Mit dem Wohnwagen an die Toskana-Küste

Kultur und Meer

Reise: Toskana-Küste Foto: Udo Bernhart, Ulrich Kohstall (1), Fototeca ENIT/Vito Arcomano (1) 22 Bilder

Die Toskana ist Sehnsuchtsland für Caravan-Urlauber aus dem Norden. Meist denken sie dabei an liebliche Hügellandschaften und alte Kulturstädte im Landesinneren – dabei hat auch die Küste so viel zu bieten.

Die Autobahn von Genua in Richtung Süden kann auch den geübten Gespannfahrer ein bisschen nervös machen. Oft schmal und gerade mal vierspurig, mäandert sie durch das ligurische Küstengebirge, führt auf windigen Brücken über schwindelerregende Abgründe, um gleich danach wieder in einem von unzähligen Tunnels zu verschwinden. Nur selten ergibt sich ein Ausblick aufs Meer, was aber nicht weiter schlimm ist, der Fahrer muss sich ohnehin auf anderes konzentrieren: Lange Lastwagenkolonnen und dahinrasende Kleinwagenfahrer verzeihen keine Sekunde Ablenkung.

Das geht so bis zur Höhe von La Spezia – dort ändert sich die Szenerie wie auf Knopfdruck. Die schroffen Gebirgszüge des Apennins weichen zurück und machen einer freundlich hingestreckten Küstenebene Platz. Die Autobahnkurven werden weniger, der Highway verläuft nun als entspannte Gerade dahin. Rechter Hand glitzert das Meer, Pinien strecken ihre hellgrünen Kronen in den Himmel, und auf breiten Sandstränden flattern bunte Sonnenschirme in der sommerlichen Brise. Einmal tief durchatmen ... willkommen im Badeparadies Toskana!

Strandurlaub in der Toskana? Warum nicht!

Auch wenn die Region im Herzen Italiens vor allem durch ihr kulturreiches Binnenland bekannt ist, wo sich Weinberge mit Zypressenalleen und Olivenhainen zu fast schon klischeehafter Perfektion verbinden – Badeferien sind in der Heimat von Leonardo da Vinci und Dante ebenso schön. Knapp 330 Kilometer Küste, die meisten mit herrlichem Sandstrand, warten zwischen Marina di Carrara im Norden und Capalbio im Süden auf erholungsbedürftige Nordlichter. Verhältnisse wie an der Adria also? Nun, nicht ganz (und Kenner sagen: zum Glück!), denn im Unterschied zur gegenüberliegenden Stiefel-Küste sind einige der schönsten Toskana-Strände bis heute noch fast so etwas wie kleine Geheimtipps geblieben.

Durchorganisiertes Badeleben im Adria-Stil findet vor allem in der Versilia statt, wie die breite, goldgelbe Sandküste ganz im Norden heißt. Die hoch aufragenden Apuanischen Alpen, in denen schon zu Michelangelos Zeiten Marmor abgebaut wurde, bilden die wild-dramatische Kulisse, auch für das Seebad Forte dei Marmi mit seinen prächtigen Jugendstil-Villen unter Palmen und der eleganten Seepromenade. Um 1950 herum erwählte Gianni Agnelli mit dem italienischen Jetset im Gefolge den Ort zur Lieblings-Sommerfrische. Die glamouröse Attitüde hat heute noch Bestand und sich auch in Russland herumgesprochen, das mit reichlich Oligarchen ebenso zum sommerlichen Gewusel beiträgt wie italienische Klatschspalten-Protagonisten aus Fußball, Showbiz und konservativer Politik. Man trifft sich in luxuriösen Strandbädern wie dem von Formel-1-Manager Flavio Briatore gegründeten „Twiga Beach Club“, wo die Gäste im Schatten großzügiger Safarizelte auf weichen Day-Beds ruhen und beim Dahinschmelzen demokratischer Grundprinzipien zusehen können, wenn etwa die durchgestylte Abgeordnete der Berlusconi-Partei mit dem zigarrenrauchenden Chefredakteur einer (Berlusconi gehörenden) Tageszeitung Strandtennis spielt.

Toskana: Luxusstrände oder naturbelassene Geheimtipps

So was muss man mögen. Wer es nicht mag, fährt weiter nach Süden, der sogenannten Etrusker-Küste entgegen. Hier wirken die Strände und das Publikum deutlich naturbelassener, und so manch schöner Campingplatz samt Pinienwäldchen und Meerblick verspricht genießerische Urlaubstage. Die Reise könnte dorthin sich allerdings hinziehen, weil auf dem Weg so verlockende Städte wie das weltberühmte Pisa (den Blick auf den Schiefen Turm kann man schon von der Autobahn aus abhaken) und vor allem Lucca locken. Dieses Juwel mit seinen über 100 Kirchen, romantischen Gassen und gemütlich radelnden Einheimischen wird von einer vier Kilometer langen, komplett erhaltenen Stadtmauer umfasst, auf der man im Schatten von Pappeln und Ulmen wunderbar spazieren gehen kann.

Ohnehin ist es besser, man gewöhnt sich an die ständigen kulturellen Reize des toskanischen Hinterlands und baut sie von vornherein in den Ferienplan ein – vormittags schwimmen, nachmittags besichtigen. Die von duftenden Pinienhainen gesäumten Strände der Etrusker-Küste, die sich von Livorno bis nach Piombino erstreckt, eignen sich perfekt als Basis für Ausflüge in die Geschichte des alten Kulturvolks, das hier besonders viele Spuren hinterlassen hat. In dem uralten, imposant auf einem Felsplateau errichteten Volterra etwa gibt es ein schönes Museum dazu. Und bei Populonia, das gleich hinter der hinreißend schönen, weit geschwungenen Sandbucht des Golfo di Baratti liegt, locken eine gut erhaltene Nekropole sowie eine Akropolis.

Ein paar Kilometer weiter beginnt bereits die Maremma, die wilde und nur dünn besiedelte Hügellandschaft der Südtoskana mit langen, unter Naturschutz stehenden Stränden – ein Paradies für Liebhaber einsamer Spaziergänge. Auf der schönen Halbinsel Monte Argentario mit dem Bilderbuchhafen Porto Ercole sowie unterhalb des Dörfchens Capalbio, nur noch eine kurze Fahrt von der Hauptstadt Rom entfernt, füllt es sich dann wieder. Hier sonnt sich vor würzig duftender Macchia und in Strandbädern, die sich mit shabby Chic und leiser Jazzmusik in Szene setzen, bei einem guten Buch die linke Künstler- und Intellektuellenszene. In der Toskana findet eben jeder seinen Strand.

Die schönsten Orte in der Toskana

Carrara: Der 65.000-Einwohner-Ort ist das Zentrum des Marmorabbaus in den Apuanischen Alpen. Sein mittelalterlicher Dom ist einer der ersten Bauten, die ausschließlich aus dem kostbaren Stein errichtet wurden. Im Marmor-Museum erfährt man mehr über das traditionsreiche (und gefährliche) Handwerk. www.vacanzeinversilia.com

Viareggio: Ein lebendiges Badestädtchen mit kilometerlangem Strand, das sich noch viel vom türmchengeschmückten Charme der glanzvollen 20er Jahre bewahrt hat. Komponist Giacomo Puccini, der ganz in der Nähe lebte, verkehrte gern im Gran Caffè Margherita, das auch heute noch einen Besuch lohnt. www.comune.viareggio.lu.it

Lucca: Die mächtige Stadtmauer, zwölf Meter hoch und völlig unversehrt, stammt aus der Renaissance. Sie schützt eine der liebenswertesten Altstädte ganz Italiens. Besonders sehenswert: die ungewöhnlich geformte Piazza Anfiteatro, die großartige romanische Kathedrale und der barocke, üppig ausgemalte Palazzo Pfanner. www.luccatourist.it

Pisa: Heute ein beliebtes Fotomotiv, war Pisa einst eine mächtige Seerepublik. Zum Ensemble des berühmten Schiefen Turms gehör-n auch Dom und Baptisterium; die drei Bauwerke wurden im 11. und 12. Jh. begonnen und ergänzen sich zu einem spektakulären Anblick auf der weiten, grünen Wiese des Campo dei Miracoli. www.pisaunicaterra.it

Livorno: Die zweitgrößte Stadt der Toskana wurde im 16. Jh. von den Medici als „ideale Stadt“ angelegt und überrascht mit Wassergräben, Kanälen, Brücken und alten Befestigungen à la Fortezza Nuova und Fortezza Vecchia. Typisch für die Hafenstadt ist die leckere Fischsuppe „Cacciucco“. www.comune.livorno.it (nur auf Italienisch).

Argentario: Am Südzipfel der Toskana-Küste liegt die Halbinsel Argentario mit dem 635 Meter hohen Monte Telegrafo und dem Hafenort Porto Ercole. Der bietet alte Befestigungsanlagen aus spanischer Zeit, eine schöne Altstadt und gute Restaurants an der Hafenpromenade. Etliche Strände in der Umgebung. www.portoercole.com/de

CARAVANING-Tipps für die Region Toskana

Auf den Spuren der Etrusker: Woher sie kamen, wohin sie gingen, das ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Die Anwesenheit des Kulturvolks der Etrusker (denen die Toskana ihren Namen verdankt) in Mittelitalien ist ab etwa 1000 v. Chr. belegt. Zur Zeitenwende 1000 Jahre später war ihr Volk jedoch bereits wieder untergegangen – warum, ist nicht bekannt. Das etruskische Kernland (Etruria) befindet sich zwischen Tiber, Arno, Apennin und Tyrrhenischem Meer. Im Gebiet der toskanischen Küste lagen vier der zwölf etruskischen Stadtstaaten: Populonia, Bagno Roselle, Vetulonia und Volterra. Paradoxerweise ist vom Volk der Etrusker, die als große Künstler galten, heute vor allem das erhalten, was ihren Tod betrifft: geradezu prachtvoll ausgestattete Nekropolen, Hügel- und Felsgräber, Urnen und Sarkophage. Wichtige Ausstellungen und Museen gibt es unter anderem in Rom, Florenz und Volterra.

Super Tuscans: Das Dörfchen Bogheri, das leicht erhöht über der Etrusker-Küste liegt, ist durch seine Weine berühmt. Hier wurden in den 1970er Jahren die ersten „Super Tuscans“ gekeltert – Rotweine, bei denen sich die Winzer nicht an die durch das italienische Weingesetz vorgeschriebenen traditionellen Rebsorten hielten, sondern ungewöhnliche Traubenarten verwendeten. Diese Tropfen namens Sassicaia, Tignanello oder Ornellaia haben auch deshalb Geschichte geschrieben, weil sie Italien als Produzent von Spitzenweinen aus dem Schatten des lange übermächtigen Frankreich hervorholten.

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