Frankreich-Tour mit Zelt: Camping-Roadtrip bis zum Atlantik

Frankreich-Campingtrip nach la Rochelle Roadtrip bis zum Atlantik

Zwei Wochen quer durch Frankreich wie zu Studienzeiten: Mit Auto und Zelt fahren wir an den Atlantik. Wir kommen durch viele liebliche Landschaften und erliegen dem Charme von La Rochelle.

Camping Frankreich Luitpold Leeb
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Eine Campingtour durch Frankreich bis an den Atlantik? Nur mit Auto und Zelt? Klingt hervorragend und eigentlich eher nach einem Trip von jungen Leuten ohne viel Budget. Aber auch wir reisen so von Campingplatz zu Campingplatz mit buntem Zelt und Peugeot-Cabrio.

In der Region Centre-Val de Loire sind wir wirklich beeindruckt: Vor uns erhebt sich Schloss Chenonceaux, das mit seinen Mauerbögen elegant den Cher überspannt. Während die Loire mit ihren prunkvollen Schlössern mitunter sehr herrschaftlich wirkt, findet man hier am Cher, einem Nebenfluss der Loire, eher eine aristokratische Leichtigkeit. Kein Wunder, dass sich Diana von Poitiers, die Geliebte von Heinrich II., sofort in dieses Wasserschloss verliebte und er es ihr 1.547 zum Geschenk machte.

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Die Bögen von Schloss Chenonceaux spannen sich elegant über den Fluss und machen es zu einem der schönsten Renaissance-Schlösser Frankreichs. Chenonceaux wird außerdem von einem prächtigen Schlosspark umgeben.

Entlang der Loire zum Azay-le-Rideau und bis Saumur

Unser Zelt ist natürlich weniger herrschaftlich, aber wir genießen alle Freiheiten, denn für uns und unser kleines Peugeot-Cabrio findet sich auf den zahlreichen Camping Municipal immer ein nettes Plätzchen – auch in der Hochsaison. Ohne festen Reiseplan cruisen wir parallel zur Loire weiter Richtung Atlantik, immer bereit für neue Entdeckungen.

So stoßen wir weiter im Westen auf Azay-le-Rideau, ebenfalls ein entzückendes Wasserschloss der Renaissance. Auf Pfahlrosten erbaut, ragt es mit seinen runden Ecktürmchen aus dem Fluss Indre heraus, umgeben von einem herrlichen Park, der uns bei einem kleinen Spaziergang sehr gut gefällt. Wir folgen der Loire und kommen nach Saumur, das harmonisch am Ufer des Flusses gelegen ist. Über der Stadtsilhouette erhebt sich das kastellhafte Schloss auf einem felsigen Hügel, und wir bummeln durch die quirlige Innenstadt.

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Die Stadtsilhouette von Saumur prägt der Doppelbau des Rathauses auf der einen und das kastellartige Schloss auf der anderen Seite.

Einen deutlich ruhigeren Eindruck macht die Vendée, durch die wir Richtung Südwesten rollen. So entdecken wir Fontenay-le-Comte, eine unspektakuläre Stadt, durch die der Fluss Vendée fließt, welcher der Landschaft den Namen gab. Malerische alte Wohnhäuser liegen am Ufer, der spitze Kirchturm von Notre-Dame markiert das Zentrum, wo wir auch ein nettes Café finden, ideal um weitere Pläne zu schmieden.

Vom Marais Poitevin bis zur Île de Ré

Es zieht uns weiter Richtung Atlantik, vorbei am Marais Poitevin, einem teilweise trocken gelegten Sumpfgebiet, das von zahlreichen Kanälen durchzogen wird. Im westlichen Teil unweit des Atlantiks liegt Marans, ein kleiner Ort, der uns mit seinen Kanälen und kleinen Brücken fast schon ein bisschen an Venedig erinnert. So angelockt wollen wir jetzt auch ans Meer und fahren auf die Île de Ré, deren Hauptstadt Saint-Martin-de-Ré auch als das Saint-Tropez des Atlantiks gilt.

Gut, das haben wir unterschätzt, denn zum ersten Mal auf dieser Tour finden wir keinen freien Campingplatz mehr. Kein Problem, mit unserem kleinen Zelt und dem Cabrio sind wir ja maximal flexibel und landen nach einer kurzen Fahrt in Surgères, wo wir einen netten Zeltplatz ganz in Zentrumsnähe finden.

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In Saint-Savinien freuen sich zahlreiche kleine Kapitäne über die vielen Dampfer aus Liliput, die sie hier steuern dürfen.

Auf der Weiterfahrt nach Süden merken wir schnell, dass es auch in der Saintonge einiges zu entdecken gibt. In Saint-Savinien kommen wir uns plötzlich vor wie in Liliput, als ein Mini-Raddampfer an uns vorüberfährt. Bei genauerem Hinsehen entdecken wir auch noch Mini-Leuchttürme an dem kleinen See und erfahren, dass das alles zu dem Port Miniature gehört, wo Eltern und Nachwuchskapitäne mit allen möglichen Dampfern herumschippern können.

Die nächste Überraschung erwartet uns in Port d’Envaux, einem kleinen Ort, wo uns an fast jeder Ecke total lustige Vogelscheuchen begrüßen. Wie wir erfahren, findet hier ein Vogelscheuchen-Festival statt, für das die Schüler hier einige Dutzend dieser witzigen Gestalten aus Recycling-Material gebastelt haben.

Dann zieht es uns doch noch mal in Richtung Meer, und über Saintes, die Hauptstadt der Saintonge mit ihrer hübschen Kathedrale, kommen wir nach Rochefort, nahe der Mündung der Charente. Auf dem kleinen Camping le Bateau gibt es noch jede Menge Platz, und im Marinearsenal der Stadt, die einmal die größte Werft Frankreichs war, besichtigen wir einen Nachbau der Fregatte Hermione.

Angekommen in La Rochelle

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Prima, das Zelt steht, und es ist Zeit, mit einem Bierchen darauf anzustoßen.

Der Marquis de La Fayette segelte mit dem Original 1780 nach Boston, um die amerikanischen Kolonisten bei ihrem Unabhängigkeitskampf zu unterstützen. Bekannter wurde aber ein anderer Weltreisender aus Rochefort, Michel Begon, der eine Blume mitbrachte, die nach ihm benannt ist: Die Begonie. Deswegen gibt es hier auch ein Gewächshaus mit der bedeutendsten Begonien-Sammlung des Landes. Wir folgen der Küste nach Norden und freuen uns auf die Hauptstadt der Charente-Maritime, das legendäre La Rochelle. Am alten Hafen reiht sich ein Café ans andere. Vom Meer, wo die beiden Türme Tour St-Nicholas und Tour de la Chaine die Einfahrt bewachen, weht eine leichte Brise und erinnert an die erfrischende Präsenz des Ozeans.

Wir ergattern einen Platz im Café Leffe, wo man bei einem Glas des gleichnamigen belgischen Biers oder einem Cappuccino gemütlich das Treiben am Hafen beobachten und den Tönen der Straßenmusikanten lauschen kann, die hier ihr Geld verdienen. Anschließend bummeln wir an den verschiedenen Hafenbecken und dem alten Leuchtturm vorbei und bewundern die Streetart-Künstler, die die alten Hallen mit künstlerischen Graffitis besprühen. Spontan entschließen wir uns zu einer Fahrt mit dem Riesenrad am Rande des Hafens, und tatsächlich hat man von oben einen herrlichen Blick über die Altstadt bis weit hinaus auf den Ozean.

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Die Fischerboote belegen in La Pallice ein ganzes Hafenbecken. Von hier kommt der frische Fang für die Restaurants von La Rochelle.

Die Verbundenheit La Rochelles mit dem Meer kann man auch auf einer Bootstour erleben, und wir schippern mit einem Ausflugsboot nach La Pallice, dem großen Hafen von La Rochelle. In der Ferne grüßt Fort Boyard, eine napoleonische Küstenfestung, die durch die beliebte Fernsehshow bekannt wurde, bevor wir in den Fischereihafen steuern. Hier haben zahlreiche bunte Fischkutter festgemacht: Kein Wunder, dass in La Rochelle immer so leckere Fische und Meeresfrüchte auf dem Speiseplan stehen.

Durch eine Schleuse geht es zum nächsten Becken, hinter dem monströse Zeugen des Zweiten Weltkriegs auftauchen: die deutschen U-Boot-Bunker mit ihren mehr als sieben Meter dicken Decken aus Stahlbeton, die auch durch schwere alliierte Luftangriffe nicht zerstört werden konnten. Immerhin dienten sie noch als perfekte Kulisse für den Film "Das Boot". Heute wird hier grüner Strom erzeugt, denn die Decken wurden mit Solaranlagen bestückt.

Wir bummeln noch einmal durch die Altstadt, genießen einen weiteren Café au Lait im Café de la Paix, das schon George Simenon, Erfinder von Kommissar Maigret, geliebt hat, und am Hafen heißt es dann: Adieu ihr Türme, wir müssen langsam an die Heimreise denken, einfach Richtung Osten und ohne Stress, weil wir ja wissen, dass sich für uns und das Zelt immer ein nettes Plätzchen findet.

Camping Municipal

Noch mehr Impressionen aus Frankreich: Mit Zelt und Auto an den Atlantik

Sarlat-la-Canéda in Frankreich
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Sarlat-la-Canéda in Frankreich Mit dem Auto quer durch Frankreich Zelten in Frankreich Basilika Notre-Dame d´Orcival 14 Bilder

Selbst in der Hochsaison kann man günstig auf den Camping Municipal, also kommunalen Campingplätzen, übernachten. Es gibt über 2.000 solcher Plätze in Frankreich, auf denen man (außer vielleicht in touristischen Hotspots) immer eine Stellfläche finden kann, die für zwei Personen pro Nacht kaum mehr als 20 Euro kostet. Kein unnötiger Luxus, aber man findet alles Notwendige und hat häufig den Vorteil einer sehr zentralen Lage, dank der das jeweilige Ortszentrum in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar ist.

Fazit

Am Ende wissen wir: Jene Freiheit, wie wir sie aus unseren Reisen in Studentenzeiten kennen, kann man auch heute noch erleben. Die spontane Suche nach einem Campingplatz klappt selbst ohne Smartphone-Hilfe. Als wir bei Saint-Émilion tatsächlich einmal auf einen ausgebuchten Platz trafen, fand sich drei Kilometer weiter eine gute Ausweichlösung. Und Zelten macht einfach Spaß. Nur manchmal meldet der Rücken am Morgen, dass wir eben doch keine 20 mehr sind.

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