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Energietransfer zwischen PKW und Wohnwagen

Funktionen der Anschlussdose

Energietransfer im Wohnwagen Foto: CARAVANING 13 Bilder

Anschlusskabel und Steckdose sorgen für Energie im Wohnwagen. Doch selbst wenn alle Kontakte verkabelt sind, können technische Hürden den reibungslosen Energietransfer einschränken.

21.02.2017 Dieter S. Heinz

Haben Automobilhersteller neuerdings ein Herz für Caravaner? Darauf eine klare Antwort zu geben ist noch immer schwer. Immerhin ergab eine Umfrage unter den großen deutschen Automobilherstellern, die sich mit unseren Erfahrungen mit Testwagen der letzten Monate deckt, dass die Anschlussdosen ab Werk installierter Anhängevorrichtungen komplett verkabelt sind. Das bedeutet, dass nicht nur alle gesetzlichen Vorgaben an Begrenzungs-, Rück-, Brems- und Nebelschlussleuchten erfüllt sind, sondern auch die Option besteht, unterwegs oder bei freiem Stehen diverse Verbraucher über das 12-Volt-Wohnwagenbordnetz zu betreiben.

Dazu gibt es, so wie es die Anschlussnorm EN 1648-1 fordert, nicht nur eine Dauerplusleitung auf Pin 9 der Anhängersteckdose, sondern sogar die über Zündung geschaltete Plusleitung auf Pin 10 sowie die dazugehörigen Masseanschlüsse auf den Pins 13 und 11. Das war nicht immer so. In einem älteren Artikel zum Thema Steckerbelegung, haben wir uns schon mit der Problematik der Stromversorgung auseinander gesetzt.

So funktioniert die Elektrik der Anhängekupplung 

Die beiden Pluskontakte werden eigentlich für den ordnungsgemäßen 12-Volt-Betrieb des Kühlschranks während der Fahrt benötigt. Ein häufiges Problem ist aber, dass viele Kühlgeräte in modernen Wohnwagen so verkabelt sind, dass zwar ihre elektronische Steuerung über die Pins 9 (+) und 13 (–) versorgt wird, nicht aber die Heizpatrone. Da diese deutlich mehr Strom zieht, müsste sie an den Pins 10 (+) und 11 (–) hängen. So schreibt es auch die Anschlussnorm vor.

Da jedoch nicht alle Zugfahrzeug-Steckdosen komplett belegt sind, zum Beispiel bei Importfahrzeugen oder solchen mit nachgerüsteten Anhängevorrichtungen, klemmen beispielsweise Knaus und Bürstner bei einigen Modellen den gesamten Kühlschrank nur auf den Neuner-Plus. Oder – je nach Hersteller und Kühlschrankmodell – wird dieser vorsorglich erst gar nicht an den 12-Volt-Gleichstrom angeschlossen. Und selbst wenn das Zugfahrzeug über einen an der Zündung geschalteten Pluskontakt an Pin 10 verfügt, heißt das noch lange nicht, dass dieser im Wohnwagen auch genutzt wird. Die entsprechenden Leitungen werden zwar vom Anschlusskabel bis ins Wohnwageninnere gelegt, von dort aus aber nicht zwangsläufig bis zum Elektroblock weitergeführt, der die weitere Stromverteilung an die jeweiligen Verbraucher übernehmen soll.

Tatsache ist auch, dass die größeren Kühlschranktypen nach einem Arbeitsstrom von nominell 14 Ampere lechzen. Der Spannungsverlust auf der langen Kabelstrecke vom Zugwagen zum Wohnwagen kann deshalb verhindern, dass der Kühlschrank den Betrieb überhaupt aufnimmt. Kein Wunder, wenn selbst bei laufendem Motor hinten nur noch gut 12 Volt anliegen. So erkennt das 142-Liter-Aggregat von Thetford mit automatischer Energiewahl zwar, dass 12-Volt-Bordspannung von der Anhängerdose kommen, nimmt aber den Kühlbetrieb erst gar nicht auf. Die Konsequenz: ein Fehlersignal am Display.

Kühlschrank in Gasbetrieb nur mit Crash-Sensor

Abhilfe verspricht in diesem und ähnlich gelagerten Fällen nur eins: Gasbetrieb während der Fahrt in den Urlaub und beim autarken Zwischenstopp. Dann muss aber ein Flaschenregler mit integriertem Crash-Sensor im Bugkasten verbaut sein.

Interessant wird es, wenn der Wohnwagen ab Werk über ein Autarkpaket oder ein Rangiersystem mit eigener Bordbatterie verfügt, das ebenfalls einen potenten Energiespender voraussetzt. Dann werden bei Bedarf sogar zusätzliche Kabel vom Übergabepunkt aus verlegt (Pin 10 und 11) und ein spezieller Elektroblock mit Batterieladefunktion, wie etwa der Schaudt CSV 409, verwendet. 

Strombedarf im Wohnwagen ist ein sensibles Thema

Selbst beim Licht. Während sich in den Wohnwagen der meisten Hersteller unterwegs alle Lampen, die Wasserpumpen und alle sonstigen am Dauerplus-Pin 9 angeschlossenen Verbraucher betreiben lassen, ist es bei Hobby so, dass maximal nur drei Leuchten gleichzeitig in Betrieb genommen werden können. Das soll die Zugwagenbatterie schonen.

Bei Produkten, die bei LMC vom Band laufen, ist das ähnlich: Hier funktionieren nur das Deckenlicht über der Sitzgruppe, jenes im Waschraum sowie die Vorzeltleuchte. Wer mehr will, kann durch Umstecken einer Sicherung im Dometic-Netzteil auch die restliche Beleuchtung freischalten – freilich auf eigenes Risiko.

Die beschränkende Vorsorge ist beileibe nicht unbegründet, denn die Plusleitung über Pin 9 ist beispielsweise bei Opel nicht gegen Tiefentladung der Starterbatterie gefeit. "Die Leitung läuft über kein Relais und kein Steuergerät", erklärt ein Firmensprecher. Bei Mercedes und VW/Audi hingegen erfolgt eine vorsorgliche Kappung der Verbindung über das Bordnetzmanagement respektive den Batteriemanager zum Schutz gegen Unterspannung – prinzipiell eine gute Sache.

Zugwagen dreht dem Wohnwagen den Saft ab

In der Praxis kann es dabei jedoch passieren, dass der Zugwagen den rastenden Campern einfach den Saft abdreht. Das kann sowohl prophylaktisch nach einer gewissen Zeitspanne erfolgen als auch je nach dem jeweils aktuellen Ladezustand der Batterie. "Die Wiederstartfähigkeit des Fahrzeugs hat Vorrang", nimmt Mercedes dazu Stellung.

Es kann sogar vorkommen, dass das clevere Bordnetzmanagement des Zugwagens sogar während der Fahrt aktiv wird und im Zweifelsfall nicht nur die Sitzheizung deaktiviert, sondern gleich den ganzen Hänger vom Bordnetz abnabelt. Für Hobby-Techniker Andreas Vogt keine rosige Aussicht. Er prognostiziert: "Wir werden in den nächsten Jahren noch große Probleme bekommen, da immer mehr Zugfahrzeughersteller für den Wohnwagen keinen Strom mehr zur Verfügung stellen." 

Ins gleiche Horn stößt LMC und beklagt, dass es zu Abschaltungen der Stromversorgung sowohl von Dauerplus als auch vom über die Zündung geschalteten Plus kommen kann, "wenn das Batterie-Management es für richtig und wichtig erachtet". Dann geht natürlich nicht nur der Kühlschrank auf "Störung" beziehungsweise wird abgeschaltet, auch Sicherheitseinrichtungen wie die elektronische Anhängestabilisierung ATC stellen die Funktion ein. 

Das Bordnetzmanagement arbeitet dabei mit verschiedenen Abschaltstufen. Sinkt bei eingeschalteter Zündung oder laufendem Motor die Spannung der Bordnetzbatterie für eine bestimmte Zeit unter einen Grenzwert, wird die Bordnetzauslastung als kritisch eingestuft und Komfortverbraucher je nach Priorität von deren jeweiligem Steuergerät abgeschaltet. Scheiben- und Sitzheizungen sind davon betroffen, im Zweifelsfall aber auch die Stromversorgung zum Hänger über die Anschlussdose an der Anhängekupplung. Einen Hinweis darauf, etwa über das Display im Tachofeld, erhält der Fahrer nicht. 

Technik für Verkehrssicherheit muss funktionieren

Unberührt davon sind die Fahrbeleuchtung, Blinker, Brems- und Rückleuchten des Wohnwagens. Wenngleich so mancher Zugwagen in der Vergangenheit auch damit Probleme hatte. Und zwar dann, wenn LED-Rücklichter im Wohnwagen verbaut waren. Heute können – so die Aussagen der Autoindustrie – Steuergeräte zwischen konventionellen Glühlampen und LED-Leuchten unterscheiden. Auch die Erkennung eines Leuchtenausfalls wird zuverlässig detektiert und dem Fahrer im Kombinstrument angezeigt. Ältere Zugwagen, die damit Schwierigkeiten haben, lassen sich mit einer speziellen Steuerbox, etwa von Jaeger Automotive in Verl, nachrüsten, womit das Zusammenspiel zwischen Zugwagenelektronik und Hänger reibungslos klappen sollte.

Eine wirklich intensive Liebe über alle Widrigkeiten des Camperlebens hinweg sind Anschlusskabel und Steckdose trotz Vollbelegung bislang immer noch nicht, jedoch sind sie – so gesehen – inzwischen doch ziemlich beste Freunde.

Alle Funktionen der Anschlusspins bei voller Belegung von dreizehnpoligem Stecker und passender Dose. Die Nummerierung der einzelnen Kontakte entspricht dem Blick von vorne auf den Anhängerstecker und ist identisch mit der Anordnung der Leitungen rückseitig an der Anhängersteckdose. Leitungsquerschnitte beachten.

Den gesamten Ratgeber zum Thema Anschlusskabel und Steckdose im Wohnwagen finden Sie in der pdf-Datei zum Download. 

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Caravaning 10/2016
Heft 02 / 2017 10. Januar 2017 Heftinhalt anzeigen
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