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Hobby Prestige 720 KWFU im Test (2018)

Familien-Villa für 30.000 Euro

Hobby Prestige 720 KWFU Foto: Andreas Becker, Ingo Wagner 22 Bilder

Der neue Tandemachser Prestige 720 KWFU ist eine Familien-Villa mit Zentralheizung. Und wie bei Hobby üblich, kostet Luxus kein Vermögen. Der Preis für die „Drei-Zimmer-Wohnung“ startet bei unter 30.000 Euro.

10.04.2018 Ingo Wagner

Man fragt es sich bei jedem Hobby, doch beim neuen Prestige 720 KWFU umso mehr: Wie schafft es das Unternehmen, eine rollende, bestens ausgestattete Villa für knapp unter 30.000 Euro auf die Räder zu stellen? Bevor jetzt die Spötter in ihren altbekannten Kanon fallen: Im Großen und Ganzen ist der Testwagen nicht schlechter verarbeitet als Testfahrzeuge anderer Hersteller. Doch der Reihe nach.

Das macht der Prestige 720 KWFU neu

Hobby Prestige 720 KWFU Foto: Andreas Becker, Ingo Wagner
"Drei Zimmer" im neuen Hobby Prestige 720 KWFU.

Der große 720 KWFU feierte auf dem Caravan-Salon Publikumspremiere. Nicht nur der 3-Raum-Familiengrundriss mit separater Dusche ist neu, sondern auch der 41 Millimeter dicke Fußboden mit integrierter Wärmeleitblechen für die Warmwasserstränge. Er ist automatisch mit an Bord, wenn ein Kunde die Alde-Warmwasserheizung für 2451 Euro bestellt. Sie ersetzt die serienmäßige Heizungs-/Boiler-Einheit Truma Combi 6 und zeigt im 720er einmal mehr, warum sie Ganzjahrescamper glücklich macht: Der 7,49 Meter lange und 2,38 Meter breite Innenraum heizt sich zwar langsamer, aber dafür ohne Gebläsegetöse gleichmäßig auf. Die Warmluft streicht dabei hinter der Sitzgruppe und den Kinderbetten empor – sehr angenehm. Garderobe, Dusche und Toilettenraum verfügen über kleine Heizkörper. Der Boden allerdings wird nur punktuell warm, das wohlgemerkt an Stellen, an denen man auch öfter steht. Den optionalen Teppich, der dem KWFU auch optisch gut tut, durchdringt die Wärme allerdings kaum und wenn, dann mit deutlicher Verzögerung.

Nachteile des neuen Hobby Prestige

Doch Nachteile birgt die Warmwasserheizung auch. So vereiteln die umlaufenden Konvektoren und Heizungsrohre die Garagentür bei den Heckbetten. Überhaupt hat der 720 KWFU mit Ausnahme jener für die Toilettenkassette keine einzige Außenklappe. Ergo muss Sperrgepäck durch die hochwertige und mit Fächern sowie massivem Zuziehgriff ausstaffierte Eingangstür gewuchtet werden. Um die Luftzufuhr zu den Konvektoren zu ermöglichen, legt Hobby sämtliche Stauräume mit aufgeständerten Zwischenböden aus. Und die klauen Ladevolumen und zerklüften die Bodenfläche – ein notwendiges Übel quasi.

Hobby Prestige 720 KWFU Foto: Andreas Becker, Ingo Wagner
Hinter dem Horizont geht's weiter: zu den Kinderstockbetten und dem Waschsalon. Hinter dem Kopfende des Bettes steht ein nochmals separierter Toilettenraum. Der Tisch der Rundsitzgruppe indes ist recht klein.

Zurück zur aggressiven Preisgestaltung. Die ist möglich, weil Hobby enorme Stückzahlen auf einer für fast alle Modelle technisch identischen Basis und unter Zuhilfenahme von einheitlichen Möbel- und Technikkomponenten produziert. Die Vorteile dieser Taktik überwiegen. Das Interieur des Prestige 720 wirkt trotz auch in anderen Baureihen eingesetzter Module wie aus einem Guss. Über allen aufwendig geformten Oberschränken und daran angebrachten Profilen verlaufen eingegossene LED-Leuchtstreifen, in der Sitzgruppe auch darunter. Möbelverbinder liegen, wo immer möglich, außerhalb des Blickfelds. Überdies bestehen alle Möbel auch intensive manuelle Rütteltests klaglos. Hier macht sich das bewährte Konstruktionsprinzip in Kombination mit hoher Montageroutine bemerkbar. Allerdings stechen auch leicht unterschiedliche Spaltmaße zwischen einigen wenigen Klappen und den Möbelkorpussen ins geschulte Auge. An der tadellosen Funktion ändert das jedoch nichts. Auch die drei breiten Küchenschubladen schließen nach der Überarbeitung dauerhaft sicher.

Dass der quadratische Esstisch eher klein, die Quersitzbank nur 30 Zentimeter tief und das Doppelbett mit 1,36 Meter Breite gemessen an der Statur des 720 ungebührlich zierlich ausfallen, ist die Kehrseite der Baukasten-Medaille.

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Verarbeitung

Bis auf die Heizungsanlage und den Boden gleicht der Aufbau des Prestige jenen aller anderen Hobby-Modelle. Dach (!) und Seitenwände bestehen aus Alu, die Dämmung aus 27 Millimeter dickem EPS, sprich Styropor. Holzeinleger geben den darin verschraubten Möbeln Halt. Breite Kantenleisten und die großflächige Verkleidung von Bug und Heck (dort reparaturfreundlich mehrteilig) mittels Kunststoffteilen vertuscht die konventionelle und wegen des Alu-Blechdachs hagelempfindliche Aufbautechnik gekonnt. Doch auch außen zeigt der Hobby keine signifikanten Schwächen bei Verarbeitung und Finish.

Ausstattung und Bordtechnik

Ausstattung und Bordtechnik sind ab Werk opulent. Überall, wo man sie braucht, sind LED-Lampen angebracht, stolze elf Steckdosen sind überwiegend hervorragend positioniert im Wagen. Nur an der Küchentheke würde man sich eine weitere wüschen, weil hier eine Kaffeemaschine gut Platz fände. Für günstige 88 Euroergänzen zwei USB-Steckdosen in den Ablagen über der Sitzgruppe und in den Gehäusen der dimmbaren Kinderlampen die Armada der Stromquellen – serienmäßig ist jene in der Küche. Die Lichtsteuerung an der Sitzgruppe ist nach wie vor nur über das lernintensive, weil unübersichtliche (TFT-)Bedienpanel neben der Eingangstür möglich – oder über das 749 Euro teure Hobby-Connect-System via Smartphone-App. Mit SIM-Karte statt Bluetooth funktionieren Heizungssteuerung und Systemkontrolle sogar von überall.

Wohnen, Schlafen & Kochen

Hobby Prestige 720 KWFU Foto: Andreas Becker, Ingo Wagner
Stabile Stockbetten umgeben von zig Regalen. Aber: Bank ohne Tischchen.

Trotz kleiner Nörgeleien über Bett- und Sitzgruppengröße offeriert der Prestige 720 KWFU einer vierköpfigen Familie Lebens- und Wohlfühlraum en masse. Den kleinsten, aber wichtigsten Campern steht im Heck ein eigenes Reich zur Verfügung. Die Etagenbetten sind groß und stabil genug für Jugendliche und ausreichend sicher für Zwerge. Nur die Kunststoffkappen auf den Schrauben sollten Eltern kleiner Kinder sofort selbst abknibbeln. Da das Schottbrett des unteren Bettstauraums herausnehmbar und an der Unterseite des Bettes eine Tafel befestigt ist, erweitert sich der Spielraum. Allerdings verkrümeln sich Kreidereste auf Nimmerwiedersehen hinter den Heizungskonvektoren. Allein rund um die Liegeflächen gibt es mehr Regale und Ablagen als in manchem Kompaktcaravan insgesamt. Wünschen würde man sich noch ein Tischchen vor der kleinen Sitzbank zwischen Etagenbett und Toilettenraum – doch den besorgt man sich im Möbelhaus eben selbst. Das Kinderabteil liegt zusammen mit der toll ausgestatteten Sternenhimmel-Dusche, dem Waschbereich und dem separat abgeteilten Toilettenraum hinter einer soliden Tür, die Bad und Kinderzimmer vom Wohnraum trennt. Um es kurz zu machen: Auch im Kinder-/Hygieneabteil gibt es an Funktion, Verarbeitung und Stauräumen nichts Wesentliches auszusetzen.

Gleiches gilt für die Küche, die mit drei Schubladen, einem zweistöckigen Apothekerauszug, insgesamt vier Oberschränken und einer praktischen Kocher-/Spülenkombi mit Ablauf vom Herd in die mittelgroße Spüle Stauraum und ein Herz für Köche vereint.

Noch ein Wort zum Fahren: Sowohl am Volvo XC60 als auch am Nissan Navara Pick-up (beide unbeladen) zeigte der auf maximale Stützlast getrimmte Riese ab 80 km/h eine deutliche Tendenz zum Pendeln. Das elektronische Stabilisierungssystem und ein schwerer Zugwagen sind unabdingbar. Mit der kostenneutralen Auflastung von 2,3 auf 2,5 Tonnen darf auch nach Lust und Laune eingepackt und auch ein Rangierantrieb eingebaut werden. Für Freunde des leichten Reisegepäcks gibt es eine Gratis-Ablastung auf 2,1 Tonnen.

Das fiel uns auf

 Hobby-Connect funktioniert und ist wegen fehlender Lichtschalter in der Sitzgruppe eine Empfehlung.

 Für 88 Euro Aufpreis haben die dimmbaren Kinderzimmerlampen mit Schlaflicht eine USB-Steckdose.

 Die Fußbodenheizung vollbringt keine Wunder – wärmt aber genau dort, wo man oft oder gern steht.

  Der Möbelbau ist insgesamt robust, weist aber hier und da unregelmäßige Spaltmaße auf.

  Der Küchen-Lichtschalter ist perfekt positioniert, doch die Lampen sind unlogisch angeschlossen.

 Streusalz nagt am Kamin der Alde-Heizung. Funktional kein Thema, aber optisch einfach unschön.

Daten und Messwerte

Karosserie

  • Aufbau: Sandwichbauweise mit EPS-Schaumisolierung. Dach Alu (31 mm), Seitenwände Alu-Hammerschlag (31 mm), Bug/Heck Glattblech. Boden Sperrholz- Sandwich (41 mm). Deichselkasten aus ABS, Deckel an Parallelogramm-Beschlag. Einteilige Aufbautür 168 x 53 cm mit Fenster, 2 Fächern, Zuziehgriff und Müllsammler, Einstiegshöhe 50 cm.
  • Anbauteile: dreiteiliger Stoßfänger, 2 Rangiergriffe. Bugelemente aus ABS, integrierte Rangiergriffe.
  • Fenster/Hauben: 8 Ausstellfenster mit Rastaufstellern und Rastrollo-Verdunkelung (Küche: Plisseerollo). 3 Dachluken 40x40 cm, 1 Panorama-Dachhaube 70x50 cm.

Möbel

  • Material/Beschläge: Sperrholzmöbel mit Metallscharnieren, integrierte Federaufsteller, Softclose-Funktion, Kunststoff-Hakenschnäpper an Küchenoberschränken, Schubladen mit Pushlocks und Selbsteinzug. Drehstangenschloss Schrank, Fallenschloss Badtür.

Bordtechnik

  • Gas/Heizung: Gas-/Elektro-Warmwasserheizung Alde Compact mit Fußbodenheizung, umlaufende Konvektoren und 3 Heizkörper (1 x Garderobe, 1 x Dusche, 1 x Toilettenraum).
  • Wasseranlage: 50-Liter-Frischwassertank, Tauchpumpe, 12-Liter-Boiler.
  • Elektrik:Umformer Dometic SMP 301 340 W. 12 Steckdosen (2 Sitzgruppe, 2 Küche, 2 TV-Schrank, 2 Kleiderschrank, 1 Bett, 2 über Kindersitzecke), 5 USB-Anschlüsse (2 Sitzgruppe, 1 Küche, je 1 Kinderlampen). App-Steuerung Hobby Connect.
  • Beleuchtung: 2 Deckenleuchten, 4 Lesespots, Lichtbänder über und unter den Oberschränken, Leuchtstab und 3 Spots Küche, insg. 7 Spots im Bad, Vorzeltleuchte, 2 dimmbare Kinderleuchten. Spot in Vitrine.
  • Küchenausstattung: Dreiflammkocher mit Zündhilfe, Rundspüle mit abgesetztem Hebelmischer, Glasabdeckung. Kühlschrank Dometic RM 8230 mit 146,5/151 Liter Nutzinhalt und herausnehmbarem 16,5-Liter-Gefrierfach.
  • Sanitär:ThetfordBanktoilette mit Keramikeinsatz. Rundwaschbecken mit Einhebelmischer.

Preise und Ausstattung

  • Grundpreis: 29.720 Euro
  • Testwagenpreis (plus Fracht): 37.005 Euro

TÜV/Zulassungsbescheinigung II: 132 Euro
Frachtkosten: individuell

✘ Auflastung auf 2500 kg zul. Gesamtmasse ✔o. Aufpreis
✘ Elektr. Fahrstabilitätssystem Knott ETS (5,7 kg): ✔853 Euro
✘ Teppichboden (13 kg): 262 Euro
✘ City-Wasseranschluss (0,5 kg): ✔183 Euro
Hobby-Connect-App-Fernsteuerung (1 kg): 719 Euro
✘ Warmwasser- mit Fußbodenheizung (26 kg): ✔2451 Euro
✘ Komfortmatratze (2,9 kg): ✔545 Euro
Sat-Anlage Kathrein (15 kg): 1947 Euro

Fazit

Das Maximum erreicht: Feudaler wohnen als im Hobby Prestige 720 KWFU kann man, gemessen am Preis, nicht. Losgelöst von Geschmacksfragen, sind Möbel- und Lichtgestaltung umwerfend. Und selbst bei der Verarbeitung gibt sich der Testwagen nur kleine Blößen. Wer auf eine eigene Dusche Wert legt, verzeiht das Fehlen eines Tisches im Kinderzimmer und dass Sitzgruppe und Esstisch kleiner sind als erwartet. Noch immer nicht überzeugend ist die Lichtsteuerung am Panel neben der Eingangstür. Und: Der 720 ist fahrdynamisch heikel.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Caravaning Hefttitel 04/2019
Heft 4 / 2018 13. März 2018 90 Seiten Heftinhalt anzeigen
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