Lume Traveler 360 No. 1 im Test

In jeder Hinsicht außergewöhnlich

Lume Traveler 360 No. 1 im Test Foto: Andreas Becker 13 Bilder

Er ist einfach außergewöhnlich: Außergewöhnlich hübsch, aber auch außergewöhnlich teuer. Ein erstes Aufeinandertreffen mit dem niederländischen Design-Caravan in freier Wildbahn. Wir haben den Lume Traveller 360 No. 1 getestet.

Nachdem der Lume Traveler viel beachtet durch den Hamburger Verkehr geflutscht und im feinen Stadtteil Blankenese an den Elbstrand gerollt ist, stechen nicht nur Sonnenstrahlen durch den fahlen, norddeutschen Himmel, sondern auch ein Containerriese in See. Welch kolossaler Hintergrund für diesen zierlichen Design-Caravan aus den Niederlanden!

Erdacht hat ihn Hein van de Laar, der, so ist auf der Homepage zu lesen, vom Traum beflügelt war, die Natur mit dem Komfort von zu Hause zu genießen, unter dem Sternenhimmel in einem Top-Bett zu schlafen und draußen auf einem vollwertigen Herd zu kochen. Träume, aus denen sich das Konzept des Lume Traveler schon herauslesen lässt. Garniert wird es durch kompakte Abmessungen, edles Design und, so behauptet Lume, nachhaltige Werkstoffe.

Die eloxierten, 1,5 Millimeter dicken Alu-Außenprofile und -Seitenwände des Lume werden, wie bei Airstream, von Hand mit den blanken Innenprofilen blindvernietet. So entsteht nicht nur ein selbsttragender, sondern auch ein bildschöner, penibel zusammengefügter Aufbau, der sein Konstruktionsprinzip und Anbauteile aus dem Yachtbau zur Schau stellt. Man sieht, und das darf man auch, wenn und wie Metallteile aneinander angepasst, gebohrt und genietet sind, wie die Scharniere und Aufsteller der Heckklappe an verschraubten Ankerplattenbefestigt sind. Man kann als feinsinniger Mensch eine schöne Zeit damit verbringen, das Auge über Nietenlinien und Formen schweifen zu lassen. Eine Herausforderung bei Vollmetallaufbauten sind Türen und Klappen. Tatsächlich wollen die große Heckklappe, hinter der sich die Außenküche verbirgt, und die kleine Eingangstür mit Nachdruck in ihre Schlösser und Dichtungen gedrückt werden. Bleibt zu hoffen, dass elektrische Entriegelung und die einfache Abdichtung der Heckklappe auch dauerhaft funktionieren.

Lume Traveler 360 No. 1 im Test Foto: Andreas Becker
Sommerküche mit Edelstahloberfläche und -spüle, Luxuskocher und Kühlbox im mittleren Auszug. Für Schmuddelwetter gibt’s Heckzelte.

Die drei Echtglasfenster, die zwei polierten Edelstahl-Einfüllstutzen für den 70-Liter-Frischwassertank, die Durchführung für die serienmäßige Außendusche sowie die hübsche Ablufthutze für die Kompressorkühlbox stammen aus dem Schiffszubehör.

Im gewollten Kontrast zum kühlen Metall stehen graue Wollfilz-Wandtapeten und Rollos, ein offensichtlich etwas empfindlicher Teakholz-Boden, dessen Vereinbarkeit mit Nachhaltigkeit und Ökologie separat diskutiert werden müsste, ein mit dicken, handvernähten Kuhhäuten bezogenes Betthaupt mit indirekt beleuchteten Fächern. Auch die Dämmung aus XPS-Schaum und die unter Filz verborgenen GfK-Innenwände stehen auf der Öko-Skala nicht besonders weit oben. Wie dem auch sei: Die Zusammenstellung von Farben und Materialien ist vielleicht nicht bemerkenswert öko, aber bemerkenswert schön.

Der Traum vom Himmelsbett

Den Traum vom Himmelsbett erfüllt im Lume Traveler 360 das 1,85 mal 1,11 Meter große Faltdach. Das kann man, nachdem zwei Spannknebel gelöst wurden, von hinten nach vorne schieben. Dass das Öffnen und Schließen Kraft erfordert, liegt an den Quertraversen im Cabrio-Dachstoff, die Metall auf Metall im Rahmen um den Dachausschnitt laufen, aber eben nicht gleiten. Beim Vorführwagen, der schon die ein oder andere Messe hinter sich hat, ist eine Traverse entgleist, weshalb das Falt- an einer Stelle nicht dicht mit dem Aludach abschließt.

Das 1,80 mal 2,00 Meter große Bett darunter besteht aus zwei schweren, bequemen Kaltschaummatratzen, die auf verstellbaren Holzlattenrosten liegen. Der Rostrahmen besteht ebenso wie der Bettunterbau aus Aluprofilen, lässt sich am Fußende anheben und von Gasdruckdämpfern gestützt aufstellen. Dass nicht der gesamte, mit robustem Nadelfilz ausgeschlagene Bettkasten für Gepäck genutzt werden kann, liegt an den innenliegenden Frisch- und Abwassertanks, die seinen hinteren Teil beanspruchen. Unter dem linken Bett kommt, sofern sie für 3000 Euro bestellt worden ist, die Boiler-Heizungs-Einheit Truma Combi 4 unter, die ihren Brennstoff aus dem Unterflur-Gastank mit 30 Liter Volumen bezieht.

Das tun auch die beiden in die fugenlose Edelstahlarbeitsfläche eingelassenen Gasbrenner der Marke Pitt Cooking, die auf dem freien Markt für vierstellige Summen verkauft werden. Zusammen mit der Haushaltsspüle von Franke samt Wand-Wasserhahn geben sie eine weitere Ahnung davon, wie der stolze Grundpreis des LT 360 No. 1 zustande kommt.

Tja, 48.500 Euro für einen Anhänger, der bei aller Sympathie kein vollwertiger Wohnwagen ist, weil ihm Sitzgruppe und Bad fehlen, darf man als ambitioniert bezeichnen. Auch, weil das wasserfest verleimte Sperrholz-Mobiliar, das im Wesentlichen aus der Kommode im Bug mit ihrer schönen Teakholz-Klappplatte und dem nur grob unterteilten Geschränk der Heckküche besteht, nicht ganz das handwerkliche und technische Niveau erreicht, das man angesichts des Preises erwarten würde. Wobei es an der Stabilität nichts zu meckern gibt.

Kleinserie, Handarbeit und edle Materialien sind der natürliche Feind des kleinen Preises, Extravaganz und Individualität der menschengemachte. Wie ist der Preis des LT 360 also zu bewerten? Sagen wir mal so: Aufbau, Design und Materialien rechtfertigen ihn eher als Tischlerkunst und Konzept.

Apropos Konzept: Den Lume Traveler gibt es auch als Leerhülle für Selbstausbauer (27.250 Euro) und als 39.550 Euro teuren Pure ohne Faltdach, Kocher, Kühlbox, Küchenoberschränke und Solarzelle und etliche andere Technikausstattung. Auch das zeigt anschaulich, womit die kleine Firma ihr Geld verdienen will: mit Menschen und ihrem Hang Extravaganz.

Lume Traveler 360 No. 1 im Überblick

  • Schlafplätze: 2
  • Zul. Gesamtgewicht: 1.450 kg
  • Aufbau Länge/Breite/Höhe: 3,73/2,03/2,05 m
  • Grundpreis ab 48.500 Euro

Daten und Preise

  • Aufbau: Alu-/Alu-Sandwich mit XPS-Isolierung. Wände und Dach 33 mm. Boden GfK mit Wabenstruktur, XPS-Isolierung und Teakholzparkett 40 mm. Einteilige Aufbautür. Rolldach 185 x 110 cm. Edelstahl-Dachreling. Einteilige Heckklappe.
  • Ausbau: Sperrholzmöbel mit HPL-Beschichtung, Klavierbänder, Schnappverschlüsse. Bettunterbau aus Aluminium.
  • Bordtechnik: Gas-Gebläseheizung Truma Combi 4, Frischwassertank 70 L, Abwassertank 70 L, Kompressor-Kühlbox40 L, Lithium-Bordbatterie 80 Ah im Bugkasten, 500-W-Inverter, 100-W-Solarpaneel,Unterflur-Gastank30 L.
  • Chassis: Knott-Chassis mit Längslenkerachse, Schlingerdämpfer Winterhoff WS 3000, 2 Kurbelstützen hinten.

Maße und Gewichte

  • Länge x Breite x Höhe 517 x 203 x 205 cm
  • zulässiges Gesamtgewicht 1.450 kg, Masse in fahrbereitem Zustand (Werksangabe): 1000 kg.

Preise und Ausstattungen

  • Grundpreis 48.500€
  • Ausstattungen: Heizung 3.000€; Markise 520 €, Mover 1700 €, elektr. Stützen 950 €, Bose-Audiosystem 2.500 €, Mischarmatur (f. Boiler) 150 €, Außen-Gasanschluss 150 €.

Wertung

  • Schlafen: 4,0
  • Küche: 2,5
  • Möbelbau: 3,0

Weitere Lume-Modelle

Lume Traveler 360 No. 1 im Test Foto: Wheelhouse
In allen drei 540ern misst das Heckbett 1,80 mal 2,00 Meter. Im 540 Nordic steht die Küche innen im Bug.

Die großen Brüder des Lume Traveler 360 heißen 540 Pure, No. 1 und Nordic. Die 540er sind knapp 1,70 Meter länger und fast 40 Zentimeter höher als der LT 360 und rollen auf Achsen mit 1650 Kilo zulässiger Gesamtmasse. In Pure und No. 1 können es sich mehrere Personen auf der großzügigen Bugsitzgruppe bequem machen. Außerdem gibt es mehr Staumöglichkeiten für Reiseutensilien – und ein Bad mit Toilette und Waschbecken gegenüber der Eingangstür. Das Bett misst auch im 540 1,80 mal 2,00 Meter. Die Küche befindet sich wie beim LT 360 hinter der Heckklappe. Die Grundpreise für 540 Pure und No. 1 betragen 65.000 und 85.000 Euro.

Wer auch in kühleren Gegenden nicht auf einen Lume-Urlaub verzichten möchte, greift zum Modell Nordic (siehe rechts). Er trägt die Küche gleicher Konfiguration innen im Bug. Zwischen dem Längsdoppelbett im Heck und der Toilette kommt eine schmalere Sitzgruppe zum Einsatz. Der Nordic ist mit 57.000 Euro etwas günstiger, weil er keine Heckklappe hat.

Das Sonnendach kostet für beide großen Lume 3.000 Euro extra – außer man entscheidet sich für einen der ersten Wagen. Das Volumen von Frisch- und Abwassertank bemisst sich auf jeweils 70 Liter, eine starke Druckpumpe schafft es zu den Entnahmestellen.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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