Praxistest in Kühtai, Österreich, Passhöhe

Hier oben auf 2000 Meter ist es steil und kalt genug, um den Biss der elf Ketten zu testen. Auf der Eisbahn, einer tief in den Schnee gefrästen und mit Hunderten Kubikmetern Wasser vereisten Rinne, geht’s aufs Ganze: Langsam anrollen, dann Vollgas und los! ASR? Nein danke! Ketten brauchen Radschlupf. Ein Regelsystem wirkt angesichts des auf Fräswirkung basierenden Arbeitsprinzips von Ketten kontraproduktiv. Grobgliedrige Ketten sind beim Beschleunigen wie beim Bremsen offensichtlich im Vorteil. Und so besetzen beide Ottinger und die bissige RUDmatic Star Track die Spitzenplätze. Der Winterreifen, der als Referenz mitläuft, fällt hier weit zurück.

Weiter geht’s auf Schnee

In knapp sechs Sekunden kämpft sich der VW Passat auf griffigen Pirelli Snowcontrol Winterreifen durch den lockeren Neuschnee auf Tempo 50. Sind Ketten montiert und das ASR ausgeschaltet, kommt Dynamik ins Spiel: Mit 4,0 Sekunden setzt die RUD Star Track hier Maßstäbe, nur einen Lidschlag dahinter kommen Filmer, die Thule CB 12 und die beiden Ottinger ins Ziel. Keine Klagen gibt es beim ABS-Bremsen auf Schnee. Das Gros des Feldes steht sicher nach 26 Metern, nur die bisher so überzeugende RUDmatic Star Track schwächelt in dieser Disziplin.

Auf harter Schneepiste wird das Abrollverhalten der Ketten bis Tempo 60 bewertet. Etwas rauer laufen die grobgliedrigen Ketten von Filmer, Thule, Cartrend und Ottinger. Beide Ottinger schlugen zudem, trotz mehrfachem Nachspannen, ab 55 km/h, die Thule CL10 sogar schon ab 48 km/h gegen den Innenkotflügel. Das gibt Punktabzug. Recht angenehm rollt die RUDmatic Star Track ab.

Wie halten die Schneeketten auf Asphalt?

Die Verschleißfestigkeit der Ketten wird auf einer abgesperrten Asphaltstrecke geprüft. 50 Kilometer mit höchstens Tempo 50 bringen den Stahl an seine Grenzen. Entscheidend für die Haltbarkeit ist dabei nicht nur die Stärke des Materials und die Stahlqualität, sondern auch die Geometrie der Kette. Während bei einfacheren Produkten Kettenglieder nahezu durchgescheuert sind und Greifstege teils vollständig fehlen, ist an Markenketten kaum Abrieb messbar. Dennoch gilt bei schneefreier Bahn: runter mit den Ketten. Jeder Meter auf Asphalt zerstört die rostschützende Zinkschicht. Ketten, Reifen und auch die Straße leiden.

Schneeketten-Tortur im Labor

Der 48-Stunden-Salzsprühnebeltest stellt den Korrosionschutz der Ketten auf eine harte Probe. Schon nach wenigen Stunden zeigen die ersten fabrikneuen Kettenstücke unterschiedliche Verfärbungen, die schützende Zinkschicht opfert sich für den wertvollen, zugfesten Stahl darunter. Die Unterschiede sind gravierend: Während nach zwei Tagen und zwei Nächten Dauer-Salzwasserdusche etliche Kettenstücke noch unbeeindruckt blank aussehen, sind andere längst braun vor Rost. Die teureren Markenprodukte von Pewag, RUD und Thule liegen hier vor den meist preisgünstigeren Mitbewerbern.

Wie belastbar sind die Ketten? Hält das Kettennetz, etwa beim plötzlichen Einhaken des durchdrehenden Rades am festen Untergrund? Die Zerreißprobe bringt es an den Tag: Jeweils zwei Spurkreuze einer Kette werden nacheinander hydraulisch bis zum Bruch gedehnt, die Zugkräfte permanent erfasst. Die Norm (Mindestzugfestigkeit 4 kN) wird von den meisten Ketten deutlich übertroffen, lediglich die günstige Alpin lag mit einer Probe unter dem geforderten Wert.

Welche Schneekette ist die beste?

In Sachen Traktion, Laufruhe und Haltbarkeit liegt klar die neue, aber teure RUD Star Track vorne. Wer den Komfort einer selbstnachspannenden Kette schätzt, findet in der Pewag Servo viel Montagekomfort und gute Performance zum fairen Preis. Ihr folgen, robust und traktionsstark, die Ketten von Ottinger, deren ungenügender Rostschutz eine bessere Platzierung verhindert.

Die beste Kette ist aber die, die im entscheidenden Moment zur Hand ist. Da sollten rund 30 Euro für eine zwar einfache und etwas rostanfällige, aber mechanisch durchaus empfehlenswerte Cartrend Polar Safety oder eine Filmer Super Gripp letztlich nicht zuviel sein.

So testet CARAVANING

Bei den Fahrdynamiktests wie etwa den Brems- und Beschleunigungsversuchen mit Schneeketten setzt CARAVANING auf robuste Mikrowellen-Messtechnik von Datron und Peiseler. Die Unabhängigkeit von GPS-Satelliten sichert auch in engen Bergtälern und bei extrem schlechten Witterungbedingungen zuverlässige Ergebnisse. Dynamikmessungen wurden grundsätzlich mehrfach durchgeführt, veröffentlicht werden die Mittelwerte.

Für Zug- und Korrosionstests stellte Kettenhersteller RUD in Aalen Prüfstand und Salzsprühnebelkammer zur Verfügung. Die Versuche auf Schnee und Eis wurden mit freundlicher Unterstützung von Gemeindeverwaltung und Freiwilliger Feuerwehr Kühtai (Österreich) durchgeführt. Herzlichen Dank für die Überlassung und Präparation der Strecken.

Auf der nächsten Seite: Tipps, wie Sie richtig mit Schneeketten fahren.

Übersicht: Schneeketten im Test
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