schaumstoff und die exzellente Passform der Teile für guten Sitzkomfort.

Test Fendt Saphir 495 SFB Foto: Christian Hass
Straffer Schaumstoff, beste Passform. Kurz: guter Sitzkomfort trotz schwach konturierter Polster.

Der Einbein-Teleskoptisch, ein ungewöhnlich hochwertiges Merkmal in dieser Preisklasse, steht dank seiner kompakten Platte beinahe wackelfrei. Apropos hochwertig: Auch die Beschläge der drei Küchenschubladen, die von einem Apothekerauszug, einem geräumigen Unterschrank und drei Oberschränken ergänzt werden, sind die gleichen wie in den Topmodellen. Auch Herd und Spüle genügen gehobenen Ansprüchen. Mit Tankfüllstandsanzeige und Truma-iNet-Box (wenngleich sich damit beim Testwagen nur die optionalen Gaswaagen ablesen lassen) geizt der Saphir auf den ersten Blick nicht mit Ausstattung. Beim Aufbau inklusive der Top-Tür macht Fendt ohnehin keinen Unterschied zwischen seinen Baureihen (Ausnahme: Brillant).

Wie also kommt der Saphir 495 SFB preislich auf das Niveau von Tabbert Rossini 490 TD (21.290 Euro), Dethleffs Nomad 470 FR (20.599 Euro) und Knaus 500 FU (22.190 Euro)? Er spart an anderen Stellen.

So kosten Fliegenschutztür, Kleiderschranklicht und zusätzliche indirekte LED-Leuchtbänder für Eckregale und Möbel, die man aber nicht unbedingt braucht, extra. Auch ein Blick auf die teureren Geschwister hilft: Saphir-Kunden müssen mit einfacheren Klappengriffen und Rollos, der etwas schlichteren Machart inklusive kleiner Nachlässigkeiten beim Finish, einer für diese Wagengröße grenzwertig starken Gebläseheizung samt Therme und der abgespeckten Lichtanlage leben. Weil Fendt auch bei seiner Basis-Baureihe bei Konstruktion und Solidität keine Kompromisse macht, können sie das auch. Der konventionelle Aufbau ist gewohnt sauber verarbeitet und mit schicken flachen Fenstern versehen. Mit einigen Kreuzen in der Optionenliste lässt sich der Saphir fein gestuft an die eigenen Bedürfnisse anpassen – nur beim Heizsystem beschränken sich die Tuningmöglichkeiten auf die elektrische Zusatzheizung Ultraheat und eine elektrische Fußbodenerwärmung.

Fendt Diamant 560 im Test
Dezent aufgewertet

Das fiel uns auf

 Zur Grundausstattung gehören Füllstandsanzeigen für Wassertank und optionale AGM-Batterie.
 Die iNet-Box ist 2019 Serie. Viel darüber zu steuern gibt es im Basis-Saphir allerdings nicht.
 Die gute Tür mit Fenster, robustem Griff und abgesenktem Einstieg ist bei allen Fendt Serie.
 Küchenbeschläge in Haushaltsqualität. Sie kommen auch in den Fendt-Topmodellen zum Einsatz.

 Die Umleimer an den Oberschrankklappen lappen über – dadurch wird der Kleber sichtbar.
 Unversäubertes Dekor rund um Schrauben und Bohrlöcher. Kann passieren, sollte aber nicht.

Daten, Messwerte und Preise

Schlafplätze: 2+2
Zul. Gesamtgewicht: 1700 kg
Gesamtlänge/ Breite/ Höhe: 7,24/2,30/2,62 m

Karosserie
Aufbau:
Sandwichbauweise mit EPS-Isolierung. Alu-Dach (39 mm), Seitenwände Alu-Hammerschlag (31 mm), Bug/Heck Glattblech. Boden Sperrholz (47 mm). Deichselkasten aus ABS, Deckel an Parallelogramm-Beschlag. Einteilige Aufbautür 180 x 55 cm mit Fenster und Müllsammler, abgesenkte Trittstufe, Einstiegshöhe 41 cm. Serviceklappe links 98 x 40 cm. Anbauteile: fünfteiliger Heckleuchtenträger, Rangiergriffe. Bugelemente aus LFI, integrierte Rangiergriffe.
Fenster/Hauben: 6 Ausstellfenster mit Rastaufstellern und Rastrollo-Verdunkelung (Duoplissee am Küchenfenster), Panoramafenster. 1 Dachluke.

Möbel
Material/Beschläge:
Sperrholzmöbel mit Metallscharnieren, integrierten Federaufstellern. Kunststoff-Hakenschnäpper an Oberschränken, Küchenschubladen mit Selbsteinzug und Pushlocks. Drehstangenschloss Schrank, Fallenschloss Badtür.

Bordtechnik
Gas/Heizung:
Duocontrol mit Crashsensor/Gasfilter. Heizung Truma S 3004, 12-Volt-Gebläse, 6 Ausströmer (2 x Sitzgruppe, 1 x Eingang, 1 x Waschtisch, 1 x Toilettenraum, 1 x zw. Bett und Küche). Wasseranlage: 25-Liter-Frischwassertank, Tauchpumpe, Truma Therme.
Elektrik: Ladegerät/Umformer Dometic SMP 301, 320 W, Ladebooster Schaudt WA 1208, 75-Ah-AGM-Batterie Optima. 8 Steckdosen (2 x Sitzgruppe, 2 x TV-Möbel, 2 x Küche, 1 x Waschtisch, 1 x Betthaupt).
Beleuchtung: 1 Deckenleuchte, 4 Halogen-Lesespots, 1 Leuchtstab Küche, indirekte Beleuchtung über allen Oberschränken, 3 Deckenspots Waschtisch, 2 x Toilettenraum. 1 x Vorzeltleuchte.
Küchenausstattung: Dreiflammkocher mit Zündhilfe, Rundspüle mit abgesetztem Hebelmischer, Glasabdeckung. Kühlschrank Dometic RML 8230 mit 146,5 Liter Nutzinhalt und 16,5 Liter Gefrierfach.
Sanitär: Thetford-Banktoilette C-500, Waschbecken mit Hebelmischer.

Grundpreis: 20.990 Euro
Testwagenpreis: 30.115 Euro

Fazit

Einfach ein Fendt: Auch wer einen Saphir kauft, bekommt einen echten Fendt. Das beginnt beim Aufbau, der inklusive Anbauteile kein Haar anders ist als beim Diamant, und endet bei der soliden, durchdachten Konstruktion. Allerdings ist der Saphir schlichter – auch technisch: Eine S-3004-Heizung mit Therme muss ebenso genügen wie eine einzelne Deckenlampe. Das macht auch die iNet-Box nicht wett, über die sich serienmäßig gar nichts steuern lässt. Abzüge gibt es für kleinere Mängel beim Finish, Pluspunkte für die tolle Küche.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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