09/2019, Tesla Model X mit Dethleffs Caravan Christian Becker
Fahrbericht Mercedes EQC 400
Audi e-tron 55 Quattro, Exterieur
Jaguar I-Pace, Exterieur
VW Passat GTE, Aktuelles, ams1419 20 Bilder

Gespann mit Elektroautos und Plugin-Hybride

Welche E-Autos als Zugfahrzeuge für Wohnwagen taugen

Caravan-Fahrer greifen besser zum Plugin-Hybriden als zum Elektroauto. Aber auch bei den reinen Stromern wächst das Angebot abseits des Tesla Model S – dank Audi und Mercedes.

Der E-Mobilität zugeneigte Caravan-Freunde mussten bisher nicht lange überlegen, welches Elektroauto für sie infrage kommt: Das Tesla Model X, das als einziges E-Modell eine serienmäßige Anhängerkupplung mit einer Anhängelast von 2.250 Kilogramm kombiniert. Dass sich konzeptbedingt Vor- und Nachteile die Waage halten, zeigte sich bereits in unserem Zugwagen-Test.

Audi E-Tron und Mercedes EQC als Alternative

Aber aller Abstriche zum Trotz: Der Tesla ist allein dadurch fortschrittlich, indem er überhaupt Wohnanhänger an den Haken nehmen kann. Das hatte er lange allen anderen in Deutschland angebotenen Elektroautos voraus. Selbst jenen recht üppig dimensionierten vom Schlage eines Hyundai Kona und Ioniq oder Kia Niro beziehungsweise Soul. Keine Kupplung am Heck, keine Anhängelast: Deren eh schon überschaubare Reichweite soll durch's Trailer-Ziehen nicht noch extra in Grenzbereiche getrieben werden.

Audi E-Tron Mercedes EQC Elektro SUV Vergleich 2019
Hersteller / ams
Die rein elektrischen Zugfahrzeug-Alternativen zum Tesla Model X: Mercedes EQC (links) und Audi E-Tron.

Mit den neuen SUVs von Audi und Mercedes haben Caravan-Fahrer nun eine etwas größere Auswahl an rein elektrisch betriebenen Zugfahrzeugen. Beide Modelle ziehen bis zu 1.800 Kilogramm weg. Das ist zwar fast eine halbe Tonne weniger als beim Tesla Model X, reicht aber für viele Wohnwagen. Doch mit Einstiegspreisen von 71.281 Euro (Mercedes EQC 400 4Matic), 80.900 Euro (Audi E-Tron 55 Quattro) oder 91.700 Euro (Tesla Model X Long Range) siedeln sich die einzigen Caravan-fähigen Elektroautos im Hochpreis-Segment an. Eher keine Option ist der Jaguar I-Pace, der bis zu 750 Kilogramm (ungebremst) an den Haken nimmt. Eher schon der Polestar 2 mit gebremsten 1.500 Kilogramm.

Die Plugin-Alternativen der oberen Mittelklasse

Als Alternative bieten sich Plugin-Hybride an. Zum Beispiel der VW Passat GTE mit einer Anhängelast von 1.900 Kilogramm, der unter allen Teilzeit-Stromern mit einem sehr ordentlichen Preis-Zugkraft-Verhältnis aufwartet. Deutlich teurer, aber mit einer noch größeren Anhängelast gesegnet, sind der Audi A7 55 TFSI e mit 2.000 Kilogramm sowie der Volvo V90 T8 Twin Engine und die Mercedes-Plugin-Hybride E 300 e (Benziner) und E 300 de (Diesel) mit jeweils 2.100 Kilogramm.

Die Vorbilder unter den alternativ angetriebenen Autos sind aber die großen Plugin-SUVs. So liegen der Volvo XC90 T8 Twin Engine (2.400 Kilogramm), alle P400e-Varianten des Range Rovers sowie der Ford Explorer PHEV (jeweils 2.500 Kilogramm) ziemlich weit vorne.

Noch besser ist der BMW X5 xDrive45e (2.700 Kilogramm), aber der Respektsabstand zu den Spitzenreitern in dieser Wertung ist enorm: Die E-Hybride des Porsche Cayenne und der neue Mercedes GLE 350 de schleppen mit ihrem bulligen Drehmoment sogar 3,5 Tonnen schwere Wohnanhänger weg. Sie kosten aber auch entsprechende Preise.

Porsche Cayenne E Hybrid 2018
Porsche
Mit bis zu 3,5 Tonnen vorbildlich in Sachen Anhängelast: Porsche Cayenne E-Hybrid.

Die Zugkraft-Enttäuschungen

Aber auch bei den extern aufladbaren Hybriden gibt es Modelle, die sich gar nicht oder nur bedingt als Zugfahrzeuge eignen. Einige ausgewachsene SUVs wie der Ford Kuga PHEV und DS 7 Crossback E-Tense ziehen gerade einmal 1.200 Kilogramm weg, der Mitsubishi Outlander PHEV kommt auf maximal 1.500 Kilogramm Anhängelast. In dieser Hinsicht enttäuschen auch die BMW-Modelle 330e, 530e und X1 xDrive25e, deren Anhängelast von höchstens 750 Kilogramm sich eher für Fahrradträger als für Anhänger eignet. Zum Vergleich: Die neue Plugin-Hybridversion der kleinen Mercedes A-Klasse (A 250 e) nimmt bis zu 1.600 Kilogramm an den Haken.

Aber auch bei den Plugin-Hybriden ist die Liste jener Autos, die null Kilogramm als Anhängelast ausweisen, unerfreulich lang. Um ausgewachsene Fahrzeuge wie die Stecker-Versionen des BMW 2ers, der Mercedes S-Klasse oder des Porsche Panamera können Caravan-Freunde einen weiten Bogen machen.

Die zugstärksten Elektro- und Hybridautos

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Caravaning
Übersicht: Die zugstärksten Elektro- und Hybridautos

Förderung und Steuervorteile

Die Subventionen für die meisten Elektroautos sowie Pkw mit Brennstoffzelle betragen 4000 Euro, Plug-in-Hybride werden mit 3000 Euro gefördert. Die Prämie, die es nur bei Kauf und Leasing von Autos gibt, die einen Netto-Listenpreis von unter 60.000 Euro haben, gilt bis Ende des Jahres 2020. Die Hälfte des Betrags übernehmen die Autohersteller. Gedeckelt ist der Fördertopf bei einer Gesamtsumme von 1,2 Milliarden Euro. Beantragen können die Förderung Privatpersonen, Unternehmen, Stiftungen und Vereine.

Auch steuerlich werden Elektroautos gefördert: Für rein batterieelektrische Fahrzeuge, die bis zum 31.12.2020 erstmals zugelassen werden, wird zehn Jahre lang keine Kfz-Steuer fällig. Hybridfahrzeuge profitieren nicht von diesem Steuervorteil. Für Dienstwagen gilt ein weiteres Privileg: E- und Plug-in- Hybridfahrzeuge werden pauschal mit 0,5 statt einem Prozent des Listenpreises versteuert. Und auch das Laden des Elektroautos beim Arbeitgeber muss nicht als geldwerter Vorteil versteuert werden.

Nachgefragt

... bei Dirk Gulde, Redakteur von AUTO, MOTOR und SPORT und Spezialist für alternative Antriebe

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Dirk Gulde, Redakteur von AUTO, MOTOR und SPORT.

Dirk, was ist eigentlich ein Hybrid-Auto?

Ein Hybrid ist ein Fahrzeug, das zwei verschiedene Antriebsquellen hat: Meistens einen Benzin-Verbrennungsmotor, seit neuestem auch mit Diesel, und noch einen Elektromotor.

Was bringt ein Hybrid-Antrieb generell?

Jeder der beiden Antriebe hat spezielle Vor- und Nachteile. Beispielsweise kann ein Elektroauto lokal emissionsfrei fahren, der Verbrennungsmotor wiederum kann sehr schnell seine Energie nachtanken und dann lange Strecken zurücklegen. Den Nachteil des Verbrennungsmotors, Bewegungsenergie beim Bremsen nur in Hitze statt in Energie umzuwandeln, kompensiert der Elektromotor, indem er zum Generator wird und Strom in die Batterie zurückspeist, der dann wiederum dem Anrieb zur Verfügung steht.

Wie weit kommt ein Plug-in-Hybrid rein elektrisch?

Inzwischen sind die Batterien auf über zehn Kilowattstunden gewachsen, das heißt, die Autos kommen so 40 bis 50 Kilometer weit. Die ganz neuen wollen sogar 60 bis 70 Kilometer schaffen.

Auch mit Caravan?

Mit Gewicht im Schlepp sinkt die elektrische Reichweite natürlich dramatisch – falls der Elektromotor das Zusatzgewicht überhaut alleine vom Fleck bekommt. Auf jeden Fall schießt der E-Antrieb dem Benzin- oder Dieselmotor noch ein wenig Power zu, was nie schadet. Bergab kommt durch den schiebenden Caravan natürlich wieder eine ordentliche Portion Strom in die Batterie.

Um wie viel sparsamer ist ein Plug-in-Hybrid im Vergleich zu einem Verbrenner?

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Plug-in-Hybride lohnen sich nicht immer.

Wenn ich nie Strom nachtanke, liegt der Verbrauch so 10 bis 15 Prozent unter dem des konventionellen Verbrenners. Lade ich den Plug-in jedoch nie an der Steckdose, macht er keinen Sinn. Plug-in-Hybride lohnen sich vor allem für Leute, die ihren Arbeitsweg vollelektrisch bewältigen, nachts oder am Arbeitsplatz laden können und erst auf Langstrecke und Urlaubstour den Verbrenner nutzen.

Wenn sich ein Caravaner für einen Plug-in entscheidet – was ist besser: Diesel- oder Benzin-Hybrid?

Ganz klar der Diesel-Hybrid. Denn wenn der Elektromotor aufgrund leerer Akkus keinen oder nur noch wenig zum Antrieb beisteuert, arbeitet ein Diesel unter hoher Last bekanntermaßen noch immer sparsamer als ein Benziner. Aktuell hat aber nur Mercedes Diesel-Plug-in-Hybride im Angebot, günstige Alternativen fehlen, auch weil der Diesel mit seiner aufwendigeren Abgasreinigung die Preise in die Höhe treibt.

Fazit

Wer ein Zugfahrzeug mit elektrifiziertem Antrieb sucht, muss noch gewissenhafter vergleichen als ohnehin schon. Nicht unbedingt bei den reinen Elektroautos: Hier ist das derzeitige Angebot mit gerade einmal drei großen und entsprechend teuren SUVs sehr überschaubar. Anders bei den Plugin-Hybriden: Hier können sich selbst ausgewachsene Vertreter als Enttäuschung in Sachen Anhängelast entpuppen.

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