Praxis-Tipp Beladung im Wohnwagen

Zugwagen und Wohnwagen richtig packen

Beladungs-Tipps Foto: Ingolf Pompe, Archiv 9 Bilder

Wer mit dem Caravan-Gespann verreist hat schnell mehr geladen als erlaubt. Mit diesen Tipps vermeiden Sie Bußgelder aufgrund von Überladung. Wir zeigen Ihnen, wie Sie richtig packen.

Vorzelt, Tisch und Stühle müssen unbedingt mit. Auch die Getränkekisten und Konservendosen. Nicht zu vergessen Lektüre und Sportausrüstung. Dann dürfte für den Urlaub aber alles an Bord sein – und das Gespann hoffnungslos überladen? Wenn die Reifen des Caravans und der Hinterachse des Zugfahrzeugs langsam in den Radkästen verschwinden und die Deichsel in der Seitenansicht keine annähernd waagerechte Linie bildet, sind das deutliche Zeichen, dass mit der Beladung etwas nicht stimmt. Und das kann im In- wie im Ausland richtig ins Geld gehen.

Zuladung des Gespanns ermitteln

Schon ab der kleinsten Überladung wird es in der Schweiz teuer. Die Österreicher verlangen ab 2 Prozent bis zu 2180 Euro. Hierzulande werden bei mehr als 20 Prozent 50 Euro, drei Punkte und eine Anzeige fällig.

Ratgeber: Beladung, Kofferraum
Die Zuladung des Zugwagens verringert sich um die tatsächliche Stützlast.

Ob ein Gespann zu viel geladen hat, das entscheidet sich an mehreren Gewichtsgrenzen. Zugfahrzeug und Caravan können zusammen oder jeweils für sich überladen sein. Auch die Hinterachse des Zugwagens ist angesichts der Zusatzbelastung durch die Stützlast des Caravans heikel. Vor dem Packen sollte man daher einen Blick in beide Zulassungsbescheinigungen (Teil 1) werfen.

Zugegeben: Die Lektüre dieser seit Oktober 2005 gültigen Fahrzeugscheine ist eine Wissenschaft für sich. Entscheidend sind die Leermasse und das technisch zulässige Gesamtgewicht, aus denen die jeweiligen Zuladungen resultieren. Ferner interessieren die Stütz- und Achslasten sowie beim Caravan der Reifentragfähigkeitsindex auf der Reifenflanke und beim Zugwagen zusätzlich die Anhängelast. Achten Sie außerdem auf Angaben zu einer etwaigen erhöhten Anhängelast, zur Tempo-100-Freigabe und zum zulässigen Zug-Gesamtgewicht.

Grundsätzlich sollten Zugwagen und Caravan mit Blick aufs Gewicht zueinanderpassen. Darauf sollte man beim Kauf von Hänger und Pkw achten. Wichtig zu wissen ist, dass sich mit einem Caravan am Haken die Zuladung des Pkw um die tatsächliche Stützlast verringert. Gleichzeitig darf der Anhänger – im Rahmen seiner zulässigen Gesamtmasse – um diesen Betrag schwerer sein als die Anhängelast.

Wichtig sind Leergewicht und Zuladung. Die Zuladung ergibt sich aus der Differenz des zulässigen Gesamtgewichts (zGG) und des Leergewichts. Wichtig: Achs- und Stützlast dürfen zusammen das zGG nicht übersteigen. Da die Zuladungen oft nicht üppig sind, heißt die Devise Gewicht sparen.

Kompliziert? Ein Beispiel: Der Pkw verfügt über ein zulässiges Gesamtgewicht von 2000 Kilogramm bei einer Anhängelast von 1500 Kilo. Die Stützlast liegt bei 75 Kilo. Dann darf der Anhänger maximal 1575 Kilo wiegen, damit die zulässige Anhängelast nicht überschritten wird. Obacht:  Nicht immer stimmen die für Zugwagen und Caravan ausgewiesenen Stützlasten überein. Entscheidend ist der kleinere von beiden Werten. Tipp: Die erlaubte Stützlast möglichst ausnutzen. Das verleiht dem Gespann höhere Fahrstabilität.

Praxistest Zuladung im Caravan
So schwer ist das Gepäck

Wie berechnet man das zulässige Gesamtgewicht?

Apropos Gespann – sein zulässiges Gesamtgewicht entspricht im Regelfall der Summe aus der Gesamtmasse des Pkw und der gebremsten Anhängelast. Auf ein niedrigeres zulässiges Gespanngewicht muss in den Papieren gesondert hingewiesen werden.

In Sachen Gewicht ist außerdem noch die 1:1-Regel von Belang. Sie besagt, dass die Gesamtmasse des Wohnwagens das Gewicht des leeren Zugwagens nicht übertreffen darf, eine von mehreren Voraussetzungen für die Tempo-100-Freigabe.

Mit den zulässigen Gewichtsangaben im Hinterkopf kann es ans Beladen gehen. Um Überladung zu vermeiden gilt es dabei ein paar Tipps zu beherzigen, um ein sicheres Fahrverhalten zu gewährleisten. Die oberen Schränke und Staufächer werden nur leicht beladen. Schwere Gegenstände möglichst tief und möglichst achsnah platzieren. Andernfalls könnten sie Kräfte freisetzen, die sich auf Stabilität, Kippneigung und Lenkgenauigkeit des Gespanns auswirken und zum gefährlichen Aufschaukeln des Caravans führen.

Fahrerlaubnis für den Caravan
Welchen Führerschein für welchen Wohnwagen?

Caravan und Zugwagen richtig packen

Das gleiche Pack-Prinzip gilt auch im Kofferraum des Zugwagens. Schwere Gepäckstücke ausreichend gesichert möglichst nahe der Hinterachse lagern. Die Ladungssicherung verdient im Zugwagen besondere Beachtung: Lose verstaute Gegenstände können bei Bremsmanövern andernfalls umherfliegen und die Insassen verletzen. Auch Haustiere gehören angeschnallt. 

Ist alles verstaut, bleibt oft die bange Frage nach dem Gewicht. Am besten wiegt man Pkw und Hänger im Leerzustand, dann beladen. TÜV oder Dekra sind dafür Anlaufstellen. Dort können auch die Achslasten ermittelt werden. So geprüft, kann die nächste Gewichtskontrolle ruhig kommen.

So sparen Sie Gewicht

  • Wassertank nicht voll machen, das spart viele Kilos
  • Alu-Gasflaschen statt Stahl- flaschen verwenden, die wiegen nur die Hälfte 
  • Die Achs- und Stützlast beim Beladen im Auge behalten: Eine geschickte Verteilung des Gewichts sorgt für Fahrstabilität und somit Sicherheit
  • Die Dachlast abklären, bevor Gepäck dort transportiert wird 
  • Eine Packliste hilft, den Überblick zu bewahren.

Strafen für Überladungen

Land: Belgien

  • ab 2 Prozent: 110 Euro
  • ab 5 Prozent: 330 Euro

Land: Dänemark

Regelsatz bei Überladung: Kfz mit zGG bis 3,5 t je Prozent Überladung

  • Fahrer: 75 Kronen (ca. 10,70 Euro)
  • Halter: 150 Kronen (ca. 20,14 Euro)

Land: Deutschland

Regelsatz bei Überladung: Kfz mit zGG bis 7,5 t

  • mehr als 5 Prozent: 10 Euro
  • mehr als 10 Prozent: 30 Euro
  • mehr als 15 Prozent: 35 Euro
  • mehr als 20 Prozent: 90 Euro
  • mehr als 25 Prozent: 140 Euro
  • mehr als 30 Prozent: 235 Euro

Land: Frankreich

Regelsatz bei Überladung: ab 135 Euro

Land: Großbritannien

  • 70-6.000 Euro

Land: Italien

Regelsatz bei Überladung: Kfz mit zGG bis 10 t

  • mehr als 5 Prozent: 41 bis 1.68 Euro

Land: Luxemburg

Regelsatz bei Überladung: bis 10 Prozent: 74 Euro

Land: Norwegen

Regelsatz bei Überladung: Kfz mit zGG über 3,5 t je 100 kg Überladung

  • 250 Kronen (ca. 32 Euro)

Land: Österreich

  • ab 6 Prozent: 170 Euro
  • ab 11 Prozent: 210 Euro
  • ab 15 Prozent: individuelle Strafzumessung

Land: Polen

Regelsatz bei Überladung: Verstoß gegen Ladungsvorschriften

  • ab 200 Zloty (ca. 50 Euro)

Land Portugal

Regelsatz bei Überladung: ab 60 Euro

Land Schweden

Regelsatz bei Überladung:

  • mehr als 1 Prozent: 2000 Kronen (ca. 222 Euro)
  • mehr als 20 Prozent: 2500 Kronen (ca. 278 Euro)
  • mehr als 30 Prozent: 3000 Kronen (ca. 334 Euro)
  • mehr als 40 Prozent: 4000 Kronen (ca. 445 Euro)

Land: Schweiz

Regelsatz bei Überladung: bis 3,5 t zGG:

  • 100 CHF für bis zu 100 kg
  • 200 CHF für mehr als 100 kg
  • ab 3,5 t zGG: 250 CHF für 100-1000kg Überladung

Land: Slowakei

Regelsatz bei Überladung: ab 60 Euro

Land: Tschechien

Regelsatz bei Überladung: bis zu 50.000 Kronen (ca. 2000 Euro)

Beladungs-Tipps kompakt

  • Zulässiges Gesamtgewicht und Achslasten beachten.
  • Schweres Gepäck nach unten und in den Bereich zwischen den Achsen packen.
  • Obere Staufächer nur mit leichten Gegenständen beladen.
  • Offene Ablagen während der Fahrt leer lassen.
  • Gegenstände in Innenraum und Garage rutschsicher verstauen.
  • Schränke mit Tür in Fahrtrichtung nicht schwer beladen.
  • Gepäck im Alkoven mit Netz sichern.
  • Maximalzuladung der Heckgarage und Auswirkungen auf die Gewichtsverteilung beachten.
  • Fahrräder auf Außenträger mit Schloss sichern.
  • Vor der Reise öffentliche Waage (TÜV, Dekra etc.) aufsuchen.
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