Ratgeber: Die AAA-Auflaufbremse nachstellen

Wer nicht bremst, verliert

AAA-Auflaufbremse Foto: Daniel Bitsch 4 Bilder

Immer wieder wird uns berichtet, dass die Caravanbremse trotz automatischer Nachstellung nicht richtig funktioniert. CARAVANING sagt, wie es dazu kommt und was man dagegen machen kann.

Das ist der Worst Case: Da hat man mit dem Caravan einen HU-Termin und der Prüfer verweigert die Plakette mit der Begründung, die Bremse arbeite fehlerhaft, da der Leerweg der Auflaufeinrichtung zu groß und die Bremswirkung zu schlecht sei. Der Hinweis des Besitzers, dass der Wohnwagen doch über eine selbstnachstellende Bremse verfüge, hilft da auch nichts.

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So oder ähnlich ist es einigen Caravanern ergangen, die an ihrem Wohnwagen eine selbstnachstellende Bremse haben nachrüsten lassen oder AAA-Bremsen bereits ab Werk an Bord haben. Um derartige Probleme zu umgehen, erklären wir wie es zum Ausfall des Nachstellmechanismus kommt und was man dagegen tun kann. Bei Caravans mit AAA-Bremsen wird der Abstand zwischen Bremsbacke und -trommel automatisch nachgestellt. Damit entfällt das Nachjustieren von Hand wie bei normalen Auflaufbremsen ohne entsprechende Automatik.

So weit die Theorie. Denn trotz selbstnachstellender Bremsen kann es vorkommen, dass der Nachstellmechanismus versagt. Die Folge: schleppendes Ansprechverhalten der Bremsen und ein verlängerter Anhalteweg.

Arbeitet die automatische Nachstellung nicht einwandfrei, ist aber keinesfalls gleich die Bremse kaputt. Doch wie kommt es dazu? Alko-Experten weisen darauf hin, dass die Fehlfunktion insbesondere durch die Fahrweise des Gespanns hervorgerufen werden kann. Hiernach fehlt bei vorausschauendem Fahren und überwiegend sanftem Bremsen die notwendige Mindestbremskraft, um den Impuls zur Selbstnachstellung auszulösen.

AAA-Auflaufbremse Foto: Daniel Bitsch
Dass die Bremse nicht richtig funktioniert, kann insbesondere durch die Fahrweise des Gespanns hervorgerufen werden.

Doch keine Sorge, gebremst wird trotzdem, denn das AAA-System funktioniert ohne wirksame Nachstellung wie eine normale Auflaufbremse. Das heißt, im Betrieb verschleißen die Beläge, worauf sich das Lüftspiel, also der Abstand zwischen Bremsbacke und -trommel, vergrößert – nur eben ohne den Verschleiß an den Belägen auszugleichen.

Die automatische Nachstellung reaktivieren

Wer die automatische Nachstellung selbst justiert, hat zwei Möglichkeiten. Als Erstes den Caravan an den Haken nehmen und mit dem Gespann auf einer nicht öffentlichen Strecke mehrmals kräftig bremsen. Aber Achtung: Um Schäden zu vermeiden, zuvor immer prüfen, dass alle Türen und Schubladen fest verschlossen sind und keine losen Teile herumfliegen können.

Um den Nachstellmechanismus wieder zu aktivieren, genügen meist schon wenige Vollbremsungen. Dann springt das Zahnrad an der Ankerplatte eine Stufe vorwärts, drückt damit die Bremsbacken weiter auseinander und verringert so den Abstand zwischen Bremsbelägen und -trommel.

In einigen Fällen kann es vorkommen, dass auch die Vollbremsung nicht zum gewünschten Erfolg führt. Dann kommen Wagenheber und Schlitzschraubendreher zum Einsatz.

AAA-Auflaufbremse Foto: Daniel Bitsch
Mit dem Schlitzschraubendreher lässt sich der Nachstellmechanismus per Wippbewegung reaktivieren.

Zunächst wird der Caravan angehoben. Mit dem Schlitzschraubendreher wird dann über eine Öffnung an der Ankerplatte der Radbremse das Zahnrad nachgestellt. Hierzu als Erstes die mittlere Kunststoffverschlusskappe an der mit einem Pfeil gekennzeichneten Öffnung entfernen und den Schlitzschraubendreher in die Nut setzen. Mit einer Wippbewegung werden die Bremsbacken nachjustiert. Zur Info: In Pfeilrichtung wird der Abstand zwischen Bremsbacke und -trommel kleiner, entgegen der Pfeilrichtung vergrößert sich die Distanz.

Um die automatische Nachstellung wieder zu aktivieren, genügt in der Regel bereits ein Schritt (Zahn) aus.

Checkliste – So ist die automatische Nachstellung sichergestellt

  • Inspektions- und Serviceintervalle beachten.
  • Bauteile müssen exakt eingestellt, korrosionsfrei und unbeschädigt sein.
  • Auflaufeinrichtung jährlich an Schmiernippeln abschmieren.
  • Umlenkung und Gestänge müssen freigängig und geschmiert sein.
  • Bowdenzüge müssen elastisch und beweglich sein.
  • Radbremse in einwandfreiem Zustand halten.
  • Mit dem Gepann hin und wieder kräftig bremsen, um den Nachstellimpuls auszulösen.

Stellungnahme von Alko

Foto: N. Maier
Walter Hofhansl und Hans Posthumus von Alko zu Besuch in der CARAVANING-Redaktion.

In „Wer nicht bremst, verliert“ wurde beschrieben, dass die Selbstnachstellung der Bremsbeläge nicht erfolgte, weil Caravaner zu zaghaft bremsen und die Wartung der Bremse vernachlässigen. Walter Hofhansl, Entwicklungsleiter Anhängerkomponenten, und Hans Posthumus, Leiter Marketing bei Alko, nehmen Stellung.

Können Sie bestätigen, dass im Rahmen von Hauptuntersuchungen hin und wieder un­genügende Bremswirkung bemängelt wird?

Posthumus: Über 100 000 Anhänger, davon zirka 80 Prozent Caravans, sind mit unserer AAA-Bremse ausgestattet. Dabei muss die Bremsanlage als Komplettsystem betrachtet werden, von der Auflaufeinrichtung über Gestänge, Seilzüge bis zur Bremse selbst. Wenn wir gelegentlichen Kundenrückmeldungen zu den angesprochenen Problemen nachgehen, kristallisiert sich meist heraus, dass die Bremse nicht wie vorgeschrieben gewartet wurde.

Wie und warum muss die selbstnachstellende Bremse gewartet werden?

Hofhansl: Zunächst einmal hat die Selbstnachstellung zwei entscheidende Vorteile: mehr Sicherheit, weil durch die früh einsetzende und maximale Bremswirkung der Anhalteweg verkürzt wird, und mehr Komfort, weil der Auflaufruck minimiert wird.

Posthumus: Die Selbstnachstellung der Bremse ist jedoch nicht mit Wartungsfreiheit gleichzusetzen, was leider immer wieder verwechselt wird. Vorgeschrieben sind eine Inspektion nach jeweils einem Jahr oder 10 000 Kilometern und eine Wartung nach jeweils 24 Monaten oder 30 000 Kilometern. Durch die AAA-Bremse entfällt aber die Erstinspektion nach 1500 Kilometern, wie sie bei nicht nachstellenden Bremsen Pflicht ist.

Hofhansl: Ich sage es mal anders: Wer die Inspektions- und Wartungsintervalle einhält, kann bei der zweijährlichen HU eigentlich nur mit einer korrekt eingestellten Bremse vorfahren.

Was wird bei der Bremseninspektion beziehungsweise -wartung gemacht?

Hofhansl: Bei der Inspektion wird die Bremseinstellung inspiziert und darauf hingewiesen, dass eventuell verschlissene Bauteile ausgetauscht werden müssen. Das geschieht durch die Inspektionsöffnung, durch die Lüftspiel, also der Leerweg der Bremsbeläge, und Bremsbelagverschleiß zu erkennen sind. Aber auch alle anderen relevanten Bauteile sind so zu begutachten. Nach 24 Monaten ist die sorgfältige Wartung notwendig. Dabei wird die geöffnete Bremse staub- und schmutzfrei gemacht, verschlissene oder beschädigte Komponenten werden gegebenenfalls ausgetauscht. Außerdem werden Auflaufeinrichtung, Gelenkteile und andere bewegliche Teile mit neuem Schmierstoff versehen. Eben wie beim Auto: Öl raus, neues Öl rein.

Was kann der Benutzer einer AAA-Bremse außer Wartung noch tun, damit deren einwandfre­ie Funktion gewährleistet ist?

Hofhansl: Ich ziehe da ebenfalls eine Parallele zum Auto: Wenn die hinteren Bremsscheiben verrostet sind, kriegen Sie vom Mechaniker zu hören: „Sie müssen ab und zu auch mal beherzter bremsen, die Bremse wird zu wenig benutzt.“ Das gilt auch für unsere AAA-Bremse. Und ich spreche explizit nicht von einer Vollbremsung. Es wird ja unterschieden zwischen leichter Bremsung, Komfortbremsung, mittelstarker Bremsung, starker Bremsung und Vollbremsung. Um die Belagnachstellung zu aktivieren, genügen mittelstarke Bremsungen. Und für die hat man im Alltag ge­nügend Gelegenheiten, ohne dafür auf ein abgesperrtes Gelände gehen oder andere Verkehrsteilnehmer gefährden zu müssen. Ich brauche für den Nachstellimpuls der Bremsbeläge einfach bestimmte Kraft-/Wegverhältnisse in der Auflaufeinrichtung.

Falls man trotzdem denkt, die Bremswirkung sei zu gering: Kann man die Bremsbeläge nicht einfach selbst nachstellen?

Hofhansl: Davon raten wir dringend ab. Vor allem bei der AAA-Bremse muss man wissen, auf welcher Seite das Zahnrad in welche Richtung gedreht werden muss, damit die Bremsbeläge tatsächlich enger an der Bremstrommel anliegen. Eine Bremse ist ein Sicherheitsbauteil, an das immer nur ein Profi Hand anlegen sollte.

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Fazit

Während sich die Reaktivierung der automatischen Nachstellung in Eigenregie durch starkes Bremsen oder mit Hilfe eines Schlitzschraubendrehers bewerkstelligen lässt, sollten darüber hinausgehende Arbeiten an der Bremsanlage immer vom Fachmann ausgeführt werden. Dies gilt für AAA-Systeme wie auch für normale Auflaufbremsen gleichermaßen. Für die Nachstellung der Bremsanlage inklusive Abschmieren, Einstellen des Bremsgestänges und Bremsprüfung (ohne Teiletausch) müssen etwa 70 bis 90 Euro kalkuliert werden.

Für zuverlässig arbeitende Bremsen ist zudem die Einhaltung von Inspektionen und Serviceintervallen entscheidend. Hiernach müssen Neufahrzeuge nach 1500 Kilometern oder nach sechs Monaten, alle anderen Caravans nach 5000 bis 10.000 Kilometern oder nach zwölf Monaten zum Händler oder in die Werkstatt.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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