VW Touareg 3.0 TDI vs. Porsche Cayenne S

Welcher teuere SUV zieht den Caravan besser?

car2018 VW Touareg Foto: Christian Hass 13 Bilder

Diese beiden SUV-Geschwister könnten unterschiedlicher nicht sein: Sanft und luxuriös der VW Touareg 3.0 TDI, kompromisslos dynamisch der Porsche Cayenne S. Aber welcher zieht besser?

Sie suchen ein Auto mit 3,5 Tonnen Anhängelast und sind bereit, eine sechsstellige Summe zu investieren? Dann passen diese beiden SUV in Ihr Beuteschema. Doch trotz ihrer engen Verwandtschaft sind VW Touareg und Porsche Cayenne von komplett unterschiedlichem Naturell. Das beginnt schon beim Antrieb: VW baut den Touareg ausschließlich als Diesel: Sein Dreiliter-TDI ist wahlweise mit 170 kW (231 PS) oder, wie im Testwagen, als 210 kW (265 PS) starke Topversion mit 600 statt 550 Newtonmeter Drehmoment zu haben. Die Preise beginnen bei 57.125 respektive 60.675 Euro. Zwar ist die 8-Gang-Wandlerautomatik serienmäßig, doch schrumpfen die Grundpreise binnen weniger Klicks im Konfigurator zur Makulatur: Den Testwagen katapultieren Extras im Wert von über 41.000 auf 102.500 Euro.

Porsche indes hat dem Diesel den Rücken gekehrt. Und so geht es beim Cayenne mit dem 340 PS starken Dreiliter-V6 für 74.828 Euro los. Das „S“ auf der Heckklappe verrät den stärkeren 2,9-Liter-V6 unter der Haube, aus dem zwei Turbos 440 PS und 550 Newtonmeter pressen. Die 8-Gang-Automatik gehört beim Cayenne zum Serientrimm, in dem er trotz diätischer Grundausstattung 91.964 Euro kostet. Da es auch in Zuffenhausen Brauch ist, für Wünsche nach mehr Sicherheit und Komfort zur Kasse zu bitten, klettert der Testwagenpreis auf 129.288 Euro.

Zugvorrichtung

car2018 Porsche Cayenne S Foto: Christian Hass
Cayenne: Lackierter Kugelhals ohne Steckdose.

Die vollelektrisch aus- und einschwenkenden Anhängevorrichtungen haben mit 1300 Euro (VW) und 1213,80 Euro (Porsche) den kleinsten Anteil an den Kosten. Trotz des geringen Mehrpreises gönnt VW dem Touareg eine unlackierte Kugelstange mit perfekt zugänglicher integrierter Steckdose und seitlichen Arretierungszapfen für Fahrradträger. Porsche verkauft einen simplen schwarz lackierten Haken ohne Zapfen und integrierte Steckdose. Er erfordert das Entlacken des Kugelkopfes vor der ersten Anhängerfahrt und einen Kniefall beim Einstecken der Caravanelektrik.

Die Steckdosen sind bei beiden SUV voll verkabelt: Sie erkennen beidseitigen Blinkerausfall und liefern zuverlässig knapp 12 Volt in den Caravan. Die Taster für die Schwenkkupplungen sitzen jeweils rechts im Laderaum, sind beim Touareg mit Gepäck im Heck aber etwas leichter zu erreichen als im beladenen Cayenne.

Des Weiteren ist beim Touareg mit werkseitiger Anhängekupplung der Rangierassistent Trailer Assist bereits programmiert – aber nicht nutzbar. Das für weniger routinierte Caravaner empfehlenswerte System, das beim Rückwärtsfahren mit Anhänger die Lenkung übernimmt, funktioniert nämlich erst nach dem Zukauf des Parklenkassistenten mit Rückfahrkamera für weitere 1350 Euro. Dem Cayenne spielt Porsche übrigens kein Rangiersystem auf die Chips.

Verbrauch

car2018 VW Touareg Foto: Christian Hass
Touareg: Die 8-Gang-Automatik assistiert sehr gut.

Dass der fleischige Dreiliter-V6-TDI des Touareg kraft seiner 600 Newtonmeter keinerlei spür- und hörbare Mühe hat, den immerhin zwei Tonnen schweren Testtrailer über Berg und Tal zu zerren, ist sicher keine Überraschung. Die 8-Gang-Automatik assistiert sehr gut, serviert schnell und geschmeidig den passenden Gang, vermeidet dabei wann immer möglich hohe Drehzahlen und trägt so maßgeblich zum limousinenhaften Charakter des Touareg bei. Lediglich bei der Verbrauchsmessung wird deutlich, dass der TDI fast viereinhalb Tonnen durch die Gegend wuchtet – gemessen daran geht der Gespannverbrauch von 13,9 Liter in Ordnung. Auf flachen Langstrecken begnügt sich der VW aber auch mit knapp über 12 Litern.

Der Porsche Cayenne kann und will seine Abstammung nicht verleugnen. Die Ingenieure haben alles dafür getan, den 2,2-Tonner auf Sport zu bürsten, was nicht konfliktfrei bleibt: Der Antrieb ist permanent hin- und hergerissen zwischen elektronischer (Verbrauchs-)Zähmung mittels früher Schaltpunkte und tiefer Drehzahlen sowie dem Anspruch, auf Kommando zu explodieren – wobei das verbrannte Super plus posaunend aus den vier Endrohren entweicht. So agiert das identische Getriebe vor allem im Gespannbetrieb aufgeregter als im Touareg, schaltet immer wieder zwei, drei Gänge zurück und lässt den Biturbo jubilieren. Objektiv sind die Fahrleistungen über jeden Zweifel erhaben – doch nach 440 PS fühlt sich der V6 erst an, wenn man ihn so richtig von der Leine lässt. Umso überraschender, dass sich das Porsche-Gespann auf Autobahnetappen mit 13 Litern begnügen kann. Die Regel sind aber Werte zwischen 15 und 17 Litern. Kurz: Die Spanne der Verbrauchswerte ist deutlich größer als beim Diesel-Touareg.

Fahrwerk und Innenraum

Das Luftfahrwerk des Touareg kostet mit Allradlenkung 2850 Euro (ohne: 1950 Euro) und ist nicht nur wegen der Niveauregulierung sein Geld wert: Trotz 20-Zoll-Rädern mit 45er-Querschnitt ist der Federungskomfort exzellent. Selbst mit Caravan am Haken flauscht der VW über Fugen und Verwerfungen, verliert den Caravan dabei niemals aus dem Zaum. Wer es noch ausgefeilter haben will, überweist weitere 5900 Euro für das Adaptivfahrwerk mit aktiver Wankstabilisierung.

Und der Porsche? Federt und nivelliert zwar auch mit Luft (2136 Euro), nutzt sie aber für eine unglaublich kurvengierige Fahrwerksabstimmung. Dass der Federungskomfort nicht ganz den des Touareg erreicht, sieht man ihm deswegen gerne nach. Auf der anderen Seite sorgt diese Auslegung samt Mischbereifung (hinten breiter als vorn) für enorme Pendelresistenz und Spurstabilität. Auf langen Strecken ist aber der Touareg der leisere und damit schlicht angenehmere Begleiter – auch weil seine Assistenzsysteme vollständiger und besser sind. Der Porsche pendelt mit aktiviertem Spurhalteassistenten ständig zwischen Straßenrand und Mittellinie, der Touareg bleibt sauber in der Spur.

Der Touareg ist darüber hinaus das noch geräumigere und im Detail sogar edlere Fahrzeug, etwas mehr Sinn fürs Praktische beweist er obendrein: Zwar lassen sich die Rücksitzlehnen beider SUV verschieben und dreigeteilt klappen, komfortabel vom Kofferraum aus geht das aber nur beim VW. Cayenne-Eigner müssen zum Umlegen der Lehnen um das Auto turnen – die jeweiligen Hebel sitzen seitlich neben der Rückbank. Nur der Touareg hat als Option eine 230-Volt-Steckdose vor der Rückbank.

VW Touareg (2018) Fahrbericht
Mit dem V6 durch Täler und Berge

Daten und Fakten VW Touareg 3.0 TDI

Antrieb und Verbrauch

Motor: 6-Zylinder-Turbodiesel, 2967 cm3, max. Drehmoment 600 Nm ab 2250/min. Abgasnorm: Euro 6d-Temp. Tank: 75/90 (Opt.) L, AdBlue:12 L

Fahrleistungen (solo)

Beschl. 0–100 km/h in 6,6 s
Höchstgeschwindigkeit: 235 km/h

Testverbrauch

Liter Diesel/100 km
solo/Gespann: 9,8/13,9
Norm Stadt/Land/komb.:7,7/5,9/6,6

 Elastischer, vibrationsarmer und gut gedämmter Dieselmotor. Hohe Durchzugskraft aus tiefen Drehzahlen. Niedrige Minimalverbräuche möglich. Überschaubarer Verbrauchsanstieg bei hoher Leistungsanforderung. Automatik mit weichen, schnellen und situativ passenden Schaltvorgängen.

 Recht kleiner AdBlue-Vorrat.

Kofferraum, Variabilität und Sitze

Kofferraumvolumen: min. 810/max. 1800 Liter. Verschiebbare Rücksitzbank mit Lehnenfernentriegelung im Kofferraum und Neigungsverstellung, dreigeteilt umklappbar.

 Sehr großer, nicht aber klassengrößter Laderaum mit hoher Variabilität dank verschieb- und vom Kofferraum aus geteilt umklappbarer Rücksitzlehne. Robuste Materialien und optionales Gepäcksicherungssystem. Exzellente Sitze, bequeme Rücksitzbank mit viel Kopf- und Beinfreiheit.

 12-Volt-Steckdose im Kofferraum nur bei laufendem Motor unter Strom.

Gewichte und Abmessungen

Gewichte: Zuladung abgezogen Stützlast (100 von 140 kg): 469 kg. Anhängelast (12 %): 3500 kg. Maximalgewicht des Zuges: 6350 kg

 Höchstmögliche Anhänge- und enorme Stützlast. Leergewicht erlaubt Tempo 100 mit schweren Anhängern. Erhöhung der Hinterachslast im Anhängerbetrieb.

 Im Alltag grenzwertige Fahrzeugdimensionen. Geringere Zuladung als beim Porsche. Keine Erhöhung der zulässigen Gesamtmasse im Anhängerbetrieb.

Anhängerkupplung und Elektrik

Anhängekupplung:

Preis: 1300 Euro
Einbau: werkseitig
System: elektrisch schwenkbar
Stützlast: 140 kg

Elektrische Versorgung:

Dauerplus: ✔
Plus über Zündung: ✔

Blinkerausfallerkennung:

Einseitig: ✔
Beidseitig: ✔

Porsche Cayenne S
Oberklasse-SUV im Test

Daten und Fakten Porsche Cayenne S

Antrieb und Verbrauch

Motor: 6-Zylinder-Biturbo-Benziner, 2894 cm3, max. Drehmoment 550 Nm ab 1800/min. Abgasnorm: Euro 6. Tankvolumen: 75/90 (Opt.)L

Fahrleistungen (solo)

Beschl. 0–100 km/h in 5,1 s
Höchstgeschwindigkeit: 265 km/h

Testverbrauch

Liter SP/100 km
solo/Gespann: 11,8/15,1
Norm Stadt/Land/komb.: 11,3/8,0/9,2

 Sehr starker Benzinmotor mit hoher Laufkultur und enormer Drehfreude. Trotzdem guter Durchzug aus niedrigen Drehzahlen, aber ...

 ... bei hastigem Tritt aufs Gaspedal schaltet die Automatik häufig zu voreilig zurück. Sportliches Auspuffgeräusch hallt etwas brummig vom Bug des Caravans wider. Im Anhängerbetrieb starker Verbrauchsanstieg (Super plus).

Kofferraum, Variabilität und Sitze

Kofferraumvolumen: min. 770/max. 1710 Liter. Rücksitze mit Neigungs- verstellung, dreigeteilt umklappbar.

 Gut nutzbarer, aber etwas kleinerer Kofferraum als beim Touareg, gute Variabilität. Sportlich straffe, zupackende Vordersitze mit sehr integrierter Sitzposition. Rücksitze mit bequemen Außenplätzen und viel Raum für die Fondpassagiere.

 Keine Fernentriegelung für die Rücksitzlehnen. Einfaches Laderaumrollo.

Gewichte und Abmessungen

Gewichte: Zuladung abgezogen Stützlast (100 von 140 kg): 545 kg. Anhängelast (12 %): 3500 kg. Maximalgewicht des Zuges: 6340 kg

 Mehr Anhängelast geht nicht. Enorme Stützlastreserven. Erhöhung der zulässigen Hinterachslast im Anhängerbetrieb. Hohe Zuladung. Tempo-100-Zulassung auch mit schweren Trailern.

 Absolut gesehen, sehr hohes Leergewicht. Keine Erhöhung der zulässigen Gesamtmasse im Anhängerbetrieb.

Anhängekupplung und Elektrik

Anhängekupplung:

Preis: 1214 Euro
Einbau: werkseitig
System: elektr. ausschwenkend
Stützlast: 140 kg

Elektrische Versorgung:

Dauerplus: ✔
Plus über Zündung: ✔

Blinkerausfallerkennung:

Einseitig: ✔
Beidseitig: ✔

Fazit

Der VW ist das harmonischere und damit bessere Zugfahrzeug. Der Porsche gibt sich zwar beim Fahrverhalten keine Blöße, ist aber in Anschaffung sowie Unterhalt (noch) teurer und so stark auf Sport geeicht, dass er hier und da Kompromissbereitschaft einfordert.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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