Hilfe bei Reifenpanne leicht gemacht

Spezielle Wagenheber für Caravan-Chassis

Reifenpanne Foto: Dieter S. Heinz 12 Bilder

Reifenpannen sind lästig genug und umso ärgerlicher, wenn sich der Wohnwagen nicht ohne weiteres sicher anheben lässt. Spezielle Wagenheber für das Caravan-Chassis leisten gute Dienste.

Reifenpannen am Caravan sind zwar recht selten, aber lassen sich nicht völlig ausschließen. Erschwerend kommt hinzu, dass Wohnwagenreifen bisweilen einem besonderen Stress unterliegen: Sie müssen ein hohes Gewicht tragen und werden – zumal wenn zu wenig Luft drin ist – ordentlich durchgewalkt. Herrschen dann noch hochsommerliche Temperaturen und ist der Pneu nicht mehr der Jüngste, kann es durchaus zum spontanen Totalversagen kommen. Die Lauffläche löst sich ab und der Reifen platzt.

Radwechsel Equipment Foto: Dieter S. Heinz
Zum kompletten Radwechsel-Equipment gehören nicht nur Ersatzrad, Wagenheber und Radkreuz.

Wer nun kein passendes Ersatzrad mit an Bord hat, dem bleibt keine andere Wahl, als einen Pannendienst zu kontaktieren und sein Urlaubsdomizil in die nächste Werkstatt oder zu einem Reifenhändler transportieren zu lassen. Aber selbst mit Caravan-Ersatzrad im Deichselkasten gestaltet sich ein Radwechsel am Wohnwagen nicht immer einfach. Das liegt zum einen daran, dass zusätzlich erforderliches Werkzeug wie etwa ein Radmutternschlüssel selbst mit optionalem Werks-Ersatzrad nicht mit beigelegt wird – ganz zu schweigen von einem Wagenheber. Zum anderen bereitet es oft Schwierigkeiten, die Hebevorrichtung vernünftig am Caravanchassis anzusetzen, um die Seite mit dem defekten Reifen so weit anzuheben, dass sich das platte Rad sicher wechseln lässt.

Zubehör vom Zugwagen hilft bedingt

Wagenheber und Werkzeug aus dem Zugwagen, falls überhaupt vorhanden, helfen meist nicht weiter, weil diese in aller Regel eben just auf den Pkw abgestimmt sind und sich nicht universell einsetzen lassen. Viele Fahrzeuge haben zudem Radschrauben mit Schlüsselweite 17 mm, Caravans solche mit Schlüsselweite 19 mm; schon von daher ist die Erste Hilfe mit Bordmitteln aus dem Zugwagen zum Scheitern verurteilt.

Warndreieck und Warnweste sind im Zugwagen mit dabei, Ersatzrad und Unterlegkeile im Caravan. Im Fall der Fälle ist ein Radkreuz sinnvoll (Stichwort Schlüsselweite), ein paar Arbeitshandschuhe, stabile Brettchen oder Tellerunterlagen für den Einsatz auf weichem Untergrund und natürlich der passende Wagenheber. Um auch bei Dunkelheit beide Hände frei zu haben, ist eine Stirnlampe hilfreich.

Zur Unterbringung des Ersatzrades außerhalb des Deichselkastens bietet Alko übrigens eine Unterflurhalterung an, die mit dem Chassis verschraubt wird. Preis: ab 150 Euro.

Spezielle Caravan-Wagenheber

Höchst interessant sind die speziellen Wagenhebersets vom selben Hersteller. Sie sind für unterschiedliche Gewichtsklassen konzipiert und lassen sich zu Preisen ab etwa 155 Euro ebenfalls nachträglich am Caravanchassis anschrauben. Zusätzlich stützen sie noch den Unterboden ab. Das Besondere daran: Sowohl die Kurbelheber als auch die hydraulische Version werden in speziellen, am Chassis verschraubten Einstecktaschen oder Führungen sicher fixiert, damit der Caravan sie beim Anheben nicht wegdrückt.

Ausführung Wagenheber Foto: Dieter S. Heinz
Die Ausführung für hydraulische Stempel-Wagenheber für schwere Tandemachser.

Und so funktioniert's: Am besten bleibt der Hänger dazu mit kräftig angezogener Handbremse – auch im Zugwagen – und mit geöffneter Stabilisierungseinrichtung angekoppelt. Unterlegkeile sichern zusätzlich, denn Wegrollen könnte den Heber kippen lassen. Bei abgekoppeltem Hänger sollte das quergestellte Stützrad beidseitig mit Keilen fixiert werden, um Schwenkbewegungen zu minimieren. Zusätzlich Kurbelstützen absenken. Kleiner Hinweis: Diese eignen sich keinesfalls, um einen Caravan anzuheben, denn dafür ist die Bodenkonstruktion nicht ausgelegt. Sie könnte dabei Schaden nehmen.

Empfehlenswert ist es, vor dem Hochbocken die Radmuttern am defekten Rad etwas zu lockern, denn da steht der Caravan noch wackelfrei. Achten Sie darauf, dass jeder Wagenheber beim Anliften immer gerade steht. Ansonsten Lage korrigieren und zur Sicherheit nochmals von vorn beginnen.

Sitzt das Ersatzrad dann auf der Bremstrommel, werden die Radschrauben nur mäßig fest angezogen und erst, wenn der Caravan wieder auf eigenen Beinen steht, über Kreuz endgültig fixiert. Ideal ist es, wenn das Anzugsmoment zeitnah mit einem Drehmomentschlüssel überprüft wird. Unter Umständen kann unterwegs eine Tankstelle mit diesem Werkzeug aushelfen. Üblich sind Anzugsmomente zwischen 90 und 120 Nm; vorgeschriebene Werte stehen in der Bedienungsanleitung des Caravans. Nachlesen lohnt immer.

4 Tipps, um Reifenschäden zu vermeiden

Geringer Fülldruck Foto: Dieter S. Heinz
Luftdruck regelmäßig kontrollieren.

Reifen sind Hightech-Produkte, aufgebaut aus einer Vielzahl von Komponenten. Herstellungsfehler als Grund für Reifenschäden sind in der Regel äußerst selten. Hauptsächlich verursacht sie der Fahrer selbst. In erster Linie ist ein zu geringer Fülldruck und die damit verbundene thermische Überlastung zu nennen oder ein Klemmschock an der Bordsteinkante. Reifen haben ein Gedächtnis, sie heilen nicht von selbst, und innere Beschädigungen lassen sich meist nur schwer erkennen. Sind Fremdkörper in die Lauffläche eingefahren oder zeigen sich an der Flanke Schnitte, Beulen oder Risse, empfiehlt es sich, unbedingt einen Reifenfachmann zu konsultieren.Auch diverse andere Reifensünden können dazu führen, dass die Beine des Caravans schlappmachen.

  1. Zu geringer Fülldruck ist die Schadensursache Nummer eins, daher regelmäßig kontrollieren.
  2. Bordsteinkanten können Reifenflanken quetschen, daher immer stumpf anfahren.
  3. Reifenzustand hin und wieder kontrollieren. Eingefahrene Gegenstände führen zu schleichendem Luftverlust und schädigen den Unterbau. Alte Pneus sind ein Sicherheitsrisiko, daher rechtzeitig austauschen.
  4. Selbst der harte Strahl eines Hochdruckreinigers kann im Extremfall die Flanke schädigen, daher immer etwas Abstand halten.
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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