Von Deutschland nach Südtirol durch die Alpen

Unterwegs mit Auto und Dachzelt

Grödner Joch Foto: Axel Brunst 14 Bilder

Zwei Menschen, eine Idee: in die Berge fahren und einfach bleiben, wo es gefällt. Das geht auch ohne Wohnwagen-Gespann oder Wohnmobil – wenn man ein Auto mit Dachzelt hat. Die Route führte vom Bodensee, über Lichtenstein bis nach Südtirol.

Losfahren, Länder und Landschaften erleben, Berge besteigen und einfach „da draußen“ sein. Diese Idee wurde bald zu einem gemeinsamen Plan – unserem ersten gemeinsamen Roadtrip: wir zwei, eine Reise und hoffentlich sehr viele schöne Erlebnisse. Eigentlich sind wir beide weniger spontan, insbesondere nicht in Bezug auf die Reiseplanung. „Einfach losfahren“ ist für uns zuvor mit einigen Überlegungen verbunden. Weniger, weil wir befürchten, dass sonst etwas schiefgehen könnte (es kommt sowieso immer anders als geplant). Vielmehr wollen wir die limitierte Zeit bestmöglich nutzen.

Wo wollen wir eigentlich hin? In die Berge sollte es gehen, so viel stand fest. Wie wollen wir unterwegs sein? Wir spielten alle Möglichkeiten durch: Ein Wohnwagen oder Wohnmobil erschien uns zu groß und vor allem zu teuer. Ein Campingbus war unser Traum, aber ebenfalls zu kostspielig und ein gewöhnliches Zelt dann doch zu einfach und vor allem zu unflexibel. Es lief alles auf eine Option hinaus: ein Dachzelt als perfekten Kompromiss bei bestem Preis-Leistungs-Verhältnis. Vorausgesetzt, man besitzt bereits ein Auto, auf das es sich montieren lässt.

Vom Bodensee über Lichtenstein nach Südtirol

Unsere Vorfreude auf „richtige“ Berge erreichte ungeahnte Dimensionen. Doch gleich beim ersten Stopp in Bregenz am Bodensee müssen wir feststellen, dass die Campingplätze zu dieser Jahreszeit bereits ausgebucht sind. Wir entscheiden uns also spontan für einen Supermarktparkplatz. Im Lauf der Reise machen wir die Erfahrung, dass man so gut wie überall übernachten kann. Selbst mit Dachzelt, mit dem man schnell die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Man genießt so mehr Freiheit und immer einen Hauch von Abenteuer.

Liechtensteiner Panoramaweg Foto: Axel Brunst
Unser erstes großes Wanderziel: der Liechtensteiner Panoramaweg mit der Nummer 66. Diese Etappe führt vom Gasthaus Sücka in Steg zur Gaffadura-Hütte.

Nach dem kurzen Halt am Bodensee heißt unser nächstes Ziel Liechtenstein, ein Land, das sich mit den Worten „klein, aber fein“ sehr passend beschreiben lässt. Dort lassen wir unser kleines Zuhause für drei Tage stehen, um das Land zu Fuß zu durchqueren, entlang der „Route 66“. Der 48 Kilometer lange Wanderweg mit der Nummer 66 führt durch das komplette Fürstentum. Wir genießen die grandiosen Ausblicke und laufen uns warm für weitere Wanderungen im Alpenraum.

Von meinen Eltern kam der Tipp für unsere nächste Etappe, das Stilfser Joch in Südtirol. Sie hatten den atemberaubenden Pass damals noch mit ihrem BMW-Motorrad erklommen und erzählen noch heute regelmäßig voller Begeisterung davon. Nach einer erlebnisreichen Auffahrt, inklusive Schreckmoment, als ein Motorradfahrer in einer Kurve stürzte, halten wir auf einem Parkplatz mit Blick über den kompletten Pass. Wir entschließen uns, direkt vor Ort zu übernachten, beenden den Tag in Decken gewickelt mit frisch gekochter Thunfisch-Pasta und können uns nicht sattsehen am atemberaubenden Alpenpanorama.

An diesem Abend teilen wir uns den Parkplatz nur mit einem Rentner-Ehepaar, das mit seinem VW-Bus unterwegs ist. Das sind die Momente, nach denen wir gesucht hatten, der Grund, warum wir diese Reise überhaupt begonnen hatten. Überglücklich und dankbar dafür, diese Momente gemeinsam erleben zu können, und voller Freude über das einfache Leben „on the road“ legen wir uns schlafen.

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Kalter Bergsee statt warme Dusche

Nach einer recht kalten Nacht und einem wunderschönen Sonnenaufgang machen wir uns auf den Weg in Richtung Meran für eine lange, steile, aber lohnende Wanderung zu den Spronser Seen. Den Tagestrip teilen wir auf zwei halbe Tage auf, um eine Nacht in den Bergen verbringen zu können. Dafür haben wir noch ein kleines Zelt im Rucksack. Wir kennen die Vorzüge unseres Dachzelts, doch eine einsame Nacht in den Bergen ist eben doch etwas Besonderes. Anschließend wird ein Ruhetag auf einem Campingplatz fällig, wo das Auto aufgeräumt werden muss und fließend Wasser lockt. Eine so selbstverständliche Sache wie eine warme Dusche lernt man erst so richtig schätzen, wenn man tagelang ohne diesen Luxus verbracht hat und sich die Hygiene auf das Baden in kalten Bergseen und Bächen beschränkte.

Drei Zinnen Foto: Axel Brunst
Unterwegs fällt das Zelt auf dem Dach kaum auf, hier an den Drei Zinnen in den Dolomiten.

Weiter geht es über die Rosengartenspitze, inklusive einer sehr empfehlenswerten Wanderung zur Vajolethütte, und das Grödner Joch zu den Drei Zinnen. Hier übernachten wir im Dachzelt direkt am Berg: an der Rifugio Auronzo, dem Ausgangspunkt aller Wanderungen und Klettertouren. Weil die Dame an der Schranke vor dem Pass unser Gefährt nicht als Campingmobil erkannte, spart uns das Dachzelt wieder einmal bares Geld.

Langsam leeren sich die Parkplätze von den Touristenmassen, die jeden Tag um das Unesco-Weltnaturerbe pilgern. Wir kochen unser Abendessen, während wir den Sonnenuntergang beobachten und stellen uns mental auf eine eisige Nacht und einen frühen Start für unsere Klettersteigtour auf den Paternkofel ein.

Das Dachzelt als zuverlässiger Begleiter

Zugegeben, in solchen Höhen ist ein Dachzelt mit Sicherheit nicht die komfortabelste Möglichkeit, die Nacht zu verbringen. Jeden Morgen kostet es aufs Neue ein wenig Überwindung, aus dem kuschelig warmen Schlafsack in die kalten Klamotten zu steigen. Diese kleine Unannehmlichkeit nehmen wir im Tausch für all diese tollen Erlebnisse aber gerne in Kauf und hätten unsere Bleibe an dieser Stelle nicht gegen ein Wohnmobil tauschen mögen. Wir wollten es genau so. Das Dachzelt wird zu unserem kleinen, vertrauten Zuhause, das uns zuverlässig vor Sturm, Regen und der nächtlichen Kälte schützt, egal wo wir es für die Nacht aufklappen.

Begleitet vom Klimpern der Karabiner und im Schein der Stirnlampen wandern wir früh am Morgen los und beenden den langen Tag mit einer Kugel Schokoladeneis in Toblach – einfach paradiesisch.

Achensee Foto: Axel Brunst
Überwältigende Ausblicke – zwischen Seekarspitze und Seebergspitze am Achensee.

Unser nächstes Ziel ist Slowenien. Nach einiger Zeit auf Wanderschaft stellen wir fest, dass es manchmal auch angenehm sein kann, für mehrere Nächte an einem Ort zu bleiben. Für einige Tage richten wir uns deshalb auf einem Campingplatz in Ljubljana ein, erkunden die Stadt und tanken Energie für die weitere Reise. Die slowenische Hauptstadt wird in zweierlei Hinsicht zum Wendepunkt unseres Road-trips: Auf der einen Seite soll es von nun an in Etappen zurück in Richtung Heimat gehen. Und leider wird ab hier der Regen zu unserem ständigen Begleiter.

Wanderlust in den Beinen und Fernweh im Herzen

Unser nächster Stopp, der slowenische Triglav-Nationalpark, fällt wortwörtlich ins Wasser und wir fahren weiter nach Österreich – über den Ossiacher See zum Nationalpark Gesäuse – wo wir zwei Tage lang, in der Hoffnung auf besseres Wanderwetter, ausharren. Leider ohne Erfolg. Längst haben wir die Freiheit und Ungebundenheit, die Möglichkeit, einfach kurzfristig den Plan zu ändern, weiterzufahren und dann unterwegs einen passenden Schlafplatz zu suchen, enorm schätzen gelernt. Ein wenig Abenteuerlust gehört natürlich auch dazu, wenn man beim abendlichen Zähneputzen auf einem kleinen Waldparkplatz ganz plötzlich von einem großen Hirsch angeröhrt wird.

Die letzten Tage unserer Reise verbringen wir bei wechselhaftem Wetter mit Wanderungen am Hallstätter See, in Berchtesgaden und am Achensee, bevor wir uns dann für die letzte Nacht unserer Reise in einem Gasthaus in Mittenwald einquartieren. Auf diese Weise bereiteten wir uns nach drei Wochen im Dachzelt wieder auf ein „normales Leben“ vor. So bleibt auch Zeit, um unsere Reise Revue passieren zu lassen und festzustellen, wie sich in dieser Zeit die Wahrnehmung des „Normalen” geändert hat: Ein warmes Bett und ein festes Dach über dem Kopf ist zwar angenehm, aber vermisst hatten wir diesen Luxus kaum. Wir würden sofort wieder losfahren – mit nichts außer unserem Zelt auf dem Dach, Wanderlust in den Beinen und Fernweh im Herzen.

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