Basiswissen für Camping-Einsteiger
Basiswissen für Campingneulinge
Fensterkunde Ingolf Pompe
Fensterkunde
Fensterkunde
Fensterkunde
Fensterkunde 17 Bilder

Übersicht der Fenstertypen im Wohnwagen

Vorgehängte Fenster versus Rahmenfenster

Die ersten Caravanfenster aus leichtem, bruchfestem Acrylglas kamen 1962 auf den Markt. Bis heute gibt es diese. Lesen Sie mehr zur Geschichte, den Unterschieden zwischen vorgehängten Fenstern und Rahmenefenster samt Vor- und Nachteile.

Die ersten Wohnwagen wurden noch mit Scheiben aus Echtglas ausgeliefert. Dem Vorteil der Kratzfestigkeit standen – und stehen – mäßige Dämmwerte, die Bruch- und Splitterempfindlichkeit, das hohe Gewicht und die hohen Preise entgegen. Nachteile, die auch im Flugzeugbau störten. Etwas Neues musste her. Darum wurde noch vor dem Zweiten Weltkrieg das leichte, einfach zu verarbeitende und vor allem bruchfeste Acrylglas erfunden und zunächst in den Pilotenkanzeln von Flugzeugen eingesetzt. 

Die Geschichte der Caravanfenster

Die ersten Acrylglas-Fenster für Wohnwagen und Wohnmobile brachte in den 1960er Jahren Polyplastic auf den Markt. Heute ist das Unternehmen aus Rotterdam mit rund 75 Prozent Marktanteil klarer Marktführer. Einziger großer Wettbewerber ist der deutsche Hersteller Dometic-Seitz, der vornehmlich höherwertige Fahrzeuge bestückt. Seit Kurzem mischt mit der Reimo-Marke Carbest noch ein dritter Player im Fenstermarkt mit. Die Stückzahlen sind allerdings klein, da Reimo bislang keine Erstausrüster, sondern nur kleinere Manufakturen versorgt.

Die Aufteilung des Marktes hat ansonsten in gewisser Weise dazu geführt, dass Weiterentwicklungen eher mit Bedacht und Ruhe stattfanden. Die am weitesten verbreitete Bauweise sind die einfachen sogenannten vorgehängten Fenster, die sich seit 1966 auch öffnen lassen. 1972 kam das doppelwandige Fenster mit einer isolierenden Luftschicht zwischen Acrylinnen- und -außenscheibe, das im Prinzip bis heute so gebaut wird. 1976 startete die Markteinführung des getönten Acryls, das für Sonnenschutz sorgte und die Fenster auch zu Designelementen wie Dreiecke und Bullaugen werden ließ.

Fensterkunde
Archiv, Timo Großhans, Hersteller
Rahmenfenster: Bei der Montage werden Außen- und Innenrahmen miteinander verschraubt und klemmen dabei die Ränder der Wand formschlüssig ein.

1994 brachte Polyplastic das erste Aluminium-Rahmenfenster, das bei flacherer Kontur mehr Stabilität und Sicherheit versprach – der Rahmen schützt die Scheibe etwas besser davor, von außen aufgehebelt zu werden. Wenig später trat das schwäbische Unternehmen Seitz – heute Teil von Dometic – mit einem Rahmenfenster auf den Plan, ersetzte dabei aber das Metall durch den neuen Werkstoff Polyurethan. Er versprach bessere Isolationswirkung und mehr Freiheit bei der Formgebung. Trotz der Vorzüge der Rahmenbauweise hat sich dieser teurere Fenstertyp bis heute nicht völlig durchgesetzt. Hauptgrund sind die geringeren Kosten der vorgehängten Variante. Aber auch die Freiheit bei der Formgebung, was Scheibenumriss und mögliche Biegungen anbelangt, machen diesen Fenstertyp in Sachen Design interessant.

Bis in die obere Mittelklasse herrschen vorgehängte Fenster vor, erst in der Ober- und Luxusklasse kommen Rahmenfenster serienmäßig zum Einsatz oder sind als Extra erhältlich. Bei der Isolierung, das haben CARAVANING-Tests gezeigt, kommt es eher auf die Wirkung der Verdunkelung innen an als auf die Bauform des Fensters. In der Summe der Eigenschaften ist ein Fenster mit Rahmen, aus Alu oder PU, dem vorgehängten aber dennoch vorzuziehen.

Verschiedene Aufsteller kommen zum Einsatz

Weitere Unterscheidungsmerkmale sind die Aufsteller: Einfache Knebelaufsteller fixieren die geöffnete Scheibe stufenlos per Rändelrad, Rastaufsteller halten sie auch bei einhändiger Bedienung in festgelegten Öffnungswinkeln. Gut ist, wenn die Fensterriegel einen Sicherungsknopf haben, der verhindert, dass sie von außen hochgeschoben werden.

Wohnmobil-Fenster
T. Großhans
Vorgehängte Fenster: Verschlussriegel und Aufsteller machen das Fenster komplett.

Acrylglasfenster besonders witterungs- und alterungsbeständig

Gegossenes Acrylglas hat eine höhere Temperaturbeständigkeit, jedoch etwas größere Toleranzen in der Schichtdicke. In eine Form gepresstes Acryl ist dünner und hat eine etwas höhere optische Qualität. Mit rund 1,2 Gramm pro Kubikzentimeter ist Acrylglas unabhängig von der Produktionsmethode nur halb so schwer wie Mineralglas und ab 100 Grad leicht verformbar. Es ist sehr witterungs- und alterungsbeständig. Außerdem ist Acrylglas unempfindlich gegen Benzin und Öl. Trotz 92 Prozent Lichtdurchlässigkeit filtert es UV- und Infrarotlicht bis 2800 Nanometer (nm) und blockt dieses bis zu 25 000 Nm Wellenlänge. 

Für den Einsatz in Wohnwagen werden die Acrylglasscheiben in der Regel getönt und im Siebdruckverfahren mit Dekoren sowie Herstellerlogos bedruckt. Die Tönungen haben jedoch nicht nur optische Gründe: So hat eine hellgraue Tönung noch eine Lichtdurchlässigkeit von 75 Prozent, Dunkelgrau 35 Prozent und Schwarz von nur noch acht Prozent. Klarglas ohne Pigmentierung dagegen ist nicht gebräuchlich. Ein Nachteil von Acrylglas ist seine Kratzempfindlichkeit. Außerdem wird es von Alkohol, Aceton und Benzol angegriffen. Kommt es damit in Berührung, können Korrosionsspannungsrisse auftreten. Hilft gar nichts mehr, können Fenster auch leicht ausgetauscht werden. Dazu lesen Sie hier mehr.

Isolationswerte seit vielen Jahren unverändert

Den ersten ausführlichen Test von Acrylglasfenster führte die CARAVANING-Schwesterzeitschrift promobil 2002 in Schweden durch. Überprüft wurden damals vier Rahmen- und zwei vorgehängte Fenster. Die ermittelten Isolationswerte gelten auch heute noch als Richtwerte. Erstaunlich war und ist, dass die Ergebnisse nicht nur von der Fensterbauart abhängen, sondern auch von der Machart der Rollos. So erreichte das damals neueste Rahmenfenster zwar den besten K-Wert, doch nicht viel schlechter schloss ein vorgehängtes Fenster ab, das mit einem guten Rollo ausgestattet war.

Fakt ist: Der thermisch abgekoppelte Rahmen verbessert die Dämmeigenschaften der Scheibe. 

Fensterkunde
Ingolf Pompe
Vorgehängte Fenster sind so formbar, dass sie Caravans ein individuelles Gesicht geben können.

Ein Vorteil vorgehängter Fenster ist die fast grenzenlose Gestaltungsmöglichkeit. Dies gilt nicht nur für den äußeren Umriss der Scheibe, sondern auch für deren Wölbung. Doch unabhängig von der Scheibenform ist der Fensterausschnitt in der Wohnwagenwand üblicherweise rechteckig. Eine Ausnahme bilden die ulkigen, meist nur in Campingbussen zu findenden Bullaugen, die es in starrer und schließbarer Ausführung gibt. Rahmenfenster sind ausschließlich rechteckig realisierbar. Zudem ist der Einbauaufwand etwas höher. 

Überblick: Vorgehängte Fenster und ihre Vor- und Nachteile

Diese Fensterart ist nichts anderes als ein durchsichtiger Deckel, der den Wandausschnitt verschließt. In der Regel handelt es sich um zwei Acrylglasplatten, die in Form gebracht und an den Rändern miteinander verschweißt wurden. Zwei ineinander verhakte Aluprofilleisten dienen als Scharnierband. Die eine Leiste wird an die Seitenwand geschraubt, die andere an der Doppelscheibe befestigt. Eine umlaufende Gummileiste verdeckt die Ausschnittkante der Wandplatte und dient gleichzeitig zur Abdichtung der geschlossenen Scheibe. Verschlussriegel und Aufsteller machen das Fenster komplett. Diese einfach aufgebauten Kunststofffenster werden bei Wohnwagen bis in die Mittelklasse eingesetzt. Vorgehängte Fenster gibt es in vielen unterschiedlichen Formen.

 Einfache und günstige Konstruktion. Frei formbare Scheiben möglich. 
 Reparaturfreundlicher und leichter Aufbau. 
 Eine größere Fläche bei gleicher Scheibengröße. 
 Weniger robust als Rahmenfenster und weniger einbruchhemmend. 
 Für den Wandausschnitt sind Verstärkungen aus Holz notwendig.

Überblick: Rahmenfenster und ihre Vor- und Nachteile

Fensterkunde
Archiv, Timo Großhans, Hersteller
Der Rahmen ist das wesentliche Kennzeichen dieses Fenstertyps. Er kann aus Polyurethan (PU) oder Aluminium bestehen.

Der Rahmen ist das wesentliche Kennzeichen dieses Fenstertyps. Er kann aus Polyurethan (PU) oder Aluminium bestehen. Genau genommen besteht der Rahmen meist aus zwei Teilen. Bei der Montage werden Außen- und Innenrahmen miteinander verschraubt und klemmen dabei die Ränder der Wand formschlüssig ein. Vor allem bei Alurahmenfenstern trägt der Außenrahmen teils so wenig auf, dass insbesondere ausgebaute Kastenwagen von außen kaum als Camper erkennbar sind. Da Scheibe und Rahmen eine Einheit bilden, ist die Passgenauigkeit größer und Einbruchsversuche werden zumindest etwas erschwert.

 Solide und thermisch gut entkoppelte Konstruktion. Etwas besserer Einbruchsschutz.
 Plane, wenig auftragende Optik.
 Wegen des Rahmens keine weitere Verstärkung des Fensterausschnitts nötig.
 Höheres Gewicht und höhere Kosten als vorgehängte Fenster.
 Nur rechteckige Formen realisierbar.
 Größerer Einbauaufwand.

Rollos zum Abdunkeln und als Sonnenschutz

Fast jedes Fenster hat ein Gegenstück. Man spricht von Rollos oder Jalousien, die für Verdunklung, Sonnenschutz und/oder für Insektenschutz sorgen. Die einfachste und günstigste Form ist das Springrollo, das an zwei Punkten über dem Fenster aufgehängt und nach unten gezogen wird. Beim Rast- oder Kombirollo bewegen sich Verdunklungsfolie und Mückengaze in zwei nach unten offenen Schienen hintereinander. Das Kassettenrollo hat eine Führung rundum. Bei hochwertigen Rollos lassen sich Sonnen- und Mückenschutz in der Mitte zusammenklicken und mit einer Hand bedienen. Je dichter das Rollo schließt, desto höher sind die Isoliereigenschaften. Es gibt auch gefaltete Jalousien, so genannte Plissees, teils doppelwandig, wobei Luftpolster die Isolierung verbessern.

Fazit

Es ist immer einfach, Tipps zu geben, wenn man die Kosten nicht tragen muss. Doch neben der Sicherheit und kleinen Vorteilen bei der Isolation finde ich Rahmenfenster einfach viel schöner. Sie tragen äußerlich wenig auf, passen zu den heute automotiv und edel gestalteten Caravans viel besser als die in die Jahre gekommenen vorgehängten Fenster.

Mehr zum Thema Basiswissen
Truma S
Ikea-Zubehör, Campingzubehör
Wie viel Zuladung braucht man wirklich?