Campingurlaub auf der Insel Rømø

Radfahren und Familienurlaub auf der Insel

Campingplatz Lakolk Foto: Lakolk/Diakrit 12 Bilder

Die Nordsee-Insel Rømø – im Grenzland zwischen Deutschland und Dänemark – liegt mitten im Weltnaturerbe Wattenmeer. Im Gegensatz zur mondänen Nachbarin Sylt kann man als Camper hier ganz in Ruhe die beeindruckende Natur erleben.

Er wird kommen. Es ist unausweichlich. Rücksichtslos, ungestüm und mit voller Wucht wird er uns erwischen. Und trotzdem bleiben wir wie angewurzelt stehen. Unheilvoll und faszinierend zugleich zieht uns diese schwarzblaue Wand in ihren Bann. Merkwürdig still ist es. Farben, wie auf einer Fototapete. Die Zeit scheint für die Kamera stillzustehen und hätte wahrscheinlich noch viel spektakuläreres Bildmaterial hergegeben, wäre da nicht diese erste starke Windböe gewesen, die mit voller Wucht nicht nur mein Rad umgeworfen, sondern uns auch daran erinnert hat, dass die Insel Rømø ebenso für kilometerlange Sandstrände wie auch für heftige Frühjahrsstürme bekannt ist.

Strand auf Rømø Foto: Klaus Schilling
Mit dem Rad entlang der Küste - das gefällt Klein wie Groß.

Nur einige hundert Meter vom Campingplatz entfernt, wollen wir unsere Strandabenteuer aber trotz Sturmwarnung mit dem Rad erleben. Mal auf das Auto verzichten und so richtig durchpusten lassen. Auch wenn es hier auf Rømø sogar erlaubt ist, mit dem Fahrzeug über den brettharten Sand bis zum Wasser zu fahren. Vor einigen Jahren galt das neun Kilometer lange westliche Ufer zwischen Lakolk im Norden und Sønderstrand im Süden als breiteste Autobahn Dänemarks.

Heute bildet sich in Ufernähe eine neue Dünenreihe. Rømøs Westküste wächst durch die kolossale Sandmenge, die die Nordsee dort draußen ablagert und Sylt schrumpfen lässt. Die Landschaft auf Rømø wird zwar vom Sand dominiert, umgeben vom Wattenmeer und der Nordsee ist die Inselnatur mit ihren Dünenheiden, Seen, Mooren und Salzwiesen aber äußerst abwechslungsreich. Und natürlich flach – die höchste Erhebung, der Høstbjerg, misst nur 19 Meter – ideal also, um mit dem Velo auf Erkundungstour zu gehen.

Mit dem Rad dem Wetter trotzen

Nicht ganz so ideal: der Gegenwind, der uns kalt und rücksichtslos ins Gesicht peitscht. Vorhin war es noch spannend und aufregend mit den Naturgewalten zu spielen. Erst mit vollem Körpereinsatz den orkanartigen Sturmböen trotzen, um sich dann in E-Bike-Geschwindigkeit regelrecht über den Strand blasen zu lassen.

Fahrradtour Foto: Klaus Schilling
Im Inselinneren sind Fahrräder das perfekte Verkehrsmittel. Die höchste Erhebung misst nicht einmal 2O Meter. Nicht ganz so ideal: der Gegenwind.

„Ich fliiieeege“, ruft unser Achtjähriger, die drohenden Regenwolken im Nacken, im Wettkampf mit den dahinjagenden Sandstrahlwolken. Die Euphorie schlägt genauso schnell um wie der Wind. Motzend und schimpfend treten wir in die schwarzblaue Wand, die sich lange nicht so faszinierend anfühlt, wie sie auf Bildern aussieht. Und trotzdem steigen wir nach ein paar Kilometern grinsend, nass bis zu den Fußzehen von unseren Rädern. Normalerweise hart gesottene Zelter, sind wir unendlich erleichtert, vor unserer trockenen Hütte zu stehen. Zimtschnecke an heißem Tee hat sich noch nie so gut angefühlt.

Das Wattenmeer – die größte Wildnis Europas

So turbulent das Frühjahr hier auch ist, bietet es uns doch die Möglichkeit, eines der atemberaubendsten Naturschauspiele an Dänemarks Nordseeküste zu beobachten. Wir fahren nach Tønder, Richtung Wattenmeer, und treffen uns dort mit Iver Gram. Er ist Natur-Guide bei dem Veranstalter Sort Safari und ein wandelndes Lexikon. Von ihm erfahren wir, dass das Wattenmeer von der Unesco den Status Welterbe bekommen hat, also so bedeutsam ist, dass es als „Erbe der Menschheit“ bezeichnet wird. Unsere Jungs schauen ungläubig. „Dieser Schlamm und Matsch soll was Besonderes sein?“ Die anschließende Lehrstunde hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Das Wattenmeer ist die größte Wildnis Mitteleuropas. Seine Natur weitgehend unberührt und intakt.

Seeland, Lolland, Falster & Møn in Dänemark
Inselhopping mit dem Caravan-Gespann

Durch die Dynamik der Naturkräfte werden Priele, Dünen, Salzwiesen und Sandbänke immer wieder neu geformt – Lebensräume für mehr als 10 000, zum Teil gefährdete Tier- und Pflanzenarten. „Wir brauchen die riesigen Mengen an Wattwürmern, Schalentieren und Fischen für das Wattbuffet. Jedes Jahr im Herbst und Frühjahr rasten immerhin bis zu 12 Millionen Zugvögel, um sich hier richtig satt zu fressen und Kraft für den Weiterflug zu tanken“, erklärt Iver geduldig. Uns wird klar, dass dieses grenzübergreifende Ökosystem sehr gut geschützt werden muss.

Geduld und eine gute Beobachtungsgabe brauchen wir auch auf unserer Vogelsafari – auf der Suche nach der Schwarzen Sonne. „Sort sol“ nennen die Dänen jenes Phänomen, das im Frühjahr und Herbst den Himmel verdunkelt. Zu riesigen Scharen kommen Hunderttausende Stare kurz vor Sonnenuntergang über ihren Übernachtungsplätzen zusammen. „Meistens sind es Jagdvögel wie Wanderfalken oder Habichte, die auf der Suche nach Beute die ruhenden Vögel aufschrecken“, flüstert Iver. Dann „tanzt“ eine kaum zu glaubende Vogelmasse riesige Formationen in den Nachthimmel.

Das Gold der Nordmeere

Manchmal haben Stürme doch auch etwas Gutes, denke ich mir. Von unserem Aprilhimmel ist am nächsten Tag jegliche Wolke geputzt. Klargespült und blau lockt er uns schon früh nach draußen. Wir haben schließlich viel vor heute. Abgesehen von Drachen steigen lassen und Beachvolleyball wollen wir nämlich auf Schatzsuche gehen. Durch den Sturm der letzten Tage sind Unmengen an Strandgut herangespült worden. Und ganz vielleicht finden wir ja zwischen rostigen Nägeln, alten Fischernetzen und Seetang ein Stück vom Gold der Nordmeere. „Die beste Gelegenheit, im Spülsaum Bernstein zu finden, ist nach einem ordentlichen Sturm, wenn der Meeresboden so richtig aufgewühlt ist“, erzählt uns Chiara, die ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr beim Naturcenter Tønnisgård auf der Ostseite der Insel macht. In dem reetgedeckten Kapitänshof kann man nicht nur viel Wissenswertes über Watt und Insel erfahren, sondern auch eine interaktive Ausstellung besuchen. Auf dem Programm stehen außerdem spannende Workshops wie Drachenbau oder Bernstein schleifen.

Auf der Suche nach Bernstein Foto: Klaus Schilling
Ist das wirklich Bernstein? Nach einem kräftigen Sturm steigen die Chancen, das Gold der Nordmeere zu finden.

„Die glänzen ja gar nicht“ stellt unser Jüngster enttäuscht fest. „Sehen eher aus wie Kandisbrocken“, erwidert der große Bruder nüchtern. „Wenn Bernstein lange überirdisch lagert, entsteht eine trübe, bröckelige Kruste, die man aber leicht wieder abschleifen kann“, so die FÖJlerin. Keine Stunde später polieren, schleifen und feilen unsere Jungs in der Werkstatt und hören gespannt Chiaras Erklärungen zu.

Dass Bernstein gar kein Stein ist, sondern ein Jahrmillionen altes Baumharz, lässt sie fragen, warum es dann aus dem Wasser kommt. „Das Harz ist aus Nadelhölzern ausgetreten und an der Luft schnell ausgehärtet. Durch Wasser, Eis und Brandung sanken gewaltige Mengen in tiefe Sedimentschichten ab, wo sie von Sand und Staub zugeschüttet wurden. Millionen Jahre später wurde es zu Bernstein. Und wo früher die ,Bernsteinwälder‘ standen, spülen die Meere heute immer wieder große Mengen des fossilen Harzes an die Küsten.“

Fisch und Krabben vom Kutter Foto: Klaus Schilling
Fisch und Krabben direkt vom Kutter, dazu leckere Pommes, das schmeckt Eltern und Kindern.

Besondere Schätze hat an dem Tag übrigens jeder von uns noch gefunden. Wunderbare Muscheln, ein schnuckeliges Café voller Antiquitäten, traumhafte Fotomotive oder das leckerste und größte Krabbenbrötchen aller Zeiten.

Nur den Bernstein haben wir unter all dem Treibgut nicht entdeckt. Macht nichts. Unser selbst poliertes Schmuckstück haben wir jetzt immer bei uns. Von Chiara um den Hals gehängt. Zur Erinnerung an Rømø – ein Stück Erdgeschichte für zu Hause.

Reise-Tipps für Rømø

Lage: Rømø gehört zu Dänemark und ist die südlichste Insel im dänischen Wattenmeer. Sie liegt etwa drei Kilometer nördlich von Sylt und ist über den Røm-Damm mit dem Festland verbunden.
Anreise: Am schnellsten ab z. B. Frankfurt über Hamburg, Flensburg, Røm-Damm nach Havneby. Oder über Sylt mit der Fähre von List nach Havneby.

Aktivitäten:

  • Geführte Wattexpeditionen, Vogel- und Botaniktouren, Krabbenfischen oder Bernsteinschleifen bietet das Naturcenter Tønnisgård an. Außerdem kann man in dem reetgedeckten Haus laufende Ausstellungen besuchen oder an interessanten Workshops wie Drachenbau teilnehmen. Havnebyvej 30, 6792 Rømø, www.tonnisgard.dk
  • Die gesamte Insel ist mit einem guten Netz an asphaltierten Radwegen versehen. Verleih über Rømø Cykler, www.romocykler.dk
  • Auf Rømø rasten im Frühjahr und Herbst Tausende Zugvögel. Der Veranstalter Sort Safari bietet geführte Touren vom Festland an: Slotsgaden 19, 6270 Tønder, www.sortsafari.dk

Essen:

  • Otto & Ani’s Fisk, Havnepladsen, 6792 Rømø, kleiner Fischimbiss direkt am Hafen, große Auswahl an Frischfisch, eigene Räucherei.
  • Holms Rogeri, Nordre Havnevej 1, 6792 Rømø, Restaurant mit eigener Räucherei. Sehr zu empfehlen ist das große Fischbuffet (freitags 18:00 Uhr).
  • Hattesgaard, Hattesvej 17, 6792 Rømø, nostalgisches Café mit hausgemachten Kuchen, Brot und frisch gemahlenem Kaffee.

Info: Touristenbüro, Juvrevej 6, 6792 Rømø, www.romo-tonder.dk oder www.visitdenmark.de


Campingplätze auf Rømø

Kommandørgårdens Camping 6792 Rømø (DK) 140 DKK/Nacht
First Camp Lakolk Strand 6792 Rømø (DK) 3 Bewertungen 25 EUR/Nacht
Romo Familie Camping 6792 Toftum (DK)
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