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Vergleichstest Einsteiger-Caravans

Weinsberg Caratwo vs. Bürstner Premio Life

Caravarning hat typische Verteter im zweier-Vergleichstest unter die Lupe genommen. Foto: Ingolf Pompe, Dieter S. Heinz 34 Bilder

Die Einsteigerklasse lockt mit attraktiven Preisen. Doch kann sie halten, was sie verspricht? CARAVANING hat typische Vertreter, wie den Bürstner Premio Life und den Weinsberg Caratwo, im Zweier-Vergleichstest unter die Lupe genommen.

29.08.2017 Philipp Heise

Seien Sie dabei, wenn es heißt: „Der Preis ist heiß!“, forderte das Fernseh-Intro der gleichnamigen Nachmittagssendung bis 1992. Im wahren Leben bekommt man selten etwas geschenkt, daher spielt der Anschaffungspreis in der Camping-Einsteigerklasse für viele eine entscheidende Rolle. Bereits ab 10.980 Euro kann man einen Weinsberg Caratwo 390 QD sein Eigen nennen. Bürstner setzt seinen Premio Life 420 TS mit einem Grundpreis von 11.695 Euro zwar etwas höher an, bietet dafür aber auch die etwas größere Grundfläche. Mit den angebotenen Basisausstattungen lassen sich indes nurr udimentäre Camperbedürfnisse abdecken. Wer auf mehr Praxisnähe Wert legt, kommt um einen zweiten Blick in die Preislisten nicht herum. Hier offerieren beide Hersteller sinnvolle Extras, gebündelt in Ausstattungspaketen oder einzeln als Sonderausstattungen.

Test-Caravans liegen unter 15.000 Euro

Der zum Vergleichstest angetretene Weinsberg rollt beispielsweise mit dem Smart-Paket für 695 Euro (Stabilisierungseinrichtung, Kombirollos, Umluftgebläse) und dem sinnvollen Advanced-Paket für ebenfalls 695 Euro (große Dachluke, Truma Therme, Fliegenschutztür, Dusche und Abwasser-Rolli) auf den Hof. In Summe mit einigen weiteren Extras klettert der Preis für den Weinsberg Caratwo so auf 13.397 Euro.

Bei der Preisfrage setzt der ebenfalls ausstattungs- und paketbeladene Bürstner Premio Life noch einen drauf und knackt die 14.000-Euro-Marke. Im Testwagen sind dann aber schon das Premio Life Paket 1 für 499 Euro (AKS, Ersatzradhalter,Serviceklappe, Stoßdämpfer) und das Premio Life Paket 2 für 990 Euro (große Dachluke,Fliegenschutztür, Umluftgebläse, Therme) enthalten. Neben Auswirkungen auf den Preis haben die Ausstattungspakete natürlich auch Einfluss auf das Gewicht. Als Ausgleich bieten beide Hersteller sinnvolle Auflastungen von 1100 auf 1350 beziehungsweise 1360 Kilogramm an, um ausreichend Reserven für das Reisegepäck zu schaffen.

Die hohen Heckleuchten haben Vorteile bei der Sichtbarkeit, können im Schadensfall aber nur als Ganzes getauscht werden. Foto: Ingolf Pompe, Dieter S. Heinz
Bürstner Premio Life 420 TS in der Heckansicht.

Wenig Spektakuläres lässt der Aufbau in der Einstiegsklasse erwarten, und selbst die in hagelresistentem GfK ausgeführten Dächer setzen wir heute eigentlich als Standard voraus. Während Weinsberg mit 31 zu 28 Millimeter die etwas stärkeren Wände baut, zieht Bürstner das GfK dafür zusätzlich über Front und Heck. Der Caratwo hat in diesen Bereichen empfindliches Glattblech.

Bei den Heckleuchtenträgern liefern beide Hersteller nur eine einteilige Ausführung. Kommt es hier zu einem Schaden, muss der gesamte Träger ersetzt werden. Etwas oberhalb der Rückleuchten sind klassische Rangiergriffe montiert, die beim Bürstner einen etwas besseren Eindruck hinterlassen. Ähnlich gehen beide Hersteller an die Konstruktion der Gaskästen heran – beide Deckel sind aus zweischaligem Kunststoff gefertigt und mit Zweipunktverriegelungen ausgestattet. Beide schließen sicher. Über den etwas breiteren Zugang des Caratwo lässt sich das benötigte Equipment leichter verstauen, dafür kann der Premio Life mit seiner kratzunempfindlichen Bodenplatte aus Aluriffelblech punkten. Im Gegensatz zum Bürstner hat der Weinsberg Fensterriegel mit Sperrknöpfen. Das ist lobenswert. Die Positionierung des optionalen Badfensters verspielt den Bonus aber sogleich wieder, denn die Platzierung hinter der Eingangstür bewirkt, dass Fenster oder Tür nur wechselweise geöffnet werden können. Zudem nimmt die geöffnete Tür dem Bad das Tageslicht.

Weinsberg Caratwo wirkt modern und flippig

Die gemütliche Sitzgruppe bietet ausreichend Platz für bis zu vier Personen. Foto: Ingolf Pompe, Dieter S. Heinz
Weinsberg Caratwo 390 überzeugt mit freundlichen und bunten Farben.

Das Außendekor des Caratwo gefällt. Weinsberg verwendet die Farben Gelb und Grau, die auch im Innenraum aufgegriffen werden. Diese Farbübertragung findet beim Bürstner nicht statt. Während die Außenhaut mit roten, grauen und schwarzen Dekorelementen versehen ist, bestimmen verschiedene Brauntöne den Innenraum.

Boden und Möblierung sind im Premio Life dunkler gehalten als im Caratwo und hinterlassen auf den ersten Blick die wertigere Anmutung. Auf den zweiten wird aber schnell klar, dass es sich immer noch um die Einstiegsklasse handelt. Der Möbelbau ist eher einfach, aber ehrlich, gerade Fronten statt geschwungener Klappen dominieren – und sind in der Fertigung eben preisgünstiger. Bei den Hängeschränken über der Heckküche zeigen sich beim PremioLife Verarbeitungsmängel; die Front fluchtet nicht richtig, wodurch eine Verriegelung nicht greift.

In beiden Caravans sind Möbelverbinder und Schraubenabdeckungen allgegenwärtig und stören bisweilen das Auge des Betrachters.Während Bürstner auf klassische Klappenkonstruktionen mit Beschlag und Griff setzt, verzichtet Weinsberg komplett auf diese und verwendet sogar Softclosebeschläge an den Hängeschränken. Eine Verriegelung über Schnapphaken ist nur in den Oberschränken der Küche vorhanden.

Stauraum ist die große Stärke des Premio Life, denn er kann neben einem großen Kleiderschrank noch drei weitere Schrankmöbel anbieten. Zudem sind Frischwassertank und Therme nicht im Bettkasten untergebracht, womit auch hier die uneingeschränkte Ladekapazität zur Verfügung steht. Gerade die ist respektabel, denn die Liegefläche des Bugbettes ist höher gelegt. Als Aufsteller für den Bettenrost dient im Premio Life eine einfache Holzlatte, die im Vergleich zur Gasfederstütze des Weinsbergs zwar simpel, aber funktionell ist.

Das Bürstner-Bett ist zu kurz geraten

Der Schlafbereich verfügt über eine zweigeteilte Matratze und lässt sich mittels Vorhang separieren Foto: Ingolf Pompe, Dieter S. Heinz
Bett im Weinsberg Caratwo 390

Weniger überzeugend ist die Ausstattung des Schlafraumes und die Aufteilung der Oberschränke im Bürstner. Die Oberschränke erstrecken sich über die gesamte Innenbreite des Buges, haben aber mittig nur eine Trennwand, womit ein seitliches Verrutschen des Inhaltes vorprogrammiert ist. Das darunterliegende Querbett im Bug fällt mit einer Matratzenbreite von 153 Zentimeter komfortabel aus, ist aber für Großgewachsene mit einer Länge von 190 Zentimetern etwas zu knapp geraten. Die spartanische und wenig praxisgerechte Ausstattung im Schlafbereich ist ein Ärgernis im Bürstner. Essenzielle Dinge wie eine Ablagefläche für Brille oder Smartphone sucht man neben dem Bett vergeblich. Wer vor dem Schlafengehen noch ein paar Seiten lesen möchte, darf sich mit der über dem Bett montierten Deckenlampe aushelfen, da auf Leselampen komplett verzichtet wird. Wie es besser geht, zeigt der Caratwo, dessen Schlafraum neben den angesprochenen Punkten zusätzlich über eine 230-Volt-Steckdose und einen Raumtrenner in Form eines Vorhanges verfügt. Das Bett ist mit einer Breite von 134 Zentimetern spürbar schmaler, führt dafür aber sechs Zentimeter mehr Länge ins Feld.

Für weiteren Schlafraum lassen sich die Seitensitzgruppen beider Caravans umbauen. Eingezwängt zwischen Bett und Bad, fällt die Sitzgruppe im Bürstner aber beengt aus, was natürlich im gleichen Zuge für das Umbaubett mit 168 Zentimetern Länge gilt. Zu zweit am Tisch sitzend, ragt zudem der Radkasten des Premio Life in den Fußraum, was eine Nutzung mit weiteren Personen verhindert. Bis zu vier Personen kommen hingegen in der Seitensitzgruppe des Caratwo unter. Dank einer Gesamtlänge von zwei Metern sind Umbaubett und Sitzgruppe deutlich luftiger gestaltet als im Bürstner. Das bessere Raumgefühl wird von zwei Ausstellfenstern und dem Dachfenster über der Sitzgruppe verstärkt.

Viel Tageslicht im Caratwo

Der ausgelagerte Kühlschrank sorgt  für viel Stauraum in der Heckküche. Foto: Ingolf Pompe, Dieter S. Heinz
Viel Stauraum in der Küche des Bürstner Premio Life 420

Tageslicht ist auch in der Küche von Bedeutung. Weinsberg spendiert dem Caratwo daher eine zweite quadratische Dachluke über der Seitenküche. Gekocht wird in beiden Modellen auf einem Dreiflammenherd ohne Zündhilfe, wobei dies in der Einstiegsklasse zu verschmerzen ist. Auf der Arbeitsplatte des Caratwo findet sich vor der Spüle noch genügend Platz für ein Schneidebrettchen, und sollte es doch einmal eng werden, hilft eine ausklappbare Erweiterung aus. In der zunächst großzügig wirkenden Heckküche des Bürstner muss die Spüle während der Essensvorbereitungen aus Platzgründen geschlossen bleiben. Abstellfläche ist hier bei geöffneter Spüle Mangelware. Stauraum gibt es dagegen in den Küchenober-und -unterschränken mehr als genug, da der Kühlschrank neben dem Kleiderschrank untergebracht ist. Überflüssigerweise handelt es sich bei dem hochgesetzten Modell um eines mit Aussparung für einen Radkasten. Das kostet Volumen und lässt den Weinsberg mit dem größeren Nutzinhalt glänzen.

Offene Ablagen prägen das Bad im PremioLife. Einzige Ausnahme ist dabei das Staufach hinter der Toilette. Somit heißt es vor jeder Fahrt akribisch verstauen, damit im Bad nichts herumfliegt. Das Edelstahlwaschbecken und die großen Spiegelflächen sprechen indes für den Bürstner, auch wenn dieser nicht über ein separates Badfenster verfügt. Im Weinsberg ist das optionale Badezimmerfenster vorhanden, sorgt hier aber für die bereits beschriebenen Schwierigkeiten. Kleinere Personen werden zudem bemängeln, dass der Hauptspiegel über dem Fenster viel zu hoch hängt. Duschen dürfte im Weinsberg eher als Notlösung durchgehen. Dafür spricht zum einen die kleine Grundfläche des Bades und zum anderen der kontaktfreudige Duschvorhang. Punkte holt der Weinsberg dagegen mit seinen geschlossenen Staufächern und der homogeneren Badbeleuchtung.

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Die Beleuchtung gehört generell zu den Stärken des Caratwo. Mit einer Deckenleuchte, einer Lichtleiste in der Küche, einer indirekten Schlafraumbeleuchtung und je zwei Lesespots an Sitzgruppe und Bett bringt Weinsberg im Caratwo ausreichend Lichtquellen unter. Tagsüber sorgen zudem die angesprochenen Dachfenster für viel Tageslicht. Im Dachhimmel des Premio Life befindet sich nur ein Dachfenster im Eingangsbereich. Geht das Tageslicht zur Neige, übernehmen zwei runde Deckenleuchten über Sitzgruppe und Bett die Beleuchtung. Trotz der zweistufigenAuslegung ist die Lichtausbeute im Vergleich deutlich schwächer. Ähnlich sparsam ist Bürstner auch bei der Stromversorgung. Zwei Steckdosen sind in Zeiten von ladebedürftigen Smartphones einfachzu wenig. Zumal ein Fernseher bereits eine Steckdose blockieren würde. Mit insgesamt vier Steckdosen, zwei in der Sitzgruppe und je einer in Küche und am Bett, ist der Caratwo deutlich besser ausgestattet.

Als Reisecaravans haben beide Kandidaten ihre Qualitäten. In den wichtigen Bereichen Sitzgruppe und Schlafraumgestaltung hat der Weinsberg allerdings klar die Nase vorn. Dafür kann der Bürstner mit einer schicken Heckküche und viel Stauraum aufwarten. Aus technischer Sicht unterscheiden sich die Kontrahenten, abgesehen von der Beleuchtung, kaum.Die längereDichtheitsgarantie und der geringere Grundpreis sorgen schlussendlich dafür, dass der Preis des Weinsberg Caratwo einfach eine gute Spur heißer ausfällt.

Fazit

Zu wirklich praktikablen Campingbegleitern werden die beiden Einsteiger erst mit Ausstattungspaketen. Diese Erkenntnis relativiert allerdings die günstigen Grundpreise. Entsprechend ausgestattet trumpft der Bürstner mit viel Stauraum auf, was leider auf Kosten des Raumgefühls geht. Licht, Design und clevere Detaillösungen sind die Asse im Ärmel von Weinsberg. Der Grundriss spielt seine Stärken voll aus, sodass der Weinsberg trotz kürzerer Aufbaulänge in diesem Test die Nase um eine ganze Deichsellänge vorn hat.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Heft 08 / 2017 11. Juli 2017 98 Seiten Heftinhalt anzeigen
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