La Mancelle Liberty 440 PC im Test

Exklusiver Caravan mit floralem Außendesign

La Mancelle Liberty 440 PC Foto: Philipp Heise 14 Bilder

Dass Flower-Power auch ohne VW Bulli funktioniert, beweist der französische Hersteller La Mancelle. Gleichzeitig sorgt echte Handarbeit beim Liberty für Exklusivität und Gestaltungsspielraum.

Wer den Namen der Stadt Le Mans hört,denkt vermutlich als erstes an das legendäre 24-Stunden-Langstreckenrennen. Zumindest bis heute! Denn wenn Sie diesen Artikel gelesen haben, wissen Sie, dass nur einen Steinwurf von der Piste entfernt schicke Wohnwagen in Handarbeit entstehen. Bereits 1960 wurde die heutige Trigano-Tochtermarke La Mancelle in Le Mans gegründet, blieb aber bislang artig auf dem heimischen Markt. 2016 wagte La Mancelle mit dem exotischen Liberty einen Besuch auf dem Caravan Salon. Doch was davon blieb, war die Willensbekundung, ihn auch in Deutschland zu verkaufen. Jetzt, drei Jahre später, wird aus der Bekundung eine Tatsache.

La Mancelle Liberty 440 PC Foto: Philipp Heise
Sein aerodynamisch gepfeilter Bug und das abgerundete Heck machen den Liberty einzigartig. Der Fahrrad-Heckträger kostet Aufpreis.

Um den Vertrieb des Liberty kümmert sich Stefan Kreppel mit seiner Firma Kreppel-Freizeitmobile, die sich an den Standorten Mülheim-Kärlich und Augsburg auf den Verkauf von Trigano-Zeltanhängern spezialisiert hat. In Augsburg haben wir uns den Liberty 440 PC sehr genau und stilecht auf dem Campingplatz angesehen: Mit seiner besonderen Form und dem floralen Dekor namens Fleuriste fällt der Liberty auf wie ein bunter Hund. Und damit nicht genug: Seine Form wirkt, als hätten die Konstrukteure an den Rennboliden aus der Nachbarschaft Maß genommen. Der gepfeilte Bug schneidet förmlich durch den Fahrtwind. Passend dazu sind die Abmessungen von 6,38 Meter Gesamtlänge bei nur 2,25 Meter Aufbaubreite durchaus handlich und machen den Liberty zu einem Reisecaravan par excellence.

Exklusiver Ausbau durch geringe Stückzahlen

Obwohl nicht holzfrei, besteht der Aufbau des Liberty aus widerstandsfähigen Materialien. So kommen vom Dach bis zur Bodenplatte verschiedene Kunststoffe zum Einsatz, die sich unter der geläufigen Bezeichnung GfK subsumieren lassen. Bei der Dämmung setzt La Mancelle auf weniger verbreitetes schwarzes Styrocarbon. Es hat die feuchtigkeitsresistenten Eigenschaften von XPS-Schaum, aber einen besseren Dämmwert. Holz kommt nur als verstärkendes Fachwerk in Form von Leisten zum Einsatz. Wertige, weil flach eingelassene Rahmenfenster mit Sperrknopfverriegelung komplettieren den Aufbau. Auf das Gesamtwerk gibt es sieben Jahre Dichtigkeitsgarantie bei jährlicher Prüfung.

La Mancelle Liberty 440 PC Foto: Philipp Heise
Mit dem optionalen Holz-Dekor Plaisance wird der Liberty zur Landjacht. Gegen Aufpreis lassen sich aber auch eigene Dekor-Ideen umsetzen.

Zum Einzelstück wird der Liberty durch sein frei gestaltbares Dekor. Wer will, kann nämlich seine eigene Vorlage für etwa 500 Euro (je nach Aufwand) auf der Außenhaut verwirklichen. Ohne Aufpreis stehen sechs zahmere Dekore zur Auswahl. Für das knallige Pril-Blumen-Design Fleuriste werden 480 Euro fällig. Alternativ macht die angedeutete Holzbeplankung Plaisance (350 Euro) den Liberty zur edlen Landjacht. Möglich werden diese Gestaltungsspielräume durch die eingangs erwähnte Handarbeit. Kehrseite der Medaille sind die geringen Stückzahlen (aktuell etwa 350 Stück pro Jahr) und der ambitionierte Preis. Letzterer startet bei 23.415 Euro für den kompakten 400 DD und reicht bis 28.540 Euro für das Spitzenmodell 490 SA. Inkludiert ist bei allen Modellen ein reichhaltiges Premierenpaket, das mit sinnvoll zusammengestellten Extras gefällt. Im Konkurrenzumfeld der Exoten à la Eriba Touring oder Sprite Basecamp geht der Preis angesichts von Nutzwert, Größe und Qualitätsanmutung insgesamt in Ordnung.

Die Kombüse des Liberty ist klein, aber fein. Während 165-Liter-Kompressorkühlschrank und Dunstabzug im Premierenpaket enthalten sind, enttäuscht hier allerdings der Verzicht auf eine Zündhilfe.

Die U-Sitzgruppe im Bug als absolutes Highlight

La Mancelle Liberty 440 PC Foto: Philipp Heise
Abgesehen vom Bug ist der Liberty 440 PC klassisch aufgeteilt. Frische Farben und der helle Möbelbau verleihen dem nur 2,14 Meter breiten Innenraum optische Weite und machen ihn angenehm luftig.

Genächtigt wird bei allen fünf Modellen im Heck, und zwar vornehmlich auf Doppellängsbetten. Einziger Ausreißer ist die kleinste Ausführung mit zwei Umbausitzgruppen. Am anderen Ende der Preisliste, beim 490er Modell, können Kunden zwischen einem Längsbett mit zweiteiligem Bad (490PC) und einem zentralen Queensbett mit Bad in der Wagenmitte (490 SA) wählen. Die erste Variante überzeugt bereits im gleich geschnittenen 440 PC: Gründe dafür sind das durchgehend 1,40 Meter breite, 2,0 Meter lange Doppelbett und die gelungene Duschlösung im Bad. La Mancelle verzichtet nämlich, zugunsten von zwei festen Trennwänden, auf einen anhänglichen Duschvorhang. In Kombination mit der Shurflo-Druckpumpe ist die Dusche damit vernünftig nutzbar. Für Lang- und Warmduscher empfehlen sich ergänzend der 10-Liter-Boiler für 490 Euro und der größere 45-Liter-Frischwassertank für 240 Euro.

Unbestrittenes Highlight ist die U-Sitzgruppe im lichtdurchfluteten Bug. Ihr Hubtisch ist standfest, weil fest verschraubt. Dafür lässt sich die Tischplatte nach dem Entriegeln flexibel verschieben. Das erleichtert den Zugang zum teilbelederten Rund. Umgebaut entstehen weitere Schlafplätze, zwei ausladende Polster vorausgesetzt.

Beim Stauraum macht der Liberty selbst deutlich größeren Modellen Konkurrenz, und das ganz ohne Gaskasten im Bug. Neben einem Kleider- und einem deckenhohen Wäscheschrank ist auch der Bettstauraum gut nutzbar. Letzteren gibt es auf Wunsch mit einer hölzernen Box nebst eigener Stauklappe. Darin kommt das notwendige, kleinteilige Camper-Equipment aus dem fehlenden Bugkasten unter. Die Stauräume der Sitztruhen sind indes eher schlecht erreichbar und größtenteils der Bordtechnik (Therme, Heizung, Frischwassertank) vorbehalten. Einzig eine praktische Schublade im Eingangsbereich steht hier für Schuhe zur Verfügung.

Basisinformationen La Mancelle Liberty 440 PC

Schlafplätze: 2+2
Zul. Gesamtgewicht: 1600 kg
Gesamtlänge/Breite/Höhe: 6,38/2,25/2,58 m
Grundpreis: 27.000 Euro

Ungewöhnliche Caravans
Ganz besondere Grundrisse und Kniffe

Daten und Preise

Aufbau
Sandwichbauweise mit Styrocarbonschaumisolierung. GfK-Dach (45 mm), GfK-Seitenwände (35 mm). Boden GfK-Sandwich (45 mm). Gaskasten im Kleiderschrank. Zweiteilige Aufbautür mit Fenster.

Ausbau
Sperrholzmöbel mit Metallscharnieren und integrierten Softclose-Aufstellern, Metall-Pushlocks an Schubladen und Schränken. Küchenunterschrank mit Metallkorb- und Apothekerauszug.

Bordtechnik
Heizung Truma E 2006 Varioheat Eco, Frischwassertank 25 L (45 L opt.),Shurflo-Druckwasserpumpe, Abwassertank 30 L rollbar. Kompressorkühlschrank 165 L (davon 40 L Gefrierfach), Gasflasche11 kg.

Chassis
Alko-Chassis mit Schräglenkerachsen, selbstnachstellende Bremsen, Schlingerdämpfer Alko AKS 3004, Reserveradhalterung unterflur.

Maße und Gewichte
Länge x Breite x Höhe: 638 x 225 x 258 cm, zulässiges Gesamtgewicht 1600 kg (Auflastung bis 1800 kg möglich), Masse in fahrbereitem Zustand: 1266 kg.

Preise und Ausstattungen
Testwagenendpreis 28.360 Euro inkl. Premieren-Paket: Abwassertank, Alufelgen, Außensteckdose, Kassettenrollo, Bugfenster, Vorbereitung Dachklimaanlage,Deichselabdeckung, Dunstabzugshaube, Tür mit Fenster, Fahrradträger-Vorbereitung, Komfortmatratze, Kompressorkühlschrank, Therme, TV-Vorbereitung, USB- und Zusatzsteckdosen. Zusatzausstattung: Fahrradträger 395 Euro, Reserverad unterflur 390 Euro, Dekor Fleuriste 480 Euro, Stilelement (Kunststoff-Bugrahmen) grün 490 Euro.

Wertung

Schlafen: 4 von 5 Punkten
Sitzgruppe: 3,5 von 5 Punkten
Küche: 3 von 5 Punkten
Sanitär: 4 von 5 Punkten
Möbelbau: 3,5 von 5 Punkten

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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