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So entsteht eine Warmwasserheizung

Alde zeigt Heizungs-Produktion in Schweden

Alde Warmwasserheizung Produktion Foto: Philipp Heise 37 Bilder

CARAVANING hat sich am Alde-Produktionsstandort Färlöv in Schweden einmal angesehen, wie Warmwasserheizungen für Wohnwagen entstehen. Alle einzelnen Teile und der fertige Caravan werden auf Herz und Nieren geprüft.

14.08.2017 Philipp Heise

Wer auch im Winter nicht auf seinen Caravan oder Wohnmobil verzichten möchte, wählt häufig ein Modell mit Warmwasserheizung. Wir haben uns einmal angesehen, wie eine solche entsteht und wie sie eigentlich funktioniert.

Färlöv ein verschlafenes Nest in Schweden, hier hat der unter Campern bekannte Hersteller Alde seit fast 70 Jahren seinen Firmensitz. Nahezu alle namhaften Hersteller der Branche beziehen von hier Warmwasserheizungen, die sie in Sondereditionen oder als wählbares Zubehör anbieten.

Alde Warmwasserheizung Produktion Foto: Philipp Heise
Alde Produktion in Schweden

In der Produktion herrscht bereits seit Stunden rege Geschäftigkeit, als wir mit der Fertigungsbesichtigung beginnen. Geräusche großer Maschinen füllen die ausladenden Hallen und eine Geruchsmischung aus Metall und Öl liegt in der Luft. Die Produktion läuft auf Hochtouren: „Hier am Standort beschäftigen wir etwa 100 Mitarbeiter, davon etwa 70 in der Fertigung und 30 in der Verwaltung“, erläutert Christian Reisch, Geschäftsführer von Alde Deutschland. Am Beginn der Fertigungslinie verkündet ein Whiteboard das heutige Tagesziel: 160 Anlagen sollen es werden. Im letzten Jahr waren es etwa 33000 Einheiten, die das schwedische Werk verlassen haben. „Durch den Einsatz von modernen Schweißrobotern konnten wir unsere Produktion steigern und den Ausschuss verringern“, erläutert Reisch, während ein Mitarbeiter eine Maschine mit vorher gebogenen Edelstahlblechen bestückt. Anschließend sind die besagten Roboter am Zug. Davon ist allerdings nicht viel zu sehen, da diese aufgrund des Lichtbogens und der Rauchentwicklung beim Schweißen in einen geschlossenen Teil der Maschine arbeiten. Das Ergebnis, die sauber verschweißte Außenhaut der Heizungskammer, kann sich allerdings wieder sehen lassen.

Heizungs-Bauteile werden im Wasserbad geprüft

Bevor daraus mit weiteren Einzelteilen komplettiert der Kern einer Alde-Heizung entstehen kann, geht die Röhre erst mal Baden. „So prüfen wir, ob die Schweißnähte dicht sind“, erläutert Hakan Streimer, Sales Manager bei Alde, während die mit Druckluft gefüllte Außenhaut der Heizkammer untertaucht. „Wenn jetzt Blasen aufsteigen, wird das Teil von der weiteren Produktion ausgeschlossen“, erklärt Streimer den Testablauf. Da die Röhre dicht ist, kommt sie auf einen Wagen, zusammen mit weiteren Exemplaren, die schon auf die nächsten Bearbeitungsschritte warten. Eine Nummer größer fällt das Ergebnis der identischen Arbeitsschritte für die Außenhaut des Warmwasserboilers aus. Dieser legt sich später um die Kammer mit dem Heizungswasser.

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Mit Deckel und Boden verschweißt sind die Metallarbeiten am Herzstück der Anlage weitestgehend abgeschlossen. Zum Aufbau der Heizung erklärt Streimer: „Die zylindrische Heizeinheit hat einen dreiteiligen Aufbau mit unterschiedlich großen Kammern. Der Vorteil liegt darin, dass sich die Wärme aus dem Kern durch alle Kammern nach außen ausbreitet. So erwärmen wir gleichzeitig Heiz- und Brauchwasser.“

Erzeugt wird die Wärme im Zentrum der Heizeinheit wahlweise über einen Gasbrenner (zirka 5,5 kW) oder über zwei Elektroheizstäbe (zirka 3 kW), die außen um die Brennkammer herum montiert werden. Ist die Heizkammer gefüllt, funktionieren die Heizstäbe wie Tauchsieder. „In der Startphase arbeiten Brenner und Heizstäbe zusammen, was eine kombinierte Heizleistung von fast 9 Kilowattstunden ergibt.“ erzählt Reisch, während er nachdenklich einen Brenner aus dem Regal nimmt und ihn kritisch begutachtet . „Über die Steuereinheit kann der Kunde nachher wählen, ob er die Priorität auf Gas oder auf Strom legt.“ Erklärt Reisch und fügt mit einem Lächeln hinzu: „Das hängt natürlich vom Strompreis auf dem entsprechenden Campingplatz ab.“ Sind Heizstäbe und Brenner an ihrem Platz, wird die Steuerungsplatine verbaut und alles verkabelt.

Nach dem Einbau findet ein Elektroniktest statt

Nach erfolgreicher Elektrifizierung muss jede Einheit einen Elektroniktest durchlaufen, bevor es zur finalen Station geht. In der letzten Fertigungsstation muss das Runde in das Eckige. Gemeint ist das zylindrische Innenleben der Heizung, das erst seine quarderförmige Isolierung erhält, um die dann anschließend die metallische Außenhaut gebogen wird.

Alde Warmwasserheizung Produktion Foto: Philipp Heise
Fußbodenheizung im Fahrerhaus

Damit es später im Wohnwagen richtig gemütlich wird, fehlen allerdings noch wichtige Teile. Neben den Standardkonvektoren durchfließt das warme Wasser auf Kundenwunsch auch Handtuchheizkörper, Fußbodenheizung oder sogenannte Booster. Letztere sind kleine Wärmetauscher, die mittels Gebläse die Wärme gezielt verteilen, um Wärmebrücken gezielt zu entschärfen.

In der Konvektorenproduktion wird es dann wieder lauter. Mit Maschinenkraft entstehen aus einem Flachblechstreifen Wärmeleitbleche. Dafür wird es auf ein definiertes Maß gefaltet und ein Loch in der Mitte ausgestanzt, durch das später die Heizungsrohre verlaufen. Die Leitbleche bewirken, dass sich die Wärme abgebende Fläche extrem vergrößert. Das Prinzip entspricht dem der Heizkörper in Wohnhäusern. Beim letzten Arbeitsschritt dieser Station werden die Leitbleche von Hand aufgereiht und auf dem Heizungsrohr verpresst.

Nebenan werden die Heizungsrohre direkt gebogen, sauber in Schlangenlinienform gebracht, dienen sie später als Handtuchhalter mit Heizfunktion in Bädern von Caravans und Wohnmobilen. Für Letztere bietet Alde zwei weitere spannende Extras: Neben einer mit Warmwasser durchflossenen Matte für den Fahrerfußraum können Wohnmobilisten einen separaten Wärmetauscher installieren lassen, der die Verbrennungsabwärme des Motors nutzt, um das Wasser im System schon während der Anfahrt vorzuheizen. Dieses Verfahren spart Energie, da es die ohnehin vorhandene Motortemperatur sinnvoll nutzt.

Zum Ende der Produktionsbesichtigung geht es noch in die firmeneigene Kältekammer. Hier wird gerade ein Fendt Caravan mit Warmwasserheizung auf seine Winterfestigkeit geprüft. Bei konstanten -15 Grad in der Kammer läuft die Heizung im Inneren auf Hochtouren. Einzelheiten zum Kältekammertest lesen Sie in der neuen Ausgabe 9/2017 von CARAVANING.

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