CARAVANING DIY-Projekt: Ferdinand Fendt

Redaktions-Dauertester Fendt Platin 510 TF

Ferdinand Fendt Platin 510 TF Foto: Philipp Heise 18 Bilder

Wir haben uns einen gebrauchten Caravan für Do-it-yourself-Episoden angeschafft. Der Wohnwagen ist ein Fendt Platin 510 TF aus dem Jahr 2000 und er heißt Ferdinand Fendt.

Wie viele Ideen für gute Geschichten begann auch Ferdinands Weg in die Redaktion mit Ingo Wagners Worten: „Was haltet ihr eigentlich von …?“ Resultat: Einstimmig angenommen! Denn wie Sie, liebe Leser, wissen, arbeiten wir im Redaktionsalltag hauptsächlich mit Fahrzeugen, die kaum älter sind als ein paar Wochen.

Ein gebrauchter Wohnwagen, der bereits mehr als ein Jahrzehnt aktives Camping hinter sich hat, bietet da gänzlich andere Möglichkeiten, die sich in praxisnahe Do-it-yourself-Artikel verwandeln lassen. Also lautete der Auftrag: einen guten, aber nicht zu guten gebrauchten Caravan bis maximal 5500 Euro zu finden, mit dem wir Nachrüst-, Reparatur- und Optimierungsgeschichten machen können. Eine weitere Vorgabe war ein möglichst gebräuchlicher Grundriss mit vier Schlafplätzen, von denen zwei auch ein Umbaubett sein dürfen. Nachdem diese Eckpfeiler abgesteckt waren, ging es auf die digitale Pirsch. Einen mittelgroßen Reisecaravan in gutem Zustand, des Baujahrs „um die Jahrtausendwende“ zu finden ist zwar nicht ganz einfach, aber zum Glück auch nicht unmöglich.

Warum ein Fendt-Caravan als Dauertester?

Die Entscheidung für einen Fendt wurde vor allem von zwei Faktoren geprägt: Die größte Rolle spielte Ihr Ranking bei unserer Leserwahl, das der Marke seit Jahren klassenübergreifend Spitzenplätze beschert. Der zweite, zugegeben eher subjektive Faktor ist der solide und robuste Möbelbau, der wirkt, als würde er locker 70 Jahre überstehen.

Ferdinand Fendt Platin 510 TF Foto: promobil
Nur 2,30 Meter breit, ist der Platin 510 TF zum Reisen gemacht.

Neben einigen bereits auf den Anzeigebildern verwohnt wirkenden Exemplaren tauchte eines Tages ein Fendt Platin 510 TF in nur 30 Kilometern Entfernung auf: Der Anzeigentext „Baujahr 2000, erste Hand, sehr gepflegt, neue HU und Gasprüfung, zwei passende Vorzelte, steht altersbedingt zum Verkauf“ verstärkte unser Interesse deutlich. Zumal die Raumaufteilung mit Doppelbett und zweigeteiltem Bad im Heck auch heute noch sehr gebräuchlich ist.

Die einzige Hürde war der ausgeschriebene Verkaufspreis von 6800 Euro. Trotz der Differenz bei der Verhandlungsbasis wurden wir uns aber nach drei Telefonaten einig, dass wir das Fahrzeug für 5500 Euro ohne Vorzelte bekommen, wenn die Enkeltochter, 19 Jahre jung und somit quasi in Opas Fendt aufgewachsen, das Vorkaufsrecht bekommt, sollten wir uns je wieder von ihm trennen.

Ferdinand Fendt Platin 510 TF Foto: Philipp Heise
Auf der Straße lässt sich der Fendt Platin 510 TF mustergültig bewegen. Für die angestrebte 100-km/h-Plakette fehlen ihm aber noch ein paar neuere Reifen.

Der Zustand beim Kauf

Die anschließende Besichtigung vor Ort offenbarte, was die Inseratsfotos angedeutet hatten: 19 Jahre unter freiem Himmel hinterlassen deutliche Spuren auf der Außenhaut. Die Fendt-Logos an Bug und Heck haben den Kampf mit der Witterung weitestgehend verloren und auch das schicke blaue Dekor hat schon bessere Tage gesehen. Von einem bewegten Camperleben zeugen zudem einige Beulen auf den Hammerschlag-Seitenwänden, ein leichter Hagelschaden auf dem Dach und ein mit Panzertape geklebter Radlauf.

Wirklich wichtig sind bei einem Gebrauchten aber vor allem die Dichtigkeit und der Zustand des Innenraums – und damit konnte der Platin 510 TF letztendlich überzeugen. Alle vier Ecken sowie der Rest des Unterbodens machen einen guten bis sehr guten Eindruck.

Und auch die Inneneinrichtung ist abgesehen von den aus der Mode geratenen Polstern picobello. Überraschend reichhaltig ist zudem die Ausstattung der damals zweithöchsten Fendt-Klasse. Bestes Beispiel ist die Küche: Mit Mikrowelle, Apothekerauszug, zweiteiligen Oberschränken, Gewürzregalen, Vitrine und zwei eingelassenen Mülleimern braucht sie sich vor aktuellen Modellen nicht verstecken. Zumal das Klappkonzept der Arbeitsfläche genial flexibel ist. Weitere Ausstattungshighlights sind eine Therme nebst Duschvorrichtung, die ebenso an Bord sind wie eine TV-Einspeisung in der Stromdose.

Ferdinand Fendt Platin 510 TF Foto: Philipp Heise
Auch ohne Berücksichtigung des 90er-Jahre-Musters sieht man den Polstern ihr Alter an. Der solide Möbelbau wirkt dagegen fast neuwertig.

Wer sich nach diesen Schwärmereien nach dem eingangs erwähnten „nicht zu gut“ fragt, wird ebenfalls fündig: Der Schlosssatz ist nicht mehr original, der Heckleuchtenträger weist unschöne Ablösungen auf und das Frischwassersystem fleht um Grundreinigung. Berücksichtigt man weiterhin leichte Undichtigkeiten an beiden Waschbecken, eine nicht ganz standfeste Tischplatte und einen Unterbaukühlschrank, der den Gasbetrieb verweigert, finden sich genügend Ansatzpunkte, den Fendt auf- und umzurüsten. Bald darf er mit neuen Reifen zum ersten Mal in der 100-km/h-Klasse mitspielen.

Fendt Platin 510 TF im Überblick

Erstzulassung: 04/2000
Grundpreis: 28.930 DM/14.792 Euro
Aufbaulänge/-breite: 5,65/2,30 Meter
Masse fahrbereit: ca. 1256 kg
Zul. Gesamtmasse: 1500 kg
Maximale Auflastung: 1500 kg
Schlafplätze: 2+2

Technische Daten

Aufbau
Sandwich-Bauweise, integrierter Deichselkasten für Gasflaschen und Reserverad, zweiteilige Aufbautür mit abgesenktem Einstieg.

Bordtechnik
Gasheizung Trumatic S 3002 mit Thermostat und Zündautomatik, rollbarer Frischwassertank 22 L, Kühlschrank 80 L mit Gefrierfach.

Chassis
Vollverzinktes System-Leichtbau-Chassis mit Euro-Achssystem. Rückfahrautomatik, Antischlingerkupplung AKS 2004.

Ausstattung
Küche: 3-Flammen-Kocher mit Zündsicherung, Unterbaukühlschrank, Besteckschublade, Apothekerauszug, Geschirrkorb, Mikrowelle, Vitrine im Oberschrank, Gewürzregal, zwei integrierte Mülleimer.
Wohnbereich: 2 Polstervarianten. Automatik-Scheren-Hubtisch, Staukästen mit Ablageflächen, Schuhklappe in Sitztruhe.
Isolierung und Belüftung: Hebekippdachfenster mit Fliegenrollo, vollisolierte Radkästen, Ausstellfenster, Rastrollos, Doppeldachlüfter mit Zwangsentlüftung und integriertem Verdunklungs- und Fliegenrollo, belüftete Staukästen

Das fiel uns bisher auf

 Ambientebeleuchtung zur Jahrtausendwende: einzelne Glühlampen in Reih’ und Glied.
 Üppige Platzverhältnisse: Ein Wäsche- ergänzt den Kleiderschrank in der Fahrzeugmitte.
 Entnehmbarer Frischwassertank mit eigener Serviceklappe auf der Caravan-Rückseite.
 Der erste Schwung Spülwasser offenbarte den Reinigungsbedarf im Frischwassersystem.
 Beide Dämpfer des zentralen Heki sind altersmüde und halten das Fenster nicht mehr.
 Eine Undichtigkeit am Spülenablauf lässt nach und nach das Besteckfach volllaufen.

Ihre Ideen sind gefragt! Was denken Sie? Welche Umbauten würden Sie vornehmen, wenn es sich bei unserem Ferdinand um Ihren Caravan handeln würde? Gibt es ein Do-it-yourself-Projekt, das Sie schon länger vor sich herschieben? Dann schreiben Sie uns unter: altercaravan@caravaning.de

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