Stromtransfer zwischen Pkw und Wohnwagen

Wie funktioniert die Anschlussdose?

Energietransfer im Wohnwagen Foto: CARAVANING 14 Bilder

Anschlusskabel und Steckdose sorgen dafür, dass der Pkw Strom an den Caravan abgibt. Doch selbst wenn alle Kontakte verkabelt sind, können technische Hürden den reibungslosen Energietransfer einschränken.

Wer einen Wohnwagen an sein Auto anhängt, will idealerweise schon mit gefülltem Kühlschrank losfahren und mit gekühltem Bier am Urlaubsort ankommen. Dank der Stromanbindung des Caravans an die Batterie des Zugfahrzeugs ist das theoretisch möglich. Dafür muss die richtige Verkablung an Bord sein. Diese lässt sich im Grunde in drei Klassen einteilen:

Die Basisversorgung, also nur die notwendigste Verkabelung, sorgt ausschließlich dafür, dass die gesetzlich vorgegeben Beleuchtung am Wohnwagen funktioniert. Diese günstige Variante reicht für Personen, die nur hin und wieder mit kleinen Lastenanhängern fahren.

Die mittlere Variante verfügt über eine Dauerplusleitung (Pin 9). Sie ermöglicht, dass die 12-V-Beleuchtung des Caravans auch unterwegs funktioniert. Kühlschrank oder Ladevorrichtung für die Bordbatterie funktionieren darüber allerdings nicht.

Bei der größten und dementsprechend teuersten Variante wird eine weitere Verbindung zur Fahrzeugbatterie geschaltet. Bedeutet auf Pin 10 liegt nur dann Spannung an, wenn die Zündung des Zugfahrzeuges eingeschaltet ist oder der Motor läuft. Der Grund für diese Schaltung ist einfach: Sobald der Motor abgestellt wird, schalten sich Kühlschrank und Ladebooster aus und können die Fahrzeugbatterie nicht leersaugen.

So funktioniert die Elektrik der Anhängekupplung

Unten zu sehen: Alle Funktionen der Anschlusspins bei voller Belegung von dreizehnpoligem Stecker und passender Dose. Die Nummerierung der einzelnen Kontakte entspricht dem Blick von vorne auf den Anhängerstecker und ist identisch mit der Anordnung der Leitungen rückseitig an der Anhängersteckdose. Leitungsquerschnitte beachten.

Energietransfer im Wohnwagen Foto: CARAVANING
Anschlusspins: 1.) Blinker links 2.) Nebelschlussleuchte 3.) Minuspol Pin 1&2, 4&8 4.) Blinker rechts 5.) Schlussleuchten rechts 6.) Bremsleuchten 7.) Schlussleuchten links 8.) Rückfahrleuchte 9.) Stromversorgung 10.) Stromversorgung 11.) Minuspol Pin 10 12.) frei 13.) Minuspol Pin 9

Auch für die Nachrüstung von Dauer- und Zündungsplus gibt es genaue Vorgaben. Diese finden sich in der Anschlussnorm EN 1648-1. Sie fordert, dass nicht nur eine Dauerplusleitung auf Pin 9 der Anhängersteckdose, sondern sogar die über Zündung geschaltete Plusleitung auf Pin 10 sowie die dazugehörigen Masseanschlüsse auf den Pins 13 und 11 gegeben sein muss.

Die beiden Pluskontakte werden eigentlich für den ordnungsgemäßen 12-Volt-Betrieb des Kühlschranks während der Fahrt benötigt. Ein häufiges Problem ist aber, dass viele Kühlgeräte in modernen Wohnwagen so verkabelt sind, dass zwar ihre elektronische Steuerung über die Pins 9 ( +) und 13 ( –) versorgt wird, nicht aber die Heizpatrone. Da diese deutlich mehr Strom zieht, müsste sie an den Pins 10 ( +) und 11 ( –) hängen. So schreibt es auch die Anschlussnorm vor. Soweit die Theorie.

Probleme seitens Zugfahrzeug und seitens Caravan

In der Praxis kann es dabei jedoch passieren, dass der Zugwagen den rastenden Campern einfach den Saft abdreht. Das kann sowohl prophylaktisch nach einer gewissen Zeitspanne erfolgen als auch je nach dem jeweils aktuellen Ladezustand der Batterie. „Die Wiederstartfähigkeit des Fahrzeugs hat Vorrang“, nimmt Mercedes dazu Stellung.

1. Im Pkw

Energietransfer im Wohnwagen Foto: CARAVANING
Komfortausstattungen wie Klimatisierung oder Sitzheizungen ziehen ordentlich Strom.

Es kann vorkommen, dass das clevere Bordnetzmanagement des Zugwagens während der Fahrt aktiv wird und im Zweifelsfall nicht nur die Sitzheizung deaktiviert, sondern gleich den ganzen Hänger vom Bordnetz abnabelt. Für Andreas Vogt, Techniker bei der Firma Hobby, keine rosige Aussicht. Er prognostiziert: „Wir werden in den nächsten Jahren noch große Probleme bekommen, da immer mehr Zugfahrzeughersteller für den Wohnwagen keinen Strom mehr zur Verfügung stellen.“ Ins gleiche Horn stößt LMC und beklagt, dass es zu Abschaltungen der Stromversorgung sowohl von Dauerplus als auch vom über die Zündung geschalteten Plus kommen kann, „wenn das Batterie-Management es für richtig und wichtig erachtet“. Dann geht natürlich nicht nur der Kühlschrank auf „Störung“ beziehungsweise wird abgeschaltet, und viel wichtiger auch Sicherheitseinrichtungen wie die elektronische Anhängestabilisierung ATC stellen die Funktion ein. 

Das Bordnetzmanagement arbeitet dabei mit verschiedenen Abschaltstufen. Sinkt bei eingeschalteter Zündung oder laufendem Motor die Spannung der Bordnetzbatterie für eine bestimmte Zeit unter einen Grenzwert, wird die Bordnetzauslastung als kritisch eingestuft und Komfortverbraucher je nach Priorität von deren jeweiligem Steuergerät abgeschaltet. Scheiben- und Sitzheizungen sind davon betroffen, im Zweifelsfall aber auch die Stromversorgung zum Hänger über die Anschlussdose an der Anhängekupplung. Einen Hinweis darauf, etwa über das Display im Tachofeld, erhält der Fahrer nicht. 

In der Realität zeigen unsere Zugwagen-Tests außerdem immer wieder – beispielsweise bei Fahrzeugen der PSA-Gruppe (u.a. Renault, Citroën, Opel, Peugeot) –, dass die Stromversorgung zum Caravan abgeschaltet wird, sobald ein größerer Verbraucher zugeschaltet wird. Ebenso verhält es sich bei der Start-Stop-Automatik. Wie uns bereits mehrere BMW-Testfahrzeuge gezeigt haben, kann sie zu Problemen führen, da diese die Spannungssteuerung mitbeeinflusst.

Daher kann es helfen die Start-Stop-Automatik im Gespannbetrieb auszuschalten, damit die Elektrogeräte im Wohnwagen durchgängig während der Fahrt genug Saft haben.

2. Im Caravan

Energietransfer im Wohnwagen Foto: CARAVANING
Für großen Kühlschränke reicht die ankommende Spannung zum Betrieb während der Fahrt oft nicht aus.

Und auch auf Wohnwagenseite gibt es Besonderheiten bei der Gespannverkabelung. So klemmen beispielsweise Knaus und Bürstner bei einigen Modellen den gesamten Kühlschrank nur auf den Dauerplus-Pin 9 des Anschlusssteckers. Grund hierfür ist die Tatsache, dass nicht alle Zugfahrzeug-Steckdosen komplett belegt sind, zum Beispiel bei Importfahrzeugen oder solchen mit nachgerüsteten Anhängevorrichtungen. Dies hat zur Folge, dass der Kühlschrank auch bei abgeschalteter Zündung weiterlaufen kann und damit die Fahrzeugbatterie entleert.

Einige Caravan-Hersteller sparen sich den Kühlschrankverkabelung für die Zugfahrzeugbatterie gleich gänzlich. Und selbst wenn das Zugfahrzeug über einen an der Zündung extra geschalteten Pluskontakt verfügt, heißt das noch lange nicht, dass dieser im Wohnwagen auch genutzt wird. Die entsprechenden Leitungen werden zwar vom Anschlusskabel bis ins Wohnwageninnere gelegt, von dort aus aber nicht zwangsläufig bis zum Elektroblock geführt, der die weitere Stromverteilung an die jeweiligen Verbraucher übernimmt.

Wem der Kühlschrankbetrieb während der Fahrt wichtig ist, sollte daher vor dem Kauf beim Hersteller nachhaken, ob der Kühlschrank über einen Batteriebetrieb verfügt.

Auf was ist zu achten bei der Verkabelung der Anhängerkupplung am Pkw?

Heutzutage verkabeln viele, aber nicht alle Automobilhersteller die Anschlussdosen der ab Werk installierten Anhängevorrichtungen komplett. Auch wenn eine Hängerkupplung nachträglich installiert wird – was bei vielen Importfahrzeugen vor Auslieferung der Fall ist –, kommen immer wieder nur einfache und entsprechend billigere E-Sätze zum Einsatz, bei denen die Pins 9 bis 13 der Anhängerverkabelung nicht belegt werden. Außerdem gibt es eine Vielzahl an Automarken, die sich die für den Caravan nötige Ladeleitung extra bezahlen lassen.

Unser Tipp: Caravaner sollten beim Fahrzeugkauf besonders auf die vollständige Verkabelung der Anhängekupplung achten und an dieser Stelle nicht sparen.

Stromfresser im Caravan

Tatsache ist auch, dass die größeren Kühlschranktypen nach einem Arbeitsstrom von nominell 14 Ampere lechzen. Der Spannungsverlust auf der langen Kabelstrecke vom Zugwagen zum Wohnwagen kann deshalb verhindern, dass der Kühlschrank den Betrieb überhaupt aufnimmt. Kein Wunder, wenn selbst bei laufendem Motor hinten nur noch gut 12 Volt anliegen. Tests in der Vergangenheit haben gezeigt, dass das 142-Liter-Aggregat von Thetford mit automatischer Energiewahl zwar erkennt, dass 12-Volt-Bordspannung von der Anhängerdose kommen, aber den Kühlbetrieb erst gar nicht aufnimmt. Die Konsequenz: ein Fehlersignal am Display.

Abhilfe verspricht in diesem und ähnlich gelagerten Fällen nur eins: Gasbetrieb während der Fahrt in den Urlaub und beim autarken Zwischenstopp. Dann muss aber ein Flaschenregler mit integriertem Crash-Sensor im Bugkasten verbaut sein.

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Häufig scheitert die Kühlfunktion an 12 Volt während der Fahrt an den technischen Umständen.

Strombedarf im Wohnwagen ist selbst beim Licht ein sensibles Thema. Während sich in den Wohnwagen der meisten Hersteller unterwegs alle Lampen, die Wasserpumpen und alle sonstigen am Dauerplus-Pin (9) angeschlossenen Elektrogeräte betreiben lassen, gibt es immer wieder Ausnahmen. Beispielsweise ist es bei Hobby so, dass maximal nur drei Leuchten gleichzeitig in Betrieb genommen werden können, um die Zugwagenbatterie zu schonen. Bei Produkten, die bei LMC vom Band laufen, ist das ähnlich: Hier funktionieren nur das Deckenlicht über der Sitzgruppe, jenes im Waschraum sowie die Vorzeltleuchte. Wer mehr will, kann durch Umstecken einer Sicherung im Dometic-Netzteil auch die restliche Beleuchtung freischalten – auf eigenes Risiko.

Die beschränkende Vorsorge ist beileibe nicht unbegründet, denn die Plusleitung über Pin 9 ist beispielsweise bei Opel nicht gegen Tiefentladung der Starterbatterie gefeit. „Die Leitung läuft über kein Relais und kein Steuergerät“, erklärt ein Firmensprecher. Bei Mercedes und VW/Audi hingegen erfolgt eine vorsorgliche Kappung der Verbindung über das Bordnetzmanagement respektive den Batteriemanager zum Schutz gegen Unterspannung – prinzipiell eine gute Sache.

Technik für Verkehrssicherheit funktioniert immer

Unberührt davon sind die Fahrbeleuchtung, Blinker, Brems- und Rückleuchten des Wohnwagens. Wenngleich so mancher Zugwagen in der Vergangenheit auch damit Probleme hatte. Und zwar dann, wenn LED-Rücklichter im Wohnwagen verbaut waren. Heute können – so die Aussagen der Autoindustrie – Steuergeräte zwischen konventionellen Glühlampen und LED-Leuchten unterscheiden. Auch die Erkennung eines Leuchtenausfalls wird zuverlässig detektiert und dem Fahrer im Kombinstrument angezeigt. Ältere Zugwagen, die damit Schwierigkeiten haben, lassen sich mit einer speziellen Steuerbox, etwa von Jaeger Automotive in Verl, nachrüsten, womit das Zusammenspiel zwischen Zugwagenelektronik und Hänger reibungslos klappen sollte.

Fazit

In vielen Fällen klappt die Stromversorgung während der Fahrt heutzutage reibungslos – dank der 13 Pins des Steckers von Caravan an Pkw. Aber es gibt immer wieder Fälle, bei denen es zwischen Anschlusskabel und Steckdose trotz Vollbelegung immer noch zu Problemen kommt. Daher hat CARAVANING folgende 3 Tipps:

  1. Für wen der Kühlschrankbetrieb während der Fahrt zwingend notwendig ist, sollte vor dem Kauf beim Wohnwagen-Hersteller nachhaken, wie die Stromversorgung über die Ladeleitung für das Kühlaggregat geregelt ist. Um den Betrieb sicherzustellen, am besten einen Crash-Sensor für die Gasflaschen installieren lassen, um den Gasbetrieb des Kühlschranks zu ermöglichen.
  2. Beim Kauf ein neues Zugfahrzeugs sollten Camper sich genau über das gewünschte Modell samt Anhängevorrichtung vor dem Fahrzeugkauf oder Nachrüstungsoptionen informieren.
  3. Oft sind die freigeschalteten Verbraucher im Wohnwagen über die Ladeleitung ab Werk begrenzt. Wer mehr Elektrogeräte während der Fahrt betreiben will, kann durch Umstecken von Sicherungen im Netzteil auch weitere freischalten – auf eigenes Risiko. Am besten zieht man hierzu einen Experten zur Rat.
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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