So klappt's mit dem Winterurlaub im Caravan
Wintercamping mit Wohnwagen
Winter-Wohnwagenreise Nordkap Alexander Schwenkter
Winter-Wohnwagenreise Nordkap
Winter-Wohnwagenreise Nordkap
Winter-Wohnwagenreise Nordkap
Winter-Wohnwagenreise Nordkap 25 Bilder

Vierwöchige Wohnwagenreise bis zur Arktis

Einmal Nordkap und zurück

Dass abenteuerreiche Winterreisen auch mit Wohnwagen funktionieren, beweist Alexander Schwentker. Mit Hobby-Wohnwagen am Haken ist der 41-jährige fast 8000 Kilometer einmal zum Nordkap und zurückgefahren.

„Ich bin schon immer ein Sonderling gewesen und gegen den Strom geschwommen. In meiner frühen Jugend bin ich damit immer angeeckt,“ erzählt Alexander Schwentker. Mittlerweile haben er und seine unkonventionellen Ideen allerdings Fans gefunden, wie seine Facebook-Follower beweisen.

Unter „Long Way North 2” teilt er auf Facebook seine außergewöhnliche Winterreise von Mitte Januar bis Mitte Februar 2020. Der Name ist angelehnt an seine Lieblingsfilmdokumentation “Long Way Round” über eine Motorrad-Weltreise mit Ewan McGregor und Charley Boorman. Schwentkers Route führt hoch in den Norden mit einem Hobby-Audi-Gespann.

Bereits vor 5 Jahren begab sich Alexander Schwentker auf eine ähnliche Tour nach Skandinavien. Deshalb trägt diese Reise die Nummer 2 im Titel. Damals kam er jedoch nur bis nach Fauske in Norwegen. 950 Kilometer vor dem Nordkap war Schluss mit der Reise: „Aus Rücksicht auf meine damalige Lebensgefährtin bin ich nicht weiter in den Norden gefahren. Aber eigentlich wollte ich schon immer, seit ich ein Teenager war, zum Nordkap.”

Warum mit dem Caravan ans Nordkap?

Was Schwentker beim Reisen immer vermisst hat, war das Zuhause-Gefühl. Unterwegs sein im Pkw mit dem eigenen Caravan bedeutet für ihn: “Die Vertrautheit des eigenes Zuhauses ein paar tausend Kilometer vom gewöhnlichen Standplatz entfernt, inmitten einer unwirklichen anderen Welt – das ist für mich eines der schönsten Gefühle, die ich kenne.”

Der Caravan ist nicht nur sein Urlaubsgefährt, sondern tatsächlich sein Zuhause. In Nauen bei Berlin betreibt er einen Handels- und Servicebetrieb für Ford Mustangs der 1960er Jahre. Nach der Trennung von seiner Partnerin im Jahr 2015, beschloss der Brandenburger seinen Hauptwohnsitz in den Wohnanhänger zu verlagern.

Winter-Wohnwagenreise Nordkap
Alexander Schwenkter
Bevor es auf die große Reise von Januar bis Februar 2020 ging, lag einiges an Vorbereitung vor Alexander Schwenkter.

Wohnwagen und Zugwagen für Winterreise nachgerüstet

Ein doppelachsiger Hobby Premium 660 WFU ist das Zuhause von Alexander Schwentker. Den Caravan mit großem Heckbad und Bugsitzgruppe hat er von 2,0 auf 2,4 Tonnen aufgelastet und weitere Nachrüstungen vorgenommen. Besonders technische technische Optimierungen sind für den Schweißer und Profitüftler wichtig: hydraulische Hubstützen, Alde-Warmwasserheizung, Fußbodenheizung, Klimaanlage mit Heizfunktion, zwei Lithium-Ionen-Aufbaubatterien, Ladebooster und -regler, Wechselrichter, beheizter Grauwassertank, in den Innenraum verlegte Abwasserleitung, Frischwasseraufbereitungsanlage, Solarpanel, Isolierung von Kofferraum und Gastenkasten. Um das Camperleben noch behaglicher zu machen, ist der Hobby-Wohnwagen unter anderem mit Backofen, Mikrowelle, Spülmaschine, 32-Zoll-TV und WLAN-Router ausgestattet.

Auch das Zugfahrzeug, ein Audi A6 3.0 TDi Allroad Quattro von 2007, wurde für die Tour gerüstet: mit Spikereifen, einer Standheizung und einer großen AGM-Batterie. Außerdem kamen Ersatzreifen aufs Dach und die Ladeleitung für den Anhänger wurde erneuert. Um auch bei kältesten Temperaturen verlässlich zu fahren, hat Alexander Schwentker außerdem alle Dichtungen mit Hirschtalg behandelt und das Motoröl gegen 0W30 getauscht, das bei Kälte ein besseres Fließverhalten aufweist.

Wieviel genau der Brandenburger über die Jahre seit seiner ersten längeren Reise, dem Umzug und dem jetzigen Abenteuer für sein Wohnwagen-Gespann ausgegeben hat, ist schwer zu sagen. Als Werkstattinhaber konnte er den größten Teil in Eigenregie nachrüsten. Er vermutet, dass er um 20.000 Euro on top in Zugwagen und Caravan investiert hat.

Der Wohnwagen ermöglicht Abenteuer

Winter-Wohnwagenreise Nordkap
Alexander Schwenkter
Knapp 5 Tonnen wiegt das gesamte Gespann mit Hobby-Wohnwagen und Audi-Zugwagen.

Aufgrund der anhaltenden Dieseldiskussion kam für den 41-jährigen nie ein Wohnmobil in Betracht, da er auch mit dem Wohnwagen-Gespann autark ist und vor Ort die Flexibilität seines abgekoppelten Pkws schätzt. Trotz der vielen nachgerüsteten technischen Annehmlichkeiten reduziert sich der Lebensraum im Caravan – doch genau das schätzt Alexander Schwentker. Denn so hat er mehr Platz für Reisen und Abenteuer in seinem Leben: „Der Weg ist das Ziel. Einfach irgendwohin zu fliegen, ist mir zu trivial. Ich will mir das verdienen.“

Der Weg in den Norden führt ihn über Polen, Littauen, Lettland, Estland und mit der Fähre nach Helsinki, Finnland. Eine aufregende Route bringt ihn und seine neue Reisebegleiterin Silvana durch die stark zerklüftete Seenlandschaft und bis in die märchenhafte Region Inari in Lappland. Von dort geht es etwas westlich durch eine kurze Einöde, um dann nördlich durch die traumhafte, norwegische Provinz Finnmark Richtung Nordkap zu führen.

Long Way North 2: Ziel Nordkap

Rund zwei Wochen dauert es den nördlichsten Punkt des europäischen Festlands zu erreichen. Unterwegs haben Alexander und Silvana viel erlebt und gesehen. Zu den schönsten Momenten gehört das Treffen in Vesterålen mit Sandra und Guido, die im Campingbus ebenso in Richtung Nordkap unterwegs waren.

Winter-Wohnwagenreise Nordkap
Alexander Schwenkter
Besonders in Erinnerung bleibt das Treffen mit Sandro und Guido auf Vesterålen.

Doch auch von brenzligen Situationen bleiben sie nicht verschont. Zwischendurch machen der Generator und die Anhängerbeleuchtung schlapp, Fenster und Aufbau werden stellenweise undicht – das sind allerdings noch die kleineren Probleme.

Schwentker berichtet von einer windigen Nacht, in der sie an einem ungeschützten Ort campen. Der kalte Wind sorgt über Nacht dafür, dass die Gasflaschen unterkühlen und die Heizung nicht mehr richtig funktioniert. Dies kann bei minus 15 Grad schnell sehr bedrohlich werden. Was der Brandenburger daraus gelernt hat? „Ich führe immer die wichtigsten Werkzeuge mit, auch ein Diagnosesystem, das mit dem Handy funktioniert, ist dabei. Außerdem immer vorrätig sind diverse Flüssigkeiten, Spezialklebeband, selbstverschweißendes Band, Kabelbinder, Sprühöl, Silikonspray, Türgummipflege, ausreichend Enteiserspray und Streusalz gegen festgefrorene Stützen.“ Am Ende ist alles gut gegangen und der 41-Jährige hat sich seinen Traum von Nordkap mit Wohnwagen am Haken erfüllt.

Als sie final das Nordkap erreichen, kann er es kaum glauben: „Wir schossen die ersten Fotos. Alles war überlaufen. Also gingen wir erstmal hinein um Souvenirs zu kaufen, als mir plötzlich ein dicker Kloß im Hals wuchs. Ich hielt einen Moment inne. Wir hatten es tatsächlich, trotz aller Unwetter, Kilometer, Kälte, technischer Herausforderdungen geschafft. Ich habe den riesigen und 4,9-Tonnen-schweren Zug entgegen allen Spots und Hohn sicher bis hierher gefahren.“

Das Reisen gehen weiter

Neben einem Hobby-Wohnwagentreffen im Harz, möchte Alexander Schwentker gerne mit seinem 1966er Mustang im Sommer nochmal zum Nordkap. Vielleicht verschlägt es ihn mit Gespann auch in den Süden. Mehr zur der Winter-Wohnwagenreise und über seine Abenteuer gibt es hier.

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