Funktionen des Caravans steuern und abfragen

BUS-Systeme sorgen für einen vernetzten Wohnwagen

Smart Home auf Rädern Foto: Christoph Nagel 14 Bilder

Elektronik im Caravan ist seit Jahren auf dem Vormarsch. Wir zeigen, wie vernetzte BUS-Systeme die zentrale Abfrage und Steuerung verschiedener Komponenten ermöglichen.

Habe ich das Licht gelöscht, die Heizung abgestellt und die Alarmanlage aktiviert? Diese oder ähnliche Fragen und das flaue Gefühl der Unsicherheit kennt wohl jeder Caravaner auf dem Weg in den Urlaub. Eine Lösung bieten Smart-Home-Geräte, die sich immer größerer Beliebtheit erfreuen. Ist das Zuhause vernetzt, kann man sich jederzeit mit einem Blick in die entsprechende App Gewissheit verschaffen oder die Geräte sogar von unterwegs ansteuern.

Im Urlaub angekommen, sind es eher die Ressourcen, die Sorgen bereiten: „Wie lange reicht der Gasvorrat noch?“ oder „Wie steht es um den Füllstand der Mover-Batterie?“ lauten hier die brennenden Fragen. Bei einigen Caravanmodellen lässt sich die Antwort bereits von einem zentralen Anzeige- und Steuerpanel ablesen. Dahinter steckt komplexe vernetzte Technik, die sogar noch einiges mehr kann.

Der Caravaning-Industrie-BUS, kurz CI-BUS

Der Grundstein für die verknüpfte Steuerung der wichtigsten Bordgeräte in Freizeitfahrzeugen wurde bereits 2011 gelegt. Damals einigten sich rund 20 namhafte Unternehmen unter der Schirmherrschaft des Herstellerverbandes CIVD auf eine gemeinsame technische Plattform – den Caravaning-Industrie-BUS, kurz CI-BUS.

Verschiedene Komponenten Foto: Hersteller
Verschiedene Komponenten (Slaves) sind mit einer Mastereinheit vernetzt, die Befehle von Panel oder Fernsteuerung ordnet und verteilt.

Die Bezeichnung BUS hat nichts mit dem Verkehrsmittel zu tun, sondern ist die Abkürzung für „Binary Unit System“. Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich um die Datenübertragung zwischen verschiedenen Komponenten der Bordelektronik wie zum Beispiel der Licht-, Heizungs- oder Klimaanlagensteuerung, die über einen gemeinsamen Übertragungsweg abgefragt und gesteuert werden. Feste Bestandteile eines solchen Netzwerkes sind eine Mastereinheit – meist in Form eines zentralen Panels nebst Steuerteil – und je ein Slave-Modul pro angeschlossenem Endgerät.

Fernsteuerung der Bordelektronik

Die Fernsteuerung der Bordelektronik ist ein weiterer Vorteil, den die BUS-Vernetzung ermöglicht. Aus technischer Sicht wird zwischen der Steuerung im Nahbereich, also aus dem direkten Umfeld des Caravans, und dem Fernbereich unterschieden. Der Nahbereich wird von eigens ausgestrahlten Bluetooth- oder WLAN-Netzen abgedeckt, in die sich mobile Endgeräte wie Smartphones oder Tablets einwählen.

Für die Steuerung über größere Distanzen wird eine SIM-Karte benötigt. Ist diese aktiviert und eingerichtet, kann der Caravan im Grunde von überall gesteuert und kontrolliert werden, solange Sender und Empfänger Empfang haben. Zur Übertragung der Fernsteuerungsdaten haben sich aktuell zwei Verfahren durchgesetzt: Während die I-Net Box von Truma und Caracontrol bei der Steuerung auf Befehle via SMS setzen, kommt bei Hobby und Kabe ein zwischengeschalteter Server zum Einsatz. Sind Smartphone und Caravan dort angemeldet und eingeloggt, funktioniert die Befehlsübertragung und -verarbeitung beinahe in Echtzeit.

Einwahl über Mobilfunknetze

Mit der Einwahl im Mobilfunknetz wächst zudem das Spektrum an Möglichkeiten: Diese reichen von einer Positionsbestimmung mit Alarmfunktionen bis hin zur Ferndiagnose durch den Hersteller. Adria nutzt die Internetverbindung zusätzlich, um in der Live-Stream-App ergänzende Informationen wie eine Campingplatzsuche anzubieten. Kehrseite der Medaille sind die Kosten, die mit dem notwendigen Mobilfunkvertrag einhergehen. Das Vorgehen der Hersteller ist auch hier unterschiedlich.

Fernverbindung mit SIM-Karte Foto: Hans Lippert
Eine Fernverbindung klappt nur mit SIM-Karte. Um die Kosten klein zu halten, gilt es, den richtigen Anbieter zu finden.

Während Truma und Fendt, wo die I-Net-Box seit dieser Saison zur Serienausstattung zählt, die Wahl des SIM-Karten-Anbieters dem Kunden überlassen, arbeiten viele andere Hersteller mit festen Providern zusammen und berechnen ganz- oder halbjährliche Pauschalen für die Nutzung der Fernsteuerungsfunktionen. Die Preise bewegen sich dabei zwischen knapp 40 und 100 Euro. Längere Vetragsbindungen senken die Kosten, schränken aber die Flexibilität ein.

Volle Kontrolle hat, wer die Karte selbst wählt. Natürlich sollte man sich vorab informieren, welcher Anbieter die besten Konditionen fürs jeweilige (Lieblings-)Land hat und welche Roamingkosten für Nicht-EU-Länder aufgerufen werden.

Nachträgliche Vernetzung bei älteren Modellen

Lichtblick für alle technikbegeisterten Caravaner mit einem älteren Modell: Die nachträgliche Vernetzung der Bordtechnik ist teilweise möglich. Einfacher wird es, wenn die anzusteuernden Geräte bereits CI-BUS-fähig sind. Ein passendes Steuermodul wie zum Beispiel die Truma I-Net Box gibt es bereits ab 300 Euro. Nicht selten werden auch preislich attraktive Pakete aus Box und Zusatzgeräten geschnürt.

Den größten Funktionsumfang im Bereich der Nachrüstlösungen weist der tschechische Anbieter Caracontrol vor. Von Alarmsensoren für die Fenster über Luftsensoren mit Gaswarner bis hin zu einer eigenen Gaswaage kann das System beliebig ergänzt werden. Einmal integriert, ermöglicht das System sogar die Fernsteuerung von Truma- oder Alde-Panels. Die Preise für die Steuereinheit starten bei knapp 600 Euro.

Sprachsteuerung

In Zukunft wird die Sprachsteuerung weiter an Bedeutung gewinnen. So könnten schon bald Befehle wie „Alexa, schalte das Licht aus!“ oder „Hey Google, stelle die Heizung auf 23 Grad!“ den Gang zum Bedienpanel oder den Griff zum Tablet ersparen. Besteht Kontakt zum Internet, sind zusätzliche Hilfen wie Veranstaltungstipps, Wettervorhersage oder das Finden des besten Restaurants in der Nähe denkbar.

Dethleffs E-Home (2018)
E-Alkovenmobil als Studie

Ähnlich künstlicher Intelligenz lernen Sprachassistenten dabei stetig dazu, so dass das Erlernte irgendwann genutzt werden könnte, um die Bordtechnik nach den erfassten Vorlieben zu steuern. Vielleicht fragt der Caravan ja irgendwann von selbst, ob man wie gewohnt um 20 Uhr das Licht ein und die Heizung in den Nachtmodus schalten will.

So funktioniert die Fernsteuerung

Aktuelle Übertragungsstandards ermöglichen die Fernsteuerung der im Caravan verbauten BUS-Systeme via Smartphone, Tablet oder Computer. Unterschieden wird dabei zwischen der Steuerung im Nah- und Fernbereich. Im näheren Umfeld setzen die Hersteller auf selbstgenerierte Bluetooth- oder WLAN-Verbindungen. Reicht deren Reichweite nicht mehr aus, werden Steuerungsbefehle oder Abfragen über das Mobilfunknetz in Form von SMS oder das mobile Internet übertragen – vorausgesetzt, die Netzabdeckung passt.

Übersicht Übertragungsstandards Foto: CARAVANING
So funktioniert die Fernsteuerung.

Blick hinter die Kulissen eines BUS-Systems

CI-Bus sei Dank, lässt sich die Technik im Caravan zentral steuern oder abfragen. Das gelingt über separate Module, welche über einen CI-BUS miteinander verknüpft sind. Wird beispielsweise die Wasserpumpe am Panel oder Smartphone aktiviert, gibt die BUS-Steuerung einen adressierten Schaltbefehl auf den CI-BUS, den alle angeschlossenen Geräte empfangen. Durch die Adressierung reagiert aber nur das gewünschte Modul und schaltet die Wasserpumpe ein. Vorteil dieser Lösung ist, dass sich der CI-Bus auch nachträglich um kompatible Module und Geräte erweitern lässt.

Übersicht BUS-System Foto: CARAVANING
Mit dem BUS-System kann man die Technik im Caravan steuern.

Welcher Hersteller bietet was?

Adria Live-Stream
Abfragen von Frischwasserstand, Grauwasser, Ladezustand Batterie, Gasfüllstand.
Steuerung von Heizung (Temperatur, Heizstufe), Klima (Temperatur), Licht, Wasserpumpe.
Bedienung über eigene App, Fernsteuerung via SIM-Karte, WLAN.

Caracontrol
Abfragen von Frischwasserstand, Grauwasser, Ladezustand Batterie, Gasfüllstand, Status Stromversorgung, Temperaturanzeige, Solar Panel.
Steuerung von Alarmanlage, Heizung (Temperatur, Heizstufe), Klima (Temperatur), Licht, Wasserpumpe, Therme (Warmwasser).
Bedienung über Bluetooth, eigene App, Fernsteuerung via SIM-Karte, Sprachsteuerung.

Fendt I-Net
Abfragen von Ladezustand Batterie, Empfangsstatus Caravan, Gasfüllstand, Solar Panel.
Steuerung von Heizung (Temperatur, Heizstufe), Klimasteuerung (Temperatur).
Bedienung über Bluetooth, eigene App, Fernsteuerung via SIM-Karte.

Hobby Connect
Abfragen von Frischwasserstand, Ladezustand Batterie, Standort des Fahrzeuges, Status Stromversorgung, Temperaturanzeige.
Steuerung von Alarmanlage, Heizung (Temperatur, Heizstufe), Klima (Temperatur), Licht, Sat-Anlage, Therme (Warmwasser).
Bedienung über Bluetooth, eigene App, Fernsteuerung via SIM-Karte, WLAN.

Kabe Smart D
Abfragen von Frischwasserstand, Grauwasser, Ladezustand Batterie, Empfangsstatus Caravan, Status Stromversorgung, Temperaturanzeige.
Steuerung von Heizung (Temperatur, Heizstufe), Klima (Temperatur), Licht, Wasserpumpe, Therme (Warmwasser).
Bedienung über eigene App, Fernsteuerung via SIM-Karte, WLAN.

LMC I-Bus Connect
Abfragen von Frischwasserstand, Grauwasser, Ladezustand Batterie, Status Stromversorgung, Temperaturanzeige.
Steuerung von Heizung (Temperatur, Heizstufe), Klima (Temperatur), Wasserpumpe, Therme (Warmwasser).
Bedienung über Bluetooth, eigene App, Fernsteuerung via SIM-Karte.

Swift Command
Abfragen von Ladezustand Batterie, Standort des Fahrzeuges, Status Stromversorgung, Temperaturanzeige, Solar Panel.
Steuerung von Heizung (Temperatur, Heizstufe), Klima (Temperatur), Licht, Musik, Wasserpumpe, Therme (Warmwasser).
Bedienung über Bluetooth, eigene App, Fernsteuerung via SIM-Karte.

Truma I-Net
Abfragen von Ladezustand Batterie, Empfangsstatus Caravan, Gasfüllstand, Solar Panel.
Steuerung von Heizung (Temperatur, Heizstufe), Klima (Temperatur).
Bedienung über Bluetooth, eigene App, Fernsteuerung via SIM-Karte.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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